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"Chris" und "Toni" für das dritte Geschlecht

Geschlechtsneutrale Vornamen gefragt

Kurzer Name, weicher Klang: Immer mehr Vornamen eignen sich für Jungen und Mädchen – und als geschlechtsneutrale Möglichkeiten. Für Eltern intersexuell geborener Kinder kann das eine Erleichterung sein.


Nach dem deutschen Vornamensrecht müssen Namen eigentlich eindeutig weiblich oder eindeutig männlich sein (Bild: Bridget Coila / flickr)

  • Von Christina Denz (epd)
    17. September 2018, 14:52h, 10 Kommentare

"Chris", "Leo" oder "Toni": Seit zwei Jahren registriert die Namensberatung des namenkundlichen Zentrums der Universität Leipzig "extrem viele Anfragen" nach geschlechtsneutralen Vornamen. Oft riefen Menschen an, die ihr Geschlecht anpassen wollten und nun eine geschlechtsneutrale Alternative zu "Christian", "Leonie" oder "Antonia" suchten, sagte die Leipziger Namensberaterin Gabriele Rodriguez dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Und es riefen Eltern an, die einen Namen suchten für ihr Kind mit Merkmalen beiderlei Geschlechts. Mit der Einführung des zusätzlichen Eintrags "divers" ins Geburtsregister, wie es die Bundesregierung bis Ende des Jahres im Personenstandsgesetz festschreiben will, erwartet Rodriguez eine steigende Nachfrage – und eine Novelle der Eintragungs-Richtlinien.

Schon jetzt lassen die Standesbeamten oft einen geschlechtsneutralen Namen ohne einen das Geschlecht markierenden Zweitnamen zu. Den Weg dafür ebnete "Kiran". Diesen Namen wollten indische Eltern ihrer Tochter in Deutschland geben. Doch das Standesamt ging nicht mit: "Kiran" sei auch in Indien nicht eindeutig einem Mädchen oder einem Jungen zuzuordnen. Deshalb sollten die Eltern einen klärenden Zweitnamen wählen. Das lehnten sie aus religiösen Gründen ab, beriefen sie sich auf ihr Recht auf freie Namenswahl und gingen bis vor das Bundesverfassungsgericht. Das gab ihnen 2008 Recht.

Viele Standesbeamte bestehen seither nicht mehr wie früher auf einem Zweitnamen, der das Geschlecht eindeutig benennt. "Wir empfehlen es aber immer", sagt Studienleiterin Beate Tripp vom Bundesverband der Deutschen Standesbeamtinnen und Standesbeamten. Das Kind müsse ja später den zweiten Namen nicht öffentlich machen, habe aber die Chance, ihn mit dem Erstnamen zu tauschen. Laut Tripp greift zum 1. November dieses Jahres eine Neuregelung, wonach die Vornamenssortierung bei mehreren Vornamen erleichtert werden soll. Dagegen bleibe der Nachtrag eines Zweitnamens weiterhin schwierig, sagt sie.

Hälfte der Namen unisex-fähig

Die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden erstellt jährlich ein Ranking der beliebtesten Vornamen in Deutschland – getrennt nach Jungen und Mädchen. Laut Mitarbeiterin Frauke Rüderbusch steigt die Zahl der für beide Geschlechter möglichen Vornamen stetig, mittlerweile hält sie "gut die Hälfte" der jeweils 200 Namen umfassenden Listen für unisex-fähig. Für die Wissenschaftlerin ist ein Name dann geschlechtsneutral, wenn er in unterschiedlichen Kulturkreisen für männlich und weiblich gewählt wird – auch wenn er in Deutschland eher einem Geschlecht zuneigt.

"Mika" etwa liegt im Vornamens-Ranking aktuell auf Platz 43 der beliebtesten Jungen-Namen. In Japan und den USA ist "Mika" aber ein Mädchen-Name. Anders herum geht es "Lisa" – hierzulande Platz 48 der Mädchenname, in Teilen Afrikas traditionell ein Jungenname. Eltern können in Deutschland deshalb den Namen ihrem Sohn oder ihrer Tochter geben. Andrea ist in Italien ein bekannter Jungen-, in Deutschland ein bekannter Mädchenname.

