Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?31605

Flaggenverbot für "abtrünnige Provinz"?

Taiwan-Frage: China übt offenbar Druck auf Organisatoren der Gay Games aus

Das kommunistische China will offenbar verhindern, dass die Flagge Taiwans im kommenden Monat bei den Gay Games in Paris gezeigt wird.


Taiwans Flagge wird auch ein Politikum bei den Gay Games (Bild: Maya-Anaïs Yataghène / flickr)

  • 24. Juli 2018, 14:09h
    , noch kein Kommentar
    Taipeh

LGBTI-Aktivisten in Taiwan haben am Montag die Volksrepublik China beschuldigt, Druck auf die Organisatoren der Gay Games auszuüben, damit diese das Zeigen der taiwanischen Flagge verbieten. China betrachtet Taiwan nicht als eigenständigen Staat, sondern als "abtrünnige Provinz".

Aus diesem Grund dürfen taiwanische Teilnehmer anderer Sportevents, etwa bei den Olympischen Spielen, nicht mit ihrer Nationalfahne teilnehmen – auch die Erwähnung des Landesnamens ist verboten, vielmehr wird das Team meist als "Chinese Taipei" bezeichnet – Taipei (Deutsch: Taipeh) ist die Hauptstadt der 24 Millionen Einwohner zählenden Republik.

Bei den diesjährigen Gay Games sollten die Taiwaner offenbar unter ihrem eigenen Namen antreten, seien aber erst vergangene Woche von der Federation of Gay Games (FGG) darüber informiert worden, dass die französische Regierung ihre Sorge um das Zeigen der Taiwan-Fahne ausgedrückt habe. "Unsere logische Schlussfolgerung ist, dass China bei der französischen Regierung protestiert hat, sonst wäre das nicht passiert", erklärte Yang Chih-chun, der Chef des schwul-lesbischen Sportverbandes Taiwans gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Man debattiere derzeit auch mit der FGG darüber, ob das Land als "Taiwan" gelistet werden darf. "Wir hoffen, dass die FGG dem Druck standhalten kann", so Yang. Der internationale schwul-lesbische Sportverband hat sich zu dem Konflikt bislang nicht geäußert. Der Sportaktivist kündigte jedoch bereits Widerstand gegen mögliche Sanktionen der FGG an: "Wir werden bis zum letzten Augenblick kämpfen, damit unsere nationale Fahne bei den Gay Games gezeigt werden darf."

Gay-Games-Homepage erwähnt Taiwan nicht

Insgesamt würden sich nach Yangs Angaben zufolge 28 Athleten aus Taiwan auf den Weg nach Paris machen. Die 10. Gay Games finden dort vom 4. bis zum 11. August statt, es werden 15.000 Teilnehmer erwartet. Auf der offiziellen Team-Homepage von paris2018.com sind bislang nur 18 Sportler aus "Chinese Taipei" eingetragen. Der Name "Taiwan" taucht nicht auf.


Auszug aus der Website paris2018.com: Das Wort "Taiwan" wird darin nicht erwähnt

Die Interesse an den Gay Games dürfte bei der chinesischen Regierung gestiegen sein, weil die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong als Austragungsort der LGBTI-Olympiade im Jahr 2022 bestimmt worden ist (queer.de berichtete). Außerdem haben sich die Beziehungen zwischen der Volksrepublik und Taiwan verschlechtert, seitdem die taiwanische Politikerin Tsai Ing-wen 2016 das Präsidentschaftsamt übernommen hatte – sie spricht sich dafür aus, die Unabhängigkeit Taiwans in der Verfassung zu verankern, was von China rigoros abgelehnt wird. (dk)