Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?31863

Szene besorgt

Litauen: Galt Brandanschlag einem schwulen Regisseur?

Unbekannte zündelten an der Tür der Nachbarwohnung von Romas Zabarauskas. Die Polizei riet ihm, die Regenbogenflagge von seinem Balkon zu entfernen.


Romas Zabarauskas und sein Wohnhaus von innen und außen (Bild: privat / facebook)

Wenige Wochen nach einem mutmaßlichen Brandanschlag auf Büros einer litauischen LGBTI-Organisation und einem weiteren Anschlag auf die Wohnung des Vorsitzenden der Organisation haben Unbekannte ebenfalls in der Hauptstadt Vilnius ein Feuer in einem Haus gelegt, in dem der schwule Regisseur Romas Zabarauskas wohnt.

Der landesweit bekannte LGBTI-Aktivist wurde in der Nacht zum Sonntag durch Klopfgeräusche der Feuerwehr geweckt. Anlass war ein Brand vor der Tür der angrenzenden Nachbarwohnung. Das Feuer drang nicht in die Wohnungen ein; der Nachbar kam erst nach dem Vorfall heim, niemand wurde verletzt.

Nachdem die Polizei die Ermittlungen begonnen hatte, schilderte der Regisseur den Beamten die Vermutung, dass der Anschlag ihn hätte gelten können. Nach den mutmaßlichen Anschlägen auf die Lithuanian Gay League habe er schließlich eine gut sichtbare Regenbogenflagge an seinem Balkon angebracht. Der oder die unbekannten Täter hätten schlicht die Wohnungen verwechselt haben können.

- Werbung - Video (60s): KLM – Wir sind eine Airline

Ärger über Polizei

Das Verhalten der Polizei schockierte den Regisseur danach zusätzlich: Die Beamten wären ihm gegenüber unhöflich gewesen und hätten seine Sorge, dass der Anschlag möglicherweise ihm galt, nicht ernst genommen, berichtete Zabarauskas. Zugleich habe ihn eine Beamtin aufgefordert, die Flagge zu entfernen – mit dem Hinweis, dass sonst bald das ganze Haus brennen könne.

Der Aktivist beklagte daraufhin öffentlich, zunächst bei Facebook und dann in den Medien des Landes, dass Beamte mögliche Hassverbrechen und den Schutz von Minderheiten nicht ernst nähmen. "Das Verhalten hat mir nicht geholfen, mich besser oder sicherer zu fühlen", beklagte der Regisseur, der später am Sonntag eine Beschwerde an die Polizei verfasste.

Kiek dar signal? reikia Lietuvos policija, kad pamatyt? tikr?j? neapykantos nusikaltim? mast?? Kada i?girsime ry?ting?…

Gepostet von LGL am Montag, 3. September 2018
Facebook / LGL | "Wie viele Signale braucht die litauische Polizei noch, um das Ausmaß von Hassverbrechen anzuerkennen?" – Resignierter Post der LGL zu einem TV-Bericht zum möglichen Anschlag auf Zabarauskas

Auch die Organisation Lithuanian Gay League beklagte das Vorgehen der Polizei, die bei möglichen Hassverbrechen klarer und sensibler vorgehen müsse. In der Nacht zum 10. August hatten Unbekannte vor der Eingangstür eines Hauses Feuer gelegt, in dem die Organisation ihre Büros hat (queer.de berichtete).

Die LGL sprach danach von einem "Widerwillen der Polizei, von einem Hassverbrechen auszugehen", was Ausdruck von Unprofessionalität sei. "Wir haben Regenbogenflaggen an unseren Fenstern. Wir haben einen Regenbogen-Zebrastreifen vor unserem Büro. Das war definitiv nicht zufällig." Die Polizei hatte zunächst nur die Betreiber eines Modegeschäfts neben dem Hauseingang über den Brand informiert – und den Bewohnern geraten, deutlicher darauf hinzuweisen, dass man ein Laden sei, der nicht mit der LGL in Verbindung stehe.


LGL-Aktivisten im August vor dem Eingang der Organisation

Später am Tag stellte der LGL-Vorsitzende Wladimir Simonko fest, dass jemand auch einen Brandanschlag auf seine Privatwohnung verübt hatte. "Das hat uns sehr verunsichert", sagte eine LGL-Sprecherin dem Portal "Into". Denn das bedeute wohl, dass der Angreifer Simonko vom Weg vom Büro zu seiner Wohnung gefolgt sei. Vor drei Jahren hatte ein Parlamentsabgeordneter die LGL vor einem Massaker gewarnt, nachdem Simonko einen Witz über eine Banknote mit zwei männlichen Nationalhelden gemacht hatte (queer.de berichtete).

Romas Zabarauskas hat derweil in sozialen Netzwerken betont, dass seine Regenbogenflagge am Balkon bleibt – und andere Menschen aufgefordert, ebenfalls eine aufzuhängen. Derzeit sammelt er mit seinem Projekt "Friendly City" Spenden, um dazu Regenbogenflaggen verteilen zu können – 1.500 Euro für 500 Flaggen hat er schon beisammen. Der 28-Jährige hatte sein internationales Debüt mit dem Kurzfilm "Porno melodrama", der unter anderem auf der Berlinale gezeigt wurde. Sein Film "You can't escape Lithuania" feierte im Oktober 2016 beim "Homochrom"-Festival Europa-Premiere. In internationalen Medien ist er gefragter Gesprächspartner zur Lage von LGBTI in Litauen, so war er in der arte-Doku "Hass gegen Homosexuelle" zu sehen; ein deutschsprachiges Interview mit ihm findet sich bei "Café Babel". (nb)

Short message to my international friends. Thank you for your support! My neighbour's apartment was set on fire on…

Gepostet von Romas Zabarauskas am Montag, 3. September 2018
Facebook / Romas