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"Spielt den Kram doch im Ausland!"

Rassistische Vorfälle beim CSD Bremen

Bei der offiziellen CSD-Abschlussparty wurde das DJ-Duo NazNak goes Kanak beleidigt und bedroht. Ein weißer Gast schüttete aus Protest sein Bier über das Mischpult.


Aktueller denn je: der CSD Bremen stand in diesem Jahr unter dem Motto "Der Schlüssel zur Welt ist Vielfalt*" (Bild: Bremen Senat Presse / twitter)

Bei der offiziellen Abschlussparty "Pride United" zum CSD Bremen ist es am Wochenende im Kulturzentrum Schlachthof zu rassistischen Vorfällen gekommen. Betroffen war das People-of-Color-DJ-Duo NazNak goes Kanak, das in der Nacht zum Sonntag zur Prime Time von Mitternacht bis zwei Uhr eingeladen war, in der Kesselhalle "Halal Tunes" zu spielen.

Bereits beim ersten Lied habe es Proteste gegeben, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der DJs mit den Gruppen Queeraspora und Women of Color Bremen auf Facebook: "Im Minutentakt wurden wir belästigt. Dabei war die Tanzfläche voll mit Menschen, die zusammen getanzt haben. Eine kleine, aber leider sehr gewaltvoll wirkmächtige Gruppe hatte es sich zur Aufgabe gemacht, uns zu schikanieren."

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Finger mehrfach vom Mischpult weggehauen

Der Ausruf "Spielt den Kram doch im Ausland!" gehörte demnach noch zu den harmlosen Beschwerden. Nach den ersten Songs seien die Proteste immer aggressiver geworden: "Unsere Finger wurden mehrfach vom Mixer weggehauen. Wir wurden als 'Kanaken' beschimpft und last but not least hat eine Person sein Getränk über den Mixer geschüttet", so NazNak goes Kanak.

Durch die Bier-Attacke entstand nach Angaben der CSD-Veranstalter ein Sachschaden in vierstelliger Höhe. "Ein glatzköpfiger weißer Mann hat letztlich nach der erfolglosen Frage 'Ihr hört nicht auf, oder…?' ein Glas Bier übers DJ-Pult geschüttet", heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Pride-Veranstalter vom Montag, in der die Angriffe auf das queere DJ-Duo scharf verurteilt werden. "1.500 Euro Schaden – das Geld hätten wir gerne in den nächsten CSD investiert."


Die CSD-Veranstalter reagierten am Montag mit dieser Grafik und einer Pressemitteilung auf die Vorfälle

Unter Tränen weitergespielt

Es gehe bei den Vorfällen nicht um unterschiedliche Musikgeschmäcker, erklärten NazNak goes Kanak. "Zwei POC [People of Colour, Red.] DJ's persönlich zu beleidigen und anzugreifen und dabei die Musik als 'Scheiß Kanaken-Musik' (ein Beispiel von vielen) zu bezeichnen, ist ein rassistischer Gewaltakt!"

In der Stellungnahme des DJ-Duos heißt es weiter: "Wir haben Gewalt erlebt, weil wir die Musik aus unseren Ländern hörbar gemacht haben. Damit ist diese Gewalt eine von Rassismus geleitete Dynamik, die uns beide als DJ's zutiefst verletzt und wütend gemacht hat! Der einzige Grund warum wir nicht aufgehört und zum Teil mit Tränen weitergespielt haben, waren alle lieben Menschen, die unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht oder sexueller Orientierung auf der Tanzfläche gemeinsam zu unserer Musik getanzt haben."

Auch die CSD-Veranstalter sprechen von einem rassistischen Hintergrund der Angriffe: "Selbst der Hinweis, dass auf einem weiteren Dancefloor doch noch ganz andere Musik laufen würde, ließen die wenigen Störer*innen nicht gelten", heißt es in der Pressemitteilung. Nachgeben werde man nicht: "Vielfalt und Toleranz müssen gelebt werden. Das gilt auch in den eigenen Reihen", stellten die Pride-Organisatoren klar. "Wir bieten auch beim CSD Bremen 2019 nicht nur eurozentrische Musik, sondern auch wieder Musik aus allen Gegenden der Welt an. So, wie wir auch aus allen Gegenden der Welt kommen." (cw)



