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"Schützt unsere Kinder"

Hass-Bus gegen queere Sichtbarkeit und Gleichwertigkeit startet Deutschland-Tour

Ab Samstag protestieren "Demo für alle" und CitizenGo gegen Schulaufklärung über sexuelle Vielfalt – in sieben der acht Städte sind Gegenkundgebungen geplant.


Der sogenannte "Bus der Meinungsfreiheit" im letzten Jahr in Köln, umrandet von einem größeren Gegenprotest der Szene. Am Mittwoch ist der Bus erneut in der Domstadt

Zu Updates aus Regensburg und Dresden springen

Ein Jahr nach der homo- und transfeindlichen Bus-Tour unter dem Motto "Ehe bleibt Ehe. Jungs sind Jungs. Mädchen sind Mädchen" zur Bundestagswahl 2017 gehen das Bündnis "Demo für alle" von Hedwig von Beverfoerde und das europaweite Petitionsportal "CitizenGo" ab Samstag erneut gemeinsam auf eine Fahrt durch deutsche Städte.

Wenige Wochen vor den Landtagswahlen in Hessen und Bayern sind an acht Tagen hintereinander in ebenso vielen Städten Kundgebungen geplant, das Motto diesmal: "Stoppt übergriffigen Sex-Unterricht! Schützt unsere Kinder! Aufklärung ist Elternrecht." Wie vor allem die ersten Kundgebungen der "Demo für alle" in Stuttgart richtet sich der Protest der christlichen Fundamentalisten unter allerlei Übertreibungen, Falschdarstellungen, Moralpanik und Ängste-Schürerei gegen moderne Sexualpädagogik und Sexualkunde sowie gegen Schulaufklärung über LGBTI durch Lehrer oder Aufklärungsteams.


Von der "Demo für alle" werden diese teils sehr unterschiedlichen Aufgaben, die jeweiligen Verantwortlichen und Methoden sowie die Ziel-Altersklassen zu einem einzigen Thema vermischt und komplett bekämpft: "In immer mehr Bundesländern werden Lehr- und Bildungspläne im Sinne 'Sexueller Vielfalt' umgeschrieben", beklagt die Presseerklärung zur Bus-Tour. "Fächerübergreifend werden Kinder und Jugendliche so mit der unwissenschaftlichen Gender-Ideologie und der hoch problematischen 'Sexualpädagogik der Vielfalt' konfrontiert und dadurch teilweise schwer verunsichert und in ihrer Intimsphäre verletzt." Eine Mitarbeiterin von Zartbitter wird gar mit den Worten zitiert: "Dies ist eine neue Form sexualisierter Gewalt, die zudem sexuelle Übergriffe durch Jugendliche fördert."

In der Petition von "Demo für alle" auf "CitizenGo" zur Bustour, die an den Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz gerichtet ist, stört man sich etwa an queeren Aufklärungsteams an Schulen: "LSBTIQ-Gruppen wollen ihre Lebensweisen vor Kindern 'sichtbar' machen und als gleichwertig mit heterosexuellen Lebensweisen darstellen und akzeptiert wissen" – ein Vorwurf, der mehr über die "Demo für alle" und ihre Diskriminierungs- und Unterdrückungslust aussagt als über die LSBTIQ-Gruppen.


Aktuelle Petition der "Demo für alle" – aus einst "besorgten Eltern" sind inzwischen "schockierte Eltern" geworden

Die Petition erwähnt noch, dass die Aufklärungsteams "am liebsten (…) allein mit den Kindern" arbeiten wollen, um ohne Lehrer "'heikle' Fragen ohne 'falsche Scham' zu erörtern" – was sinnvoll ist und beim Lesen verständlich erscheint, wird hier allerdings empört eingebettet in einen Text, der die "Sexualpädagogik der Vielfalt sowohl historisch als auch in ihrem pädagogischen Ansatz" als "pädophil kompromittiert" darstellt. Dazu wird eine diffamierende Linie vom Sexualpädadogen Helmut Kentler zur heutigen Sexualpädagogik gezogen.

