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Studie

Junge Transmänner haben höchstes Suizidrisiko

Eine US-Studie zeigt erschreckende Zahlen: Über 50 Prozent der jungen Frau-zu-Mann-Transsexuellen haben bereits versucht, sich das Leben zu nehmen.


Transpersonen versuchen weit häufiger als Cisgender, sich das Leben zu nehmen (Bild: torbakhopper / flickr)

Mehr als die Hälfte der jungen Transmänner in den USA hat einen Suzidversuch unternommen. Das ist das Ergebnis einer Studie der University of Arizona in Tucson, die am Dienstag im Fachmagazin "Pediatrics" veröffentlicht wurde. Die Forscher unter Führung des Psychologie-Professors Russell Toomey hatten dafür Daten von mehr als 120.000 jungen Teilnehmern der "Attitudes and Behavior"-Studie ausgewertet, die Verhaltensweisen, Einstellungen und Erfahrungen von Schülern und Studenten in den Vereinigten Staaten untersucht hatte.

Den Daten zufolge gaben 50,8 Prozent der jungen Transmänner an, im Alter zwischen elf und 19 Jahren mindestens einmal versucht zu haben, sich das Leben zu nehmen. Unter nicht-binären Transpersonen – also den Befragten, die sich weder als ausschließlich männlich noch als ausschließlich weiblich ansehen – hatten 41,8 Prozent mindestens einen Selbstmordversuch hinter sich. Unter Transfrauen liegt die Rate bei 29,9 Prozent. Von den jungen Menschen, die ihre Geschlechtsidentität in Frage stellten, gaben immer noch 27,9 Prozent an, mindestens einmal versucht zu haben, sich zu töten.

Cisgender-Teenager – also junge Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt – zeigen weit niedrigere Raten von Suizidversuchen auf: Unter Mädchen und jungen Frauen liegt die Rate bei 17,6 Prozent, unter Jungs und jungen Männern bei 9,8 Prozent.

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Auch Homo- oder Bisexualität ist ein Faktor bei Suizidversuchen

Die Autoren fanden in der Studie auch heraus, dass eine nicht heterosexuelle Orientierung in fast allen Gruppen dazu beitrug, das Suizidrisiko erheblich zu steigern. Einzige Ausnahme: Bei nichtbinären Transpersonen gab es keine Unterschiede. Hauptautor Russell Toomey führte das darauf zurück, dass sexuelle Orientierung darauf basiere, zwischen Männern und Frauen zu unterscheiden. "Bei nicht-binären Jugendlichen könnte die Kombination von Geschlecht und sexueller Orientierung etwas komplizierter sein", so Toomey.

Auch andere Faktoren beeinflussen das Risiko, einen Suizidversuch zu unternehmen. Bei allen Befragten erhöht die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit, ein niedriger Bildungsgrad der Eltern oder das Aufwachsen in ländlichen Regionen das Selbstmordrisiko unter Jugendliche. Unter Transpersonen machen diese zusätzlichen Faktoren allerdings kaum einen Unterschied.

Beim Faktor der ethnischen Zugehörigkeit konnten die Forscher sogar überhaupt keine Unterschiede unter Trans-Teenagern feststellen. Toomey begründete das damit, dass junge Menschen, die als Angehörige ethnischer Minderheiten aufwachsen, bereits Ausgrenzung gewohnt seien. "Ein Jugendlicher lernt, wie er mit der Marginalisierung aufgrund seiner Identitäten umgehen kann und das könnte ihm helfen, mit der Überschneidung mehrerer Identitäten umzugehen", so Toomey.

Bereits mehrfach hatten Studien weit höhere Raten an Suizidversuchen unter Transpersonen gemessen. Dabei, so zeigte eine US-Studie aus dem Jahr 2016, ist nicht die Transsexualität das Problem, sondern die Ablehnung durch die Umwelt (queer.de berichtete). Forscher empfehlen daher, Cis-Jugendliche bereits früh für die Thematik zu sensibilisieren und gleichzeitig bessere Hilfsangebote für junge Transpersonen zu schaffen.

