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Antwort auf Kleine Anfrage

Bundes­regierung: Bis zu 10.000 Menschen an PrEP interessiert

Nach einer Schätzung des Gesundheitsministeriums nehmen bereits jetzt 6.000 Personen in Deutschland die Prä-Expositionsprophylaxe ein.


Die PrEP verhindert bei richtiger Einnahme, dass sich HIV-Negative mit dem Virus infizieren können

  • 2. August 2018, 08:03h 21 2 Min.

Die Bundesregierung rechnet damit, dass bis zu 10.000 Menschen in Deutschland "an einer PrEP interessiert sein könnten". Das geht aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion hervor (PDF). Zwar könne die Zahl der möglichen Nutzer der HIV-Prophylaxe nicht genau geschätzt werden, "da die Inanspruchnahme der PrEP von individuellen Faktoren bestimmt wird". Man beziehe sich aber auf Erfahrungswerte aus Frankreich, das die PrEP als erstes EU-Land bereits vor der Zulassung im Sommer 2016 getestet hatte. Derzeit würden bereits 6.000 Menschen in Deutschland die PrEP auf eigene Kosten einnehmen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte vergangenen Monat eine Initiative angekündigt, mit der die Kosten für die PrEP bei "Menschen mit einem erhöhten Infektionsrisiko" von den Gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden sollen (queer.de berichtete). Aus der Antwort seines Ministeriums geht hervor, dass die Bundesregierung die jährlichen Kosten des Arzneimittels pro Person auf rund 600 Euro schätzt. Hinzu kämen Ausgaben "für Diagnostik, ärztliche Beratung und Therapiebegleitung", die bei rund 170 Euro pro Jahr liegen würden.

Die Regierung weist zugleich darauf hin, dass durch die PrEP die Zahl der HIV-Infektionen gesenkt werden könne und "dadurch der prognostizierte Anstieg der Gesamtbehandlungskosten für HIV-Patienten erheblich verringert werden kann". 2015 hätten die "direkten Krankheitskosten" für die Behandlung HIV-positiver Menschen in Deutschland bei 278 Millionen Euro gelegen.

Regierung erhofft Rückgang der HIV-Neuinfektionen durch die PrEP

Auf die Frage der FDP-Fraktion, welche "Kosten-Nutzen-Bewertung" die PrEP habe, antwortete das Gesundheitsministerium kühl: "Das deutsche Recht sieht für Arzneimittel keine regelhafte Kosten-Nutzen-Bewertung vor." Man verweise aber auf den britischen Landesteil England, in dem laut aktuellen Zahlen "die Anzahl der HIV-Neuinfektionen in einzelnen Regionen bzw. der Metropole London um bis zu 40 Prozent zurück gegangen ist." Die englische Gesundheitsbehörde vermute, "dass hierfür neben der Ausweitung von Testangeboten auch die PrEP ursächlich war".

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts hatte es 2016 in Deutschland 3.100 HIV-Neuinfektionen gegeben – und damit 100 weniger als im Vorjahr. Insgesamt lebten 88.400 Personen mit HIV, rund zwei Drittel seien Männer, die sich beim Sex mit Männern angesteckt hätten (queer.de berichtete). (dk)

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#1 JasperAnonym
  • 02.08.2018, 10:31h
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    Auf die Frage der FDP-Fraktion, welche "Kosten-Nutzen-Bewertung" die PrEP habe
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    Hallo? Hier geht es um Menschenleben...

    Die FDP immer mit ihrer Kosten-Nutzen-Analyse. Können diese Schlipsträger sich nicht mal bei Menschenleben mit ihrem neoliberalen Geschwafel zurückhalten?
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#2 DominikAnonym
  • 02.08.2018, 11:18h
  • Antwort auf #1 von Jasper
  • Na ja, so was nennt man einfach Realitätssinn oder auch Rationalität. Bei einer Strategie (gegen HIV/Aids) nach deren Effektivität zu fragen, halte ich für legitim und nachvollziehbar. Global gesehen werden Aufklärung und Kondome sicher das wesentlich effektivere Mittel in der HIV/Aids-Bekämpfung sein, denn in vielen Ländern gibt es überhaupt keine mit uns auch nur annähernd vergleichbare Gesundheitsversorgung. Und ausgerechnet dort ist HIV/Aids auch ein vielfach größeres Problem als bei uns.
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#3 Rosa SoliAnonym
  • 02.08.2018, 11:27h
  • Antwort auf #1 von Jasper
  • Ich bin kein Freund der FDP, aber wenn ich das richtig verfolgt haben, dann begrüßen die Liberalen die PrEP als kassenärztliche Leistung für Menschen mit einem hohen Risiko. Der Aspekt "Kosten und Nutzen" wird von ihnen angeführt, weil sie damit argumentieren, dass eine Prophylaxe für die Beitragszahler billiger kommt als eine lebenslange Behandlung.

    Das ist nicht von der Hand zu weisen und macht deutlich, warum auch die Allgemeinheit ein Interesse daran haben sollte.

    Wenn man von einer (sexual-)moralischen Bewertung absieht, dann sprechen einfach alle sachlichen Argumente für die PrEP. Das haben wohl auch die Liberalen erkannt und sich für eine pragmatische Haltung entschieden. Das finde ich okay.
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