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Kleine Anfrage

Grüne fragen Bundes­regierung: Warum blockiert ihr die Gleichstellung?

Verpartnerte Paare sollen bei der Umwandlung in eine Ehe rückwirkend gleichgestellt werden – mit Ausnahme der Einkommensteuer. Die Grünen fragen, warum die Regierung an dieser Restdiskriminierung festhält.


Sven Lehmann und Ulle Schauws kümmern sich bei der grünen Bundestagsfraktion um Queerpolitik (Bild: Ulle Schauws / twitter)

  • 12. September 2018, 11:33h 57 2 Min.

Auch nach der Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben am 1. Oktober 2017 sind Heterosexuelle in Deutschland noch immer etwas gleicher: Die Grünen haben zu diesem Thema eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Konkret geht es um die rückwirkende Gleichstellung im Einkommensteuerrecht.

Dabei geht es um den Zeitraum zwischen 2001 und 2012, als eingetragene Lebenspartner kein Anrecht auf das Ehegattensplitting hatten. Erst 2013 erklärte das Bundesverfassungsgericht, dass dies eine nicht begründbare Benachteiligung darstelle, die im Grundgesetz ausdrücklich verboten ist (queer.de berichtete). Damals erhielten allerdings nur verpartnerte Paare tatsächlich rückwirkend den günstigeren Tarif, die Einspruch gegen ihre Steuerbescheide zwischen 2001 und 2012 eingelegt hatten – das verfassungswidrig eingesammelte Geld aller anderen behielt das Bundesfinanzministerium für sich.

Das Gesetz zur Ehe-Öffnung enthält allerdings in Art. 3 Abs. 2 die Passage, dass Lebenspartner, die ihre Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln, so behandelt werden sollen, als ob sie am Tag der Begründung ihrer Lebenspartnerschaft geheiratet hätten. Das Finanzministerium von Olaf Scholz (SPD) meint, dass die Sache mit der Gleichstellung 2013 bereits erledigt sei. Ob diese Einschätzung gerichtsfest ist, darf bezweifelt werden: In einer ersten Entscheidung hat das Finanzgericht Hamburg bereits einem Kläger Recht gegeben (queer.de berichtete).

Grüne fordern rückwirkende Gleichbehandlung

Die Grünen wollen in ihrer Anfrage, die queer.de vorliegt, wissen, warum "das Bundesfinanzministerium die rückwirkende Beseitigung der jahrelangen Diskriminierung eingetragener Lebenspartnerschaften im Steuerrecht" verhindere. Mit sechs weiteren Fragen soll herausgefunden werden, ob es nach wie vor innerhalb der Bundesregierung Widerstand gegen die Ehe-Öffnung gibt ("Werden … weiterhin Meinungen vertreten, das Gesetz zur Ehe für verfassungswidrig zu erklären?") oder warum Diskriminierung im Abstammungsrecht noch nicht beseitigt wurde.

"Seit fast einem Jahr haben sich viele lesbische und schwule Paare das Ja-Wort gegeben und genießen endlich die gleichen Rechte wie Heterosexuelle", erklärten Ulle Schauws und Sven Lehmann, die beiden queerpolitischen Sprecher der Grünenfraktion. Die Bundesregierung zwinge mit ihrer Blockade bei der Rückwirkung im Steuerrecht lesbische und schwule Paare aber erneut, "ihre Rechte vor den Gerichten geltend zu machen". Die beiden Abgeordneten aus Nordrhein-Westfalen forderten Finanzminister Scholz "endlich zu einer gesetzkonformen Praxis" auf. (dk)

-w-

#1 TimonAnonym
  • 12.09.2018, 13:40h
  • Die Antwort ist ganz einfach:
    Weil die Union so viel Diskriminierung wie möglich rausholen will und die Schoßhündchen von der SPD alles abnicken, was die Union ihnen vorsetzt, nur um die gutdotierten Ministersessel, Staatssekretäre und andere Pöstchen nicht zu verlieren...
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#2 Simon HAnonym
  • 12.09.2018, 15:02h
  • Antwort auf #1 von Timon
  • " und die Schoßhündchen von der SPD alles abnicken, was die Union ihnen vorsetzt"

    Leider wahr.

    Die letzten Mitglieder mit Rückgrat und Gewissen haben die SPD spätestens unter Gerhard Schröder verlassen, als die SPD Dinge umgesetzt hat, die sich nicht mal die radikalsten Mitglieder der FDP zu fordern getraut hätten.

    Ein paar Beispiele:

    - Die Einführung von Hartz IV und Riester-Rente (was zu beispielloser Kinderarmut und Altersarmut in einem der reichsten Länder der Welt geführt hat), während man gleichzeitig die Vermögenssteuer abgeschafft hat und den Spitzensteuersatz um 9 Prozentpunkte gesenkt hat.

    - die Öffnung des Wohnungsmarkts für Heuschrecken-Inbestoren, weshelb Mieten immer unbezahlbarer werden

    - die Ruinierung eines bis dahin intakten Arbeitsmarktes durch Zeitarbeit, Leiharbeit, Scheinselbständigkeit, Praktika, etc.

    - eine Umgestaltung der Finanzierung der Sozialsysteme zu lasten der Arbeiter, damit die großen Konzerne entlastet wurden

    - etc. etc. etc.

    Und zur Erinnerung:
    nicht etwa, weil eine andere Partei die SPD dazu gezwungen hätte, sondern das alles und noch einiges mehr unter einer SPD-geführten Bundesregierung mit dem SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder.

    Was hat das alles noch mit Sozialdemokratie zu tun?
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#3 michael008
  • 12.09.2018, 15:54hDüsseldorf
  • Antwort auf #2 von Simon H
  • Leider muss man konstatieren, dass bei dieser Tat die Grünen keinen Widerstand geleistet haben, nur damit hier keine Missverständnisse aufkommen.
    Und die "Ideen" der Opposition ( Union/FDP) waren noch weitreichender.
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