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Vom Moppelchen zur Sexbombe
Fünf Argumente für "Insatiable"
Kritiker meckern über "Fatshaming" und "Biphobie". Hier fünf Gründe, warum sich die neue Netflix-Serie über ein ehemals dickes Mädchen dennoch für Binge-Watching eignet – darunter drei Coming-outs.

Patty (Debby Ryan) – vorher und nachher (Bild: Netflix)
- Von Peter Fuchs
22. August 2018, 06:01h 2 Min.
Argument 1: Die Online-Petition
Der Trailer ging on air, schon wurde eine Online-Petition gestartet: "CANCEL Netflix's Body-Shaming Series 'Insatiable'!" Wie? Noch bevor die ganze Serie zu sehen war? Mehr als 230.000 Leute haben unterschrieben. Bei aller Liebe: Es gibt also mehr als 230.000 Gründe, sich die Serie zumindest mal anzusehen. So viel Trotz muss sein!
Argument 2: Der Inhalt
Patty hat Übergewicht. Die 16-Jährige wird deshalb in der Schule fies gemobbt. Sie prügelt sich mit einem Obdachlosen um einen Schokoriegel. Er schlägt sie nieder. Gebrochener Kiefer, Patty kann sich wochenlang nur flüssig ernähren und verliert viele überzählige Pfunde. Niemand erkennt sie, als sie an die Schule zurückkehrt. Patty ist jetzt eine Sexbombe (Achtung: aber kein Hungerhaken). Sie nimmt an Schönheitswettbewerben teil und will Rache üben an allen, die gemein zu ihr waren. Gaga? Und wie! "Insatiable" ist also keine Doku über Fatshaming.
Argument 3: Die Sympathie
Patty ist herzlich unsympathisch. Sich mit ihr zu identifizieren klappt gar nicht. Dazu baut sie zu viel Mist im Lauf der Serie oder ist garstig zu Menschen, die sie liebhaben. Wenn sie Letzteres überhaupt bemerkt, weil sie nur mit sich selbst beschäftigt ist. Das hässliche Entlein entpuppt sich als oberflächlicher, berechnender, naiver, verletzlicher, gemeiner Schwan. Debby Ryan spielt das alles gleichzeitig. Respekt! Mitleid mit dem ehemals dicken Mädchen kommt also nicht auf. Mitleid wäre eigentlich ein Fall für eine Online-Petition. Mitleid wäre echt böse!
Argument 4: Politisch unkorrekt
"Insatiable" ist politisch nicht korrekt. Es gibt Witze über Minderheiten. Manche sind so lala, manche brutal komisch. Aber kein Witz spekuliert mit dem Tabubruch, wie einst bei Harald Schmidt, keine Pointe buhlt aus der Perspektive der Heteronormativität um Lacher. Ob Lesben, Schwule, Asiatinnen oder alle anderen, die nicht weiß, männlich und heterosexuell sind: Niemand bleibt verschont. Zu Recht.
Argument 5: Sensibilität
Gaga, politisch nicht korrekt und dennoch schafft es die Serie, zwei schwule und ein lesbisches Coming-out sensibel und in ihrer ganzen Komplexität zu zeigen. Dabei geht einem das Herz auf. Auch ein Höhepunkt: Pattys Dialog mit einer trans Frau über ihren Körper und Körperempfindungen. Rührend und ehrlich.
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Insatiable. Serie. USA 2018. Creator: Lauren Gussis. Darsteller: Dallas Roberts, Debby Ryan, Christopher Gorham, Alyssa Milano. Folgen: 12 Episoden. Sprache: deutsche Synchronfassung. Seit 10. August auf Netflix.
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Um den Zuschauerkreis zu erhöhen haben die Drehbuchschreiber ( wahrscheinlich in Nebenrollen) homosexuelle Charaktere installiert.
Man guckt sich als Schwuler/ Lesbe natürlich auch Filme und Serien mit Hetero- Schwerpunkt an...ist die Auswahl doch sonst vergleichsweise mager. Kein Ding also. Allerdings bringen Serien mit so wenig homosexuellem Bezug wie diese selten Berichte in Queer.de.
Warum sich ausgerechnet erwachsene Schwule und Lesben eine Serie um eine High- School Göre angucken sollen erschließt sich mir auch nach lesen der 5 Argumente nicht.