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Streit um Marcello Foa

Italien: LGBTI-feindlicher Journalist als Rai-Chef verhindert

Die italienische Regierungskoalition aus Linkspopulisten und Rechtsextremisten wollte den transphoben Journalisten Marcello Foa zum Rai-Präsidenten machen – eine Parlamentskommission stellte sich aber quer.


Marcello Foa ist wegen seiner extremen Ansichten von der Opposition abgelehnt worden (Bild: Medija centar Beograd / wikipedia)

Die italienische Koalitionsregierung von Lega Nord und Fünf-Sterne-Bewegung ist am Mittwoch mit ihrem Vorhaben gescheitert, den 54-jährigen Journalisten Marcello Foa als neuen Präsidenten des öffentlich-rechtlichen Senders "Radiotelevisione Italiana" (Rai) zu etablieren. Foa wurde insbesondere wegen mehrerer transphober Ausbrüche von LGBTI-Aktivisten kritisiert, die befürchteten, dass mit seiner Ernennung die Berichterstattung über sexuelle und geschlechtliche Minderheiten aggressiver werden würde.

Foa erhielt in der 40 Mitglieder zählenden parlamentarischen Rai-Aufsichtskommission nicht die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit, weil sowohl die sozialdemokratische Partito Democratico als auch Silvio Berlusconis Forza Italia die Personalie ablehnten. Auf Foa entfielen nur 22 Stimmen, nötig gewesen wären 27.

Da die beiden Regierungsparteien allerdings über die einfache Mehrheit verfügen, kann Foa trotzdem Einfluss auf die Rai ausüben, möglicherweise in einer Position als Berater. Am Donnerstag sagte Foa außerdem, er wolle die Rai zunächst kommissarisch führen, bis ein neuer Chef bestimmt sei – noch ist unklar, wie weit die Regierung die rechtliche Auseinandersetzung um die Personalie treiben will.

Foa gilt auch als Putin-Verehrer und Verschwörungstheoretiker

In den letzten Jahren hatte Foa in mehreren Artikeln gegen LGBTI polemisiert – so bezeichnete er Transsexualität etwa in der schweizerischen Zeitung "Corriere del Ticino" als "Abirrung" oder wetterte in einem Blog gegen die vermeintliche "Gender-Ideologie". Laut "Guardian" hat er auch Homosexualität als "abnormal" kritisiert.

In einem Buchbeitrag warf er zudem LGBTI-Aktivisten vor, die "natürliche sexuelle Identität" vernichten zu wollen. Foa steht auch wegen seiner Nähe zum russischen Autokraten Wladimir Putin und seiner Europafeindlichkeit in der Kritik. Außerdem habe er wiederholt Verschwörungstheorien und aus ideologischen Gründen Falschmeldungen verbreitet, beispielsweise als überzeugter Impfgegner.

Foa hatte als Kandidat der Lega Nord gegolten und seine Nähe zu der rechtsextremen Partei nie verheimlicht. Aber auch in der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung hat Foa Anhänger. Fünfsterne-Chef Luigi Di Maio erklärte etwa, dass Foa dabei helfen könne, "Parasiten" aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu entfernen. Beide Parteien hatten die Rai immer wieder als angebliches Sprachrohr der anderen Parteien beschimpft.

LGBTI-Aktivisten haben die neue Lega-Fünfsterne-Regierung, die unter der Führung des parteilosen Giuseppe Conte seit Juni im Amt ist, stets mit Argwohn behandelt. Insbesondere die rechte Lega Nord hatte Stimmung gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten gemacht; so hatte der neue Familienminister Lorenzo Fontana Homosexuelle mehrfach beschuldigt, die "natürlich Familie" angegriffen zu haben. Als Vorbild für eine gute Familienpolitik nannte er Russland. (dk)