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Interviews zum CSD

Kevin Kühnert: Bei meinem Coming-out war "schnell alles fein"

Der schwule Juso-Chef will jungen Queers Mut machen – und glaubt, dass Homosexualität auch in 30 Jahren noch ein Thema sein wird. Den AfD-Ausschluss vom Berliner CSD findet er richtig.


Kevin Kühnert, Jahrgang 1989, ist seit November 2017 Bundesvorsitzender der SPD-Nachwuchsorganisations Jusos (Bild: Martin Kraft (photo.martinkraft.com) via Wikimedia Commons)

Juso-Chef Kevin Kühnert hofft, dass sein öffentliches Coming-out anderen jungen Menschen den Schritt im eigenen Lebensumfeld leichter macht. "Ich selbst war so 15, 16 Jahre alt, als ich mein Coming-out hatte – die Situation hat sich gar nicht so tief in mein Gedächtnis eingraviert", sagte Kühnert der "Berliner Zeitung" (Samstagsausgabe, online noch nicht verfügbar). "Das liegt vermutlich daran, dass ich Glück hatte. Bei mir war ziemlich schnell alles fein. Das wünsche ich anderen auch", fügte er hinzu.

Der GroKo-Gegner geht nicht davon aus, dass es in 30 Jahren überhaupt keine Rolle mehr spielen wird, ob jemand schwul ist oder nicht. Dafür sei Sexualität viel zu sehr ein Thema, für das sich die Menschen immer interessieren. Auch würden kleinere Gruppen immer Gesprächsthema der Mehrheitsgesellschaft sein: "Linkshänder eher als Rechtshänder, Homosexuelle mehr als Heterosexuelle." Das sei ja auch nicht weiter schlimm, sagte Kühnert: "Es geht einfach nur um die Selbstverständlichkeit, dass jeder so leben kann, wie er will und wie er ist."

Ihm es sei wichtig gewesen, "einfach offen und selbstverständlich darüber zu sprechen, dass ich schwul bin", sagte Kühnert. "Weil es noch immer viele junge Menschen gibt, für die das Coming-out schwierig ist. Mir haben einige 16-Jährige geschrieben, die sich bei mir für die Ermutigung bedankt haben." Wer in der Öffentlichkeit stehe, müsse sich zudem darauf einstellen, im Zweifel immer wieder nach einer Freundin gefragt zu werden.

"ich werde unterstützt darin, wie ich bin"

In einem weiteren Interview mit dem Videokanal "INFORMR" verteidigte Kevin Kühnert den Ausschluss der AfD vom Berliner Christopher Street Day. "Hier geht es nicht darum, dass die ganze Community in ihrer Breite auf die Straße geht, sondern das ist eine politische Veranstaltung von einem Verein, der eine klare Auffassung hat", so der Juso-Chef. "Solidarität bedeutet auch, solidarisch mit anderen Gruppen zu sein. Wir wollen nicht unsere Rechte auf Kosten anderer in der Gesellschaft."

Der CSD sei für ihn "keine hochemotionale Angelegenheit", sagte Kühnert, er gehe aber gerne hin. "Für viele Jüngere, die noch in ihrer Outing-Phase stecken oder noch davor sind, ist das ganz wichtig zu sehen: Es gibt einen Rückhalt in der Gesellschaft, ich werde unterstützt darin, wie ich bin."

Direktlink | Das Videoportal "INFORMR" auf ein Bier mit Kevin Kühnert

In einem Interview mit dem Berliner Stadtmagazin "Siegessäule" hatte der Bezirksverordnete in Tempelhof-Schöneberg und hauptamtliche Mitarbeiter einer Berliner SPD-Abgeordneten im März erstmals über seine Homosexualität gesprochen (queer.de berichtete). Darin hatte er das Coming-out von Klaus Wowereit als einen "Meilenstein" auch für ihn persönlich genannt. (epd/mize)



#1 schwarzerkater
  • 28.07.2018, 09:03h
  • da hat kevin kühnert vollkommen recht: auch noch in jahren wird das coming-out für viele jugendliche noch thema sein.
    und die rede von wowereit war nicht nur ein meilenstein für kevin kühnert, sein ausspruch hat sich auch ins kollektive deutsche gedächtnis eingebrannt. und das ist mehr als gut.
    deshalb beim csd auch IMMER an alle diejenigen denken, die in strukturen leben (müssen), in denen sie sich und ihre sexualität verstecken und unterdrücken müssen.
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#2 Patroklos
  • 28.07.2018, 10:01h
  • Mich wundert es, daß er immer noch Juso-Chef ist, denn seine Partei hat ja wieder der Bildung einer Großen Koalition zugestimmt und die Konsequenz wäre sein Rücktritt gewesen. Leider hat er diesen wichtigen Schritt versäumt.
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#3 michael008
  • 28.07.2018, 10:27h
  • Antwort auf #2 von Patroklos
  • Ach was.
    Das Gegenteil ist der Fall.
    Traditionell stehen Juso Vorsitzende in parteiinterner Opposition zu ihrer jeweiligen Führung.
    Wenn man jedes mal direkt das Handtuch wirft, wenn man eine Abstimmung verloren hat, braucht man gar nicht erst in die Politik zu gehen
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#4 ruedigerbAnonym
#5 TheDadProfil
  • 28.07.2018, 11:24hHannover
  • Antwort auf #2 von Patroklos
  • ""Mich wundert es, daß er immer noch Juso-Chef ist, denn seine Partei hat ja wieder der Bildung einer Großen Koalition zugestimmt und die Konsequenz wäre sein Rücktritt gewesen.""..

