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Kommentare zu:
Junge Transmänner haben höchstes Suizidrisiko


#1 Julian 80Anonym
#2 JosephMartinProfil
  • 13.09.2018, 00:13hBraunschweig
  • Statistiken helfen mir irgendwie bei diesem Thema nicht weiter. Erfahrungsberichte wären jedenfalls mindestens so wichtig: Was konkret waren im Einzelfall die Stressoren? Und vor allem: was hat geholfen?
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#3 Homonklin44Profil
  • 13.09.2018, 03:47hTauroa Point
  • Wenn man das über eine Ablehnung auf ganz allgemeiner Ebene hier in manchen persönlichen Berichten mitliest, wundert es einen aber auch nicht mehr sonderlich. Es kommt eher so rüber, als ob FtM den großenb Teil der Diskriminierung abbekommen, und das nicht bloß, wenn die Partner möchten, sondern als Menschen allgemein. Wie komplikativ die Selbstverortung im Zusammenhang mit der Support-Lage und gesellschaftlicher Korrespondenz dazu sein mag, lässt sich schwer vorstellen.

    In den USA scheint man sich dann auch noch politisch an Trans*, Inter- und Nichtbinären abzureagieren, und hat sie, nachdem man Schwule und Lesben oder POC kaum noch wirksam angreifen kann, zum Prügelbock der Neuzeit erkoren.
    Es wundert nicht, dass an solchen Voraussetzungen die Leute zerbrechen, scheitern, im Stich gelassen bleiben.
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#4 Ith__Ehemaliges Profil
#5 Ith__Ehemaliges Profil
  • 13.09.2018, 07:14h
  • Antwort auf #3 von Homonklin44
  • In den USA kommt wohl auch noch dazu, dass es da nicht so selbstverständlich ist, mit medizinischen Maßnahmen rechnen zu können.

    Ich weiß nicht, wie weit Obamas Krankenversicherung da geholfen hat. Testo ist nicht billig, und ein bis zwei Jahre sind die absolute Mindestzeit, die man's nehmen muss, wenn man im Fall fzm eine Chance auf Passing haben will.

    Und dann sei mal schwul mit Körbchengröße >B, oder mit 2-5cm in der Hose (länger als das wird die Klit selbst mit Testo selten), die von Lage und Umfang her für Sex nicht reichen. Die Typen werden begeistert sein.
    Sexismus/Frauenfeindlichkeit bzw. unterschiedliche Behandlung der Geschlechter und unterschiedlich gute Chancen fallen auch extrem deutlich auf, wenn man findet, dass man eigentlich zu der Menschengruppe gehört, die laut Patriarchat Menschen 1. Klasse sind. Geh da mal hin und tu so, als ob du dazugehörst, und du stößt sehr schnell darauf, wie weit dir das nicht zusteht.

    Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es schon noch einiges an Transmännern da draußen gibt, die hier mitlesen, und die teilweise aus Gründen nicht schreiben.
    Aber ich glaube, ich lass das hier lieber, artet doch eher in Betroffenheitslyrik aus.
    Und wirkt vor allem am Ende irgendwie, als sei der Großteil Persönliches, was bloß mich betreffen und belasten würde. Das war wirklich so etwas Gutes an #MeQueer, gerade in den ersten Tagen: Dass da Leute, die in meiner Lage sind, genau von den selben Dingen geschrieben haben, den selben Mist erleben und sich anhören müssen wie ich. Selbst wenn die nicht als Einzelgänger aufgewachsen sind, bei denen die Ausrede am Ende irgendwie immer lautet, dass es ja am Trans-Dasein gar nicht liege, sondern bloß an mangelnden Sozialfähigkeiten.

    Doch, ziemlich viel liegt wirklich einfach daran, dass man trans* ist.

    Um mal was ganz Simples an Aggression herauszugreifen, die manchmal Mikro ist, manchmal aber gar nicht sooo klein: Wollen wir mal eine Statistik darüber erheben, wie oft in einem Monat öffentlich irgendwo Begriffe wie "Gender-Gaga" oder "Genderwahn" auftreten und verwendet werden, ohne dass jemand gegen diese Herabsetzung protestiert? Und dann noch dazu, wie oft das irgendwie in Zusammenhang gebracht wird mit dem Untergang von Welt und Kultur, dargestellt als dekadentes "Luxus"-Problem, als "Life-Style", der irgendwie in ist und den man den Leuten schleunigst austreiben müsse?
    Als homosexueller Cis-Mensch muss man sich davon nicht unbedingt gemeint fühlen. Aber allein wie oft und selbstverständlich mir sowas unterkommt, und was für eine Stimmung das erschafft, mit der ich demzufolge bei Menschen grundsätzlich immer rechnen muss, die Bild, Welt oder Spiegel lesen (und ehrlich gesagt habe ich auch bei den ÖR nicht den Eindruck, dass man solche Perspektiven da annähernd schlimm fände, sondern zumindest nachvollziehbar), wenn ich dann auf einmal existiere, als Repräsentant all dieser Zerstörung des Abendlandes, macht das Leben nicht gerade schöner. Einen Teil davon mag man als homosexuelle Person schon auch kennen. Aber wie viel tiefer Ablehnung und Abwertung gehen und wie viel selbstverständlicher das ist, wenn's darum geht, sich nicht dem Geschlecht zugehörig zu fühlen, dem man zugewiesen wurde, das erlebt man doch schon, wenn hier zuweilen durchscheint, dass jeder meint, gegenüber Transmännern a) ein Recht auf sofortiges Outing zu haben, und b) natürlich auch das gute Recht, solche Leute erstmal abzulehnen.
    In Frage gestellt wird so eine Haltung hier nur von ganz wenigen.

