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Nach Spott und Empörung

Österreich: Asylbehörde bedauert homophoben Ausbruch

Der Beamte, der einem Afghanen das Asyl absprach, weil dieser nicht schwul genug agiere, sei bereits versetzt worden.


Das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl versucht nach weltweiten Berichten über den Ablehnungsbescheid gegen einen schwulen Afghanen die Wogen zu glätten (Bild: flickr / brx0 / by 2.0)

Das österreichische Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) hat am Freitag nach Angaben der Nachrichtenagentur APA Fehler bei der Beurteilung eines schwulen Afghanen eingeräumt, dessen Asylantrag wegen nicht-schwulen Verhaltens abgelehnt worden war. Der verantwortliche Beamte sei bereits im Mai nach ersten Beschwerden versetzt worden, teilte die Behörde mit.

In der am Mittwoch bekannt gewordenen Begründung eines Mitarbeiters der Regionalstelle Wiener Neustadt hieß es unter anderem: "Weder Ihr Gang, Ihr Gehabe oder Ihre Bekleidung haben auch nur annähernd darauf hingedeutet, dass Sie homosexuell sein könnten." Außerdem wurde dem Asylbewerber angekreidet, dass er sich mit Zimmergenossen gestritten habe, was angeblich "bei einem Homosexuellen nicht zu erwarten wäre" (queer.de berichtete).

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Homophobe Formulierungen entsprechen "nicht den qualitativen Standards des BFA"

Die sprachlichen Verfehlungen würde man bedauern, so das Bundesamt. Man habe bereits im Mai eine interne Prüfung veranlasst. Bei dieser sei festgestellt worden, dass die Bescheide des betreffenden Beamten "hinsichtlich der Ausdrucksweise und Formulierungen nicht den qualitativen Standards des BFA entsprechen". Daher habe man den Mitarbeiter sofort versetzt. "Ein respektvolles Verhalten im Umgang mit Menschen und die qualitätsvolle Bearbeitung der Bescheide sind Grundvoraussetzung für die Arbeit des Bundesamtes", hieß es weiter.

Die Begründung des homophoben Beamten führte weltweit zu Spott und Empörung und brachten das kleine Österreich weltweit in die Schlagzeilen; unter anderem hatten die "New York Times", die "Washington Post" und der britische "Guardian" über den Fall berichtet.

Wer schwul ist, bestimmt immer noch das Amt

Gepostet von ZDF heute-show am Mittwoch, 15. August 2018
Facebook / ZDF heute-show | Auch die ZDF-Satiresendung "heute-show" machte sich über den absurden Bescheid lustig

BFA: "Keine grundsätzlichen Defizite"

Allerdings stellte das Asyl-Bundesamt auch klar, dass man "keine grundsätzlichen Defizite" bei Bescheiden gefunden habe. Schließlich seien in den letzten beiden Jahren knapp 120.000 Asylentscheidungen getroffen worden, die durchschnittliche Länge bei einem negativen Bescheid sei 70 Seiten gewesen. "Aus dieser enormen Menge ein paar wenige Sätze herauszunehmen, bildet nicht die Realität ab", erklärte das Amt. Im Bereich LGBTIQ sei zudem eine weiterführende Schulung in Planung, die gemeinsam mit dem UN-Flüchtlingskommissariat durchgeführt werde.

Der kritisierte Bescheid ist allerdings nicht der erste, mit dem aus fadenscheinigen Gründen mutmaßliche Homosexuelle aus der Alpenrepublik abgeschoben werden sollen: Das BFA hatte bereits im Juni für Empörung gesorgt, als es den Asylantrag eines Iraner ablehnte, weil dieser die Farben der Regenbogenfahne nicht richtig zuordnen konnte (queer.de berichtete). Ein Gericht revidierte diese Woche die Entscheidung (queer.de berichtete). Zudem hatte der für das BFA verantwortliche Innenminister Herbert Kickl von der rechtspopulistischen FPÖ als Parteifunktionär 2015 das Asylrecht für verfolgte Schwule und Lesben grundsätzlich in Frage gestellt. (dk)



#1 XYZ1Anonym
  • 17.08.2018, 14:37h
  • Tja hätte der wie jeder andere Beamte auch am Arbeitsplatz geschlafen, wäre ihm das wohl nicht passiert. xD
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#2 HannoAnonym
  • 17.08.2018, 14:46h
  • Wieso nur versetzt und nicht entlassen?

