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Interviews zum CSD

Kevin Kühnert: Bei meinem Coming-out war "schnell alles fein"

Der schwule Juso-Chef will jungen Queers Mut machen – und glaubt, dass Homosexualität auch in 30 Jahren noch ein Thema sein wird. Den AfD-Ausschluss vom Berliner CSD findet er richtig.


Kevin Kühnert, Jahrgang 1989, ist seit November 2017 Bundesvorsitzender der SPD-Nachwuchsorganisations Jusos (Bild: Martin Kraft (photo.martinkraft.com) via Wikimedia Commons)
  • 28. Juli 2018, 06:42h 14 3 Min.

Juso-Chef Kevin Kühnert hofft, dass sein öffentliches Coming-out anderen jungen Menschen den Schritt im eigenen Lebensumfeld leichter macht. "Ich selbst war so 15, 16 Jahre alt, als ich mein Coming-out hatte – die Situation hat sich gar nicht so tief in mein Gedächtnis eingraviert", sagte Kühnert der "Berliner Zeitung" (Samstagsausgabe, online noch nicht verfügbar). "Das liegt vermutlich daran, dass ich Glück hatte. Bei mir war ziemlich schnell alles fein. Das wünsche ich anderen auch", fügte er hinzu.

Der GroKo-Gegner geht nicht davon aus, dass es in 30 Jahren überhaupt keine Rolle mehr spielen wird, ob jemand schwul ist oder nicht. Dafür sei Sexualität viel zu sehr ein Thema, für das sich die Menschen immer interessieren. Auch würden kleinere Gruppen immer Gesprächsthema der Mehrheitsgesellschaft sein: "Linkshänder eher als Rechtshänder, Homosexuelle mehr als Heterosexuelle." Das sei ja auch nicht weiter schlimm, sagte Kühnert: "Es geht einfach nur um die Selbstverständlichkeit, dass jeder so leben kann, wie er will und wie er ist."

Ihm es sei wichtig gewesen, "einfach offen und selbstverständlich darüber zu sprechen, dass ich schwul bin", sagte Kühnert. "Weil es noch immer viele junge Menschen gibt, für die das Coming-out schwierig ist. Mir haben einige 16-Jährige geschrieben, die sich bei mir für die Ermutigung bedankt haben." Wer in der Öffentlichkeit stehe, müsse sich zudem darauf einstellen, im Zweifel immer wieder nach einer Freundin gefragt zu werden.

"ich werde unterstützt darin, wie ich bin"

In einem weiteren Interview mit dem Videokanal "INFORMR" verteidigte Kevin Kühnert den Ausschluss der AfD vom Berliner Christopher Street Day. "Hier geht es nicht darum, dass die ganze Community in ihrer Breite auf die Straße geht, sondern das ist eine politische Veranstaltung von einem Verein, der eine klare Auffassung hat", so der Juso-Chef. "Solidarität bedeutet auch, solidarisch mit anderen Gruppen zu sein. Wir wollen nicht unsere Rechte auf Kosten anderer in der Gesellschaft."

Der CSD sei für ihn "keine hochemotionale Angelegenheit", sagte Kühnert, er gehe aber gerne hin. "Für viele Jüngere, die noch in ihrer Outing-Phase stecken oder noch davor sind, ist das ganz wichtig zu sehen: Es gibt einen Rückhalt in der Gesellschaft, ich werde unterstützt darin, wie ich bin."

Direktlink | Das Videoportal "INFORMR" auf ein Bier mit Kevin Kühnert
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In einem Interview mit dem Berliner Stadtmagazin "Siegessäule" hatte der Bezirksverordnete in Tempelhof-Schöneberg und hauptamtliche Mitarbeiter einer Berliner SPD-Abgeordneten im März erstmals über seine Homosexualität gesprochen (queer.de berichtete). Darin hatte er das Coming-out von Klaus Wowereit als einen "Meilenstein" auch für ihn persönlich genannt. (epd/mize)

-w-

#1 schwarzerkaterEhemaliges Profil
  • 28.07.2018, 09:03h
  • da hat kevin kühnert vollkommen recht: auch noch in jahren wird das coming-out für viele jugendliche noch thema sein.
    und die rede von wowereit war nicht nur ein meilenstein für kevin kühnert, sein ausspruch hat sich auch ins kollektive deutsche gedächtnis eingebrannt. und das ist mehr als gut.
    deshalb beim csd auch IMMER an alle diejenigen denken, die in strukturen leben (müssen), in denen sie sich und ihre sexualität verstecken und unterdrücken müssen.
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#2 PatroklosEhemaliges Profil
  • 28.07.2018, 10:01h
  • Mich wundert es, daß er immer noch Juso-Chef ist, denn seine Partei hat ja wieder der Bildung einer Großen Koalition zugestimmt und die Konsequenz wäre sein Rücktritt gewesen. Leider hat er diesen wichtigen Schritt versäumt.
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#3 michael008
  • 28.07.2018, 10:27hDüsseldorf
  • Antwort auf #2 von Patroklos
  • Ach was.
    Das Gegenteil ist der Fall.
    Traditionell stehen Juso Vorsitzende in parteiinterner Opposition zu ihrer jeweiligen Führung.
    Wenn man jedes mal direkt das Handtuch wirft, wenn man eine Abstimmung verloren hat, braucht man gar nicht erst in die Politik zu gehen
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