    Es ist einfach eine Selbstverständlichkeit, diese Abwertung, diese Unterstellung von "Wahn", die Zurechnung zu "gestört", "krank" oder zumindest irgendwie weniger wertvoll. Eine Selbstverständlichkeit, in der u.a. auch unser Verfassungsgericht findet, dass man natürlich erstmal zum Psychiater muss, ehe man den Namen so angleichen kann, dass er keine tägliche Last ist. Wie komme man bloß auf die Idee, das ginge anders? Unsereins erstmal als die Kranken zu betrachten, die in der Beweispflicht stehen, und so zu tun, als sei das keine Diskriminierung und greife die Würde nicht an: Das ist nur EIN Ausdruck dafür, wie tief verwurzelt ist, dass man so "eigentlich" nicht sein darf und sollte. Und wenn man echt doch soo gestört ist, dass sich daran so gar nix ändern lässt, dann beweise man das erstmal.
    Der Grund der Anerkennung ist dann auch nie, dass es das nunmal gibt und man so sein kann und darf. Der Grund ist immer: Jetzt leide mal schön ordentlich, denn solange du nicht knapp vorm Selbstmord stehst, KANN es ja gar nicht nötig sein, dass das System dir irgendwie entgegenkommt.
    Trans* sein und dabei nicht zerstört - das Konzept gibt's hierzulande gar nicht, denn "Leidensdruck" ist der einzige Grund dafür, dass man dir zähneknirschend Rechte zugesteht. Leiden als notwendige Währung - viel kranker geht's gar nicht.
    Über wie viele Jahrhunderte und in wie vielen Kulturen es Transsexualität nachweislich schon gegeben hat, und dass es sehr wohl schon immer Wege gegeben hat, das in eine Kultur zu integrieren statt zum bedauerns- und vermeidenswerten Sondernfall zu erklären, wird da mal vollkommen ignoriert.

    Ich erinnere mich auch gut an die Reaktionen hier auf die psychiatriefreie Anerkennung von Transsexuellen in - wo war es, Indien oder Pakistan? Die halbe Welt ist Deutschland schließlich voraus bei diesem Thema - wo hier der allergrößte Teil erstmal gefunden hat: Nee, geht gar nicht. Denn da es trans* ja eigentlich gar nicht gibt, oder das zumindest nicht so wichtig ist, dass die Leute Gesetze zu ihrer Anerkennung brauchen, ist vollkommen klar, dass es da gar nicht darum geht, Transsexuellen zu helfen - nee, es muss um UNS (Cis-Homosexuelle) gehen. Aka: Wer könnte oder dürfte auf die Idee kommen, dass es Transsexuelle gibt, und die anerkennen? Schließlich weiß doch jeder, dass der Nabel der Welt die sexuelle Orientierung ist, nicht die Geschlechtsidentität, und dass man natürlich cis ist. Soll heißen, auch wenn ein Gesetz sich mit trans* befasst, kann das einfach gar nicht sein, dass das echt dazu dienen soll, trans* anzuerkennen - es kann nur darum gehen, Cis-Menschen etwas antun und aufzwingen zu wollen. Wer würde sowas schon tun, und dann auch noch mehr oder weniger freiwillig?
    Trans* passt nicht in die jüdisch-christliche Kultur, noch viel weniger als Homosexualität. Und es ist auch kein Wunder, dass es vielerorts der christliche Kolonialismus mit seinen Missionaren gewesen war, der die Akzeptanz dessen ruiniert hat, und der gar ebendiese Akzeptanz zu einem Indikator erklärt hat, es mit Sodom und Gomorrha, aka moralischen Verwerflichkeiten zu tun zu haben. Nur Wilde und Barbaren würden anerkennen, dass Menschen sind, wie sie sind - in einer zivilisierten Gesellschaft wird den Menschen ein Platz zugewiesen, ihrer Geburt nach, und wer das nicht anerkennt, gehört ausgelöscht, auf dem Papier oder in letzter Konsequenz ggf auch mal physisch.

    Manchen dieser Themen käme ein liberaler Islam eher zugute als das amerikanische, evangelikale Christentum.

    Und ich für meinen Teil glaube auch nicht, dass sich an diesen "Selbstverständlichkeiten" noch grundlegend viel ändern wird, ehe der Rollback auch die offensichtlicheren Teile der Individualität und Freiheit auffrisst.

    Das kann auch alles keine umfassende Erklärung sein, sowas maße ich mir gar nicht an. Sind bloß so ein paar herausgegriffene Aspekte, die sehr viel mit Zwischenmenschlichem zu tun haben, und bei denen es manchmal schon wirklich einen positiven Einfluss haben könnte, wenn ein paar mehr Menschen das mal reflektieren, ehe man es mit ihnen zu tun bekommt.
    Bei den meisten muss man allerdings dankbar sein, wenn sie drüber nachzudenken anfangen, nachdem sie sämtliche Klischees an dir abgearbeitet haben. Häufig tun sie es nichtmal dann.
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#6 transmannAnonym
  • 13.09.2018, 11:55h
  • Liebes Queer.de

    Danke für den erschreckenden Bericht. Als trans Mann stresst mich aber auch, wenn Medien, die unsere Anliegen unterstützen, Vokabular benutzen, das wir ständig kritisieren, weil uns entweder pathologisiert ("transsexuell" - es gibt sehr wenige trans Personen, die das benutzen, weil es Jahrzehnte dazu diente, uns nicht als Existenzform sondern als sexuelle Abweichung, geschlechtliche Abnormität oder psychische Störung zu labeln) oder falsche Ideen darüber verfestigt, wer wir sind ("Frau-zu-Mann"). Wären wir je Frauen gewesen, wieso würden wir als Männer leben wollen? Trans Männer sind Männer, egal wie sie aussehen, leben - und es ist frustrierend, immer wieder zu lesen, wir seien Frauen, die sich irgendwie auf magische Weise in Männer verwandeln. Das sind biologistische Ideen, die zum Verständnis von Trans überhaupt nichts beitragen. Und dass wir so wenig verstanden werden trägt zu den Suizid-Raten bei. Leider. Bitte ändert euer Wording. Es gibt keinen vertretbaren Grund, an diesen alten Begriffen festzuhalten.
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#7 Ith__Ehemaliges Profil
  • 13.09.2018, 14:29h
  • Antwort auf #6 von transmann
  • Nu, ich hab viel mit der englischen Sprache zu tun, vielleicht kommt's daher, dass die Begrifflichkeit "transsexuell" mir persönlich nichts ausmacht, weil "sex" in der Sprache halt in erster Linie "Geschlecht" heißt.
    Zeitgemäß, da hast du recht, wäre natürlich sowas wie "transident". Ich benutze meistens einfach trans*.

