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Durchbruch

Freie Geschlechtswahl in Chile

Nach dem Senat stimmte am Mittwoch auch das chilenische Abgeordnetenhaus für ein Gesetz, nach dem Menschen ab 14 ihr rechtliches Geschlecht und ihren Namen unkompliziert auf dem Standesamt ändern können.


Demonstration mit Riesen-Ausweisen für das neue Gesetz: "Meine Identität, mein Recht"

In Chile hat der Kongress ein Gesetz zur geschlechtlichen Identität verabschiedet. Nach dem Senat stimmte am Mittwoch (Ortszeit) auch die große Mehrheit des Abgeordnetenhauses für die Neuregelung, wie die Zeitung "La Tercera" berichtete. Es gab 95 Ja- und 46 Nein-Stimmen.

Demnach können trans Menschen künftig ihren Geschlechtseintrag und ihren Namen auf dem Standesamt unkompliziert ändern. Das Gesetz gilt für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren. Sollte es keine Einwände vor dem Verfassungsgericht geben, wird das Gesetz in rund fünf Monaten in Kraft treten.

Innerhalb der Regierung von Präsident Sebastián Piñera ist die Neuregelung umstritten. Konservative Kräfte stimmten dagegen und kündigten Widerstand an. Menschenrechtsorganisationen und der LGBTI-Verband Movilh feierten die endgültige Verabschiedung des Entwurfes, der rund fünf Jahre im Parlament diskutiert worden war.

Verabschiedung gegen Widerstand der Kirche

Ein erster Gesetzentwurf zur Stärkung der Rechte von trans Menschen war noch in der Legislaturperiode von Ex-Präsidentin Michelle Bachelet eingebracht worden. Der Oscar für den Film "Eine fantastische Frau", in dem es um eine junge Transsexuelle geht, hatte dem Thema kurz vor der Amtseinführung von Piñera im März neuen Auftrieb gegeben. Im Mai hatte zudem das Oberste Gericht entschieden, dass Erwachsene ihren Namen und ihr rechtliches Geschlecht auf dem Standesamt auch ohne chirurgische Operationen ändern können.

Die katholische Kirche hatte sich vehement gegen den Gesetzentwurf ausgesprochen. Ricardo Kardinal Ezzati, der Erzbischof von Santiago de Chile, verglich dabei trans Menschen sogar mit Haustieren: "Man muss die Dinge beim Namen nennen: Wenn ich einer Katze den Namen eines Hundes gebe, beginnt sie nicht, ein Hund zu sein", begründete der 76-Jährige seine Ablehnung im April in einem Interview (queer.de berichtete). (epd/cw)



#1 tychiProfil
  • 13.09.2018, 09:55hIrgendwo im Nirgendwo
  • Würde die katholische Kirche mit gleichen Kräften und mit gleicher Motivation die Missbräuche in den eigenen Reihen bekämpfen, wie sie sich gegen LGBTI-Rechte stellt, dann wäre nicht nur die Welt ein besserer Ort, sondern so manchem Kind bliebe ein verpfuschtes Leben erspart.
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#2 ProtestAnonym
  • 13.09.2018, 12:02h
  • Antwort auf #1 von tychi
  • Die katholische Kirche ist aber nicht das Problem. Sie hat kein Stimm- und Mitspracherecht.

    Deswegen ist die Abstimmung auch ziemlich deutlich ausgegangen, unabhängig von der Gegenwehr der Kirche.

    Das Gesetz ist deutschland meilenweit voraus. Und dass in Deutschland sich nichts bewegt, liegt sicher an einigem - Regierung, Verbände, usw... aber mit Sicherheit am wenigsten an der Kirche!

    Auch in anderen erzkatholischen Ländern sind mittlerweile ähnliche Gesetzgebungen durch trotz massivster Gegenwehr der Kirche.

    Wenn ihr all die Energie, die ihr in die Kirche stecken würdet, in die Dinge stecken würdet, die WIRKLICH Relevanz besitzen, dann müsste sich Deutschland permanent von anderen überrunden lassen.

    Wirklich, wenn bei einem solche Artikel, das EINZIGE, was ihr dazu zu sagen habt, Gejammere über die Kirche ist, dann weiß ich auch nicht mehr weiter. Damit ist niemandem geholfen.

    ...

