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USA

LGBTI-feindlicher Konditor verweigert Transfrau Torte

Der Konditor, der wegen seines Glaubens ein schwules Paar nicht bedienen wollte, wehrt sich nun dagegen, eine Torte für eine Transfrau zu backen.


Jack Phillips war nach seinem Supreme-Court-Sieg in allen TV-Kanälen präsent, auch in der Sendung "Today", dem Frühstücksfernsehen von NBC (Bild: Screenshot NBC)

Der homophobe Konditor Jack Phillips, der seit 1993 in Lakewood (Colorado) den Masterpiece Cakeshop betreibt, fühlt sich erneut als Christ diskriminiert: Phillips hat am Dienstag den Bundesstaat verklagt, weil dieser ein erneutes Ermittlungsverfahren wegen Diskriminierung gegen ihn gestartet hat. Der Grund für die Ermittlungen: Der christliche Konditor hatte einer Transfrau aus religiösen Gründen den Verkauf einer Torte verweigert. Für die religiöse Rechte in den USA ist dieser Fall ein Symbol dafür, wie Christen angeblich verfolgt werden.

Der Fall um Phillips geht auf das Jahr 2012 zurück: Damals weigerte er sich, eine Hochzeitstorte für ein schwules Paar zu backen. Daraufhin verklagte ihn das Paar unter Verweis auf ein Gesetz des Bundesstaates, das Diskriminierung von Homo- und Transsexuellen beim Zugang zu Dienstleistungen verbietet. Die Antidiskriminierungsbehörde von Colorado entschied 2013 und nach einem Einspruch 2014, dass der Konditor das schwule Paar gesetzeswidrig diskriminiert habe (queer.de berichtete).

Im Juni diesen Jahres entschied der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten aber, dass die Antidiskriminierungsbehörde das im Bundesrecht verankerte Recht des Konditorei-Besitzers auf Religionsfreiheit missachtet habe (queer.de berichtete). Das Urteil ging allerdings nicht direkt darauf ein, ob ein Christ einen Homosexuellen aus religiöser Abneigung in Staaten mit Antidiskriminierungsgesetzen, die das Merkmal "sexuelle Identität" einschließen, diskriminieren darf oder nicht – und wenn ja, in welchem Ausmaß. Vielmehr habe es sich um eine Entscheidung nur zum vorliegenden Fall gehandelt, in der die Behörde eine "Feindseligkeit" gegenüber der Religion des Bäckers gezeigt habe.

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Geburtstags- und Coming-out-Torte für Transfrau abgelehnt

Nun wiederholt sich der Fall mit einer Transfrau: Anwältin Autumn Scardina aus Denver hatte im Juni 2017 die Konditorei angerufen und eine Geburtstagstorte bestellt, die innen rosa und außen blau sein sollte. Im Gespräch sagte sie auch, dass die Torte auch an den siebten Jahrestag erinnern sollte, an dem sie sich als trans geoutet hatte. Daraufhin sei ihre Bestellung unter Verweis auf Religionsfreiheit abgelehnt worden.

Als Reaktion reichte Scardina eine Beschwerde bei der Antidiskriminierungsbehörde des Bundesstaates ein. Die Begründung: "Phillips hat es abgelehnt, die Torte […] zu backen, weil sie eine Botschaft aussenden würde, die seinem religiösen Glauben widerspricht, dass das Geschlecht […] von Gott gegeben ist und nicht verändert werden kann." Die Behörde leitete am 28. Juni Ermittlungen ein, weil es Grund zur Annahme gebe, dass die Klägerin wegen ihrer Geschlechtsidentität diskriminiert worden sei.

Christlicher Konditor beklagt "Kreuzzug"

Gegen diese Ermittlungen klagt nun Phillips mit Hilfe der LGBTI-feindlichen Organisation Alliance Defending Freedom. In der Klageschrift spricht der christliche Konditor – ohne Ironie – von einem Kreuzzug gegen seine Person: "Colorado ist seit längerem auf einem Kreuzzug, um Kläger Jack Phillips niederzuringen, weil die Beamten seinen Glauben – und wie er diesen praktiziert – verachten."

Nun bahnt sich eine weitere juristische Schlacht an. LGBTI-Aktivisten und der Bundesstaat verweisen darauf, dass trotz des Urteils des Supreme Courts zugunsten von Phillips das Antidiskriminierungsgesetz von Colorado weiterhin in Kraft ist – und dass Homo- und Transsexuelle beim Zugang zu Dienstleistungen gleichbehandelt werden müssen. Ein Dienstleister dürfe sich nicht aussuchen, ob er nun Heterosexuelle bedienen dürfe – genauso wenig wie er sich aussuchen dürfe, ob er nur Weiße bedient. Der Kläger verweist dagegen darauf, dass er als gläubiger Mensch nicht dazu gezwungen werden darf, eine maßgeschneiderte Torte für eine Sache zu backen, die mit seinen religiösen Überzeugungen in Konflikt steht.