    Was das mit dem fzm angeht, sowas muss man in einem schwulen Umfeld leider dazuschreiben. Da das nämlich ein Kontext ist, in dem sowas wie mzf-Drag deutlich alltäglicher ist als trans*, Travestie von trans* nicht notwendigerweise unterschieden wird, und man unter trans* ganz selbstverständlich "Schwanzmädchen" oder eben Transfrauen versteht bzw. assoziiert, ist es meines Erachtens leider notwendig, das klar herauszustellen.

    Wünschenswert wäre zwar, dass Grundlagenwissen zum Thema trans* in dem Kontext zur Allgemeinbildung gehörte, aber solange "ich bin trans*" für die Leute schier automatisch bedeutet, dass man mir einen Gefallen zu tun glaubt, wenn man mich als "sie" adressiert, halte ich es leider für notwendig, drauf hinzuweisen, dass ich DAS damit nicht meine.

    Bin aber natürlich immer neugierig und offen bzgl. Vorschlägen, wie man mit der eigenen Unsichtbarkeit bitte sonst umgehen soll. Wenn du komplett mit allem durch und stealth bist, und deswegen lieber hättest, dass trans* überhaupt kein Thema mehr ist, das man mit dir assoziieren dürfte, denke ich eher, dass du dir einen Gefallen damit tun würdest, dich gar nicht erst angesprochen zu fühlen. Gibt halt Leute, die das anders handhaben bzw. sehen. Und wenn du dich schon selbst als "transmann" bezeichnest, scheint dir an der kompletten Abschaffung und Unsichtbarmachung des "woher-man-kommt" zum "wo-man-ist" ja nun auch nichts zu liegen.
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#8 LenaAnonym
  • 13.09.2018, 15:37h
  • Antwort auf #6 von transmann
  • Ich habe vor ein paar Wochen unter einem anderen Artikel auch schon mal versucht das anzusprechen. Mir geht es nämlich auf auf die Nerven die ganze Zeit transsexuell zu lesen, was einfach ein veralteter und falscher Begriff ist.
    Als Antwort wurde mir in den Kommentaren aber um die Ohren gehauen dass wir Transpersonen selbst Schuld sind und dass das ja keiner ernst nehmen kann, wenn wir ständig die Begriffe ändern würden.
    Auch wenn die Seite dem Namen nach für alle queeren Themen zuständig ist, muss man sagen dass Transmenschen leider auch in der queeren Community eine Minderheit sind und dass unsere Rechte einigen Menschen komplett egal sind, sobald sie ihre eigenen Rechte haben.
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#9 Ith__Ehemaliges Profil
  • 13.09.2018, 16:34h
  • Antwort auf #8 von Lena
  • Als Transperson, die hier häufiger schreibt, kann ich bestätigen, dass man hier von einigen Leuten unschöne Dinge um die Ohren gehauen bekommt, und auch leicht den Eindruck bekommt, allein auf weiter Flur damit zu stehen. Allerdings muss man schon sagen, wenn's nicht gerade anonyme Einmalschreiber sind, fällt irgendwann auf, dass es oft dieselben sind, besonders die hartnäckigen Transphoben, und da würde ich in Frage stellen, ob man sich und seinen Interessen einen Gefallen tut, wenn man denen gibt, was sie mit ihrem mehr oder weniger offenen, aggressiven Verhalten erreichen wollen, und verschwindet.

    Ich bin als Transkerl auch wenig begeistert davon, dass die übrigen schreibenden Transpersonen seltenst mal Transmänner sind, sondern für gewöhnlich Transfrauen, deren Themen und Probleme nicht immer dieselben sind wie meine.

    Allerdings, was ich oben schon andeutete, wenn die Wortwahl kritisiert wird, dann könnte man konstruktive Vorschläge machen.
    Ich sehe nicht, dass transsexuell ein falscher Begriff sein soll, es sei denn, aus der non-binären Sichtweise insofern, dass es gar keine zwei gegenüberliegenden Geschlechter gäbe (für mich selbst sehe ich das auch eher als Kontinuum denn als zweipolige Geschichte).

    Trans - gegenüberliegend, andere Seite
    Sexuell - das Geschlecht betreffend.
    Finde ich bei der binären Vorstellung "ursprünglich als Frau zugeordnet => als Mann lebend" sinnvoll.

    Ist für mich als fremdsprachenaffinen Mensch logisch und insofern verwende ich das auch, im Gegensatz zum "trans-ident", wo ich mich immer frage, was für einer Identität meine denn bitte gegenüberliegen soll. Na - man kann's ja kritisieren, gerade mit Verweis auf das Veraltete und Stigmatisierende, aber ich finde, wenn ihr etwas anders haben wollt, könntet ihr wirklich schreiben, was ihr stattdessen lieber lesen würdet. Andernfalls bleibt halt auch bloß raten.

    Und wieso ich darauf zurückkomme und mir das annehme, auch wenn mich niemand adressiert hat: Weil ich den Begriff als Transperson selbst eher noch verwende als das trans-ident, und mir da wirklich an einer konstruktiven Diskussion zur Begriffswahl gelegen wäre, wenn wir dabei schonmal sind. Ich erhebe zwar nicht den Anspruch, irgendwen zu repräsentieren, aber wenn ich nunmal in der Situation bin, hin und wieder die einzige überhaupt mitkommentierende Transperson zu sein, ist es mir natürlich nun auch nicht egal, wenn hier wer den Eindruck bekommt, ich würde wem in den Rücken fallen wollen.
    Wobei ich schon denke, dass queer.de relativ breit gelesen wird, und mir auch manchmal wünschen würde, irgendwelche repräsentativen Instanzen, Verbände o.ä. würden sich zumindest zu wirklich zentralen Themen auch mal äußern, was wohl eine ganz andere Signalwirkung haben könnte. Aber ich schätze, an diesen Stellen hat man wohl Besseres zu tun und gibt dann lieber selbstständig eine Presseerklärung ab, statt sich auf Leserbrief-Ebene mit Einzelpersonen zu zoffen.
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#10 Anonyma
  • 13.09.2018, 17:41h
  • Antwort auf #8 von Lena
  • @Lena: >Als Antwort wurde mir in den Kommentaren aber um die Ohren gehauen dass wir Transpersonen selbst Schuld sind und dass das ja keiner ernst nehmen kann, wenn wir ständig die Begriffe ändern würden.<

    Die Person, die Dir das "um die Ohren gehauen" hat, ist übrigens selber trans.

