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Justiz geht gegen Jugendlichen vor

Russland: 16-jähriger Schüler wegen Homo-"Propaganda" verurteilt

In Sibirien ist ein Schüler zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er in einem sozialen Netzwerk "Propaganda für homosexuelle Beziehungen" gemacht habe.


Wer sich wie Maksim in Russland für LGBTI-Rechte engagiert, muss mit der Rache der Justiz rechnen (Bild: Russian LGBT Network)

  • 9. August 2018, 10:14h 21 2 Min.

Der 16-jährige LGBTI-Aktivist Maksim Newerow ist am Dienstag von einem Gericht der im südwestlichen Sibirien gelegenen Großstadt Bijsk wegen Homo-"Propaganda" zu einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 Rubel (650 Euro) verurteilt worden. Das teilte das das russische LGBT Network mit. Die Strafe ist offenbar eine Rache der Behörden, weil der Junge sich für LGBTI-Rechte engagierte und öffentliche Protestaktionen anmelden wollte, die von der Stadtverwaltung abgelehnt worden waren.

Laut der LGBTI-Organisation hieß es in der Anklageschrift, Newerow werde beschuldigt, im sozialen Netzwerk vk, der russischen Version von Facebook, vor drei Jahren "einige Bilder von jungen Männern (teilweise nackte Körperteile)" veröffentlicht zu haben, die "laut Expertenmeinung Charakteristika von Propaganda für homosexuelle Beziehungen" aufwiesen. Dem Jungen sei bei der Polizeibefragung verweigert worden, seinen Anwalt zu kontaktieren.

Jugendlicher will Urteil nicht akzeptieren

Newerow erklärte, es sei absurd, einen Jugendlichen mit einem Gesetz zu verurteilen, das offiziell Jugendliche schützen soll. Er habe die Entscheidung aber erwartet. Sein Anwalt kündigte bereits Rechtsmittel an. Es habe bei dem Gerichtsverfahren viele Verstöße gegen geltendes Recht gegeben; so sei dieses Verfahren öffentlich gewesen, Besuchern sei aber der Einlass verwehrt worden. Außerdem sei nicht nachgewiesen worden, dass Newerow für die Postings verantwortlich war. Der 16-Jährige hatte bei dem Verfahren die Aussage verweigert.

Das landesweite Gesetz, das die "Werbung" für Homosexualität in der Öffentlichkeit verbietet, ist 2013 eingeführt worden, angeblich aus Jugendschutzgründen (queer.de berichtete). Es wird seither angewandt, um jegliches Eintreten für LGBTI-Rechte in der Öffentlichkeit zu unterdrücken. Erst vergangenes Wochenende wurden 29 Menschen in St. Petersburg festgenommen, weil sie für die Rechte sexueller und geschlechtlicher Minderheiten auf die Straße gegangen sind (queer.de berichtete). (dk)

Direktlink | Maksim Newerow beklagt in diesem Video die Diskriminierung Homosexueller und berichtet von seinem Fall
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#1 vera wolleAnonym
  • 09.08.2018, 13:27h
  • Einschüchterung durch den Staat pur.

    Schon wieder ein Fall für Sarah Wagenknecht und ihre linke Sammlungsbewegung Auch Gerd Schroeder könnte helfen zusammen mit Ex-MP Platzeck.
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#2 MandalorianAnonym
  • 09.08.2018, 13:29h
  • krass mutig der Bursche! für ihn und seine Familie wäre es wahrscheinlich besser, wenn er einfach die Klappe hält. ich hoffe die machen ihn nicht fertig aber ich erwarte es.

    Weiß eigentlich jemand wie seriös die Organisation Russian LGBT Network ist?
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#3 vera wolleAnonym
  • 09.08.2018, 13:40h
  • Die LGBT-Aktivisten in Russlsnd sehe ich in ihrem Engagement gleichrangig mit jenem eines Adrej Sacharov der 1980er. Sie kämpfen für die Freiheit, geben ihre Person zugunsten eines allgemeinen Ziels auf.

    Deswegen werden die von vielen in Russland verankerten Politikern nur mit der Beisszange angefasst. Für Sacharov gab es seinerzeit mehr Support.
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