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Fünf Süchtige im Porträt

"Ich kann mich nicht erinnern, dass ich Sex ohne Alkohol hatte"

Der neue Dokumentarfilm "Nicht mehr unter Kontrolle" über Schwule und Suchterkrankungen feiert am 23. September in Köln Premiere und ist dann auch auf DVD erhältlich.


Die Dokumentation zeigt den Lebensalltag von fünf Betroffenen und ihren Umgang mit der Sucht (Bild: Medienprojekt Wuppertal)

Das Medienprojekt Wuppertal hat einen Dokumentarfilm über Homosexuelle und Suchterkrankungen produziert. Im Zentrum von "Nicht mehr unter Kontrolle" stehen fünf schwule Süchtige. Alle sind alkoholabhängig, einige haben auch andere Süchte wie Party- und Sexdrogen-, Automatenspielsucht oder Esssucht. Die Männer aus dem Film treffen und unterstützen sich gegenseitig in verschiedenen Selbsthilfegruppen des Netzwerks SHALK in NRW.
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Der Schwerpunkt der Porträts und Interviews liegt auf dem Lebensalltag der Betroffenen und ihrem Umgang mit der Sucht: Wie und warum fing das Trinken an, wie steigerte sich die Dosis, wie waren die Auswirkungen des Konsums auf die Arbeit, Beziehungen und die Gesundheit? "Ich konnte mich nicht daran erinnern, dass ich irgendwie mal Sex ohne Alkohol gehabt hätte", sagt etwa einer der Männer im Film.

Der Griff zur Flasche nach einer Vergewaltigung

Wann ging es nicht mehr gut, welche weiteren Drogen folgten dem Alkohol? Welche spezifischen Umgangsformen und Gründe für den Konsum gab es durch die Homosexualität, welche Bedeutung haben Vergewaltigungen und HIV-Infektionen? Wie war der Ausstieg aus dem Konsum: Entzug, Therapie und Rückfälle? Welche Bedeutung hat die homosexuelle Selbsthilfegruppe beim Überleben und Weiterleben? Wie sind das Leben und der Umgang mit Suchtmitteln heute? Was haben die Betroffenen im Positiven gelernt?

Ziel des Filmes, so das Medienprojekt Wuppertal, ist die "Auseinandersetzung mit den Risiken, Gründen und Folgen des Konsums legaler und illegaler Drogen für die Betroffenen und ihr Umfeld". Dabei werden die Verknüpfung von Homosexualität und Sucht mit ihren teil spezifischen Gründen und Umgangsformen sowie die Bedeutung und die Besonderheiten homosexueller Suchtselbsthilfe aufgezeigt.

Am 23. September 2018 um 18 Uhr findet im Odeon Lichtspieltheater Köln (Severinstr. 81) die Premiere des knapp einstündigen Dokumentarfilms statt. Der Eintritt ist frei, im Anschluss an die Filmaufführung gibt es eine Publikumsdiskussion. "Nicht mehr unter Kontrolle" wird ab der Premiere auch deutschlandweit als Bildungs- und Aufklärungsmittel auf DVD und als Streaming vertrieben. Eine Bestellmöglichkeit gibt es über die Homepage des Medienprojekts. (cw/pm)



#1 Homonklin44Profil
  • 15.09.2018, 14:00hTauroa Point
  • Da sind die Auslöser wahrscheinlich gleich vielfältig, wie bei allen anderen Suchterkrankungen auch. Auffällig ist es aber schon, wie viele zum Beispiel in der Cruising-Szene auftauchen, die nicht ohne entsprechende Betäubung oder Stimulation, wie auch immer man das sehen will, auskommen. Geschätzte 4 Fünftel qualmen vor sich hin, etliche sind angetrunken oder duun. Andere schwärmen über Poppers und was es da noch so alles gibt, oder haben zerstochene Unterarme. Sitzen da, warten, paffen und saufen, gehen allein nach Hause, der Mief vertreibt potenzielle Kandidaten allein schon.

    Dass die Sucht die Probleme, die man eh schon hat, nurmehr verstärken, und die Ablehnung zunimmt, merken die wohl erst spät. Es mag eine Spirale entstehen, besoffen wird abgelehnt, Ablehnung folgt mehr saufen, usw. Dasselbe bei der Esserei oder Kiffen.
    Es scheint oftmals wie eine Flucht oder Ablenkung von gnadenlosen Realitäten, was einige da betreiben.

    Behandlungsplätze mit der Sensibilisierung auf LGBTIQ* müssten eben auch erst mal vorhanden sein.
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#2 saltgay_nlProfil
  • 15.09.2018, 18:57hZutphen
  • Ein interessanter Trailer und es ist zu wünschen, dass sich möglichst viele Menschen diesen Film anschauen.

    Während die Quote von Alkoholkranken für die gesamte Gesellschaft relativ oft untersucht wird, sind belastbare Zahlen für die lesbisch-schwule Community schwer zu erhalten. Man dürfte keinen großen Fehler begehen, wenn ein dreifach höheres Risiko für die Community angenommen wird.

    Grundsätzlich ist allerdings die Basis zu betrachten, ab der eine Alkoholkrankheit definiert ist. Die ist nicht standardisiert. In Wirklichkeit, was stets heftig abgestritten wird, gehört bereits der Alkoholmissbrauch zum Krankheitsbild. Das kam auch bereits im Trailer zur Sprache.

    Die sogenannten Feierabendbiertrinker, die nur "so in etwa zwei Flaschen Bier" jeden Tag trinken, zeigen dann bei fehlendem Alkohol oft krasse Entziehungssymptome. Sie haben nämlich die halbe Flasche Korn unterschlagen, die auch so über den Tag konsumiert wird. Das soll heißen, es wird bei den Angaben zum Alkoholkonsum heftig gelogen. Ein Teil davon ist Selbstbetrug.

    Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, weil die Realitätsflucht oft als einzige Möglichkeit der Existenz angesehen wird. Verbote helfen nichts, was das Beispiel der skandinavischen Länder zeigt.

    Dagegen hilft eine repressionsfreie Gesellschaft, welche die Unterdrückungsmechanismen überkommener Herrschaftssysteme deutlich macht und Alternativen anbietet, die Drogenproblematik zu senken.

    Leider ist eine sozialistische Gesellschaft auch kein Allheilmittel, weil es auch in der DDR ein massives Alkoholproblem gab. Dies durfte nur nicht öffentlich gemacht werden. So einfach ist es also mit der Systemüberwindung in Sachen Suchtproblematik nicht.
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