    Was mir zum Zeitpunkt dieses ungezügelt sarkastisch gemeinten Kommentars damals noch nicht bewusst war, ist, dass die begrifflich korrekte Beschreibung des Dramas, das sich hierzulande gerade rund um "Transsexualität" (gefällt's mit Gänsefüßchen besser?) abspielt, hier in Deutschland offenbar wichtiger ist als das Drama selber. Ich bitte diesbezüglich aufrichtigst um Vergebung und gelobe hochheiligst, künftig zu berücksichtigen, dass man in diesen Breitengraden mehrheitlich bereits dann glücklich und zufrieden zu sein pflegt, wenn katastrophale Zustände mit den richtigen Begriffen beschrieben werden.

    Nebenbei bemerkt: Wie ernst man Euch hier in Deutschland nimmt, ist im Laufe des vergangenen Jahres ja nun sehr deutlich geworden: gar nicht...

    Das könnte man zum Anlass nehmen, die eigenen Strategien zu überdenken. Man kann's aber auch sein lassen und sich weiter über "Transsexualität" vs. "Transidentität" vs. "Transgeschlechtlichkeit" vs. "Transwasauchimmer" echauffieren. Ich wünsche viel Spaß dabei.
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#11 SarahAnonym
#12 Anonyma
  • 13.09.2018, 18:25h
  • Antwort auf #11 von Sarah
  • @Sarah: >Du meinst "Geschlechtliche Gewordenheit" -?<

    Genau danach hatte ich verzweifelt gesucht und bin nicht drauf gekommen... Wenn ich Dich nicht hätte... :-)

    Nein, helfen kann man ihnen wirklich nicht. Aber das Schauspiel anschauen sollte man sich trotzdem, denn man kann da noch viel lernen (und lachen). Schau Dir nur den Thread zu Chile an: Kirche, Autoversicherung, Steuersystem... Das sind alles hochwichtige Zusammenhänge, die uns sonst völlig verborgen geblieben wären. *kicher*
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#13 SarahAnonym
#14 JosephMartinProfil
  • 13.09.2018, 20:13hBraunschweig
  • Antwort auf #4 von Ith_
  • Du, #MeQueer (Danke für den Hinweis) ist aus verschienenen Gründen in der Tat an mir vorbeigegangen. Ich würde aber nicht sagen, dass ich bei dem Thema völlig blind bin. Zum Einen bin ich natürlich immer wieder mal Transmännern persönlich begegnet und zum Anderen habe ich natürlich auch Filme und Dokumentationen zu dem Thema gesehen und u.a. mir stundenlang youtube-Berichte von Leuten reingezogen, die mit Testo angefangen haben. Twitter dagegen nutze ich so gut wie nicht und ich denke, dass es auch das letzte Medium ist, aus dem man etwas zu einem so komplexen Thema wie Suizidgefährung erfahren kann.
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#15 LeservonqueerAnonym
  • 13.09.2018, 20:18h
  • Unter Mädchen und jungen Frauen liegt die Rate bei 17,6 Prozent, unter Jungs und jungen Männern bei 9,8 Prozent.

    Woher hat die Redaktion denn diese Zahlen?

    Weltweit ist die Selbstmordrate von Jungen und Männern 3 bis 5 mal höher als die von Mädchen und Frauen.
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#16 YouAreMissedAnonym
  • 13.09.2018, 20:48h
  • Antwort auf #7 von Ith_
  • Hi Ith_ :-)

    Schön, dich hier wieder zu lesen. Ich bin die ehemalige "von-hinten-genommen." Wie geht es dir?

    Dein Anliegen hier verstehe ich sehr gut. Es muss sich noch so vieles verbessern, dass ich mich auch frage wie das in meinem Leben noch realisierbar wird.
    Aber ich tue etwas dafür. Hab mich ganz aktuell für etwas eingesetzt.

    Schönen Abend dir ;-)
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#17 Ith__Ehemaliges Profil
  • 14.09.2018, 10:31h
  • Antwort auf #16 von YouAreMissed
  • Ach, hallo :-)

    Gut zu wissen, ich spekuliere bei geänderten Nicknames über sowas aus Prinzip nicht.

    Wieder mit dem Mitschreiben angefangen habe ich, weil's mir nach einer Hochzeit im Bekanntenkreis total mies ging, die einerseits schön war, aber mir irgendwo auch all das vor Augen gehalten hat, was es in meinem Leben nicht gibt und wohl nie geben wird. Angefangen bei der unkomplizierten Suche nach einem Partner, bis zu einer Familie, die sich immerhin so gut versteht, dass man es riskieren kann, die Eltern einzuladen, ohne dass der Tag dadurch zur Katastrophe wird.
    Und das alles dann unter Leuten, die teilweise echt liebe Menschen sind, und denen ich gar nichts vorwerfen kann oder will, aber die von meiner Welt mitsamt ihrer Grenzen so wenig verstehen, dass ich eine Diskussion darüber, was binäre Toiletten und Duschen für mich so anstrengend macht, inzwischen nicht einmal mehr führe.
    Ich hab da schon so viele Worte investiert, und nach zehn Jahren, die einige mich mit dem Thema schon kennen, gibt's immer noch nicht den Hauch von Verständnis bei den meisten (bzw. sehe ich den ernstgemeinten Versuch, zumindest bewusst Rücksicht zu nehmen bei gerade mal zwei Personen).. und da sitzt du dann unter all diesen Leuten mit ihrem normalen Leben, redest über nichts, weil's die anderen bloß runterziehen würde, und auch neue Leute dabei sind, bei denen du nicht so sicher bist, ob das Bullshit-Bingo gleich wieder losgeht, bei dem dir wie üblich natürlich niemand helfen würde, und fühlst dich unglaublich einsam, gerade weil physisch Leute da wären.
    Und weil irgendwo auch das Bewusstsein drüberhängt, dass sich das allermeiste davon nicht ändern wird, geschweige denn, dass es einen Ort gäbe, wo das anders wäre. Ob trans* okay ist und gänzlich widerspruchslos akzeptiert wird, da kann man sich ja nichtmal auf LGBTI-Partys sicher sein, weil BTI da meistens eher aus Gewohnheit drinstehen, als dass man davon ausgehen könnte, wirklich mit eingeladen zu sein.
    Der einzige Safespace ist die eigene Wohnung.

