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Gedenken an Nazi-Opfer

Stolpersteine für verfolgte Schwule in Dortmund und Duisburg

Mitte September werden in den beiden Ruhrgebietsmetropolen insgesamt sieben Stolpersteine verlegt, die an von den Nazis verfolgte männliche Homosexuelle erinnern.


An diese vier Männer wird in Duisburg erinnert: Paul Friedrich (1909-1945), Alfred Ledermann (1921-1942), August Zgorzelski (1904-1944) und Walter Braumann (1897-1973)

In Duisburg und Dortmund werden jeweils an einem Tag mehrere Stolpersteine zur Erinnerung an verfolgte männliche Homosexuelle verlegt. Die Verlegung von vier Duisburger Steinen findet am 12. September statt. Dortmund folgt am 15. September mit der Verlegung von drei Stolpersteinen.

Duisburg gedenkt mit der Verlegung vier Männern, die von der Gestapo wegen ihrer Homosexualität verhaftet und später verurteilt worden waren: Um 15 Uhr wird der Stein für Paul Friedrich (1909-1945) in der Rahmer Str. 22 eingelassen – Friedrich starb kurz vor Kriegsende im österreichischen KZ Mauthausen.

Um 15.45 Uhr folgt der Stein für Alfred Ledermann (1921-1942) in der Kurt-Heintze-Str. 1 – der von den Nazis als "asozial und homosexuell" bezeichnete Duisburger wurde im KZ Sachsenhausen ermordet.

Um 16.30 Uhr wird ein Stein für August Zgorzelski (1904-1944) in der ehemaligen Obermauerstr. 81 eingelassen (inzwischen ist die Straße der Fußweg Rabbiner-Neumark-Weg in Höhe der Einmündung Junkernstraße). Zgorzelski starb im KZ Buchenwald.

Der letzte Stolperstein wird gegen 17.05 Uhr für Walter Braumann (1897-1973) in der ehemaligen Düsseldorfer Str. 95 eingelassen (heute Gehweg und eine Grünfläche). Er überlebte zwar als einziger die Nazi-Diktatur, galt aber in der Bundesrepublik weiterhin als rechtmäßig verurteilter Straftäter und erhielt nie eine Entschädigung für erlittenes Unrecht.


Stolperstein in Solingen (Bild: J. Wenke / Rosa Strippe e.V.)

Die Verlegung der Stolpersteine wurde möglich gemacht durch Patenschaften des grünen Politikers Michael Kleine-Möllhoff, einem Mitglied der Bezirksvertretung Duisburg-Süd, der SPD-Bundestagsabgeordneten Bärbel Bas und des Vereins DUGay e.V., der den CSD in der Stadt organisiert.

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Dortmund: Erinnerung an drei Opfer des Paragrafen 175

Am 15. September folgt die Verlegung von Gedenksteinen in Dortmund durch den Aktionskünstler Gunter Demnig, der das Stolpersteinprojekt 1992 gestartet hatte. Drei Gedenksteine sind Männern gewidmet, die wegen ihrer Homosexualität aufgrund den Paragrafen 175 von den Nazis verfolgt worden waren. Dabei handelt es sich um Kurt Dorr, Hugo Cohen und Friedrich Heimann (mehr Infos hier).

Am Tag vor der Verlegung findet außerdem eine Vorabdiskussion im "Bodo"-Buchladen (Schwanenwall 36-38) statt. Anlass für die Veranstaltung unter dem Titel "Rosa Winkel, schwarzer Winkel" ist, dass mit dem Stein für Dorr erstmals in der Ruhrgebietsmetropole an einen Wohnungslosen erinnert wird (mehr Infos hier).

Bei den Stolpersteinen handelt sich um kubische Betonsteine mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberfläche eine beschrifteten Messingplatte angebracht wird. Auf dieser befindet sich der Name eines Menschen, der im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Selbstmord getrieben wurde. Seit 1992 sind bereits mehr als 60.000 Steine in Deutschland und in 21 weiteren europäischen Ländern verlegt worden. (pm/dk)



#1 LotiAnonym
  • 31.08.2018, 18:02h
  • Absolut richtig.
    Wobei selbst die Stolpersteine nicht mehr in Ruhe gelassen werden und wofür sie da sind, sieht man ja in Berlin. Bis heute ist nicht nachgewiesen ob es aus rechten Ecke kommt die in der Hufeisensiedlung Steine aus der Verankerung gelöst und gestohlen haben.
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#2 GayofcultureAnonym
  • 01.09.2018, 09:44h
  • Eine allgemeine Frage: Weiß jemand, wieviele Stolpersteine ungefähr in Deutschland und Europa für homosexuelle Männer verlegt wurden bisher? Gibt es dazu eigenständige Forschungen und Publikationen? Vielen Dank Herr Demig für dieses Projekt!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Manuel IzdebskiAnonym
  • 01.09.2018, 13:03h
  • Antwort auf #2 von Gayofculture
  • Hallo Gayofculture,

    ich gehöre zum Team, das in Dortmund die Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer organisiert.

