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Österreich

Zu "mädchenhaft": Kein Asyl für schwulen Iraker

Erneut wurde in Österreich ein Asylantrag eines homosexuellen Flüchtlings mit einer absurden Begründung abgelehnt.


Für die Asylbehörde nur scheinschwul: Firas (Mi.) mit dem Grazer Integrations-Stadtrat Kurt Hohensinner (li.) und Joe Niedermayer von den RosaLila PantherInnen bei der Vorstellung der Coming-out-Broschüre, die der Flüchtling ehrenamtlich auf Arabisch übersetzt hat (Bild: RosaLila Pantherinnen)

Erst in der vergangenen Woche sorgte eine Entscheidung aus Wien für Schlagzeilen. Dort hatte das österreichische Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) den Asylantrag eines schwulen Afghanen mit der Begründung abgelehnt, sein "Gehabe" sei nicht homosexuell genug (queer.de berichtete). Nun wurde ein Fall aus Graz bekannt, wo einem schwulen Flüchtling aus dem Irak Asyl verwehrt wurde, weil er sich zu "mädchenhaft" präsentiert habe.

Der 27-jährige Firas war 2015 aus dem Irak nach Österreich geflohen und beantragte Asyl. Im Mai dieses Jahres wurde er vom BFA zu seinen Fluchtgründen befragt. Dort gab er an, dass ihm seine Homosexualität seit seinem 16. Lebensjahr bewusst sei, er diese jedoch im Irak aus Angst nicht ausgelebt habe. "Die Problematik für Homosexuelle ist, dass diese getötet werden, da dies gegen die Religion und Vorstellungen der Gesellschaft ist", wird er im Protokoll der Behörde zitiert.

Erst in Österreich habe er sexuelle Kontakte zu anderen Männern gehabt. Firas berichtete dem BFA außerdem von seinem ehrenamtlichen Engagement für den Grazer LGBTI-Verein RosaLila PantherInnen, für den er u.a. eine Coming-out-Broschüre auf Arabisch übersetzte. Auch konnte er gegenüber der Behörde sämtlicher Grazer und Wiener Szenelokale korrekt aufzählen.

Firas Vater bestritt die Homosexualität seines Sohnes

Das BFA glaubte Firas jedoch nicht, dass er wirklich schwul ist. "Besonders auffallend […] war auch der Umstand, dass Sie sich erst ab den konkreten Fragen zu Ihrer Homosexualität fortwährend steigernd, eines stereotypischen, jedenfalls überzogenen 'mädchenhaften' Verhaltens (Mimik, Gestik) eines 'sexuell anders Orientierten' bedient haben, dies in Ihrem Fall aber lediglich gespielt, aufgesetzt und nicht authentisch auf die Behörde wirkte", heißt es im Ablehnungsbescheid. Es sei "nicht glaubhaft, dass Sie sexuell anders (homosexuell) orientiert sind". '


Aus dem Ablehnungsbescheid des BFA

Das Bundesamt berief sich außerdem auf Firas Vater, der eine Homosexualität seines Sohnes bestritten habe. Die Behörde schloss daraus, dass die "genannten Fluchtgründe ausschließlich aus dem Wunsch nach besseren Lebensbedingungen resultieren".

RosaLila PantherInnen: "furchbare Diskriminierung"

"Das ist eine furchtbare Diskriminierung", kommentierte Joe Niedermayer von den RosaLila PantherInnen die Entscheidung. "Für uns steht außer Zweifel, dass er homosexuell ist und daher ein Recht auf Asyl in Österreich hat."

Die Unwissenheit des Vaters unterstreiche nur, dass Homosexualität ein triftiger Flüchtlingsgrund ist: "Es zeigt, wie schwierig die Situation für Firas ist. Er wird nicht nur verleugnet, sondern als Schwuler in seinem Heimatland verfolgt und zu Tode gefoltert." Auch der Wille zur Integration sei ihm nicht abzusprechen, so Niedermayer: "Wie könnte man europäische Werte besser hochhalten, als durch das Engagement für Minderheiten?"

Gegen den negativen Bescheid hat Firas Einspruch eingelegt. "Wir müssen Aussagen von Männern vorlegen, die mit Firas geschlafen haben, um zu beweisen, dass er schwul ist", erklärte fassungslos Joe Niedermayer von den RosaLila PantherInnen (cw)



#1 LotiAnonym
  • 23.08.2018, 10:28h
  • Anmaßend und menschenunwürdig wie mit diesem Menschen umgegangen wird. Besonders der letzte Absatz im Bericht macht mich sehr wütend.
    Früher haben wir in der Gruppe noch gelästert über Leute die ein Sextagebuch führen. Jetzt zeigt sich ( leider) wie wichtig solch Unterlagen sein können. Unglaublich, dass ich so etwas noch erleben muß und dann noch ein Nachbarstaat von uns. Wo kam diese Unperson A.H. gebürtig her?
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#2 von_hinten_genommenAnonym
  • 23.08.2018, 10:36h
  • Aha, nachdem sie sich für die Vorgehensweise eines BFA Angestellten entschuldigten, weil ein Schwuler, der Asyl beantragte, die Bedeutung der Regenbogenfarben der Regenbogenflagge nicht erklären konnte, geht es nun munter mit der Stigmatisierung weiter(!)

