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Facebook-"Sprechstunde"

Jens Spahn: Homo-"Heilung" ist "Quatsch" und "Körperverletzung"

Der Bundesgesundheitsminister möchte sogenannte Konversionstherapien am liebsten verbieten, weiß aber nicht wie. Die Bürger bittet er deshalb um konkrete Vorschläge.


Der offen schwule CDU-Politiker Jens Spahn ist seit dem 14. März 2018 Bundesminister für Gesundheit (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Zu Update springen: SPD offen für Verbot von Homo-"Heilung" (13.15 Uhr)

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich erstmals persönlich zu Forderungen nach einem Verbot sogenannter Konversionstherapien geäußert. Er habe "grundsätzlich gar nichts dagegen", die vermeintliche "Heilung" von Lesben und Schwulen gesetzlich zu untersagen, sagte der CDU-Politiker am Montag in seiner Facebook-"Sprechstunde". Die Frage sei allerdings juristisch nicht einfach zu lösen.

Grundsätzlich lehne er entsprechende "Therapie"-Angebote ab, meinte Spahn auf die entsprechende Frage einer Facebook-Nutzerin. "Ich halte davon gar nichts, das ist Quatsch. Und es ist vor allem für die Betroffenen, denen da irgendwas eingeredet wird, eine enorme psychische Belastung und kann auch zu dauerhaften psychischen Problemen führen", so der 38-Jährige. "Deswegen ist das auch eine Form von Körperverletzung, was dort stattfindet."

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Spahn: Patientengespräche lassen sich nicht kontrollieren

Die Frage sei jedoch, wie man entsprechende Versuche tatsächlich verhindern könne, sagte der Gesundheitsminister: "Es ist manchmal etwas leichter gefordert als konkret geändert oder abgestellt." Man könne zwar agieren, wenn jemand solche "Therapien" öffentlich bewerbe. "Aber wenn da jemand ist, der seine Praxis hat und da solche Angebote in der Therapie entwickelt, verkauft, versucht an den Mann oder die Frau zu bringen, dann ist das wahnsinnig schwer, das irgendwie rauszufinden, das zu bemerken", so der Gesundheitsminister. "Weil wir ja nicht anfangen wollen, die Therapiestunden abzuhören."

Über das Problem habe er auch schon mit dem Bundesjustizministerium geredet, sagte Spahn in seiner Facebook-"Sprechstunde" – allerdings ohne Ergebnis. "Wir können da irgendwas in ein Gesetz reinschreiben, aber wenn das keiner kontrollieren kann und es keine Folgen hat, bringt das ja auch nichts." Die Bürger könnten ihm jedoch gerne konkrete Vorschläge für eine gesetzliche Regelung unterbreiten: "Wer eine gute Idee hat, wie man das macht, so dass das auch praktikabel ist, kann die gerne mal rüberschicken, hier bei Facebook oder per Email oder sonst was, dann schau ich mir das gerne an."

Ministerium lehnte im Juli noch gesetzliche Regelung ab

Noch Anfang Juli hatte es das Bundesgesundheitsministerium strikt abgelehnt, Homo-"Heilung" zu verbieten. Auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Doris Achelwilm (Linke), ob die Bundesregierung "eine gesetzliche Regelung von 'Konversionstherapien' sowie ihrer Bewerbung" anstrebe, antwortete Spahns Ministerium einsilbig mit "nein" (queer.de berichtete).

Mit mehreren aktuellen Online-Petitionen (All Out, change.org) fordern LGBTI-Aktivisten den Gesundheitsminister seit mehreren Wochen dazu auf, aktiv gegen Homo-"Heiler" vorzugehen. Psychologenverbände warnen bereits seit Jahren davor, dass Lesben und Schwule mit Konversionstherapien in den Selbstmord getrieben werden könnten. Der Weltärztebund verabschiedete 2013 eine Stellungnahme, nach der derartige Behandlungen "die Menschenrechte verletzen und nicht zu rechtfertigen" seien (queer.de berichtete). Trotzdem sind in Deutschland Homo-"Heiler" aktiv, etwa der Verein Leo e.V. in Sachsen-Anhalt (queer.de berichtete).