Wie viele weitere angegriffene Organisationen und Personen hatten queere Aufklärungsteams wie SCHLAU, deren Schwerpunkt Antidiskriminierung und nicht Sexualaufklärung sind, schon vor Jahren Kritik mit Fakten zurückgewiesen und versucht, ihre sinnvolle Arbeit zu erklären. Die "Demo für alle" dämonisiert hingegen alles weiter und behauptet: "Seriöse Sexualwissenschaftler warnen schon lange vor dem Einsatz der externen LSBTIQ-Lobbygruppen an den Schulen." Die beiden als Beweis genannten Wissenschaftler, Karla Etschenberg und Jakob Pastötter, traten selbst auf Veranstaltungen der "Demo für alle" auf.

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Gegenproteste in sieben Städten, aber nicht in der größten

Der Bus wird bis Samstag, den 15. September, in acht Städten Halt machen. Gegenkundgebungen sind in sieben davon geplant:

Samstag 8.9. ab 12 Uhr Regensburg, Domplatz (Facebook)
Sonntag 9.9. ab 13 Uhr Dresden, Postplatz (FB)
Dienstag 11.9. ab 14 Uhr Fulda, Bahnhofsstraße (FB, Anreise auch ab Frankfurt)
Mittwoch 12.9. ab 15 Uhr Köln, Bahnhofsvorplatz (FB)
Donnerstag 13.9. ab 15 Uhr Wiesbaden, Marktplatz (FB, Reise aus Darmstadt)
Freitag 14.9. ab 14.30 Uhr Stuttgart, Karlsplatz (FB)
Samstag 15.9. ab 12 Uhr München, Lenbachplatz (FB)

Aus Berlin (Bus am Mo., 10.9., ab 15 Uhr offenbar am Potsdamer Platz) ist keine Gegenkundgebung bekannt. In der Hauptstadt argumentiert Enough is Enough, ein Gegenprotest würde dem Bus, der nicht mehr als "drei Dutzend tiefreligiöse Fortschrittsfeinde" versammle, unnötig Aufmerksamkeit verschaffen; der regionale LSVD schließt sich dieser Auffassung an. Im Vergleich zu regulären Kundgebungen der "Demo für alle" waren Stopps der Bus-Tour im letzten Jahr in der Tat schlecht besucht. Für beide Protestformen galt allerdings auch: Wo die Szene Medien gut informierte und sichtbar dagegen hielt, wurden Beverfoerde & Co. äußerst kritisch aufgegriffen. Die Netzwerke des einstigen CDU-Mitglieds können zugleich durchaus national, regional und lokal Themen setzen, wie auch in Berlin erst im Frühjahr der Streit um eine Kita-Broschüre zeigte.

Im letzten September hatte die erste Bustour in München, Stuttgart, Karlsruhe und Wiesbaden, Köln, Düsseldorf und Hannover, Dresden und zum Abschluss in Berlin Halt gemacht – immer begleitet von deutlich größeren Gegenprotesten der alarmierten Szene.

Direktlink | Eindrücke vom Besuch des Busses in Köln, wo er nicht sonderlich willkommen war

Mit Protesten gegen den Bildungsplan in Baden-Württemberg hatte die "Demo für alle" 2014 einst begonnen – damals noch von Hedwig von Beverfoerde im Rahmen der "Initiative Familienschutz" der AfD-Politikerin Beatrix von Storch organisiert. Speziell störte man sich an der geplanten Aufklärung über LGBTI und dem Bemühen, Kindern die Akzeptanz Homo- und Transsexuellen gegenüber zu vermitteln. Sexuelle Vielfalt "wertfrei" darzustellen, sei mit keiner Religion vereinbar, sagte Hewdig von Beverfoerde bei einer Kundgebung in Stuttgart (queer.de berichtete). Bei einer anderen ließ sie unter Applaus einen jungen Mann auftreten, der seine Homosexualität nicht auslebt (queer.de berichtete).

In Bayern konnte die "Demo für alle" mit einer Petition bei CitizenGo und einem Besuch beim Kultusminister vor rund zwei Jahren durchsetzen, dass dort nicht "Akzeptanz" sondern "Toleranz" gegenüber LGBTI Lehrziel ist (queer.de berichtete) – die CSU warnte erst diese Woche selbst vor "frühkindlicher Sexualisierung in unseren Schulen" mit "Sichtbarkeit aller Formen sexueller Vielfalt" (queer.de berichtete). In Hessen hingegen zeigten mehrere Demonstrationen und Kongresse der DfA gegen einen eingeführten Lehrplan bislang keine "Erfolge" bei Schwarz-Grün. Wie die DfA beklagt auch die AfD in ihrem Landtagswahlprogramm eine angebliche "Umerziehung" durch den zurückzuziehenden Lehrplan, da er die "Akzeptanz vielfältiger sexueller Verhaltensweisen vermittle und "Homosexualität und andere sexuelle Orientierungen (LSBTTIQ) als gleichwertige Erscheinungsformen menschlicher Sexualität" darstelle.


