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Ab Donnerstag im Kino

Gay for Oscar

In Gus Van Sants neuem Film "Don't Worry, weglaufen geht nicht" gibt Hetero-Schauspieler Jonah Hill eine wunderbare Performance als trockener schwuler Alkoholiker.


Jonah Hill spielt Donnie, einen Sponsor der Anonymen Alkoholiker (Bild: Scott Patrick Green)

Agenten raten schwulen Schauspielern ab, sich zu outen. Die Befürchtung: Sie sind als straighte Liebhaber in ihren Filmen nicht glaubwürdig. Spielen heterosexuelle Schauspieler jedoch schwule Rollen, winkt häufig ein Oscar als Belohnung. Diesen widersinnigen Zusammenhang stellte kürzlich Peter Rehberg auf Zeit Online fest. Tom Hanks, Heath Ledger und Philip Seymour Hoffman beweisen Rehbergs These. Fast lässt sich annehmen, dass in Hollywood "Gay for Oscars" so wie "Gay for pay" in Schwulenpornos gilt.


Poster zum Film: "Don't Worry, weglaufen geht nicht" startet am 16. August im Kino

Wie auch immer, in diesen illustren Kreis könnte sich demnächst auch Jonah Hill gesellen. Im Ende der Siebzigerjahre angesiedeltem Bio-Pic "Don't Worry, weglaufen geht nicht" spielt er oscarreif einen trockenen Alkoholiker, der nebenbei auch homosexuell ist.

Der selbst schwule Regisseur Gus Van Sant ("Milk") inszeniert den bisher als Komiker bekannten Schauspieler in einer ernsten Nebenrolle. Die Rechnung geht auf. Jonah Hill gibt eine wunderbare Performance. Als durch eine Erbschaft reicher Hippie Donny trägt er Goldkettchen unter dem Kaftan und ist mit sich und seiner Sexualität im Reinen. In einer herrschaftlichen Villa empfängt Donny als Sponsor der Anonymen Alkoholiker unter anderem den polarisierenden Cartoonisten John Callahan (Joaquin Phoenix). Dessen Leben ist Vorlage für diesen Film.

Im Rollstuhl zu Abstinenz und Selbstverwirklichung

Von seiner irischen Mutter zur Adoption freigegeben, beginnt Callahan als Teenager zu saufen. Voll besoffen ist er als junger Mann in einen Autounfall verwickelt und wacht querschnittsgelähmt im Krankenhaus auf. Damit beginnt Callahans quälend langer Weg im Rollstuhl zu Abstinenz und Selbstverwirklichung als berühmter Cartoonist.


Reba (Beth Ditto) ist schon lange trocken und John (Joaquin Phoenix) meilenweit voraus (Bild: Scott Patrick Green)

Gus Van Sant schafft es, einen Film mit einem oft schwer erträglichen Junkie-Protagonisten zu drehen, der nicht nur düster, sondern auch witzig sein kann. Er stellt pädagogisch wertvoll das spirituelle Zwölf-Schritte-Programm in den Fokus und springt dabei raffiniert zwischen den Zeit-Ebenen. Joaquin Phoenix' Porträt des Cartoonisten ist sehenswert, wie alles, was der Ausnahmeschauspieler zeigt.

Beth Ditto und Udo Kier in weiteren Nebenrollen

Neben Jonah Hill fallen auch Jack Black als reumütiger Alki und Rooney Mara als engelsgleiche Geliebte in den unterstützenden Rollen auf. Ebenfalls sehenswert Ex-Gossip-Sängerin Beth Ditto als weiblicher Redneck, die Callahan in der Gesprächsgruppe knallhart das Selbstmitleid abräumt. In dieser Runde sitzt auch Udo Kier als niemals lächelnder "Hans". Wie immer eine Freude.


Neben John Callahan nimmt auch Hans (Udo Kier) an Donnies Gesprächsrunden teil (Bild: Scott Patrick Green)

Einer der schönsten Momente im Film: Donny ist alleine zuhause und packt für ein Partywochenende in New York. Er trägt knappe Sportshorts und ein weißes Blouson. Dazu hört Donny den Discosong "Shake your groove thing" von Peaches & Herb. Jonah Hill tanzt voll Lebensfreude und lässt keinen Zweifel, was mit 'groove thing' gemeint ist. Oscarreif.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film

Infos zum Film

Don't Worry, weglaufen geht nicht. Spielfilm. US 2018. Regie: Gus Van Sant. Darsteller: Joaquin Phoenix, Jonah Hill, Rooney Mara, Jack Black, Beth Ditto, Udo Kier. Laufzeit: 114 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. Verleih: NFP marketing & distribution. Kinostart: 16. August 2018
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#1 JensAnonym
  • 13.08.2018, 16:31h
  • Habe den Film bei der Berlinale gesehen und was soll ich sagen? Ich fand den Film unglaublich schlecht gemacht. Udo Kiers Rolle war sowas von überflüssig, dass ich mich frage, warum er überhaupt in diesem Film war.
    Oscarwürdig fande ich in diesem Film überhaupt nichts..
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