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Weekend-Trip

Ein queeres Wochenende in Cardiff

Es muss nicht immer London sein: Die walisische Hauptstadt bietet Partys, Kultur, Sightseeing und Shopping – und ist ein Highlight für queere Seriennerds und Filmfans.


Besucher des CSD von Cardiff und die Castle der Stadt samt Landesflagge (Bild: lgbtpridecymru / instagram, Pixabay)
  • Von Norbert Blech
    19. August 2018, 16:43h, noch kein Kommentar

"Croeso i Gymru" – man muss nicht Walisisch sprechen, um sich wie gewünscht willkommen zu fühlen in Wales. Die Hauptstadt Cardiff bietet für queere Besucher aus aller Welt die Gelegenheit, mal eine andere Seite Großbritanniens zu entdecken, durch historische Orte und die Natur zu schlendern, regionale Spezialitäten zu entdecken und Leute kennenzulernen. Die vergleichsweise kleine Stadt mit rund 335.000 Einwohnern bietet dank des Zulaufs der Region und einer großen Studentenschaft ein reges Partyleben.


Vor und im "Pulse" trifft sich die Stadt. Bild: Pulse Cardiff / facebook

Die Szene bietet so einige lebendige Bars und Pubs, die meisten bieten an einigen Abenden Parties oder Specials wie Drag-Shows oder Karaoke an. Beliebt ist etwa der Club "Pulse", der auf mehreren Ebenen und auf der Straßenterasse an Wochenenden zum Feiern lädt. Direkt gegenüber auf dem zentralen Churchill Way liegen die täglich geöffnete "Wow Bar" und das sehr unterhaltsame "The Kings" der "Pulse"-Inhaber mit diversen Shows.

Drag-Shows, Karaoke & Co. trifft man auch im "Golden Cross", einem klassisch eingerichteten Pub in denkmalgeschützten Gebäude. Die Innenstadt bietet weitere Szene-Einrichtungen wie die "Minsky's Showbar" und diverse Clubnächte – wie überall in Großbritannien plaudern und tanzen hier in der Regel jung und alt, schwul und lesbisch, hetero und homo und cis und trans gemeinsam in lockerer und sehr kommunikativer Atmosphäre.


Das "Golden Cross" bei Tageslicht. Bild: nb

Wer als schwuler Mann unter sich bleiben will und auf der Suche nach Kontakt ist, findet unweit von "Pulse" und Co. das "Eagle", eine Kneipe samt Darkroom. Gegenüber liegt mit dem "Eagle 50" auch eine schwule Sauna.

Ein queeres Filmfest mit Besonderheit

Zu den Jahres-Highlights in Cardiff gehört der große CSD in der Innenstadt – in diesem Jahr findet der "Pride Cymru" am nächsten Wochenende vom 24. bis 26. August statt. Achtung: Für das Straßenfest vor dem Rathaus sind anders als für die Parade Tickets nötig.


Bei CSD ziehen jeden August zehntausende Menschen durch Cardiff. Bild: lgbtpridecymru / instagram

Wenige Wochen später wird Cardiff von queeren Filmfans, von Regisseuren und Schauspielern aus aller Welt übernommen: Das "Iris Prize Festival" lädt für rund eine Woche, in diesem Jahr vom 9. bis 18. Oktober, zu einer Vielzahl von LGBTI-Kurz- und Langfilmen, umrundet von Panels und Parties. Die Besonderheit: Eine internationale Jury vergibt neben diversen weiteren Auszeichnungen den im Titel genannten "Iris Prize": Aus einer teilweise von Partnerfestivals aus der ganzen Welt vorgeschlagenen Liste wird der Siegerfilm ausgewählt. Dessen Regisseur oder Regisseurin gewinnt eine Förderung von 30.000 britischen Pfund, um in Wales einen Kurzfilm zu drehen.


Der South Wales Gay Men's Chorus beim internationalen LGBTI-Filmestival von Cardiff. Bild: Iris Prize Festival / facebook

Cardiff ist längst ein Ort, den man auch auf der Leinwand und speziell im Fernsehen betreten kann: Die BBC dreht und drehte hier und in der Region Serien wie "Doctor Who", "Sherlock" oder "Merlin", wobei die Innenstadt oft für London herhalten musste. Eine Webseite listet viele der Drehorte (wer nicht direkt in Cardiff landet, sondern über den Flughafen vom 60 Autominuten entfernten Bristol in England anreist, kann auch dort auf den Spuren von TV-Serien wandeln, etwa von "Skins").