Unter jungen Amerikanern zwischen zehn und 34 Jahren ist Selbstmord die zweithäufigste Todesursache – nach Verkehrsunfällen. (dk)

Hilfsangebote

Kreisen deine Gedanken darum, dir das Leben zu nehmen? Spreche mit anderen Menschen darüber. Die Telefonseelsorge ist etwa anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter (0800) 1110111 und 1110222 erreichbar. Weitere Angebote listet Spiegel Online.
In mehreren deutschen Großstädten gibt es spezielle Beratungs- und Gesprächsangebote für LGBTI. Speziell für queere Jugendliche, aber oft auch Ältere, gibt es in Deutschland zudem viele Anlaufstellen und Jugendgruppen, bei denen du Gesprächsangebote und Hilfe, aber auch Freunde, Freizeitaktivitäten und Freunde finden kannst. Eine kurze Anfrage in Suchmaschinen lohnt sich.


#1 Julian 80Anonym
#2 JosephMartinProfil
  • 13.09.2018, 00:13hBraunschweig
  • Statistiken helfen mir irgendwie bei diesem Thema nicht weiter. Erfahrungsberichte wären jedenfalls mindestens so wichtig: Was konkret waren im Einzelfall die Stressoren? Und vor allem: was hat geholfen?
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#3 Homonklin44Profil
  • 13.09.2018, 03:47hTauroa Point
  • Wenn man das über eine Ablehnung auf ganz allgemeiner Ebene hier in manchen persönlichen Berichten mitliest, wundert es einen aber auch nicht mehr sonderlich. Es kommt eher so rüber, als ob FtM den großenb Teil der Diskriminierung abbekommen, und das nicht bloß, wenn die Partner möchten, sondern als Menschen allgemein. Wie komplikativ die Selbstverortung im Zusammenhang mit der Support-Lage und gesellschaftlicher Korrespondenz dazu sein mag, lässt sich schwer vorstellen.

    In den USA scheint man sich dann auch noch politisch an Trans*, Inter- und Nichtbinären abzureagieren, und hat sie, nachdem man Schwule und Lesben oder POC kaum noch wirksam angreifen kann, zum Prügelbock der Neuzeit erkoren.
    Es wundert nicht, dass an solchen Voraussetzungen die Leute zerbrechen, scheitern, im Stich gelassen bleiben.
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#4 Ith_Anonym
#5 Ith_Anonym
  • 13.09.2018, 07:14h
  • Antwort auf #3 von Homonklin44
  • In den USA kommt wohl auch noch dazu, dass es da nicht so selbstverständlich ist, mit medizinischen Maßnahmen rechnen zu können.

    Ich weiß nicht, wie weit Obamas Krankenversicherung da geholfen hat. Testo ist nicht billig, und ein bis zwei Jahre sind die absolute Mindestzeit, die man's nehmen muss, wenn man im Fall fzm eine Chance auf Passing haben will.

    Und dann sei mal schwul mit Körbchengröße >B, oder mit 2-5cm in der Hose (länger als das wird die Klit selbst mit Testo selten), die von Lage und Umfang her für Sex nicht reichen. Die Typen werden begeistert sein.
    Sexismus/Frauenfeindlichkeit bzw. unterschiedliche Behandlung der Geschlechter und unterschiedlich gute Chancen fallen auch extrem deutlich auf, wenn man findet, dass man eigentlich zu der Menschengruppe gehört, die laut Patriarchat Menschen 1. Klasse sind. Geh da mal hin und tu so, als ob du dazugehörst, und du stößt sehr schnell darauf, wie weit dir das nicht zusteht.

    Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es schon noch einiges an Transmännern da draußen gibt, die hier mitlesen, und die teilweise aus Gründen nicht schreiben.
    Aber ich glaube, ich lass das hier lieber, artet doch eher in Betroffenheitslyrik aus.
    Und wirkt vor allem am Ende irgendwie, als sei der Großteil Persönliches, was bloß mich betreffen und belasten würde. Das war wirklich so etwas Gutes an #MeQueer, gerade in den ersten Tagen: Dass da Leute, die in meiner Lage sind, genau von den selben Dingen geschrieben haben, den selben Mist erleben und sich anhören müssen wie ich. Selbst wenn die nicht als Einzelgänger aufgewachsen sind, bei denen die Ausrede am Ende irgendwie immer lautet, dass es ja am Trans-Dasein gar nicht liege, sondern bloß an mangelnden Sozialfähigkeiten.