Bislang hat Malta als einziges EU-Land die Homo-"Heilung" grundsätzlich verboten (queer.de berichtete). Im Juli kündigte die britische Regierung unter Premierministerin Theresa May eine ähnliche gesetzliche Regelung an (queer.de berichtete). (cw)

 Update  13.15 Uhr: SPD offen für Verbot von Homo-"Heilung"

Johannes Kahrs, Sprecher für die Belange von Lesben und Schwulen der SPD-Bundestagsfraktion, hat Bundesgesundheitsminister Spahn aufgerufen, "pseudotherapeutische Umpolungsversuche" zu verbieten. Dafür gebe es Rückhalt in der sozialdemokratischen Fraktion: "Wir fordern Gesundheitsminister Jens Spahn daher auf, den Verantwortungen seines Ressorts nachzukommen und in Zusammenarbeit mit den Ländern und Ärztekammern diesen Scharlatanen Einhalt zu gebieten", so Kahrs. "Vor der Lobby religiöser Fundamentalisten zu kuschen und die Augen vor den seelischen Verletzungen, die aus dieser Pfuscherei resultieren, zu verschließen, wäre völlig inakzeptabel. Wir sind bereit, das Thema direkt nach der Sommerpause anzugehen!"



#1 schwarzerkater
  • 15.08.2018, 09:23h
  • jens spahn sollte sich bundesweit politisch dafür einsetzen, dass diese "homo-heilung" bundesweit verboten wird, damit auch keine staatlichen gelder mehr fließen.
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#2 Peter PaulAnonym
  • 15.08.2018, 09:35h
  • Antwort auf #1 von schwarzerkater
  • Ich wusste noch gar nicht, dass da staatliche Gelder fließen. In welchem Rahmen denn? Dass teilweise die Krankenkassen für diese Scharlatan-"Therapien" aufkommen (müssen), war mir klar, aber wie fließen zusätzlich staatliche Gelder an diese Leute?
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#3 AlexAnonym
  • 15.08.2018, 10:26h
  • Ach, urplötzlich ist es in Deutschland von Interesse, ob man Gesetze auch durchsetzen kann? Man, was für eine billige Ausrede! Einfach bei Malta abschreiben, die haben es doch schon vorgemacht.
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#4 Homonklin44Profil
  • 15.08.2018, 11:15hTauroa Point
  • Dass man da angeblich nicht wisse, wie man ein solches Gesetz umsetzen könne, ist es sich schon etwas einfach gemacht.
    Ein Problem ist vermutlich, dass der Begriff des Therapeuten kein Geschützter ist, und sich praktisch jede halbwegs dressierte Ziege, die sich da ein therapeutisches Konzept ausgeklügelt hat, sich mit oder ohne Diplom und nach Besuch bildender Seminare oder mit Telekolleg und Fernstudium als TherapeutIn ausgeben kann. Auch wenn sie Warzen bespricht und Leute mit bepackten Lamas durch die Pamopa führt.

    Ansonsten müsste man die Therapie-Richtlinien entsprechend überarbeiten. Da gibts doch auch ein Qualitäts-Management oder eine Kontrollinstanz drüber. Benehmt Euch doch nicht wie unbewanderte Schmocks, wozu habt Ihr den wissenschaftlichen Dienst am Drücker? Ich habe zumindest gehört, im ICD-11 sollen die gern für eine Kassen-Übernahme solcher Homo-Heilversuche verwendeten Fachbegriffe, wie etwa "ich-dystone Sexualorientierung F66.1" und Ähnliches nicht mehr so verwendet werden können. Dann nehmt Euch doch daran ein Beispiel und was die Bundesärztekammer zur Krankbedeutung von Homosexualität/Sexueller Orientierung und - Identität herausgegeben hat. Und ändert die diagnostischen Schlüssel entsprechend, schiebt dem Missbrauch des therapeutischen Instruments einen Riegel vor!
    Man könnte beispielsweise vorschreiben, dass mehrere konventionell geprüfte Psychiater / Psychotherapeuten aus einem soberen Bildungsumfeld den Klienten gesprochen haben müssen. Der anonymisierte Klienten-Fallvergleich unter KollegInnen zwecks Differenzialdiagnosen könnte dabei angeliehen werden.
    Die Bezeichnung "Patient" ist da bereits fehl am Platz, weil ein Patient mit sehr wahrscheinlich gesundheitlichen Problemen zu einem Arzt oder Therapeuten kommt, und nicht, weil er homosexuell orientiert ist.

    Melanie Bernstein von der CDU SH hat auf die Frage eines Bekannten bei Abgeordnetenwatch auch eine eher unbefriedigende Antwort gegeben, sich aber wenigstens freundlich bemüht. Es wird demnach auf möglichst frühzeitige Aufklärung und sachgerechte Information gesetzt (wo? An Schulen und Bildungseinrichtungen? ) und die Entwicklung im Land wird im Auge behalten ( okay, nur vereinzelt der Bundesregierung bekannt gewordene Fälle als Begründung sind ein Verbot wohl nicht wert - siehe Kleinstinteressengruppen-Argumentation )

    Hier die Frage und Antwort:

    www.abgeordnetenwatch.de/profile/melanie-bernstein/question/
    2018-07-25/300983


    Okay, wer Facebook nutzt, kann Herrn Spahn das gern so in der Art weiter vermitteln, oder die Ideen weiter präzisieren und ggf. Nützliches übernehmen.
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#5 JasperAnonym
  • 15.08.2018, 11:30h
  • Das hört sich ja schonmal besser an, als die bisherige generelle Ablehnung.