Für queere Serienfans ist Cardiff ein Muss: Vom walisischen Autor von "Queer as Folk", Russell T. Davies, entstand hier auch der "Doctor-Who"-Ableger "Torchwood" rund um den bisexuellen Captain Jack Harkness. Besonders das ehemalige Hafengebiet zur Umladung von Kohle, die Cardiff Bay, bietet nicht nur ein Shopping- und Food-Paradies, die Gelegenheit zu einer adrenalingeladenen Powerboot-Fahrt und Sehenswürdigkeiten von Hafengebäuden bis hin zum walisischen Parlament und dem modernen Konzerthaus Millennium Centre, sondern auch die Hauptkulissen der Serie – in der Bay fand sich das vermeintliche und versteckte Hauptquartier von "Torchwood". Eine eigene Ausstellung der BBC zu "Doctor Who" wurde inzwischen leider wieder geschlossen.


Ein von Fans aus aller Welt angebrachter Schrein an Ianto Jones erinnert auch Jahre nach dem Ende von "Torchwood" an den dramatisch verstorbenen Liebhaber von Captain Jack Harkness. Bild: nb

Ein kleines Märchenschloss in der Stadtmitte

Zu einem Muss in Cardiff gehört ein Besuch in der mittelalterlichen Burg samt ihrem neugotischem Herrenhaus – die "Cardiff Castle" umfasst viele Stile und ebenso bemerkenswerte Inneneinrichtungen wie Geschichten. Der 3. Marquess of Bute errichtete mit dem Architekten William Burges ein kleines Märchenschloss.


Dining Room der Burg – beim Nato-Treffen 2014 speisten hier die Anführer der Welt

Auch das National Gallery and Museum of Wales neben dem Rathaus bietet, unter anderem mit der größten Sammlung von Impressionisten außerhalb von Paris, die Möglichkeit, sich für Stunden zu verlieren – natürlich gibt es auch Dinosaurier. In der zu Fuß erreichbaren Innenstadt erwarten einen viele viktorianische und eduardische Arkaden, die zum Shoppen oder zu einem Kaffee oder Dinner einladen. Alles, was man in London so sucht, findet man auch hier auf kleineren Raum.


Auch Wales umwirbt schwule und lesbische Touristen. Bild: Visit Britain

Für einen kleine Stärkung bietet sich so etwa Coffee Barker in den Castle-Quarter-Arcaden oder den Pettigrew Tea Rooms im Park der Castle an – britische Tradition trifft auf regionale Spezialitäten wie Welch Cakes trifft auf vegane Sandwiches. Kulinarisch bietet die Stadt alle Stile, von preiswert bis hochklassig, von mal-schnell-auf-die Hand bis zum speziellen Setting: Das "Potted Pig" am Fuß der Burg lädt etwa zum Essen in den früheren Tresorraum einer Bank.


Sandwiches bei Pettigrew Tea Rooms. Bild: nb

Auf Touren im Umland lassen sich die Burgruine Caerphilly Castle, eine ehemalige Mine als Big Pit National Coal Museum in Blaenavo oder, etwa mit einer Fahrt auf der dampfenden Mountain Railway, die Natur der Brecon Beacons erkunden.


Caerphilly Castle vor den Toren Cardiffs. Bild: Cadw, Welsh Government

Die Anreise nach Cardiff erfolgt über Direktflüge in die Stadt oder nach Bristol; London ist per Zug oder Auto rund zwei, Manchechster oder Liverpool drei bis vier Stunden entfernt. Zu den LGBTI-freundlichen Unterbringungen gehören das Radisson Blu, in dem der Autor dieses Artikels während der Pressereise unterkam, oder das Fünf-Sterne-Hotel St David's Hotel and Spa, in dem John Barrowman, der "Torchwood"-Captain, im realen Leben seine Hochzeit mit Scott Gill feierte. Szeneguides führen weitere Hotels und Pensionen aller Preisklassen auf.


Auch Besucher aus Deutschland dürfen sich in Cardiff willkommen fühlen – Stuttgart ist seit 1955 Partnerstadt. Bild: nb