Homosexualität hat nicht den gleichen Wert wie Heterosexualität – fast wortgleiche Ausschnitte aus einer Petition der "Demo für alle" bei CitizenGo (li.) und dem Wahlprogramm der AFD Hessen

am 8.9. ergänzt um Gegenkundgebung in Fulda


 Update  8.9., 14.18h: Bunter Gegenprotest in Regensburg

Bei seinem ersten Termin in Regensburg wurde der Hass-Bus der "Demo für alle" am Samstag von vielleicht mehreren hundert Gegendemonstranten empfangen. Wie die "Mittelbayerische Zeitung" in einem Live-Ticker festhielt, kamen zu dem Bus selbst nur rund 25 Menschen – darunter allerdings der örtliche AfD-Landtagskandidat Benjamin Nolte und Gloria von Thurn und Taxis, die erst die Tage in Regensburg auf einer CSU-Veranstaltung gegen die Homo-Ehe gewettert hatte (queer.de berichtete). Weitere Teilnehmer waren Mitorganisator Eduard Pröls von CitzigenGo und Karin Maria Fenbert von "Kirche in Not". Die homo- und transfeindliche Kundgebung wurde von der Polizei weiträumig abgesperrt.

Twitter / mz_regensburg

Die Regensburger Schülervereinigung betonte vorab in einer Pressemitteilung, die "Demo für alle" verbreite "absurde und realitätsferne Gerüchte zu angeblichen Lehrmethoden an Schulen"; so gehe es bei Aktionsplänen für Vielfalt nicht um Sex, sondern um Toleranz. Ein Schüler betonte: "Die Zeit des Erwachsenwerdens ist der Zeitraum, in dem sich die meisten Menschen Gedanken zu sich selber machen. Schule ist hierbei kein unbeteiligter Ort." Werde im "Sexualkundeunterricht beispielsweise nur auf die Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau eingegangen und Homosexualität nur in Bezug auf HIV/AIDS erwähnt, so vermittelt dies das Bild einer heterosexuellen Norm." Es würde dann unnormal wirken, "wenn Josephine und Anne sich verlieben".

Die stellvertretende Schülersprecherin des Werner-von-Siemens-Gymnasiums, Eva Hofmann, sagte bei der Gegendemonstration: "Niemand darf an Schulen diskriminiert werden. Jeder muss die bestmögliche Bildung erhalten, egal in wen sich eine Person verliebt und egal ob eine Person gerne Kleider und Make-Up trägt." In einer Presseerklärung wies auch die GEW Bayern die "Angriffe gegen pädagogisches Fachpersonal" zurück: "Aufklärung ist nicht nur Elternrecht, sie ist auch Staatsaufgabe". Mit ihren "kruden Ideen" zur Nicht-Akzeptanz von LGBTI gehe die "Demo für alle" "konform mit anderen rechten bis rechtsextremen Gruppierungen".

 Update  8.9., 20.25h: Eindrücke des LSVD

#RegensburgBleibtBunt ?? Und das haben wir bewiesen. Der Bus der sogenannten "#DemofürAlle" startete heute seine zweite…

Gepostet von LSVD Bayern am Samstag, 8. September 2018
Facebook / LSVD Bayern

Die Mittelbayrische Zeitung hat derweil auch eine Reportage veröffentlicht.


 Update  9.9., 17.40h: Bunter Gegenprotest in Dresden

Auch in Dresden wurde die Bus-Tour der "Demo für alle" am Sonntag mit vielleicht einem dutzend Teilnehmern von einem größeren Gegenprotest begleitet. Ersten Berichten zufolge blieb es friedlich, obwohl die Gegendemonstranten zwischenzeitlich vor den Bus konnten und sich lautstark für Vielfalt und Akzeptanz einsetzten.