    Glückwunsch Chile!
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#3 TheDadProfil
  • 13.09.2018, 12:14hHannover
  • Antwort auf #2 von Protest
  • ""Die katholische Kirche ist aber nicht das Problem. Sie hat kein Stimm- und Mitspracherecht.""..

    Natürlich ist sie das Problem !

    Denn sie beeinflußt die Haltungen der Menschen, die darüber abstimmen, und nimmt so Einfluß auf die gesellschaftliche Entwicklung..

    In Deiner Wahrnehmung hat sich diese "Kirche" längst zu einer irgendwie abstrakten Organisation gewandelt, die außerhalb dessen agiert, was Menschen in der Gesellschaft ausmachen..
    Doch das ist falsch..
    Denn "Kirche" ist auch immer das, was die Mitglieder daraus machen, und was sie sich von den Pfaffen und Kardinälen gefallen lassen..

    Und das ist in den meisten Ländern immer noch sehr viel, und genau deshalb bleibt "Kirche" dann auch das auslösende Fakt..
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#4 Simon HAnonym
  • 13.09.2018, 12:32h
  • Damit ist Chile schon mal viel weiter als Deutschland.

    Hierzulande wird ja jeder diesbezügliche Fortschritt von Union und SPD ausgebremst.
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#5 pfffftAnonym
  • 13.09.2018, 12:35h
  • Antwort auf #3 von TheDad
  • "Natürlich ist sie das Problem !"

    Dann wartet einfach weitere Jahrtausende darauf, daß sich die Kirche für euch ändert und euch glücklich macht. Gut für euch, dann habt ihr hier weiterhin eure "Diskussionsebene" und seid aus der Selbstverantwortung, aktiv zu werden, auch weiterhin raus. Jetzt sich weiter echauffieren und jammern bitte.
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#6 daVinci6667
  • 13.09.2018, 13:17h
  • So sollte es überall sein!

    Aber bitte nur wenn gleichzeitig alle Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern und jegliche Diskriminierung abgeschafft sind.

    Mit 14 hätte ich mich sofort auf dem Papier zum Mädchen umschreiben lassen. Nicht weil ich eines hätte sein wollen, sondern weil ich mich vor noch grösserem Mobbing als ich damals sowieso schon erlebte fürchtete. Nämlich als Schwuler in der Rekrutenschule. Zivildienst gab es damals bei uns noch nicht.

    Viel zu viele Staaten, gerade auch die Schweiz haben ungleiche Regelungen längst nicht nur betr. Rentenalter, Militärdienst etc. Frauen bezahlen zum Beispiel bei uns massiv höhere Krankenkassenprämien. Die, die es sich nicht mehr leisten kann schreibt sich dann halt zum Mann um. Männer hingegen müssen nebst dem obligatorischen Militärdienst auch ein Jahr länger arbeiten usw.

    Doch auch privaten Unternehmen wird viel zu oft Diskriminierung erlaubt. Ich erinnere an den Fall des Kanadiers vor ein paar Wochen der sich wegen der Ungleichbehandlung seiner Autoversicherung als Frau umdeklarierte.
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#7 Ith_Anonym
  • 13.09.2018, 14:17h
  • Antwort auf #6 von daVinci6667
  • "So sollte es überall sein!

    Aber bitte nur wenn gleichzeitig alle Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern und jegliche Diskriminierung abgeschafft sind. "

    Hui, falls es in Deutschland Versicherungen geben sollte, die geschlechtsspezifisch diskriminieren, ist das also ein guter Grund, mir die Vornamensänderung vorzuenthalten (das mit dem Militärdienst wurde bereits abgeschafft und greift nicht mehr, und zu meiner Zeit war mein Grund, den nicht zu machen, ziemlich simpel: Als einziger Vorteil wäre mir dabei erschienen, mit einer Waffe umgehen zu lernen, nur hätte ich an die Waffe als der Kategorie "Frau" zugeordnete Person gar nicht gedurft).

    Klasse Argumentation.

    Hab einen Vorschlag: Schaffen wir doch bis zur Abschaffung solcher Diskriminierungen auch einfach die Homo-Ehe wieder ab, denn solange es da Unterschiede gibt, würden Mann-Mann und Frau-Frau-Paare durch solche ja schließlich als Ehegemeinschaft doppelt getroffen bzw. bevorzugt, was dann auch doppelt unfair wäre.

    Manchmal hat man echt den Eindruck, einige hier haben den Schuss nicht gehört.

