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Amsterdam

Welt-Aids-Konferenz: PrEP und HIV-Therapie sind "neue Ära der HIV-Prävention"

Die Präventionspille PrEP und "Schutz durch Therapie" revolutionieren die HIV-Prävention. Neue Studien machen große Hoffnung auf einen Sieg über HIV.


Die Welt-Aids-Konferenz ist die größte Konferenz zum Thema HIV und findet alle zwei Jahre statt (Bild: Twitter / @AIDS_conference)

Bei der Welt-Aids-Konferenz in Amsterdam haben Wissenschaftler am Dienstag neue Studien vorgestellt, die die Wirksamkeit der Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) und die Schutzwirkung von HIV-Therapien bestätigen.

"Das ist eine neue Ära der HIV-Prävention", fasste die Vorsitzende der Konferenz, die Südafrikanerin Linda-Gail Bekker, die Ergebnisse zusammen. Die PrEP-Pillen sowie die schnelle Einleitung einer HIV-Therapie bei positiven Personen sind zwei ergänzende Maßnahmen zur traditionellen Prävention, in der für die Kondomnutzung geworben wird.

Vielversprechende Ergebnisse lieferte etwa die PARTNER2-Studie, an der rund 1.000 "serodiskordante" schwule Paare aus 14 Staaten Europas teilgenommen haben ("serodiskordant" bedeutet, dass ein Partner HIV-negativ, der andere positiv ist). Alle positiven Partner waren in Behandlung, so dass ihre Viruslast im kaum messbaren Bereich lag. Insgesamt hätten diese Paare 77.000 mal Sex ohne Kondom gehabt, ohne dass es zu einer einzigen Ansteckung gekommen sei. Damit sei bewiesen, dass eine wirksame Behandlung von HIV-Positiven das Risiko einer Infektion auf praktisch Null senke.

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"PReP auf Nachfrage"

Zudem zeigte eine französische Studie erneut die Wirksamkeit der Präventionspille PrEP: An der Studie mit dem Namen "Prévenir" (Prävention) nahmen zirka 1.600 Männer aus Paris teil – mit ihr wurde "On Demand PrEP" getestet. Die schwulen und bisexuellen Probanden nahmen zwei bis 24 Stunden vor einer geplanten sexuellen Begegnung eine Pille ein und erneut 24 und 48 Stunden danach. In dem einjährigen Test steckte sich kein einziger Mann mit HIV an.

Allerdings gab eine Studie mit Transfrauen Hinweise darauf, dass eine Therapie mit weiblichen Hormonen die Wirksamkeit von PrEP schwächen könnte. An der iFACT-Studie nahmen allerdings nur 20 Transfrauen aus Thailand teil.

Im Vorfeld der Aids-Konferenz hatte bereits Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angekündigt, dass die PrEP in Deutschland für Personen mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko eine Kassenleistung werden soll (queer.de berichtete). Hier geht es speziell um die "reguläre" PrEP, bei der eine tägliche Einnahme und eine ausführliche ärztliche Begleitung vorgesehen sind.

Die Welt-Aids-Konferenz steht unter dem Motto "Breaking Barriers, Building Bridges". Sie wird noch bis Freitag im Amsterdamer Kongresszentrum RAI stattfinden. (dk)



#1 AuntieBioticEhemaliges Profil
#2 JasperAnonym
  • 25.07.2018, 14:46h
  • Wie lange dauert es wohl, bis diese Erkenntnis bei der "Magdeburger Volksstimme" angekommen ist? Dort hält man Schutz vor Krankheiten ja immer noch für "Klientelpolitik", die nicht Aufgabe eines Gesundheitsministers sei...
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#3 Rosa SoliAnonym
  • 25.07.2018, 15:16h
  • Antwort auf #1 von AuntieBiotic
  • Klasse! Jetzt wird auch immer mehr unterlegt, dass selbst die anlassbezogene PrEP wirksam ist. Das ist eine tolle Nachricht.

    Und jetzt bitte wieder alle PrEP-Kritker mit ihren faktenresistenten Argumenten: 3-2-1-los!
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#4 CuriousAnonym
  • 25.07.2018, 15:22h
  • Antwort auf #1 von AuntieBiotic
  • Die Anlassbezogene PrEP finde ich eine sehr interessante Variante. Danke für die Infos dazu.

    Aus dem Link: "In Deutschland ist nur die PrEP für die tägliche Einnahme zugelassen, nur dafür bekommt man ein Privatrezept."
    Das finde ich wirklich schade. Gerade diese Anlassbezogene Einnahme ist doch ein weiterer wichtiger Schritt um die Verbreitung von HIV einzudämmen.
    Viele haben nicht oft Sex bzw Sex ohne Kondom. Da ist die "on demand" Einnahme wirklich klasse.
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#5 AuntieBioticEhemaliges Profil
  • 25.07.2018, 15:33h
  • Antwort auf #4 von Curious
  • Ich hoffe mal, dass man da auf das Vertrauensverhältnis zu seine_r Ärzt_in bauen können sollte. Wenn ein Patient plausibel machen kann, dass er die PrEP z.B. vielleicht nur zweimal im Monat (um jetzt mal IRGENDEINE Zahl zu nennen) tatsächlich benötigt - wäre es nicht unsinnig, wenn ihn der_die Ärzt_in dann dazu zwingen würde, sie täglich einzunehmen?

    Ich würde das "Patient auf Augenhöhe" nennen. Ich weiß: nicht sehr verbreitet, diese Einstellung - aber gottseidank gibt es sie. Ich selbst habe g***seidank einige Ärzt_innen gefunden, mit denen ich auf Augenhöhe agieren kann, und zwar völlig unabhängig von der konkreten Thematik oder Krankheit.

