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Von Judo bis Pfefferspray

Selbstverteidigung in Not – worauf ist zu achten?

Jeder kann Opfer eines Angriffs werden, doch niemand muss dies einfach so geschehen lassen. Einige Hilfen zur Selbsthilfe.


In Notsitationen ist Selbstverteidigung sehr wichtig – doch welche Maßnahmen sind hier besonders effektiv? (Bild: pixabay.com © pedjasayaret / CC0-Lizenz)

  • 16. August 2018, 10:45h, noch kein Kommentar

Obwohl Homosexualität in der heutigen Zeit hohe Akzeptanz genießt, gibt es immer noch Personen, die auf Lesben und Schwule aggressiv reagieren und sie unter Umständen sogar körperlich attackieren. Selbstverteidigung ist hier wichtig und ein probates Mittel, doch welche Möglichkeiten gibt es und was ist sinnvoll?

Kampfsport

Mit eine der besten und auch bekanntesten Methoden zur Selbstverteidigung ist Kampfsport. Aber Achtung: nicht jede Art Kampfsport ist gleich. Es gibt verschiedene Techniken und auch Regeln. Gut erlernbare Kampfsportarten sind zum Beispiel:

- Jiu-Jitsu: Diese Kampfsporart geht auf die Samurai zurück. Es handelt sich dabei um eine Verteidigungsart ohne Waffen.
- Judo: Beim Judo liegt der Schwerpunkt nicht auf dem Angriff, sondern auf der Selbstverteidigung.
- Karate: Die Kampfsportart Karate setzt auf den waffenlosen Nahkampf und vermittelt unterschiedliche Tritt- und Schlagtechniken.
- Tae Bo: Wohl die Kampfsportart mit dem größten Spaßpotenzial. Denn Tae Bo verbindet Kampfsportelemente mit Tanz und Aerobic. Tae Bo trainiert zudem die Koordination sowie die Kondition.

Utensilien

Auch wer keinen Kampfsport beherrscht, kann sich im Notfall verteidigen. Mithilfe spezieller Utensilien.

1. Kubotan

Beim Kubotan handelt es sich um einen unauffälligen, kurzen Metall-Stift. Er wird am Schlüsselbund getragen und wirkt daher wie ein normaler Schlüsselanhänger. Im Einsatzfall wird der Kubotan in der Hand gehalten und als Schlagelement eingesetzt.

Der Kubotan erhöht durch seine Form die Schlagkraft und ermöglicht somit auch körperlich schwächeren Personen eine effiziente Verteidigung. Ein weiterer Vorteil des Kubotan: er kann auch in anderen Notsituationen eingesetzt werden. Beispielsweise als Notfallhammer zum Einschlagen von Glasscheiben von Auto, Bahn und Bus.

Die Verwendung des Kubotan ist an sich einfach. Wer jedoch spezielle Techniken mit diesem Verteidigungsutensil erlernen will, sollte sich an Jiu-Jitsu, Krav Maga oder auch Karate halten. Gut zu wissen: der Kubotan ist in Deutschland legal und darf somit gekauft, mitgeführt und im Verteidigungsfall eingesetzt werden. Dies gilt jedoch nur für den absoluten Notfall.

Doch Vorsicht, auch wenn die Mitführung eines Kubotans legal ist, er sollte stets mit Bedacht eingesetzt werden. Schläge mit dem Kubotan in die Rippenbögen, Kniekehlen oder Achselhöhlen sind äußerst effizient und setzen den Angreifer schnell außer Gefecht. Kubotan-Schläge an den Kopf können jedoch lebensgefährlich sein. Interessierte können hier mehr über den Einsatz lesen, um am Ende entsprechend gewappnet zu sein.

2. CS-Gas

Bei CS-Gas handelt es sich um ein Aerosol zur Selbstverteidigung. Es wirkt direkt auf das menschliche Schmerzzentrum. Ziel des Sprays sollte stets die direkte Haut, also textilfreie Stellen sein. CS-Spray ist in Deutschland legal und für Personen ab 14 Jahren frei verkäuflich.

Doch Achtung: das CS-Gas benötigt eine offizielle BKA-Zulassung. Nur damit ist das Spray für den Einsatz zur Verteidigung gegen Menschen zugelassen.

Die Erlaubnis zum Einsatz gegen Menschen ist der größte Unterschied zwischen CS-Gas und dem ihm ähnlichen Pfefferspray.

