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Österreich

Zu "mädchenhaft": Kein Asyl für schwulen Iraker

Erneut wurde in Österreich ein Asylantrag eines homosexuellen Flüchtlings mit einer absurden Begründung abgelehnt.


Für die Asylbehörde nur scheinschwul: Firas (Mi.) mit dem Grazer Integrations-Stadtrat Kurt Hohensinner (li.) und Joe Niedermayer von den RosaLila PantherInnen bei der Vorstellung der Coming-out-Broschüre, die der Flüchtling ehrenamtlich auf Arabisch übersetzt hat (Bild: RosaLila Pantherinnen)
  • 23. August 2018, 05:50h 25 3 Min.

Erst in der vergangenen Woche sorgte eine Entscheidung aus Wien für Schlagzeilen. Dort hatte das österreichische Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) den Asylantrag eines schwulen Afghanen mit der Begründung abgelehnt, sein "Gehabe" sei nicht homosexuell genug (queer.de berichtete). Nun wurde ein Fall aus Graz bekannt, wo einem schwulen Flüchtling aus dem Irak Asyl verwehrt wurde, weil er sich zu "mädchenhaft" präsentiert habe.

Der 27-jährige Firas war 2015 aus dem Irak nach Österreich geflohen und beantragte Asyl. Im Mai dieses Jahres wurde er vom BFA zu seinen Fluchtgründen befragt. Dort gab er an, dass ihm seine Homosexualität seit seinem 16. Lebensjahr bewusst sei, er diese jedoch im Irak aus Angst nicht ausgelebt habe. "Die Problematik für Homosexuelle ist, dass diese getötet werden, da dies gegen die Religion und Vorstellungen der Gesellschaft ist", wird er im Protokoll der Behörde zitiert.

Erst in Österreich habe er sexuelle Kontakte zu anderen Männern gehabt. Firas berichtete dem BFA außerdem von seinem ehrenamtlichen Engagement für den Grazer LGBTI-Verein RosaLila PantherInnen, für den er u.a. eine Coming-out-Broschüre auf Arabisch übersetzte. Auch konnte er gegenüber der Behörde sämtlicher Grazer und Wiener Szenelokale korrekt aufzählen.

Firas Vater bestritt die Homosexualität seines Sohnes

Das BFA glaubte Firas jedoch nicht, dass er wirklich schwul ist. "Besonders auffallend […] war auch der Umstand, dass Sie sich erst ab den konkreten Fragen zu Ihrer Homosexualität fortwährend steigernd, eines stereotypischen, jedenfalls überzogenen 'mädchenhaften' Verhaltens (Mimik, Gestik) eines 'sexuell anders Orientierten' bedient haben, dies in Ihrem Fall aber lediglich gespielt, aufgesetzt und nicht authentisch auf die Behörde wirkte", heißt es im Ablehnungsbescheid. Es sei "nicht glaubhaft, dass Sie sexuell anders (homosexuell) orientiert sind". '


Aus dem Ablehnungsbescheid des BFA

Das Bundesamt berief sich außerdem auf Firas Vater, der eine Homosexualität seines Sohnes bestritten habe. Die Behörde schloss daraus, dass die "genannten Fluchtgründe ausschließlich aus dem Wunsch nach besseren Lebensbedingungen resultieren".

RosaLila PantherInnen: "furchbare Diskriminierung"

"Das ist eine furchtbare Diskriminierung", kommentierte Joe Niedermayer von den RosaLila PantherInnen die Entscheidung. "Für uns steht außer Zweifel, dass er homosexuell ist und daher ein Recht auf Asyl in Österreich hat."

Die Unwissenheit des Vaters unterstreiche nur, dass Homosexualität ein triftiger Flüchtlingsgrund ist: "Es zeigt, wie schwierig die Situation für Firas ist. Er wird nicht nur verleugnet, sondern als Schwuler in seinem Heimatland verfolgt und zu Tode gefoltert." Auch der Wille zur Integration sei ihm nicht abzusprechen, so Niedermayer: "Wie könnte man europäische Werte besser hochhalten, als durch das Engagement für Minderheiten?"

Gegen den negativen Bescheid hat Firas Einspruch eingelegt. "Wir müssen Aussagen von Männern vorlegen, die mit Firas geschlafen haben, um zu beweisen, dass er schwul ist", erklärte fassungslos Joe Niedermayer von den RosaLila PantherInnen (cw)

-w-

#1 LotiAnonym
  • 23.08.2018, 10:28h
  • Anmaßend und menschenunwürdig wie mit diesem Menschen umgegangen wird. Besonders der letzte Absatz im Bericht macht mich sehr wütend.
    Früher haben wir in der Gruppe noch gelästert über Leute die ein Sextagebuch führen. Jetzt zeigt sich ( leider) wie wichtig solch Unterlagen sein können. Unglaublich, dass ich so etwas noch erleben muß und dann noch ein Nachbarstaat von uns. Wo kam diese Unperson A.H. gebürtig her?
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#2 von_hinten_genommenAnonym
  • 23.08.2018, 10:36h
  • Aha, nachdem sie sich für die Vorgehensweise eines BFA Angestellten entschuldigten, weil ein Schwuler, der Asyl beantragte, die Bedeutung der Regenbogenfarben der Regenbogenflagge nicht erklären konnte, geht es nun munter mit der Stigmatisierung weiter(!)

    Spätestens jetzt steckt ein System dahinter, das wohl dazu beitragen soll, die Gewährung des Asyls einzuschränken.
    Soll doch das BFA mal das Gegenteil beweisen. Ihre neuliche Entschuldigung ist kein Pfifferling wert!
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