    So sollte es eigentlich ganz generell sein. Ärzt_innen waren nie und sind schon längst nicht mehr die "Götter in Weiß".
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#6 Alexander_FAnonym
  • 25.07.2018, 18:13h
  • Bei all den schlimmen Neuigkeiten derzeit ist es doch mal schön, von solch bahnbrechenden Fortschritten zu erfahren. Wer die AIDS-Krise der 80er miterlebt hat, wird ja kaum glauben können, dass das wirklich wahr ist.
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#7 AllesNurPlunderAnonym
  • 26.07.2018, 04:08h
  • Das ist eine sehr überzeugende Studie, die in der entsprechenden Weise in die Aufklärung fließen muss, damit das "safer-sex" Verständnis erweitert wird und die zum Teil immer noch überzogenen Ängste bei vielen HIV-Negativen, ohne aufgeklärte Grundlagen, abgebaut werden.

    Wir kommen nicht mit kondom auf die Welt und es wird sicherlich nicht das Ende von guten Nachrichten dazu sein. Lässt euch überraschen
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#8 fun_sportAnonym
  • 26.07.2018, 07:29h
  • Antwort auf #4 von Curious
  • Sprich einfach einen Arzt, der sich mit HIV Therapie auskennt, darauf an. Ich hab von 2014 bis 2017 anlassbezogene PrEP gemacht. Vieles geht. Das nennt sich Off Label Anwendung.
    Schreib mir bei Fragen gern bei Romeo unter dem Nick fun_sport
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#9 DominikAnonym
  • 26.07.2018, 08:35h
  • "Zudem zeigte eine französische Studie erneut die Wirksamkeit der Präventionspille PrEP: An der Studie mit dem Namen "Prévenir" (Prävention) nahmen zirka 1.600 Männer aus Paris teil mit ihr wurde "On Demand PrEP" getestet. Die schwulen und bisexuellen Probanden nahmen zwei bis 24 Stunden vor einer geplanten sexuellen Begegnung eine Pille ein und erneut 24 und 48 Stunden danach. In dem einjährigen Test steckte sich kein einziger Mann mit HIV an."

    - Ethisch gesehen ist das aber ein höchst fragwürdiges Experiment. Um die tatsächliche Wirksamkeit herauszufinden, hätten die Probanden auch Sex mit reichlich HIV+ haben müssen, denn wenn de facto immer oder fast immer nur zwei HIV- miteinander verkehren, passiert ja nichts. Doch gesunde Probanden bewusst einem solchen Risiko auszusetzen, nur um zu sehen, ob eine Übertragung passiert oder nicht, halte ich für ethisch fragwürdig. Meine Meinung.

    Nichtsdestotrotz soll PrEP + Therapie ja eine sehr sichere Methode sein, um eine HIV-Infektion zu vermeiden. Ich will da wirklich nichts falsches erzählen. Mit der Einnahme darf man aber nicht schludern. Über evtl. Nierenschäden (wenn auch nur geringfügige) durch ein Dauer-Medikament über viele Jahre sollte man sich im klaren sein. Und auch darüber, dass es kein weiterer Schutz vor anderen Geschlechtskrankheiten ist, sondern sich auf HIV beschränkt.
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#10 Rosa SoliAnonym
  • 26.07.2018, 09:46h
  • Antwort auf #9 von Dominik
  • Ich würde vermuten, dass man Probanden gesucht hat, die kondomlosen Sex mit wechselnden Partnern bevorzugen und sonst in diesem Jahr völlig ohne Schutz Analsex gemacht hätten.

    Wie will man die Wirksamkeit einer solchen Prophylaxe denn testen, wenn nicht unter realen Bedingungen?

    Das Risiko war dabei übrigens ziemlich überschaubar, denn hinter vorgehaltener Hand sagen Schwerpunktärzte schon seit langer Zeit, dass die PrEP auch anlassbezogen wirkt. Die Studienlage ist dazu bisher dünn, aber in der Praxis gibt es ja bereits seit Jahren schwule Männer, die anlassbezogen die PrEP nehmen und dabei negativ geblieben sind.

    Dein Hinweis, dass der Schutz nur für die HIV-Übertragung gilt, ist ja richtig. Aber dafür gibt es alle drei Monate einen gründlichen ärztlichen Check, um andere Geschlechtskrankheiten schnell zu entdecken und zu behandeln.

    Vermutlich gehören die PrEP-Nutzer (neben den positiven Menschen) künftig zur medizinisch best kontrollierten Bevölkerungsgruppe. Wer kriegt sonst alle drei Monate einen ärztlichen Check von Kopf bis Fuß inkl. Blutwerte? Das wird sich auch auf die frühzeitge Erkennung anderer Krankheiten, die mit Sex/HIV/STI nichts zu tun haben, positiv auswirken. Kaum einer wird medizinisch so gut betreut.

    Die von dir angedeuteten Nierenschäden werden regelmäßig überprüft. Wenn das Medikament die Nieren überfordert, dann setzt man es eben wieder ab. Man muss es ja nicht nehmen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Truvada ein Medikament ist, das seit vielen Jahren in der HIV-Therapie eingesetzt wird. Auch der langjährige Konsum ist gut untersucht.

    Und zu Deinem Hinweis, dass man mit der Einnahme nicht schludern darf, damit es auch wirkt: Ja, so ist das mit allen Prophylaxemitteln. Das Kondom wirkt auch nur dann, wenn man es richtig anwendet. Ich bin da aber ganz zuversichtlich. Wenn Mio. Frauen das mit der Anti-Babypille geregelt kriegen, warum sollten schwule Männer es mit der PrEP nicht hinbekommen?
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