    Nöö..

    Kevin Kühnert hat in der Tradition gehandelt die schon einen gewissen Gerharg Schröder an die Partei-Spitze gebracht hat :

    Man steht zu seiner Kritik an der Partei-Linie und verändert die Partei dann in diesem Sinne..

    Wobei sich die Kritik von Kühnert konträr zu der Schröder-Linie bewegt..
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#6 daVinci6667
  • 28.07.2018, 14:17h
  • Der Vergleich mit den Linkshändern stimmt hier für mich nicht. Schreibt einer andersrum nimmt man das vielleicht kurz wahr, aber Thema ist es nicht, sondern es ist längst eine Selbstverständlichkeit das einige andersrum schreiben. Könnt ihr von allen euren Arbeitskollegen sicher sagen wer wie schreibt? Also ich nicht, weil es vollkommen irrelevant ist. Es ist vollkommen Wurst, Hauptsache man kann schreiben. Genauso sollte es in Zukunft mit sexuellen Orientierungen sein.
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#7 daVinci6667
  • 28.07.2018, 14:37h
  • Antwort auf #2 von Patroklos
  • Kevin Kühnert hatte hier vollkommen recht. Es war ein riesiger, bestimmt historischer Fehler diese erneute sogenannte grosse Koalition.

    Gross ist die nicht mehr sondern sie haben gerade mal noch die Mehrheit. Nach den nächsten Wahlen wird das nix mehr. Man braucht kein Hellseher zu sein um zu prophezeien dass beide ehemaligen Volksparteien nochmals wieder so massiv verlieren werden. Die SPD wird in dieser Regierung gar nicht mehr wahrgenommen und steht vollständig im Schatten einer vollkommenen zerstrittenen sich zerfleischenden Union die nie mehr zueinander finden wird.
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#8 AnanymAnonym
  • 28.07.2018, 15:13h
  • Antwort auf #6 von daVinci6667
  • Sicherlich ist das mit den Linkshändern nicht so ein tief sitzendes Thema wie die sexuelle Orientierung, das meint Kevin Kühnert ja auch nicht, es geht ihm um "Minderheiten".
    So ist es mir erst _einmal_ in einem Restaurant vor ein paar Jahren passiert, dass man mir das Besteck für Linkshänder korrekt hingelegt hat ... er hatte es gesehen weil ich mein Getränk von rechts nach links geräumt habe - ich war sehr überrascht.
    Mein Trackball wurde vor einiger Zeit an meiner Arbeit getauscht, es kam erst mal einer für Rechtshänder, jetzt habe ich wieder einen für beide, weil es keinen entsprechenden für Linkshänder gibt.
    Ich habe gerade aktuell bei einem großen Händler geschaut: Es gibt unter dem Filter "Ergonomie" 142 Mäuse/Trackballs für Rechts- und ganze 2 für Linkshänder.
    Ob man immer weiß welche*r Kolleg*in Rechts- oder Linkshänder*in ist. Weiß man denn immer welche*r Kolleg*in welche sexuelle Orientierung hat?
    Wenn man es weiß oder merkt bleibt es ein Thema - das ist aber nicht schlimm, solange der Umgang (der anderen bzw der Mehrheit) damit okay ist.
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#9 AuntieBiotic
  • 28.07.2018, 16:07h
  • Antwort auf #6 von daVinci6667
  • Mein Vater (1937-2017) wurde zu seiner Schulzeit gewaltsam vom Linkshänder zu einem Rechtsschreiber umerzogen. Mit Prügeln und allen Schikanen. Er hat Zeit seines Lebens sehr darunter gelitten, weil er dann tatsächlich nur mit der Hand schreiben konnte, mit der sein Gehirn eigentlich nicht schreiben wollte.

    Es steckt in den Deutschen, vielleicht ja in den Menschen generell, etwas tief drin, das sagt "Der ist anders, den müssen wir umerziehen, zurechtbiegen" - und wenn es zurechtschlagen ist. Nicht umsonst gibt es auch heute noch kein Verbot von "Homoheiler"-Therapien. Nicht umsonst wurden zur "Homoheilung" auch schon heftigste Elektroschocks angewandt.

    Es gibt also durchaus einen Zusammenhang zwischen Linkshändigkeit und Homosexualität. Beide sind im Menschen angelegt - beide wurden und werden von vielen Menschen nach wie vor nicht akzeptiert bzw. aktiv, teilweise sehr brutal, bekämpft. Und zwar nicht nur "damals" - sondern auch heute noch.

    Es ist noch lange nicht so weit, dass wir uns hier entspannt zurücklehnen können. Die Grundhaltung "Andersseiende müssen bekämpft werden" steckt dafür viel zu tief in den Köpfen.
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#10 Ralph
  • 28.07.2018, 16:33h
  • Dass ich die Maus mit der linken Hand führe, Türen mit der linken Hand öffne und Schalter mit der linken Hand bediene, ist auch nach Jahren den wenigsten Kollegen aufgefallen, und für diejenigen, die es mal bewusst wahrgenommen haben, ist es kein Thema. Dass ich schwul bin und mit einem Mann verheiratet, weiß hingegen das ganze Haus und regt die meisten zu betonter Akzeptanz an (ob immer echt, wer weiß?), einige aber auch zu ebenso betonter Distanz. Der Vergleich mag einen frommen Wunsch illustrieren, dass das eine irgendwann mal so bedeutungslos sein möge wie das andere. Das wird aber nie so sein.
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