    Das grenzt ja schon an Amtsmissbrauch.

    Jetzt macht der halt in anderer Position genauso weiter.

    Und übrigens:
    es gibt genug weitere Fälle, wo das Asyl von LGBTI zwar nicht wegen zu wenig schwulem Verhalten, sondern aus anderen fadenscheinigen Gründen abgelehnt wurde...
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#3 ösi-watchAnonym
  • 17.08.2018, 15:58h
  • Wird man in Österreich wegen so was tatsächlich versetzt oder doch befördert, evtl. sogar in den finanziell einträglichen Ruhestand? Es wäre interssant zu erfahren, wo und wie weich der österreichische Beamte gelandet ist.
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#4 stromboliProfil
  • 17.08.2018, 16:41hberlin
  • also diese "begutachtungskriterien in der asylgewährung sind doch auch und gerade in brd durchaus üblich.
    Zwar von bundesland zu bundesland unterschiedlich gehandhabt, aber eben eine auf listen kusierende aufstellung "homosexueller handlungsweisen.
    Hier wurde doch schon über skandalöse entscheidungen fragwürdiger personen in unseren amtsstuben berichtet.

    Berühmt berüchtigt die vormals selben kriterien bei der feststellung der sexuellen orientierung im damaligen wehrerfassungsverfahren- wehrdienstverweigerung unter §175.

    Der amtochse benutzt die selben vorschriften, die selben voreingenommenheiten, um seiner kleinen machtausübung ein rechtliches siegel umzuhängen...
    Da sind die amtsträger mit dem stempel in der hand gleich jenen, die zeitens 33-45 ebenso über tod oder leben entscheiden durften..
    Der kreis der geschichte schließt sich.
    Oder besser ; er widerholt sich vor unseren sprachlosen augen!
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#5 Ralph
#6 TheDadProfil
  • 18.08.2018, 00:09hHannover
  • Antwort auf #2 von Hanno
  • ""Wieso nur versetzt und nicht entlassen?""..

    Beamte werden nicht entlassen !

    Es sei denn sie haben gegen Gesetze verstoßen, und werden deshalb zu Haftstrafen ÜBER 2 Jahren Haft verurteilt..

    ""Jetzt macht der halt in anderer Position genauso weiter.""..

    Eine Versetzung bedeutet dann einen "anderen geschäfts und sachbereich"..

    Dieser Beamte hat dann mit Asylrecht nichts mehr zu tun..
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#7 TheDadProfil
#8 von_hinten_genommenAnonym
  • 19.08.2018, 15:02h
  • Antwort auf #5 von Ralph
  • Genau, ein Roboter ist er gewesen ohne Hirn, Verstand, und ohne eigenständiger Handlungsfähigkeit (?)
    Im Artikel steht was ganz anderes. Und das war kein Einzelfall.

    Wenigstens hat er diesen Posten nicht mehr, obwohl ich das zu wenig finde.
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#9 habemus_plemplem
  • 20.08.2018, 08:03h
  • Es geht hier nicht um sprachliche Fragen von Formulierung und Ausdrucksweise, sondern es geht um den inhaltlichen Kern des Gesagten! Wenn man als Homosexueller sämtliche dämlichen Klischees erfüllen muss, um glaubwürdig zu sein, dann hat dieser Beamte ein grundsätzlichen Defizit an Kompetenz und Professionalität. Ich habe deshalb null Verständis dafür, dass hier ausschließlich sprachliche Fehler eingeräumt werden.

    Wenn das nun so hingestellt wird, als hätte der Beamte sich lediglich falsch ausgedrückt, dann bedeutet dies wohl, dass seine Entscheidungen und Entscheidungskriterien sachlich nicht zu beanstanden sind. Das wäre dann der eigentliche Skandal! Für mich wirft es die Frage auf: Musste er möglicherweise jetzt dafür gehen, dass er die tatsächlichen amtlichen Kriterien und deren immanente Homophobie allzu redselig offengelegt hat?
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