    Aber stimmt natürlich, Transsexualität mit echten Bedürfnissen der Betroffenen, sowas gibt's bekanntermaßen gar nicht. Es gibt in erster Linie Leute, die finden, dass die eine oder andere Geschlechtskategorie bzgl. verschiedener Arten von Diskriminierung mehr oder weniger bequem ist, und gern in das Diskriminierungsmuster wollen, mit dem sie finanziell etc. besser zurechtkommen.
    Ehe man also in Erwägung zieht, diese marginale Gruppe an Menschen zu berücksichtigen, die einfach trans* sind, ist es dringend notwendig, erstmal auf den Skt-Nimmerleinstag zu warten, an dem man Patriarchat und Kapitalismus soweit in den Griff und zur Gleichbehandlung aller Menschen gebracht hat, dass es für die Schmarotzer keine Gründe mehr für Änderungen von Vornamen und Personenstand gibt.
    Alle anderen müssen halt einfach einsehen, dass der Schutz des Systems vor der Aufdeckung solcher Missstände Priorität haben muss. Wo kämen wir denn sonst hin.
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#8 daVinci6667
  • 13.09.2018, 15:33h
  • Antwort auf #7 von Ith_
  • In der Schweiz kennen wir das Phänomen von Ehepaaren die sich vor der Pension plötzlich pro forma scheiden lassen und trotzdem zusammen bleiben. Das lohnt sich finanziell sehr da man dann zwei volle Einzelrenten erhält statt die um einen Drittel kürzere Ehepaar-Rente. Das sind Abertausende von Franken jährlich die man so einstreicht. Geht es dann gesundheitlich wirklich ans Lebensende wird wegen dem Erbe erneut geheiratet. So läuft das heute.

    Im Erwerbsleben lernt ja jeder wie die Arbeitgeber alles was finanziell was bringt ausgereizt wird. Geht es ums Geld sind alle Mittel recht. Das wird verinnerlicht. Vermögensverwalter beraten heute auch den Otto Normalverbraucher entsprechend.

    Wenn schon nur aus finanziellen Gründen pro forma heute geschieden wird, wird man in Zukunft auch pro forma sein Geschlecht ändern, wenn denn eine geschlechtsangleichende Operationen nicht mehr Voraussetzung ist.

    Deshalb gibt es für mich nur die Lösung von nicht geschlechtsabhängigen und nicht Zivilstandsabhängigen Sozialversicherungs- und Steuersystemen. Alles andere ist ungerecht.
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#9 ursus
  • 13.09.2018, 15:34h
  • Antwort auf #6 von daVinci6667
  • "Aber bitte nur wenn gleichzeitig alle Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern und jegliche Diskriminierung abgeschafft sind."

    es wurde in einem weiteren land eine regelung gefunden, die mit dem menschenrecht auf geschlechtliche selbstbestimmung konform geht, wenn auch erst ab 14. das ist ein grund, sich mit allen zu freuen, die davon direkt profitieren, und auch zu bedenken, dass mehr menschenrechte immer der ganzen gesellschaft gut tun und nicht nur den unmittelbar betroffenen.

    es ist für mich auch ein grund, mich für die deutsche gesellschaft noch mehr zu schämen, die so etwas vermutlich noch jahrelang nicht hinbekommen wird.

    die "nur wenn"-formulierung finde ich hier deshalb fehl am platz. menschenrechte sollten nie von irgendwelchen anderen faktoren abhängig gemacht werden, nicht mal in gedanken.

    was die anderen diskriminierungen angeht, würde ich die logik sogar eher umdrehen: die selbstbestimmte geschlechtzuordnung für alle könnte dazu beitragen, bestehende diskriminierungen aufgrund des geschlechts sichtbarer zu machen und deren absurdität noch besser aufzuzeigen. auch da müssen unsere gesellschaften endlich richtig gründlich ran. aber bitte nicht die eine frage gegen die andere ausspielen, das hilft niemandem.
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#10 Ith_Anonym
  • 13.09.2018, 15:55h
  • Antwort auf #8 von daVinci6667
  • In dem, was du da über Ehe und Scheidung von dir gibst, sehe ich aber nichts, woraus sich ergeben würde, dass ausgerechnet Transsexuelle plötzlich bessergestellt wären, weswegen es nur angebracht sei, die schön weiter zu diskriminieren.
    Wenn dein Text einen Schluss zulässt, dann wohl eher den, dass man die Ehe abschaffen sollte.
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