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Kommentare zu:
Wer ich bin


#1 Mutters_KindAnonym
  • 15.09.2018, 14:44h
  • Sehr schön. Leider nur eine Fiktion, denn wenngleich sich viele LGBTIQ wünschen, dass es so läuft, kommt es leider oft anders.

    Auch ich habe versucht, meine Mutter zu schreiben. Auch ich habe mir gewünscht, dass meine Mutter so antworten würde.

    Die Schlüsselsätze in der Antwort sind für mich:

    >> "Ja, ich habe sehr wohl etwas falsch gemacht: Ich
    wollte, dass du jemand bist, der du nie warst und nie sein wirst und das tut mir so schrecklich leid."

    Diesen Satz hätte ich mir gewünscht zu hören. Ja, meine Mutter hatte von klein auf ein Bild von mir, das sie sich von mir gewünscht hätte. Der Versuch, den Spagat zu schaffen zwischen meinen Interessen und den, den Vorstellungen anderer zu entsprechen, hätte mich fast umgebracht.

    Dieses Eingeständnis habe ich nie zu hören bekommen. Nach vielen Jahren kommen bei Telefonaten zwischen den Zeilen immer noch Versprecher zustande, die zeigen, dass sie sich immer noch insgeheim erhofft, dass ich doch noch "auf den Weg zurückfinden" würde.

    >> "Ich kann das alles nicht ungeschehen machen. Ich kann mich auch nicht von heute auf morgen umkrempeln, meine Schuldgefühle abstreifen und dir versprechen, dass ich von jetzt an alles richtig machen werde."

    Ja, Geduld hat man lange gefordert und dass man Dinge in Köpfen nicht einfach ändern könne und die Vergangenheit "ungeschehen". Dass meine Mutter Schuldgefühle habe, habe ich auch gehört. Schuldgefühle wofür? Die Antwort ist sie mir schuldig geblieben. Bei Nachfragen geht sie gleich aggressiv in die Defensive. Ein Versprechen, dass Dinge sich ändern würden, habe ich nie gehört. Stattdessen schweigt man lieber dazu.

    >> "Aber ich kann versuchen, dich und diese Welt anders sehen zu lernen."

    Meine Mutter ist nicht bereit, die Welt anders zu sehen. LGBTIQ ist ihr unangenehm. Sie möchte weiter in der Welt der "Normalen" bleiben - dass sie ihre Tochter damit ausschließt und an ihrem Leben nicht interessiert ist - und damit auch weiter an ihrer Diskriminierung teilhat, begreift sie nicht. Will sie nicht. Dafür müsste sie sich damit befassen.

    >> "Und als ersten Schritt hin zu einem (neuen) Kennenlernen, würde ich mich freuen, dich und deine Freundin zum Essen einladen zu dürfen."

    Ich habe mir lange gewünscht, dass meine Mutter mich neu kennenlernen möchte. Das ist nie passiert, stattdessen hält sie weiter an alten Dingen fest. Sie vermeidet es, darüber zu sprechen, weil sie weiß, dass ich dann böse werde. Es rutscht ihr unbewusst trotzdem immer noch heraus.

    Falls es wirklich solche Eltern gibt: Ein Traum! Für alle andere, leider: Ein Wunschtraum.
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#2 AuntieBioticEhemaliges Profil
  • 15.09.2018, 15:17h
  • "Ich habe einfach nie verstanden, wie es sein kann, dass Menschen, die von Natur aus nicht dazu bestimmt sind Sex zu haben, es dennoch tun":

    das ist schon SEHR harter Tobak.
    Ich musste es 3x lesen, um zu begreifen, dass das da wirklich so steht.
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#3 HarterTobakAnonym
#4 AuntieBioticEhemaliges Profil
#5 HarterTobakAnonym
  • 15.09.2018, 15:54h
  • Antwort auf #3 von HarterTobak
  • Nachtrag:

    Vielleicht hast du ja auch reininterpretiert "sowas sollte sich nicht reproduzieren".

    Ist schon ne Nummer härter, aber auch nichts Neues.

    Viel cooler ist es allerdings, dass wenngleich es für verfassungswidrig erklärt wurde (vor nicht allzu langer Zeit), das sogar noch in deutschen Gesetzen steht.

    *DAS* ist harter Tobak. Aber man regt sich ja lieber über Fantasiegedichte und die Kirche auf. ;-)
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#6 HarterTobakAnonym
#7 EulenspiegelAnonym
#8 HarterTobakAnonym
#9 SarahAnonym
  • 15.09.2018, 17:13h
  • "Ich wollte doch nur "normal" sein."

    Das Lesen ist schmerzhaft. Was für eine peinliche Selbstoffenbarung.
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#10 EulenspiegelAnonym
#11 Homonklin44Profil
  • 16.09.2018, 01:25hTauroa Point
  • Antwort auf #2 von AuntieBiotic
  • Ja, das steht da. Als Darstellung dessen, was viele Eltern auch heute noch denken. Die Variationen dazu sind ja vielfältig und hinlänglich bekannt.

    Die Illustration einer verständnislosen, irritierten Mutter, die sich über Information wandelt und zu einer Erkenntnis findet, nämlich der, dass sie ihre Tochter liebt und zu lernen bereit ist, diese kennenzulernen, wie sie wirklich ist, ist aber doch gelungen.

    Insgesamt: Bewundernswert, dass man so etwas so einfach und deutlich schreiben kann.
    Mein Brief damals an Mutter, in dem ich es herüberzubringen versuchte, zu erklären, warum es niemals Enkel geben wird und keine Ehefrau, war um die 100 Seiten lang, und kapiert hat sie's letztlich doch nicht. Zum Beispielfoto eines süßen Typen, das ich zufügte, musste ich lesen "Dieses Mädchen sieht aber sehr burschikos aus, aber wenn du sie gerne hast, ist das schon okay" ... der Vater ging zu einer "Hinbeterin" und ließ sich suggerieren, ich hätte wohl Probleme mit den Frauen.

    Wie schön ist es zu lesen, dass es - auch wenn das ein fiktiver Brief sein mag - heute so einfach möglich ist, das zu vermitteln.
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#12 lunarAnonym
#13 lunarAnonym
  • 16.09.2018, 05:35h
  • Antwort auf #10 von Eulenspiegel
  • Nö.

    Brief = Prosa
    Gedicht = Lyrik

    Zwei sehr verschiedene Literaturgattungen mit unterschiedlicher Geschichte und Tradition. Zu sagen das wäre ja eigentlich fast das selbe ist in etwa als würdest du behaupten ein Film wäre ja irgendwie auch eigentlich ein Theaterstück (mit fällt gerade keine bessere Analogie ein...).

    Die Art des Textes gibt einfach schon mehr vor (Briefform). Ein Gedicht wäre sicher nicht so direkt. Schreibe ich als Lyriker. Ich mag den (fiktiven) Brief, obwohl oder vielleicht gerade weil mein Coming out völlig anders verlief. Geht es am Ende nicht vielleicht genau darum? Dass ein Coming Out immer ein individueller Prozess ist und somit kein Coming Out dem anderen gleicht, selbst wenn es Parallelen gibt? Das habe ich für mich aus dem Text gezogen.

    Die Position der Mutter finde ich gut herausgearbeitet und beobachtet. Spannend wäre ein weiterer Briefwechsel Jahre später und die Frage, ob die Mutter dazugelernt haben und mehr Verständnis aufbringen wird.
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#14 LarsAnonym

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