Screenshot aus einem Twitter-Video der "Demo für alle" mit Organisatorin Hedwig von Beverfoerde und einer klaren Protest-Botschaft im Hintergrund

Ein Facebook-Eintrag des AfD-Landtagskandidaten aus Regenburg, Benjamin Nolte, zu seiner Teilnahme am gestrigen Protest der homo- und transfeindlichen Bewegung macht derweil deutlich, wem die Bus-Tour nützt:

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    Ergebnis der Umfrage vom 10.09.2018 bis 17.09.2018
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#1 autschAnonym
  • 07.09.2018, 21:06h
  • >In der Hauptstadt argumentiert Enough is Enough, ein Gegenprotest würde dem Bus, der nicht mehr als "drei Dutzend tiefreligiöse Fortschrittsfeinde" versammle, unnötig Aufmerksamkeit verschaffen

    So hat man in Stuttgart vor vier (fünf?) Jahren auch gedacht und so konnte sich schnell erst in Baden-Württemberg, dann in Talkshows und mittlerweile dank AfD in fast allen Parlamenten sowie in Portalen und sozialen Netzwerken der Rechten und Rechtsextremen ein großes Thema etablieren. Man muss wohl in der Blase der Hauptstadt leben, um diese ernste Rollback-Bewegung gegen uns, den Hass und die Hetzte, die sie mit sich bringt, nicht ernst zu nehmen. Wehret den Anfängen? Ach, wir bleiben lieber zu Hause! Gut, dass man in anderen Städten noch weiß, was es zu bekämpfen und zu verteidigen gibt.

    Davon abgesehen: EIE verwendet viele Worte, die wohl letztlich schlicht keine Lust bedeuten sollen. Die einstige neue Protest- und Hoffnungsbewegung der Szene hat, außer viraler Dauerbeschallung auf Facebook und der Selbstbewerbung als "Influencer", die letzten Jahre fast gar nichts mehr gemacht, komplizierte LGBTI-Themen scheinen ihnen dabei auch mittlerweile zu langweilig und lästig zu sein, solange man eher was virales posten kann. Schade.
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#2 najaAnonym
  • 07.09.2018, 21:06h
  • Die Gruppe "enough is enough " ist schlichtweg zu faul was zu organisieren , denke ich. Die hatten an anderer Stelle schon andere "Gründe" gegeben warum sie nichts machen wollen. Keine Lust sich frei zunehmen von der Arbeit etc.
    Auch ansonsten scheint wohl keine Organisation es für nötig zu halten in Berlin. Weder der LSVD noch sonstwer. Finde ich ziemlich arm.
    Ich beteilige mich selber immer wenn es geht.
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#3 JosephMartinProfil
  • 07.09.2018, 21:32hBraunschweig
  • Danke für den Hinweis. Wenn ich irgend Zeit finde, werde ich zum Bus gehen und mit den Leuten ganz ruhig das persönliche Gespräch suchen.
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#4 FinnAnonym
  • 07.09.2018, 23:03h
  • Ja, schützt unsere Kinder !!!

    Vor deren Lügen und Hass. Vor Unterdrückung und Selbstverleugnung.
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#5 TimonAnonym
  • 08.09.2018, 01:14h
  • Wie soll einvernehmliche Liebe zwischen Erwachsenen oder altersgerechte Aufklärung (die ja gerade Kinder schützen soll) eine Gefahr für Kinder darstellen?

    Aber mit Logik und Fakten haben die es nicht so.

    Wenn die Kinder schützen wollen, sollten sie sie lieber vor den Massen missbrauchender Priester und Nonnen in der katholischen Kirche schützen.
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#6 NoahAnonym
  • 08.09.2018, 01:26h
  • Religiöse Fanatiker, ewiggestrige Spinner und anderes rechtes Gesindel haben immer schon versucht, ihre wahren Ziele als "Schutz der Gesellschaft" und "Schutz der Kinder" zu verkaufen.

    Umso wichtiger ist es, überall zahlreich zu Gegendemos zu kommen, um deren krude Thesen und dreiste Lügen nicht unwidersprochen stehen zu lassen. Und um ihnen zu zeigen, dass sie eine schrille Minderheit sind, die nicht die Mehrheit repräsentiert.
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#7 schwarzerkater
  • 08.09.2018, 08:15h
  • war der "kinder-schutz-bus" in der vergangenheit schon mal bei kirchlichen einrichtungen vorgefahren, die nachweislich und über jahrzehnte kinder hinweg missbraucht oder vergewaltigt haben?
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#8 OutAndProud
#9 Gerlinde24Profil
  • 08.09.2018, 10:11hBerlin
  • Als Gott Intelligenz verteilte, waren wohl die Busteilnehmer gerade nicht zu Hause.
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#10 panzernashorn