#1 Homonklin44Profil
  • 16.08.2018, 11:47hTauroa Point
  • Das würde ich gern mal sehen, was für ein Aufruhr entstehen würde, wenn irgend so ein White-Supremacy-Depp argumentiert, es konfliktiert mit seinem Glauben, wenn etwa POC ein Steak bei ihm kaufen, weil er ihre ethnischen Wurzeln für minderwertig hält. Und sie deshalb nicht bedient.

    Wenn Religionsfreiheit bedeutet, dass man jeden ausschließen kann, dessen Existenz oder Natur, Identität und Person gegen irgendwelche Glaubensweltbilder verstößt, muss sich der Christ aber nicht wundern, wenn freie Menschen oder Andersgläubige aus ähnlichen Gründen auch ihn ausschließen oder 'verfolgen'.

    Ein Schild wie "We do not serve Christians" müsste demnach ebenso gestattet sein, zum Beispiel von Atheisten oder Glaubenslosen, die ein Geschäft führen.
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#2 schwarzerkater
  • 16.08.2018, 12:21h
  • warum will überhaupt noch einer aus unserer community bei diesem charakterlich fragwürdigen bäcker was einkaufen? versteh ich einfach nicht. warum wird der nicht einfach boykottiert?
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#3 TimonAnonym
  • 16.08.2018, 12:42h
  • Was wäre wohl in den USA los, wenn ein Christ wegen seines Glaubens nicht bedient würde.

    Das sind ja Zustände wie zu Zeiten der Rassentrennung.
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#4 ChristianOAnonym
  • 16.08.2018, 13:32h
  • Antwort auf #2 von schwarzerkater
  • Weil Schwule, Lesben usw an die Hotel-Rezeption des kleinen Familienhotels oder zu dem Bäcker gehen, wo das schon mal passiert ist und in den Medien stand, um zu provozieren. Opferrolle eben. Manche nehmen dafür sogar, lange Wege in kauf. Nicht die Bäckerei um die Ecke. Kann man gut finden oder nicht. Aber eine unmögliche Farbe hat die Torte.
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#5 swimniAnonym
  • 16.08.2018, 14:29h
  • es geht hier doch gar nicht um die nachfolge christi, es geht um Rechthaberei, hass und macht, seitens des bäckers
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#6 virtheaeAnonym
  • 16.08.2018, 15:07h
  • Antwort auf #2 von schwarzerkater
  • Das habe ich mich allein beim Lesen der Überschrift auch gefrag ... warum gezielt zu einem Bäcker gehen, der schon durch diskriminierendes Handeln aufgefallen ist? Gibts nur den einen Bäcker? Vermutlich nicht.

    Absolut dämliche Aktion ...
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#7 SteinigAnonym
  • 16.08.2018, 15:11h
  • Antwort auf #2 von schwarzerkater
  • Vielleicht weil der eine oder andere darauf spekuliert, dass er wieder so reagiert und dann hofft, ihn ordentlich auf Schadensersatz verklagen zu können.
    Oder um Homophobe zu provozieren.
    Oder Aufmerksamkeit zu bekommen.
    Vielleicht auch die Hoffnung, er habe sich geändert.
    Oder der Kunde wusste es nicht, wer das ist und was er für Ansichten hat
    Gibt viele Gründe
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#8 DagoAnonym
  • 16.08.2018, 15:20h
  • Antwort auf #1 von Homonklin44
  • Dem stimme ich zu! Jeder private Unternehmer sollte selbst entscheiden, wen er bedient. Wer Schwule oder Christen ausschließen möchte, sollte das dürfen. Es ist ein Arschloch-Move, aber jemanden zum Bedienen zu zwingen, ist gegen die freiheitliche Ordnung. Statt mit dem Gesetz gegen sowas vorzugehen, sollte man versuchen ihn mit Vernunft umzustimmen oder notfalls zum Boykott aufrufen.
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#9 Alexander_FAnonym
  • 16.08.2018, 15:20h
  • Wenn dieser Typ schon landesweit für seine Ansichten bekannt ist, muss ich mich aber auch fragen, weshalb unsereiner dann offenbar immer noch bei ihm bestellt. Soll man den Penner doch boykottieren und ihn seine Kuchen nur an wahre Christen verkaufen lassen. Er wird schon sehen, was er davon hat. Es wird ja wohl in Denver auch noch andere Konditoren geben, die nicht so bekloppt sind.
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#10 ursus
  • 16.08.2018, 15:52h
  • Antwort auf #8 von Dago
  • "Jeder private Unternehmer sollte selbst entscheiden, wen er bedient. [... ] jemanden zum Bedienen zu zwingen, ist gegen die freiheitliche Ordnung."

    wer das recht, zum beispiel "ich bediene keine juden" ins schaufenster zu schreiben, für eine grundbedingung der "freiheitlichen ordnung" hält, hat nichts, aber auch gar nichts von freiheit begriffen. und aus der geschichte alarmierend wenig gelernt.
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