#1 AntifaschistAnonym
  • 28.08.2018, 08:52h
  • Warum wurde die Gruppe nicht schon zu Beginn ihrer Hasstiraden von der Secruity aus dem Club geworfen? Warum muss man gerade auf Partys für LGBTQ solche Positionen, die klar dem widersprechen, wofür die Community stehen sollte, akzeptieren?
    Es sind nicht nur rassistische Äußerungen, sondern auch immer wieder homophobe Aussagen vom zugekoksten Technopublikum, welches zunehmend auf LGBTQ-Partys drängt, die Stillschweigend akzeptiert werden. Vielleicht sollte man einfach mal wieder Gesicht zeigen und klar Stellung beziehen, auch wenn das dem Profit schaden könnte.
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#2 OmanAnonym
  • 28.08.2018, 09:04h
  • Die nennen sich "NazNak goes Kanak" und spielen "Halal Tunes" und hier will niemandem die Ironie auffallen?
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#3 janxAnonym
  • 28.08.2018, 09:18h
  • Antwort auf #2 von Oman
  • Woher willst du denn wissen was hier irgendwem auffällt oder nicht? Vielleicht war auch gemeint: Das will hier niemand kommentieren? Nach 1 Kommentar eine gewagte Aussage aber ja, möglicherweise will es niemand kommentieren. Fände ich erfreulich weil es einfach zu belanglos ist.
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#4 Sven100Anonym
#5 alter schwedeAnonym
  • 28.08.2018, 09:48h
  • Weshalb hat hier der Veranstalter nicht von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht und die Randalierer vor die Türe gesetzt? (Geht natürlich nur mit einer gut ausgebildeten Security, die wir uns aber im eigenen Interesse allmählich für große und kleine Veranstaltungen gezielt aufbauen sollten)
    Mittlerweile macht sich die Strategie der Rechten mit angedrohter und ausgeführter Gewalt Angst und Einschüchterung zu erreichen bezahlt.Die Tolerierung der von den Rechten abgelegten sogenannten ""freien Meinungsäußerungen"" und Provokationen muß endlich ein Ende haben. Zum tausendsten Mal: Keine Toleranz der Intoleranz. Es geht nicht mehr und nicht weniger als um unsere eigene persönliche Freiheit.
    Das beste aktuelle Beispiel wenn Intoleranz zum geduldeten Standard wird ist Chemnitz. Heute werden dort ausländische Mitbürger duch die Straßen gehetzt, morgen bieten sich als nächstes Hassobjekt LGBTI an. Ich bin mir sicher, daß es dabei nicht nur bei Straßenjagden bleiben wird.
    Das klägliche Versagen oder sollte man sagen die klammheimliche Tolerierung des Staates beim Thema rechte Präsenz und rechte Gewalt muß deshalb so oft es geht unmißverstädnlich und lautstark angeprangert werden. Eine strafrechtliche Verfolgung der rechten Gewalt findet ebenfalls so gut wie nicht statt. Auch hier gilt das Heiteitei-Gewäsch der Verantwortlichen bloßzustellen. .
    Wenn wir uns jetzt ins stille Kämmerlein zurück ziehen werden wir dort für sehr, sehr lange Zeit auch bleiben.
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#6 OmanAnonym
  • 28.08.2018, 10:00h
  • Antwort auf #4 von Sven100
  • "Halal Tunes" bedeudet, wenn ich das richtig verstehe, die musikalische Verarbeitung von Koranversen. Alternativ ist es einfach Elektro-Mukke von der man behauptet, dass diese "halal" sei. "Halal" bedeutet in der Lehre des Islam "rein", demgegenüber steht "Haram", was "unrein" bedeutet. Dies wird nach moderner Lesart vor allem moralisch interpretiert.
    Ein Vergleich: "Haram" entspricht in etwa dem, was die Katholiken als "Sünde" bezeichnen.
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#7 berliner_bärchenAnonym
  • 28.08.2018, 10:50h
  • Anscheinend haben viele die Entschlossenheit, Aggressivität und Anzahl der Neurechten unterschätzt. Viel zu lange wurden rechte Tendenzen in der Gesellschaft verharmlost oder gänzlich ignoriert. Jetzt wird die Rechnung präsentiert.

    Ich glaube auch nicht, dass die Rechtsextremen die Mehrheit sind. Aber sie stehen einer ignoranten, unpolitischen und gespaltenen Mehrheit gegenüber. Die Vorfälle in Bremen sind ein Spiegelbild der Gesellschaft. Ein paar aggressive, entschlossene Vollpfosten sprengen eine Großveranstaltung und die Mehrheit bekommt nichts mit, da nur wenige gezielt angepöbelt werden. Für die ist es umso bedrohlicher. Die Mehrheit kann sich weiter in einer scheinbaren Sicherheit wähnen. So funktioniert Rechtsextremismus - aber nur wenn die Angegriffenen alleine gelassen werden.

    Wenn kein Umdenken in der Gesellschaft stattfindet, wird es unangenehm - erst für die Minderheit in der Minderheit, dann für alle...
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#8 Rechtsruck-WatchAnonym
  • 28.08.2018, 11:02h
  • Warum hat die Event-Security diese Ernst Röhms nicht nach dem ersten verbalen Angriff vor die Tür gesetzt?
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#9 remixbeb
  • 28.08.2018, 12:39h
  • Keine Ahnung, wer es war. Aber auch unter Schwulen ist Rassismus vorhanden.. Leider. Siehe die Wahlabstimmungen hier auf queer.de
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#10 Stephan KölnAnonym
  • 28.08.2018, 14:15h
  • Das Label "Halal Tunes" wird offenbar für sehr unterschiedliche Dinge genutzt:
    1) Die vermutlich ursprüngliche Form: Vorgetragene Koranverse
    2) Aus 1 abgeleitet: Gesungene Koranverse, teilweise in Liedform.
    3) Anscheinend eine Umdeutung in eine ziemlich konträre Form: Der CSD Bremen hat drei Videobeispiele verlinkt. Ich bezweifle, dass die sehr schick angezogene Frau und die zwei großartigen Trash-Tunten (aus Bulgarien und Israel) singend den Koran zitieren - dann dürften sie durchaus Angst um ihr Leben haben. Es scheint sich eher um arabisch/nahöstlich angehauchte Popmusik zu handeln.

    Hier der Link:
    www.csd-bremen.org/termine/2018/pride-united/
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