    Doch, ziemlich viel liegt wirklich einfach daran, dass man trans* ist.

    Um mal was ganz Simples an Aggression herauszugreifen, die manchmal Mikro ist, manchmal aber gar nicht sooo klein: Wollen wir mal eine Statistik darüber erheben, wie oft in einem Monat öffentlich irgendwo Begriffe wie "Gender-Gaga" oder "Genderwahn" auftreten und verwendet werden, ohne dass jemand gegen diese Herabsetzung protestiert? Und dann noch dazu, wie oft das irgendwie in Zusammenhang gebracht wird mit dem Untergang von Welt und Kultur, dargestellt als dekadentes "Luxus"-Problem, als "Life-Style", der irgendwie in ist und den man den Leuten schleunigst austreiben müsse?
    Als homosexueller Cis-Mensch muss man sich davon nicht unbedingt gemeint fühlen. Aber allein wie oft und selbstverständlich mir sowas unterkommt, und was für eine Stimmung das erschafft, mit der ich demzufolge bei Menschen grundsätzlich immer rechnen muss, die Bild, Welt oder Spiegel lesen (und ehrlich gesagt habe ich auch bei den ÖR nicht den Eindruck, dass man solche Perspektiven da annähernd schlimm fände, sondern zumindest nachvollziehbar), wenn ich dann auf einmal existiere, als Repräsentant all dieser Zerstörung des Abendlandes, macht das Leben nicht gerade schöner. Einen Teil davon mag man als homosexuelle Person schon auch kennen. Aber wie viel tiefer Ablehnung und Abwertung gehen und wie viel selbstverständlicher das ist, wenn's darum geht, sich nicht dem Geschlecht zugehörig zu fühlen, dem man zugewiesen wurde, das erlebt man doch schon, wenn hier zuweilen durchscheint, dass jeder meint, gegenüber Transmännern a) ein Recht auf sofortiges Outing zu haben, und b) natürlich auch das gute Recht, solche Leute erstmal abzulehnen.
    In Frage gestellt wird so eine Haltung hier nur von ganz wenigen.

    Es ist einfach eine Selbstverständlichkeit, diese Abwertung, diese Unterstellung von "Wahn", die Zurechnung zu "gestört", "krank" oder zumindest irgendwie weniger wertvoll. Eine Selbstverständlichkeit, in der u.a. auch unser Verfassungsgericht findet, dass man natürlich erstmal zum Psychiater muss, ehe man den Namen so angleichen kann, dass er keine tägliche Last ist. Wie komme man bloß auf die Idee, das ginge anders? Unsereins erstmal als die Kranken zu betrachten, die in der Beweispflicht stehen, und so zu tun, als sei das keine Diskriminierung und greife die Würde nicht an: Das ist nur EIN Ausdruck dafür, wie tief verwurzelt ist, dass man so "eigentlich" nicht sein darf und sollte. Und wenn man echt doch soo gestört ist, dass sich daran so gar nix ändern lässt, dann beweise man das erstmal.
    Der Grund der Anerkennung ist dann auch nie, dass es das nunmal gibt und man so sein kann und darf. Der Grund ist immer: Jetzt leide mal schön ordentlich, denn solange du nicht knapp vorm Selbstmord stehst, KANN es ja gar nicht nötig sein, dass das System dir irgendwie entgegenkommt.
    Trans* sein und dabei nicht zerstört - das Konzept gibt's hierzulande gar nicht, denn "Leidensdruck" ist der einzige Grund dafür, dass man dir zähneknirschend Rechte zugesteht. Leiden als notwendige Währung - viel kranker geht's gar nicht.
    Über wie viele Jahrhunderte und in wie vielen Kulturen es Transsexualität nachweislich schon gegeben hat, und dass es sehr wohl schon immer Wege gegeben hat, das in eine Kultur zu integrieren statt zum bedauerns- und vermeidenswerten Sondernfall zu erklären, wird da mal vollkommen ignoriert.