    Anfang des Jahres habe ich hier einen Artikel veröffentlicht (
    www.queer.de/detail.php?article_id=30529),
    der sich mit dieser Frage beschäftigt. Es gibt keine genauen Zahlen zu den in Deutschland verlegten Stolpersteinen, die an schwule Männer erinnern.

    Wir haben mal grob geschätzt, dass es 900 bis 1.200 Steine sein werden. Allein Hamburg hat über dreihundert (s. Artikel).
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Ralph
  • 01.09.2018, 13:19h
  • Antwort auf #2 von Gayofculture
  • Ich kann Dir zwar keine deutschlandweiten Zahlen nennen, aber wenigstens die "meiner" Städte: in Kaiserslautern 2 und in München 0. Man muss allerdings hinzufügen, dass in München als wohl einziger Stadt Deutschlands Stolpersteine generell verboten sind, übrigens auf Druck der Israelitischen Kultusgemeinde, nicht etwa aus Rücksicht auf den Status Münchens als "Hauptstadt der Bewegung". Neuerdings wurden dort ein paar Gedenkplaketten in Hauswände eingefügt, soweit ich weiß aber keine für Schwule. Dafür gibt es ein meiner Meinung nach ziemlich misslungenes Denkmal für die homsexuellen Opfer des Nationalsozialismus, das aus in den Boden eingelassenen blassen farbigen Platten besteht, zwischen denen man mühsam einen rosa Winkel erkennen kann. Es befindet sich immerhin an prominenter Stelle nah am Viktualienmarkt, und eine Gedenktafel müht sich, den Sinn der Darstellung zu erklären. Außerdem wird auf dem Mahnmahl "Platz der Opfer des Nationalsozialismus" die Verfolgung wegen der sexuellen Identität ausdrücklich genannt, und im NS-Dokumentationszentrum zwischen Karolinen- und Königsplatz (also mitten im Herzen der NSDAP) wird auch die Schwulenverfolgung im Dritten Reich beschrieben. Nicht zuletzt befindet sich im nahen KZ Dachau ein Gedenkstein in Form eiines rosa Winkels, der nach viele Jahre dauerndem Widerstand des von jüdischen Opfern dominierten sog. Häftlingskomitees dort aufgestellt werden konnte, was insbesondere dem Einfluss des kürzlich verstorbenen Max Mannheimer zu danken sein dürfte. Mit dem öffentlichen Gedenken an schwule NS-Opfer tut sich Deutschland nach wie vor sehr schwer. Auch die beiden Stolpersteine in Kaiserslautern konnten erst nach jahrelangem Widerstand gesetzt werden. Es zeigt sich immer wieder deutlich, dass die Verfolgung von der Bundesrepublik bruchlos fortgesetzt wurde und jedes schwule NS-Opfer in der Bundesrepublik schlicht ein verurteilter Verbrecher war. Das wirkt in der Gedenkkultur lange nach.
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#5 ClaudiaAnonym
#6 Manuel IzdebskiAnonym
  • 01.09.2018, 21:31h
  • Antwort auf #5 von Claudia
  • Liebe Claudia,
    durch Forschung und Recherche. Oftmals ist das wie Detektivarbeit. Es gibt alte Haftbücher, alte Prozessakten, Gefangenenlisten usw.
    Die KZ-Gedenkstätten verfügen auch über entsprechende Informtion und haben alle ein Archiv. Auskünfte über die im Nationalsozialsimus verfolgten Menschen erteilt bis heute der Internationale Suchdienst in Bad Arolsen, der über eine riesige Datenbank verfügt.

    Einige KZ-Gedenkstätten haben mittlerweile auch ihr Totenbuch online gestellt. Da gibt es eine Suchmaske und man kann selbst recherchieren, z.B. in dem man den Namen seiner Stadt eingibt. Dann werden einem die jeweiligen Todesopfer angezeigt, die in dieser Stadt geboren wurden bzw. gewohnt haben. Man muss nur daran denken, dass Städte und Gemeinden zu der Zeit anders zugeordnet waren und deshalb auch die damaligen Altgemeinden berücksichtigen. Außerdem weiß man dann noch nicht, ob es sich um "175er" handelt. Dafür kann man sich dann an den Int. Suchdienst wenden.

    Außerdem gibt es ein paar Forscher, die über viele Häftlingsinformationen verfügen. Die größte Datenbank schwuler NS-Opfer soll Rainer Hoffschildt in Hannover haben. Rainer hilft immer mit Informationen, wenn man ihn nett darum bittet.
    Eine realtiv große Datenbank aus dem KZ Sachsenhausen befindet sich hier:
    www.raunitz.de/sh_tote_opfer/

    Probiere es doch einfach mal!

    Viel Erfolg und viele Grüße!
  • Antworten » | Direktlink »
#7 ClaudiaAnonym
#8 Jürgen WenkeAnonym
  • 04.09.2018, 11:34h
  • Antwort auf #7 von Claudia
  • Hallo, Claudia,
    die Recherchen für die 4 Duisburger waren von mir. Schau mal auf die Seite:
    www.stolpersteine-homosexuelle.de.

    Dort findest Du Anregungen und Hinweise unter dem Button: "Was Sie tun können."

    Viele Grüße

    Jürgen Wenke
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Jürgen WenkeAnonym