    ABER:
    Wo soll das Problem sein?

    Mal ganz abgesehen davon, dass immer mehr andere Staaten das auch verbieten. Aber ich sehe da echt kein Problem.

    1. Abgesehen davon, dass man die sexuelle Orientierung eh nicht ändern kann (höchstens unterdrücken, was aber massive psychische Folgen hat.), aber es ist auch wissenschaftlich belegt, dass diese "Therapien" schwerste gesundheitliche Schäden verursachen und bis zum Tod führen können.

    Wenn man selbst das nicht verbieten kann, was denn sonst?

    2. Natürlich kann man nicht ausschließen, dass auch nach einem Verbot noch irgendwo illegal weiterhin solche esoterische Gehirnwäsche stattfindet. Aber die Gesetze, die Diebstahl, Einbruch, Vergewaltigung, Körperverletzung, Mord, etc. verbieten, bewirken auch nicht, dass das alles nicht mehr stattfindet. Deshalb würde trotzdem niemand sagen: "Ups, das findet immer noch statt, dann lasst uns diese Gesetze abschaffen."

    Ein Gesetz, das solche "Homo-Heilungen" verbietet, kann vielleicht nicht jeden dieser Fälle in irgendwelchen Hinterzimmern verhindern. Aber es gibt den Opfern Möglichkeiten sich zu wehren. Und in Zukunft werden solche Exorzisten sich zweimal überlegen, ob sie sowas noch machen, wenn sie später (wenn das Opfer das durchschaut hat) deswegen verklagt werden können.

    Fazit:
    Es gibt nichts, was gegen ein entsprechendes Gesetz spricht. Aufgrund der erwiesenermaßen schlimmen Folgen ist man sogar moralisch verpflichtet, das endlich zu verbieten. Und daran wird sich auch Herr Spahn messen lassen müssen.
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#6 GhyslainAnonym
  • 15.08.2018, 12:12h
  • Antwort auf #1 von schwarzerkater
  • Volle Zustimmung!

    Selbst ohne ein Verbot der eigentlichen Gehirnwäsche wäre es ja schon mal ein Schritt in die richtige Richtung, das wenigstens nicht auch noch staatlich zu fördern und nicht auch noch die Krankenkassen dafür zahlen zu lassen.
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#7 GhyslainAnonym
  • 15.08.2018, 12:15h
  • Antwort auf #3 von Alex
  • Genau.

    Man kann ein Gesetz doch nicht davon abhängig machen, ob es auch Leute gibt, die das brechen (was bei jedem Gesetz passiert).

    Fakt ist doch:
    so ein gesetzliches Verbot (man könnte z.B. das von Malta übernehmen) wird viele dieser Greueltaten verhindern. Und wenn dann doch noch manche Leute sowas durchführen, kann man die zumindest entsprechend bestrafen.
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#8 von_hinten_genommenAnonym
#9 JasperAnonym
  • 15.08.2018, 13:31h
  • Zum Update:

    Na, dann bin ich mal gespannt, ob die SPD wirklich Homo-Heilungen verbieten will und notfalls auch mit der Opposition gegen die Union stimmt.

    Oder will die SPD sich nur wieder mal an ein Thema ranhängen, was sie selbst verschlafen hat, damit sie, falls das kommt, lauthals behaupten kann, sie hätte auch dafür gekämpft....

    Wenn die SPD das sofort nach der Sommerpause auf die Tagesordnung setzen will, wissen wir ja schon sehr bald, ob die SPD diesmal Wort hält.
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#10 prohetAnonym
  • 15.08.2018, 13:46h
  • boah Leute, hat jemand meine Kinnlade gesehen ?Ist mir grad runtergefallen...ich find sie nicht.

    Ganz Ehrlich ? Wir brauchen keine Partei die uns im Wahlkampf Sachen Versprechen ,oder Parteien die durch Hetze gegen Uns auf Wählerfang gegen,keine Politiker ,die wie Influencer Wörter wie Gleichstellung ,Homosexualität im gleichen Satz benutzen und dadurch auf irgendwelchen Titelseiten landen.
    Wir brauchen eine eigene Partei in der Politik , eine von Homos für Homos. So einfach.Ich gehe mal davon aus das ,von uns ,wenn es denn eine geben wird , 98 % auch wählen gehen werden.Was meint ihr ?
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