3. Pfefferspray

An sich ist Pfefferspray in Deutschland legal. Doch der vorsätzliche Einsatz von Pfefferspray gegen Menschen ist nicht erlaubt. Aus diesem Grund muss das Pfefferspray als Tierabwehrspray gekennzeichnet sein. Dadurch fällt das Pfefferspray nicht unter das Waffengesetz, sondern gilt als reines Tierabwehrspray.

Ohne die Kennzeichnung als Tierabwehrspray unterliegt das Pfefferspray dem Waffengesetz und ist somit verboten.

Das Pfefferspray darf also lediglich unter dem Bereithaltegrund Tierabwehr mitgeführt werden. Der vorsätzliche Einsatz von Pfefferspray gegen Menschen ist verboten und kann bestraft werden. Der Einsatz von Pfefferspray zur Verteidigung gegen Menschen ist nur dann gerechtfertigt, wenn kein anderes geeignetes Verteidigungsmittel zur Verfügung steht.

Kubotan, CS-Spray, Pfefferspray…

… egal welche dieser Verteidigungsutensilien eingesetzt wird, eines sollte jedem bewusst sein: gelangt das Utensil in die Hände des Angreifers, kann es gegen einen selbst eingesetzt werden.

Es ist deshalb wichtig, den Kubotan, CS-Gas oder auch Pfefferspray stets sicher im Griff zu haben und es sich nicht entwenden zu lassen. Mitunter kann es jedoch auch grundsätzlich zur Eskalation kommen, wenn man eine Waffe zieht.

Weitere Möglichkeiten

Neben Kampfsportkursen und Verteidigungsutensilien gibt es noch einige weitere Möglichkeiten, sich zu schützen:

- Selbstbewusst sein: Ein selbstbewusstes Auftreten kann potenzielle Angreifer bereits vor der Tat abschrecken. Auch bei Angst sollte stets eine aufrechte, selbstsichere Haltung beibehalten werden. Sich nicht klein machen.
- Sich wehren: Egal, ob Kampfkunst beherrscht wird, ein Verteidigungsutensil zur Hand ist oder man komplett "wehrlos" ist, sich wehren ist Pflicht. Mit Händen und Füßen um sich schlagen, zeigen, dass man sich verteidigt. Egal wie. Auch in Reichweite befindliche Dinge können zur Verteidigung genutzt werden. Sei es ein Ast, ein Besen oder etwas ganz anderes, alles kann hilfreich sein.
- Laut sein: Keinesfalls sollte man den Angriff still erdulden. Laut zu schreien kann den potenziellen Angreifer bereits verunsichern. Auch direkt das Fehlverhalten zu benennen, kann hilfreich sein, wie beispielsweise "Lassen Sie mich los", "Fassen Sie mich nicht an" oder noch genauer "Lassen Sie meinen Arm los".
- Personen direkt ansprechen: Wer Hilfe benötigt, sollte nicht darauf warten, bis jemand von selbst einschreitet. Hier lautet die Devise: ansprechen. Und zwar nicht zu lapidar oder allgemein, sondern direkt. "Sie im blauen Jacket, rufen Sie die Polizei!". Denn nur wer sich direkt angesprochen fühlt, wird wirklich helfen.

Fazit

So sehr Homosexualität inzwischen auch akzeptiert ist, Angriffe auf homosexuelle Menschen sind leider immer noch keine Seltenheit. Hier ist es wichtig, sich zu wehren. Vorbeugend durch das richtige auftreten und im akuten Notfall durch Kampfsporttechniken, Verteidigungsutensilien oder – sofern beides nicht vorhanden ist – durch eisernen Willen und Körpereinsatz.

Jeder kann Opfer eines Angriffs werden, doch niemand muss dies einfach so geschehen lassen. Kampfsportkurse fördern nicht nur die körperliche Fitness und lehren Selbstverteidigung, sie stärken auch das Selbstbewusstsein. Und schon das Wissen, ein Selbstverteidigungsutensil wie beispielsweise den Kubotan bei sich zu haben, führt zu einem sichereren Auftreten.

Eine Faustregel, welche Verteidigungsart für welche Person am besten ist, gibt es allerdings nicht. Hier entscheidet allein das eigene Wohlbefinden, die persönlichen Vorlieben und auch die körperliche Kraft und Fitness. (ak)