    Ich erinnere mich auch gut an die Reaktionen hier auf die psychiatriefreie Anerkennung von Transsexuellen in - wo war es, Indien oder Pakistan? Die halbe Welt ist Deutschland schließlich voraus bei diesem Thema - wo hier der allergrößte Teil erstmal gefunden hat: Nee, geht gar nicht. Denn da es trans* ja eigentlich gar nicht gibt, oder das zumindest nicht so wichtig ist, dass die Leute Gesetze zu ihrer Anerkennung brauchen, ist vollkommen klar, dass es da gar nicht darum geht, Transsexuellen zu helfen - nee, es muss um UNS (Cis-Homosexuelle) gehen. Aka: Wer könnte oder dürfte auf die Idee kommen, dass es Transsexuelle gibt, und die anerkennen? Schließlich weiß doch jeder, dass der Nabel der Welt die sexuelle Orientierung ist, nicht die Geschlechtsidentität, und dass man natürlich cis ist. Soll heißen, auch wenn ein Gesetz sich mit trans* befasst, kann das einfach gar nicht sein, dass das echt dazu dienen soll, trans* anzuerkennen - es kann nur darum gehen, Cis-Menschen etwas antun und aufzwingen zu wollen. Wer würde sowas schon tun, und dann auch noch mehr oder weniger freiwillig?
    Trans* passt nicht in die jüdisch-christliche Kultur, noch viel weniger als Homosexualität. Und es ist auch kein Wunder, dass es vielerorts der christliche Kolonialismus mit seinen Missionaren gewesen war, der die Akzeptanz dessen ruiniert hat, und der gar ebendiese Akzeptanz zu einem Indikator erklärt hat, es mit Sodom und Gomorrha, aka moralischen Verwerflichkeiten zu tun zu haben. Nur Wilde und Barbaren würden anerkennen, dass Menschen sind, wie sie sind - in einer zivilisierten Gesellschaft wird den Menschen ein Platz zugewiesen, ihrer Geburt nach, und wer das nicht anerkennt, gehört ausgelöscht, auf dem Papier oder in letzter Konsequenz ggf auch mal physisch.

    Manchen dieser Themen käme ein liberaler Islam eher zugute als das amerikanische, evangelikale Christentum.

    Und ich für meinen Teil glaube auch nicht, dass sich an diesen "Selbstverständlichkeiten" noch grundlegend viel ändern wird, ehe der Rollback auch die offensichtlicheren Teile der Individualität und Freiheit auffrisst.

    Das kann auch alles keine umfassende Erklärung sein, sowas maße ich mir gar nicht an. Sind bloß so ein paar herausgegriffene Aspekte, die sehr viel mit Zwischenmenschlichem zu tun haben, und bei denen es manchmal schon wirklich einen positiven Einfluss haben könnte, wenn ein paar mehr Menschen das mal reflektieren, ehe man es mit ihnen zu tun bekommt.
    Bei den meisten muss man allerdings dankbar sein, wenn sie drüber nachzudenken anfangen, nachdem sie sämtliche Klischees an dir abgearbeitet haben. Häufig tun sie es nichtmal dann.
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#6 transmannAnonym
  • 13.09.2018, 11:55h
  • Liebes Queer.de

    Danke für den erschreckenden Bericht. Als trans Mann stresst mich aber auch, wenn Medien, die unsere Anliegen unterstützen, Vokabular benutzen, das wir ständig kritisieren, weil uns entweder pathologisiert ("transsexuell" - es gibt sehr wenige trans Personen, die das benutzen, weil es Jahrzehnte dazu diente, uns nicht als Existenzform sondern als sexuelle Abweichung, geschlechtliche Abnormität oder psychische Störung zu labeln) oder falsche Ideen darüber verfestigt, wer wir sind ("Frau-zu-Mann"). Wären wir je Frauen gewesen, wieso würden wir als Männer leben wollen? Trans Männer sind Männer, egal wie sie aussehen, leben - und es ist frustrierend, immer wieder zu lesen, wir seien Frauen, die sich irgendwie auf magische Weise in Männer verwandeln. Das sind biologistische Ideen, die zum Verständnis von Trans überhaupt nichts beitragen. Und dass wir so wenig verstanden werden trägt zu den Suizid-Raten bei. Leider. Bitte ändert euer Wording. Es gibt keinen vertretbaren Grund, an diesen alten Begriffen festzuhalten.
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#7 Ith_Anonym
  • 13.09.2018, 14:29h
  • Antwort auf #6 von transmann
  • Nu, ich hab viel mit der englischen Sprache zu tun, vielleicht kommt's daher, dass die Begrifflichkeit "transsexuell" mir persönlich nichts ausmacht, weil "sex" in der Sprache halt in erster Linie "Geschlecht" heißt.
    Zeitgemäß, da hast du recht, wäre natürlich sowas wie "transident". Ich benutze meistens einfach trans*.