    Naja, inzwischen geht's aber wieder, danke der Nachfrage. Und freut mich auch, dich zu lesen.
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#18 YouAreMissedAnonym
  • 14.09.2018, 12:05h
  • Antwort auf #17 von Ith_
  • Ich verstehe.
    Rede trotzdem, denn auch du bist ein Mensch mit Bedürfnissen, auch wenn sie es nicht verstehen sollten.
    Wegen Partnersuche: hast du schon mal nach einem Trans*Mann gesucht? Also, ich meine, die sexuelle Identität ist egal, vielleicht hast du aber bei ihnen mehr Glück? Einfach als Idee. Gebe nicht auf, Ith_

    Ich hab an zwei Parteien geschrieben um auf ein Thema aufmerksam zu machen. Und heute geht's nach Stuttgart wegen dem ollen "Demo für alle." Werde mit meinem Plakat dagegen stehen :-)
    Auch für mich ist es nicht einfach, eine Beziehung zu haben und aufzubauen, und selbst beruflich hatte ich schon Nachteile, aber: ich gebe nicht auf, ich setze mich durch.

    Tue dich mit anderen zusammen und mache Druck, wo es wichtig ist - zum Beispiel Aktualisieren des Gesetzes.

    Your voice counts ;-)
    Schönen Tag dir.
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#19 JosephMartinProfil
  • 14.09.2018, 15:11hBraunschweig
  • Antwort auf #17 von Ith_
  • @lth_ und YouAreMissed

    Eure Kommentare habe ich mit großem Interesse gelesen.

    Ich kann Deinen Wunsch, lth_ nach einem "Safespace" verstehen. Mir ist beim Nachdenken allerdings auch eingefallen, dass ich mir manchmal einen "Safespace" wünschen würde, wo einfach mal die Transleute in der Mehrheit sind. Oder gibt es solche Angebote sogar?
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#20 YouAreMissedAnonym
  • 14.09.2018, 19:06h
  • Antwort auf #19 von JosephMartin
  • Da fällt mir gerade leider auch nichts ein.
    Aber wie wäre es, einfach spontan ein Inserat ins Internet zu stellen bezüglich Kontakte zu Trans*? Da müssten sich doch eigentlich welche melden :-)
    Ich hab das mal bezüglich lesbisch sein gemacht und erhielt Antworten. Es ergab sich am Ende einen netten Kontakt zu zwei anderen, wir waren also zu dritt und sind oft in Clubs oder haben im Café geplaudert ;-)
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#21 YouAreMissedAnonym
#22 Homonklin44Profil
#23 Homonklin44Profil
  • 15.09.2018, 13:28hTauroa Point
  • Antwort auf #5 von Ith_
  • Erst mal danke Dir, dass Du da die Möglichkeit für Einblicke und ggf. Einsichten an den geneigten Cissen-Zossen vermittelst. Denn vielmals wird der Dialog mangels Verständnis von der einen Seite ja dicht gemacht, oder weil die immer selben abgestandenen Ansichten aufeinander treffen, undman dann wahrscheinlich gegen den ganzen Cissen-Zossen-Pyroklastismus irgendwann auch resigniert.

    Vermutlich muss man Testo(sterongabe) dann auch lebensbegleitend haben, weil sich sonstz das Passing wieder zurückbildet? Verzeih mir die dumme Cissen-Zossen- Frage. Ich weiß nicht, wie breitenwirkend Obama-Care da verwendet werden kann, oder welche Grenzen die Versorgung hat. Aber ich schätze mal, dass es so etwas in den US überhaupt mal gibt war schon ein Fortschritt für etliche Menschen. Im Vergleich zu der Möglichkeit, alles selbst bezahlen zu sollen, jedenfalls. Meine Tante musste im hohen Alter wieder arbeiten gehen, und das nur wegen eines Cataract im Auge.

    "Und dann sei mal schwul mit Körbchengröße >B, oder mit 2-5cm in der Hose (länger als das wird die Klit selbst mit Testo selten), die von Lage und Umfang her für Sex nicht reichen. Die Typen werden begeistert sein."

    Nachvollziehbar. Die Typen winken schon von Weitem Adieu, wenn man als Cis-Typ Mastotrophie/Männerbrust in Kombination mit Micropenis oder dort Impotenz aus Krankheitsfolge hat. Und weitere Mängel. Vielleicht hinterlässt das eine in gewissen Punkten ähnelnde Erfahrungsbandbreite. Die Kategorie Will keiner ist größer, als man denkt.
    Bei Körbchengrößen und 'Klit' schalten Schwule, die nicht zufällig einen Damenwäschefetisch haben, oder aber Transvestiten sind, auf Durchzug. Oder denken an Lesben. An Frauen, an Busen ich schätze mal, dass sich das zusätzlich verkomplizierend auswirkt. Bei Mastotrophie wirkt es sich zumindest abschreckend aus = nicht maskulin abturnend. Logisch, natürlich und voll verständlich, aber man bleibt halt außen vor damit.
    Ich weiß nicht, wie Bi's das so sehen.
    Ich frage mich, wie weit diese natürlichen Dinge in die allgemeine Ebene hinein wirken, aber da es durchaus Schwule gibt, die sich auch mit ihren Müttern unterhalten, oder mit Leuten außerhalb der eigenen Anziehungsbandbreite, nehme ich an, dass es keine Allgemeingültigkeit hat.

