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Wahl 2019 in Köln

Deutscher ist Mr. Gay Europe

Der 30-jährige Enrique Doleschy holte sich den Titel beim Wettbewerb in Posen – zuvor trotzten die Teilnehmer beim CSD rechten Gegendemonstranten.


Enrique Doleschy konnte sich gegen Teilnehmer aus Bulgarien, Tschechien/Slowakei, Dänemark, England, Wales, Irland, Polen, Portugal und der Ukraine durchsetzen

  • 12. August 2018, 11:43h, noch kein Kommentar

Im polnischen Posen (Poznan) hat am Samstag ein Deutscher die diesjährige Wahl zum Mr. Gay Europe gewonnen. Der 30-jährige Enrique Doleschy setzte sich bei dem zwölften Wettbewerb gegen sechs Mitbewerber durch.

Der Finanzberater aus Mainz konnte vor allem in den Bereichen Social Media und Online-Voting Punkte holen. Doleschy war im letzten Dezember in Köln zum aktuellen Mr. Gay Germany gewählt worden (queer.de berichtete).

Direktlink | Mit diesem Video stellte sich Doleschy im deutschen Vorentscheid vor

Er sei sehr europäisch, schreibt Doleschy in seiner Online-Vorstellung: "Ich bin zur Hälfte deutsch, zur anderen Hälfte österreichisch und tschechisch, mein Name kommt aus Spanien und ich spreche Deutsch, Englisch und Russisch." Als Botschafter der Community wolle er verschiedene Nationen, Kulturen und Altersklassen einander näher bringen.

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Contest trifft auf Cologne Pride

Mit Doleschy hat zum zweiten Mal ein Deutscher den europäischen Titel geholt – 2007 gewann Jackson Netto in Budapest. Wie die Veranstalter des Wettbewerbs am Wochenende ankündigten, wird die Wahl im nächsten Jahr zugleich erstmals in Deutschland ausgetragen.

2019 soll der Wettbewerb demnach rund einen Monat früher stattfinden, zwischen dem 1. und 7. Juli in Köln. Damit trifft die Wahl zum Mr. Gay Europe zeitlich mit dem Cologne Pride zusammen. Die Wahl des Austragungsorts ist nicht vom Gewinn des Wettbewerbs abhängig: 2017 holte der Engländer Matt Rood den Titel in Stockholm.

Ein Wettbewerb mit Botschaft

In Posen hatte erstmals ein Transmann an dem Wettbewerb teilgenommen – Niels Jansen aus Dänemark wurde Zweiter. "Mr. Gay Europe ist kein Schönheitswettbewerb", so Präsident Tore Aasheim. Man suche nach "echten und es ernst meinenden Vorbildern für unsere LGBT-Communities in ganz Europa."

Der Contest will ein Zeichen nach Innen und Außen setzen – ein Zeichen setzte das Team auch mit dem Austragungsort: Am Nachmittag nahmen die Teilnehmer und Veranstalter des Wettbewerbs am CSD in Posen teil und sorgte so international für eine Berichterstattung über die Lage von LGBTI in dem Land.

Diese war geprägt von Schlagzeilen wie "Rechte stören Mister-Gay-Wahl", die sich auf einen Gegenprotest zum CSD bezogen (auch beim CSD in Prag kam es am Samstag zu einem Gegenprotest von Rechtsextremen): Mehrere dutzend nationalistische und christlich-fundamentalistische Protestler hatten den Weg blockiert und "Perverse" und "Stoppt Pädophilie" gerufen – eines ihrer Motive, das Homosexualität mit Pädophilie in Verbindung brachte, war unter der Woche bereits als Billboard aufgetaucht. Die Polizei löste den von CSD-Teilnehmern gut abgeschirmten Protest schließlich auf und der Pride konnte sich mit gut einer Stunde Verspätung in Bewegung setzen.


Beim "Marsch für Gleichberechtigung" nahmen rund 5.000 Menschen teil, was von den Organisatoren ebenso als Erfolg gewertet wird wie die überwiegend positive Berichterstattung der Medien, die die Kritik des Pride an der Regierung und der rechtlichen und gesellschaftlichen Situation von LGBTI transportierte. Stadtpräsident Jacek Jaskowiak hatte die Bevölkerung zur Teilnahme am CSD und der Pride Week zuvor aufgerufen. Ein Zeichen wollten auch die Verkehrsbetriebe setzen: 180 Straßenbahnen fuhren am Freitag mit Regenbogenflaggen. Nach der Weigerung einiger Fahrer, mit diesen zu fahren, und Beschwerden von Gästen beendeten die Betriebe die Aktion am Samstag allerdings vorzeitig.

Twitter / yashihimi – Eindrücke vom CSD

Der nationale Contest-Organisator Pawel Zabilski erhofft sich eine Signalwirkung von "Mr. Gay Europe": "Das soll uns helfen in unserem Kampf um die gleichen Rechte, wie sie im Rest Europas bereits gelten", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Sieger Doleschy verwies auf die anhaltende Diskriminierung von Homosexuellen und sagte: "Wir brauchen solche Wettbewerbe, um den Leuten einen Anstoss zur Verbesserung zu geben." (nb)