    Was das mit dem fzm angeht, sowas muss man in einem schwulen Umfeld leider dazuschreiben. Da das nämlich ein Kontext ist, in dem sowas wie mzf-Drag deutlich alltäglicher ist als trans*, Travestie von trans* nicht notwendigerweise unterschieden wird, und man unter trans* ganz selbstverständlich "Schwanzmädchen" oder eben Transfrauen versteht bzw. assoziiert, ist es meines Erachtens leider notwendig, das klar herauszustellen.

    Wünschenswert wäre zwar, dass Grundlagenwissen zum Thema trans* in dem Kontext zur Allgemeinbildung gehörte, aber solange "ich bin trans*" für die Leute schier automatisch bedeutet, dass man mir einen Gefallen zu tun glaubt, wenn man mich als "sie" adressiert, halte ich es leider für notwendig, drauf hinzuweisen, dass ich DAS damit nicht meine.

    Bin aber natürlich immer neugierig und offen bzgl. Vorschlägen, wie man mit der eigenen Unsichtbarkeit bitte sonst umgehen soll. Wenn du komplett mit allem durch und stealth bist, und deswegen lieber hättest, dass trans* überhaupt kein Thema mehr ist, das man mit dir assoziieren dürfte, denke ich eher, dass du dir einen Gefallen damit tun würdest, dich gar nicht erst angesprochen zu fühlen. Gibt halt Leute, die das anders handhaben bzw. sehen. Und wenn du dich schon selbst als "transmann" bezeichnest, scheint dir an der kompletten Abschaffung und Unsichtbarmachung des "woher-man-kommt" zum "wo-man-ist" ja nun auch nichts zu liegen.
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#8 LenaAnonym
  • 13.09.2018, 15:37h
  • Antwort auf #6 von transmann
  • Ich habe vor ein paar Wochen unter einem anderen Artikel auch schon mal versucht das anzusprechen. Mir geht es nämlich auf auf die Nerven die ganze Zeit transsexuell zu lesen, was einfach ein veralteter und falscher Begriff ist.
    Als Antwort wurde mir in den Kommentaren aber um die Ohren gehauen dass wir Transpersonen selbst Schuld sind und dass das ja keiner ernst nehmen kann, wenn wir ständig die Begriffe ändern würden.
    Auch wenn die Seite dem Namen nach für alle queeren Themen zuständig ist, muss man sagen dass Transmenschen leider auch in der queeren Community eine Minderheit sind und dass unsere Rechte einigen Menschen komplett egal sind, sobald sie ihre eigenen Rechte haben.
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#9 Ith_Anonym
  • 13.09.2018, 16:34h
  • Antwort auf #8 von Lena
  • Als Transperson, die hier häufiger schreibt, kann ich bestätigen, dass man hier von einigen Leuten unschöne Dinge um die Ohren gehauen bekommt, und auch leicht den Eindruck bekommt, allein auf weiter Flur damit zu stehen. Allerdings muss man schon sagen, wenn's nicht gerade anonyme Einmalschreiber sind, fällt irgendwann auf, dass es oft dieselben sind, besonders die hartnäckigen Transphoben, und da würde ich in Frage stellen, ob man sich und seinen Interessen einen Gefallen tut, wenn man denen gibt, was sie mit ihrem mehr oder weniger offenen, aggressiven Verhalten erreichen wollen, und verschwindet.

    Ich bin als Transkerl auch wenig begeistert davon, dass die übrigen schreibenden Transpersonen seltenst mal Transmänner sind, sondern für gewöhnlich Transfrauen, deren Themen und Probleme nicht immer dieselben sind wie meine.