    Die Menschenklassen sind ja auch in Deutschland anhand sozialer Abgrenzung getrennt, obwohl in Gesetzen das Gegenteil propagiert wird. Da gehört man auch als Cissen-Zossen verschiedentlich nicht dazu. Als 180 Kilo-Brummer mal im Club der Schönen und Schlanken tanzen? Ja, da werden die Grenzen ertastbar. Vor allem aber auch wenn man das weg trainiert hat keine Chance. Kartoffelsack & Latschehaut man gehört nie dazu, und das verraten schon die Blicke. Die Größen des Geräts zählen weit mehr als die immer zur Entschuldigung eigener Präferenzen vorhergetragenen Ideale rund um Innere Werte, die angeblich wesentlich seien, und den Decjkel, den jeder Pott irgendwann fände. ( Man muss doch nur die Geduld haben. Also die Geduld, wenigstens 50 Jahre weiterzufahnden)

    "Aber ich glaube, ich lass das hier lieber, artet doch eher in Betroffenheitslyrik aus.
    Und wirkt vor allem am Ende irgendwie, als sei der Großteil Persönliches, was bloß mich betreffen und belasten würde. Das war wirklich so etwas Gutes an #MeQueer, gerade in den ersten Tagen: Dass da Leute, die in meiner Lage sind, genau von den selben Dingen geschrieben haben, den selben Mist erleben und sich anhören müssen wie ich. Selbst wenn die nicht als Einzelgänger aufgewachsen sind, bei denen die Ausrede am Ende irgendwie immer lautet, dass es ja am Trans-Dasein gar nicht liege, sondern bloß an mangelnden Sozialfähigkeiten.

    Das Problem damit ist wohl das Abwimmelverhalten, dass Viele da einnehmen, als würden sie in einen Modus 'Bleibmirvomleibdamit' umstellen. Ein sehr beliebtes Instrument ja auch bei so genannten Leuten von gewissen Fächern, um nicht auf die Erfahrungsgrundlage von Jemandem eingehen zu müssen. So schiebt man die Realitäten bei Seite, mit denen man sich nicht befassen will, weil sie unangenehme und oft auch unhaltbare Zustände anmahnen. Unerwünschte Realitäten. Die nicht mit den Maßstäben und der Theorie übereinstimmen, welche je nach Fachkreis grade angebetet werden. Und ohne sich ernsthaft darauf einzulassen, was hier Erfahrungswert ist, kann das auch nie was werden. Wie als würden Griechen versuchen, mit Türken in dänisch galaktischem Ultra-Chinesisch zu reden. Da kann man sich praktisch dann den Mund fusselig reden, es kommt nix an. Eigentlich müssten dann Fachbewanderte in den eigenen Reihen entstehen, die da vermitteln. Das Problem mit dem nicht ernstgenommen Werden bleibt wohl bestehen, das ist ja auch im Bereich Sexismus oder Missbrauch so, man relativiert Erfahrungsgrundlagen dann gerne offiziell herunter, weil es ja diese Trittbrettfahrerproblematik auch noch gibt.

    Soziale Skills und Trans* - ist das (angeblich, vermute ich mal) ein umfassender Komplex, der separat beleuchtet werden muss? Ich kann mir nicht ganz vorstellen, dass restlos alle Trans*Personen mit reduzierten sozialen Skills aufwachsen, oder das zwangsläufig erfolgen muss.
    Es sind ja auch nicht alle Psychologen selbst bekloppt, und studieren das eigentlich nur, um sich selbst erst mal zu helfen. Genug der Cissen-Zossen haben selber soziale Schwierigkeiten, und bei den Heteras und Heteros ist der Prozentsatz kein kleinerer.
    Möglich ist, dass das als weitere Beihilfe genutzt wird, um Trans* nicht ernstzunehmen in der Abwimmelmaschine. Dieses Transphobie-Ding a'la Guck mal, so, wie die (außerhalb von uns) sich schon benehmen, und so weiter. Das spielt da zur Ab- und Ausgrenzung wohl die erste Geige.

    Um mal was ganz Simples an Aggression herauszugreifen, die manchmal Mikro ist, manchmal aber gar nicht sooo klein: Wollen wir mal eine Statistik darüber erheben, wie oft in einem Monat öffentlich irgendwo Begriffe wie "Gender-Gaga" oder "Genderwahn" auftreten und verwendet werden, ohne dass jemand gegen diese Herabsetzung protestiert? Und dann noch dazu, wie oft das irgendwie in Zusammenhang gebracht wird mit dem Untergang von Welt und Kultur, dargestellt als dekadentes "Luxus"-Problem, als "Life-Style", der irgendwie in ist und den man den Leuten schleunigst austreiben müsse?
    Als homosexueller Cis-Mensch muss man sich davon nicht unbedingt gemeint fühlen.

    Da braucht man ja eigentlich nur die Leute auf den Straßen befragen. Im Osten wird das signifikant erhöhte Werte hervorbringen, in ländlichen Gegenden vermutlich auch, und dann noch unter gewissen politischen oder religiösen Einstellungen natürlich, und bei durchschnittlich bis unterdurchschnittlichen IQ-Bandbreiten.
    Wenn man erklärt, dass es bei Gender um die Gleichstellung, gleiche Möglichkeiten und Chancen der Geschlechter geht, wird man ja oft schon sowas wie aus Selbstsicherheit hervor ausgelacht. Da muss man divers oder Trans* noch nicht mal erwähnt haben. Das mit dem Lebensstil ist ja vorwiegend bei religiotisierten Menschen prominent. Abgesehen davon kann man sich den Lifestyle nach GG Artikel über die freie Lebensentfaltung wirklich genehmigen, ohne dass man sich den von Jemandem austreiben lassen müsste. Und ganz unabhängig davon, ob man schwul, lesbisch, Bi, Hetero oder Trans* ist jede hat ein recht auf freie Lebensentfaltung. Man muss diesen freiwillig Hirnreduzierten bloß mal erklären, dass Lifestyle und Veranlagung unterschiedliche Ebenen darstellen. Wobei die das ja noch gezielt und absichtlich nicht unterscheiden WOLLEN, sonst wären ja ihre ganzen unnützen Pappargumente dahin.