    Spätestens jetzt steckt ein System dahinter, das wohl dazu beitragen soll, die Gewährung des Asyls einzuschränken.
    Soll doch das BFA mal das Gegenteil beweisen. Ihre neuliche Entschuldigung ist kein Pfifferling wert!
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#4 AnselmAnonym
  • 23.08.2018, 11:33h
  • Antwort auf #2 von von_hinten_genommen
  • Absurdes Theater: Einer wird abgelehnt, weil er die Flagenfarben nicht kannte, der nächste weil er sich nicht schwul genug benahm, und jetzt einer, obwohl er zwar den Wissentest (fehlerfreie Auflistung aller Szenenlokale in Graz und Wien) bestanden hat,, weil er sich zu schwul benimmt. Geradezu kafkaesk, was sich die Behörden da leisten.
    Der einzige Trost ist, dass man gegen so absurde Bescheide gut Widerspruch einlegen kann. Auch wird so der Fokus der Öffentlichkeit so auf das besondere Schutzbedürfnis der LGBTI-Flüchtlinge gelenkt.
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#5 JarJarProfil
  • 23.08.2018, 11:54hKiel
  • Das Problem was vorliegt ist doch eben dass man Menschen ihre sexuellen Vorlieben nicht an der Nasenspitze ansehen kann.
    Wie sollen Behörden also erkennen wer wirklich homosexuell ist und wer nicht?
    Einfach alle rein lassen die sagen sie seien es? Sicher auch nicht der richtige Weg.
    Es ist halt unwürdig Leuten intime Fragen wie Sexualpartner müssen aussagen der hatte was mit dem. Aber wie denn sonst? Porno zeigen und schauen wie der Penis reagiert? Klar auch die Frage mit der Regenbogenfahne ist Blödsinn, einfach weil homosexuelle Menschen eben sich nicht einer Schicht zuordnen lassen, sondern es gibt sie überall. Ich sehe das als wirkliches Problem, lässt man die Leute unkontrolliert rein werden halt alle sagen sie sind schwul und sobald sie hier nutzen sie das Sozialsystem aus.
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#6 dellbronx51069Anonym
#7 alter schwedseAnonym
  • 23.08.2018, 12:20h
  • *Das BFA glaubte Firas jedoch nicht, dass er wirklich schwul ist.*
    Was heißt denn hier wirklich schwul? Wie kann man sich überhaupt anmaßen die sexuelle Präferenz eines Menschen bewerten zu wollen? Hat man das dazu "notwendige Fachwissen" bereits auf dem Schulhof der Grundschule erworben oder doch eher augenzwinkernd im gemütlichen Beisl um die Ecke beim neuesten "Warmen-Witz".
    Vielleicht kommt nächstens noch das "Ausziehen - Umdrehen - Bücken" hinzu.
    Für jeden gleichgeschlechtlich empfindenden Flüchtling erscheint mir der Selbstmord im eigenen Land zwischenzeitlich erträglicher als die Tortur der Erniedrigungen und die hämische Niedertracht unserer sogenannten kultivierten, demokratischen Staaten. Im Fall der österreichischen, inzwischen von rechts agierenden Entscheidungsträger ist das ein offensichtliches Kalkül und absolut gewollt. Ein aus tiefstem Herzen kommendes "Pfui Teufel" nach Wien.
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#8 daVinci6667
  • 23.08.2018, 12:39h
  • Entweder das Gehabe ist zu wenig schwul oder dann ist es zu mädchenhaft oder dann kommt die Regenbogenflagge etwas wird immer gefunden nur damit keiner Asyl bekommt. Das hat eindeutig System.
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#9 michael008
  • 23.08.2018, 12:50h
  • Antwort auf #5 von JarJar
  • Du kannst Dir relativ sicher sein, dass gerade Menschen aus Staaten in denen Homosexualität strafbar oder gesellschaftlich extrem geächtet ist, kaum freiwillig bereit sein dürften sich selbst ein solches Zeugnis auszustellen.
    Jemand der nicht homosexuell ist, wird nicht bereit sein eine solche "Schmach" über sich und seine eventuellen Angehörigen zu bringen.
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#10 von_hinten_genommenAnonym
  • 23.08.2018, 13:06h
  • Antwort auf #4 von Anselm
  • Ja, Widerspruch einlegen kann man/frau, aber was diese Stigmatisierung für die Flüchtlinge bedeutet, dazu gibt es leider keine Entschädigung.
    Flüchtlinge sind Flüchtlinge: haben ein Trauma hinter sich. Besonders LGBT Flüchtlinge haben eine doppelte Belastung: einerseits die politische Situation in ihrem Land und zusätzlich noch die Diskriminierung und Gewalt und Lebensgefahr aufgrund der sexuellen Identität.
    Da kommen solche stigmatisierenden Äußerungen des BFA weitaus ungelegen, harmlos formuliert. Ich könnte es auch realistischer formulieren.

    Übrigens müssen diese Flüchtlinge ca. 15 Monate warten, bis sie einen Ersttermin erhalten (nennt sich Interview). Was denkst du, was sie bis dahin in ihrem "Flüchtlingsheim" ertragen und durchmachen? Sie sind oft auf engstem Raum mit denen konfrontiert, vor denen sie flüchteten!
    Erst als eine Trans*Frau getötet wurde, haben sie mehr Schutz für die LGBT Flüchtlinge geschaffen.

    Es ärgert mich schon, dass gerade die Positionen von inkompetenten Personen besetzt sind, die in ihrer Arbeit Empathie und Feinfühligkeit zeigen müssten. Ebenfalls ein systematischer Kreislauf.
    Das darf einem schon mal auf den Keks gehen.
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