    Allerdings, was ich oben schon andeutete, wenn die Wortwahl kritisiert wird, dann könnte man konstruktive Vorschläge machen.
    Ich sehe nicht, dass transsexuell ein falscher Begriff sein soll, es sei denn, aus der non-binären Sichtweise insofern, dass es gar keine zwei gegenüberliegenden Geschlechter gäbe (für mich selbst sehe ich das auch eher als Kontinuum denn als zweipolige Geschichte).

    Trans - gegenüberliegend, andere Seite
    Sexuell - das Geschlecht betreffend.
    Finde ich bei der binären Vorstellung "ursprünglich als Frau zugeordnet => als Mann lebend" sinnvoll.

    Ist für mich als fremdsprachenaffinen Mensch logisch und insofern verwende ich das auch, im Gegensatz zum "trans-ident", wo ich mich immer frage, was für einer Identität meine denn bitte gegenüberliegen soll. Na - man kann's ja kritisieren, gerade mit Verweis auf das Veraltete und Stigmatisierende, aber ich finde, wenn ihr etwas anders haben wollt, könntet ihr wirklich schreiben, was ihr stattdessen lieber lesen würdet. Andernfalls bleibt halt auch bloß raten.

    Und wieso ich darauf zurückkomme und mir das annehme, auch wenn mich niemand adressiert hat: Weil ich den Begriff als Transperson selbst eher noch verwende als das trans-ident, und mir da wirklich an einer konstruktiven Diskussion zur Begriffswahl gelegen wäre, wenn wir dabei schonmal sind. Ich erhebe zwar nicht den Anspruch, irgendwen zu repräsentieren, aber wenn ich nunmal in der Situation bin, hin und wieder die einzige überhaupt mitkommentierende Transperson zu sein, ist es mir natürlich nun auch nicht egal, wenn hier wer den Eindruck bekommt, ich würde wem in den Rücken fallen wollen.
    Wobei ich schon denke, dass queer.de relativ breit gelesen wird, und mir auch manchmal wünschen würde, irgendwelche repräsentativen Instanzen, Verbände o.ä. würden sich zumindest zu wirklich zentralen Themen auch mal äußern, was wohl eine ganz andere Signalwirkung haben könnte. Aber ich schätze, an diesen Stellen hat man wohl Besseres zu tun und gibt dann lieber selbstständig eine Presseerklärung ab, statt sich auf Leserbrief-Ebene mit Einzelpersonen zu zoffen.
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#10 KleineKetzerin
  • 13.09.2018, 17:41h
  • Antwort auf #8 von Lena
  • @Lena: >Als Antwort wurde mir in den Kommentaren aber um die Ohren gehauen dass wir Transpersonen selbst Schuld sind und dass das ja keiner ernst nehmen kann, wenn wir ständig die Begriffe ändern würden.<

    Die Person, die Dir das "um die Ohren gehauen" hat, ist übrigens selber trans.

    Was mir zum Zeitpunkt dieses ungezügelt sarkastisch gemeinten Kommentars damals noch nicht bewusst war, ist, dass die begrifflich korrekte Beschreibung des Dramas, das sich hierzulande gerade rund um "Transsexualität" (gefällt's mit Gänsefüßchen besser?) abspielt, hier in Deutschland offenbar wichtiger ist als das Drama selber. Ich bitte diesbezüglich aufrichtigst um Vergebung und gelobe hochheiligst, künftig zu berücksichtigen, dass man in diesen Breitengraden mehrheitlich bereits dann glücklich und zufrieden zu sein pflegt, wenn katastrophale Zustände mit den richtigen Begriffen beschrieben werden.

    Nebenbei bemerkt: Wie ernst man Euch hier in Deutschland nimmt, ist im Laufe des vergangenen Jahres ja nun sehr deutlich geworden: gar nicht...

    Das könnte man zum Anlass nehmen, die eigenen Strategien zu überdenken. Man kann's aber auch sein lassen und sich weiter über "Transsexualität" vs. "Transidentität" vs. "Transgeschlechtlichkeit" vs. "Transwasauchimmer" echauffieren. Ich wünsche viel Spaß dabei.
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