    Einen Teil davon mag man als homosexuelle Person schon auch kennen. Aber wie viel tiefer Ablehnung und Abwertung gehen und wie viel selbstverständlicher das ist, wenn's darum geht, sich nicht dem Geschlecht zugehörig zu fühlen, dem man zugewiesen wurde, das erlebt man doch schon, wenn hier zuweilen durchscheint, dass jeder meint, gegenüber Transmännern a) ein Recht auf sofortiges Outing zu haben, und b) natürlich auch das gute Recht, solche Leute erstmal abzulehnen.

    Stimmt, das kann man als Homo-Cissen-Zossen nicht ausloten, denn dafür müsste man selbst wenigstens neun Monde in den Mokkassins einer Trans*Person gegangen sein. Diese Outing-Anforderungen kannst Du einfach ignorieren, auch wenn das manche nutzen wollen, um sich an Dir abzureagieren oder ihre Neugierde zu befriedigen, es geht die einen Scheißdreck an. Es sei denn, Du gehst damit offen auf Leute zu, aber wann oder unter welchen Bedingungen, bleibt Deine Wahl.
    Mit der Ablehnung ist das so eine Sache. Keine gänzlich Einfache. Man wird ja auch als Schwuler einfach rundum abgelehnt, wenn man berstimmte Konventionen nicht teilt, oder bestimmte Wortfilter nicht verwendet, wie hier etwa eine bestimmten, aber unausgeschriebenen Sprach-Zensur nicht folgt, oder vielleicht auch politisch keine klare Position zeigt.
    Man muss die und jene Kriterien erfüllen können, auch in der so genannten schwulen Community, oder sie bleibt unsichtbar und unzugänglich. Wie Du willst keinen Sex, sondern romantische Liebe? Raus mit Dir, das ist ja lächerlich und hetero Nachahmung! Was Du magst keine Nackten, sondern Motorradkombiträger mit Helm und Handschuhen? Widerlich! Pervers!Verpiss Dich du Lederelse! Wieso bist du eigentlich so fett? Ich dachte, die Schwulen achten auf ihr Äußeres... Du hast ja gar nichts in Pink an. Bist du überhaupt schwul? Schwanzgröße XS was soll das denn bitte? Ich lach mich schlapp. Ablehnung! Nur einige Beispiele, ja, das gibt es auch für den Cissen-Schwulen.
    Es ist allerdings eine Frage, wird man als Mensch generell abgelehnt, oder als potenzieller Intimkontakt. Ersteres ist schrecklich, das Zweite ist nicht schön, aber auch nicht erzwingbar. Wenn man in der Art Lage wenigstens Bekanntschaften hat, oder mal wen zum Schreiben findet, ist es mit einiger Bescheidenheit schon ganz viel erreicht. Anderen Leuten in anderen Lebenssituationen wird selbst das nicht zuteil, und vielleicht darf man nur nicht zu hohe Ansprüche haben. Liebe, Romantik Intimität, Partnerschaften das ist natürlich für die 1. Klasse Menschen da. (in Frage gestellt, provokativ)

    Der Grund der Anerkennung ist dann auch nie, dass es das nunmal gibt und man so sein kann und darf. Der Grund ist immer: Jetzt leide mal schön ordentlich, denn solange du nicht knapp vorm Selbstmord stehst, KANN es ja gar nicht nötig sein, dass das System dir irgendwie entgegenkommt.
    Trans* sein und dabei nicht zerstört - das Konzept gibt's hierzulande gar nicht, denn "Leidensdruck" ist der einzige Grund dafür, dass man dir zähneknirschend Rechte zugesteht. Leiden als notwendige Währung - viel kranker geht's gar nicht.

    Die menschenfeindliche Hermeneutik aus der Medizin und Psychiatrie gehört wirklich dringend überarbeitet, ich schätze, da sind wir uns alle einig. Das Verständnis davon, was als krank oder von bestimmten Werten abweichend deklariert wird übrigens von bestimmten Werten, von denen keiner weiß, was oder wie die überhaupt bestimmt werden, wenn nicht lediglich über Gauß /Normalverteilungsschema muss an ein Menschen gerechtes Maß heran geführt werden. Eigentlich ist doch auch der wissenschaftliche Erkenntnisstand wirklich über diese Psycho-Keulung hinaus gewachsen, oder etwa nicht? Wir haben auch bei Heterosexuellen keine wissenschaftliche opder medizinisch angeordnete Prüfung, um feststellen zu können, ob diese auch wirklich heterosexuell ticken, und ihnen ihre Heterosexualität zu zertifizieren, zu gestatten.
    Ich möchte da gern mal einen der betreffenden Befürworter der Psychiatriemodelle sehen, wenn man seine Frau oder sein Kinder nach der Methode auf Identität durchtesten würde. Ich bin mir ziemlich sicher, dass da die Ausreden, warum man so etwas ja nicht machen müsse, echt vielfältig ausfallen, und die Bereitwilligkeit etwa so flüssig liefe, wie in einem lange ausgetrockneten Wadi.
    Bring das mal als Vorschlag für AfD-Mitglieder an- Alle vor, sich auf nicht vorgetäuschte Heterosexualität beim Psychiater überprüfen lassen oh, wäre da der Aufschrei groß. Und wie viele würden wohl durchfallen oops.

    Beim Leidensdruck sollte es ja eigentlich in dem Kontext auch darum gehen, die Urssachen für die Entstehung des Leidensdrucks zu beleuchten und ggf. zu beheben oftmals in einer Gesellschaft oder situativen Umgebung, deren Einrichtung diesen zu verantworten hat. Wäre nämlich die Umgebung und Gesellschaft fortschrittlicher, und würde mit Menschen anders Umgang gepflegt, wäre nämlich oft der Leidensdruck ohne Grund. Aber so weit denken viele Fachler offenbar nicht. Es werden da wohl auch nach Lehrbuch instruierte Fachidioten produziert, die ihre ganzen Formeln und Modellvorstellungen mit sich herum tragen, aber vom Territorium selbst noch keine 5 Square-Meter in Natura erlebt haben. Mit denen man dann zu tun bekommt, und die sich wundern, dass man ja ein echter Mensch ist, und gar keine statistische Erhebung mit Prävalenzwert unter 0,5% Bevölkerung oder was. Würde die Sache mit der Würde und grundlegenden Umgangsmodalitäten auch dort endlich einmal angewandt, könnte man von einer sinnvollen Basis reden. Leider redet man auch da ohne die nötigen Bedingungen zu erfüllen, gegen Wände. Hier hat ja auch nur die westlich-abendländisch emporgedrechselte Schulmedizin volle Geltung. Wie Menschen in anderen Kulturen leben und dort sehrwohl mit Trans* als selbstverständlicher Varianz umgehen, das lässt sich der europäisch- wiesenschafliche Gen-Adel doch nicht an die hochnäsige Kante dran. Das sind ja dann Wilde und die wissen nix. Weit gefehlt, liebe Teegesellschaft.

    Christentum, christliche Traditionen und Werte das ist hier weltanschaulicher Glitzertand, darauf würde ich nie bauen. Mythologische Aspekte werden vielleicht von großen Menschenmengen und Gesellschaftssdchichten immer wieder abgewandelt und neu weich gespült noch mal präsentiert, aber die davon eingenommenen Menschen handeln selten nach dem, was sie sich eklektisch auf ihre Fahnen geschrieben haben.
    Dem ist jede Buschreligion voraus, jeder Animismus und neo-esoterisch angehauchter Öko-Hexenkult. Wenn man sowas unbedingt integrieren möchte, oder zu brauchen meint. Eine nüchterne Weltbetrachtung und die Dinge so zu nehmen, wie sie unmittelbar da sind, nützt meiner Ansicht mehr, als sämtliche Verirrungen in mythologische oder auch idealistische Deutungen. Ich habe immer noch Hoffnungen, dass sich die Kultur von diesen wie Pech und Wurfgestein den Geist erlahmenden Vorstellungen nach und nach lösen, und zu mehr vernünftigen Werten, zu einem menschlichen Umgang unter einander hin entwickeln mag. Aber häufig genug sind auch da die Zweifel stark.

    Holy Cow. Lang geworden.
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#24 mit_doppelter_zungeAnonym
#25 YouAreMissedAnonym
#26 Homonklin44Profil
#27 JosephMartinProfil
#28 YouAreMissedAnonym
#29 ANONYMAnonym
  • 19.02.2019, 18:04h
  • Die Suizidversuchsrate von Transmänner ist höher weil diese keine Perspektive sehen. Das liegt leider an der medizinischen Versorgung. Transmänner können ihr Genital leider nicht so leicht wie Transfrauen ändern weil die Möglichkeiten mangelhaft sind. Für Transfrauen gibt es mittlerweile mehr Angebote wie für Transmänner. Inzwischen wird schon mit Gebärmuttertransplantationen spekuliert. Man ist als Transmann nur ein halber Mensch. Hormone nehmen Brüste entfernen und unten ohne leben.
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#30 TransmannRioAnonym
  • 19.07.2020, 21:32h
  • Ich bin mal wieder in der Psychiatrie, weil ich mir mal wieder was antun wollte. Ich bin FzM also Transmann, ich weiss es schon von klein auf. Meine Oma hat es von anfang an akzeptiert und stand immer hinter mir, nur leider ist sie 2017 verstorben mit 59 jahren. Da war ich 20, sie wäre 60 geworden... Jetzt habe ich nur noch meine Mutti, sie hat eine weile gebraucht aber es auch von anfang an akzeptiert. Nur der Rest der Familie grenzt uns jetzt aus.... "sowas wäre ja nicht normal" oder "du wirst immer die kleine bleiben". Wo ich mir denke *leute ich bin erwachsen und ich gehe meinen weg, keiner kann da etwas für, das ist nun mal mutter natur*

    Aber am meisten zieht mich grad runter das ich alles gemacht habe und auch alles bei der Krankenkasse sowie extra beim MDK eingereicht habe, ich aber immer wieder eine Ablehnung der OP's bekomme. Auch die Ärzte sagen schon das die Krankenkasse da nicht rechtens handelt. Ich habe auch damals beim Gericht gefragt was alles nötig ist. Ich habe alles gemacht. und trotzdem immer wieder Ablehnung.... Was soll ich noch machen, in diesem weiblichen Körper kaann und will ich nicht weiter machen... Ich traue mich ja noch nicht mal unter Menschen zu gehen... Die Klinik möchte mir jetzt helfen und besorgt mir jetzt einen Juristen der sich damit auskennt. Die Ärzte sehen das Leid... Nur traurig das die Krankenkasse alles was die Ärzte geschrieben haben in laufe von Jahren einfach ignoriert und auch meine Gutachten gar nicht im System gespeichert sind, obwohl ich die auch immer fazu geetan habe....

    Mein Fazit: Nicht nur die Familie sondern auch die Krankenkasse leistet einen riesen beitrag das die Suizid-Rate steigt.

    Schade das einem in dieser welt ohne Anwälte nicht mehr geholfen wird.
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#31 NachfrageAnonym
  • 19.07.2020, 21:50h
  • Antwort auf #30 von TransmannRio
  • "Auch die Ärzte sagen schon das die Krankenkasse da nicht rechtens handelt."

    Ich nehme an, dass du über einen Wechsel zu einer anderen Kasse schon nachgedacht hast? Ich hatte auch einmal Probleme mit einer Kasse, die sich einfach nicht um geltendes Recht geschert hat. Für mich war ein Kassenwechsel die Lösung des Problems. Wenn du juristischen Beistand bekommen kannst, greif in jedem Falle zu!

    Dir alles Gute!
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