Die Phase, in der ein Name an Mädchen und Jungen in einem Kulturkreis gleichzeitig vergeben wird, ist aus Perspektive der Sprachwissenschaftlerin Miriam Schmuck aber nur kurz. Bei insgesamt 2.000 von ihr untersuchten Namen fand sie nur 18 zeitliche Überschneidungen, darunter "Sascha", "Jordan", "Alexis" und "Janne". Ansonsten würden in jedem Kulturkreis die Namen irgendwann mit einem Geschlecht stärker assoziiert.

Schmuck forscht an der Universität Mainz zu geschlechtsneutralen Vornamen – und findet noch einen ganz anderen Grund für deren Erfolg: "Viele Eltern legen Wert auf individuelle Namen für ihre Kinder. Deshalb greifen sie auf andere Kulturkreise zurück oder suchen etwas Exotisches." 

Zudem stellten die Mainzer Forscher eine phonetische Annäherung von Mädchen- und Jungennamen fest. Während zwischen "Gertrude" und "Harald" lautsprachlich Welten lagen, kommen sich "Mia" und "Mika" schon näher. Zudem sieht Schmuck einen anhaltenden Trend zu weichen Klängen mit den Konsonanten L, M und J und zu zweisilbigen Namen. Die seien per se schon eher für beide Geschlechter verwendbar.

Geschlechtsneutrale Namen für Eltern intersexueller Kinder eine Erleichterung

Aber nicht für alle intersexuellen oder auch transsexuellen Menschen spielen die Unisex-Namen eine große Rolle. "Viele, die sich später für ein anderes Geschlecht entscheiden, wählen dann einen sehr weiblichen oder eben sehr männlichen Namen, mit dem sie ihr neues Geschlecht unterstreichen", sagt Gerda Janssen-Schmidchen von der Beratungsstelle für Intersexualität in Niedersachsen. Die in der Praxis erleichterte Vergabe geschlechtsneutraler Namen an intersexuelle Kinder sei für die Eltern aber oft eine Erleichterung, weil sie dem Kind damit den Weg öffneten, sich selbst später für ein Geschlecht zu entscheiden – ohne den Namen ändern zu müssen.

Die Option sei jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt Janssen-Schmidchen. Denn nach wie vor müssten die Eltern binnen einer Woche entscheiden, ob sie für ihr Kind einen Geschlechtseintrag, eine Freilassung oder – wie vom Gesetzgeber geplant – künftig die Geschlechterzuerkennung "divers" vornehmen. "Diese Zeitspanne ist viel zu kurz", sagt die Beraterin, "medizinische Untersuchungen bei Zweifeln am Geschlecht sind in dieser Zeit nicht zu schaffen."



#1 DominikAnonym
  • 17.09.2018, 16:54h
  • "Mit der Einführung des zusätzlichen Eintrags "divers" ins Geburtsregister, wie es die Bundesregierung bis Ende des Jahres im Personenstandsgesetz festschreiben will, erwartet Rodriguez eine steigende Nachfrage [nach geschlechtsneutralen Vornamen]."

    - Ähm, ich glaube nicht, dass wir es hier wirklich mit einem neuen Trend zu tun haben. Das wirkt doch schon alles sehr aufgebauscht, muss ich sagen. Die Anzahl intergeschlechtlicher Säuglinge bewegt sich nun mal im unteren Promillebereich, und ganz sicher wählen 99% aller Eltern den Namen aus ganz anderen Gründen, als unbedingt dem "Ziel Geschlechtsneutralität" gerecht zu werden. Ich habe wirklich noch nie was von Eltern gehört, die bei der Geburt ihres Kindes daran dachten, dass es möglicherweise später mal im Leben ein anderes Geschlecht haben wird. Sind schon arg weltfremde Schlüsse, die im Artikel gezogen werden.
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#2 SarahAnonym
  • 17.09.2018, 17:47h
  • Antwort auf #1 von Dominik
  • ""Mit der Einführung des zusätzlichen Eintrags "divers" ins Geburtsregister, wie es die Bundesregierung bis Ende des Jahres im Personenstandsgesetz festschreiben will, erwartet Rodriguez eine steigende Nachfrage [nach geschlechtsneutralen Vornamen]."

    - Ähm, ich glaube nicht, dass wir es hier wirklich mit einem neuen Trend zu tun haben."

    Dein mangelndes Verständnis von "Recht" ist mir bekannt. Ein erweitertes Personenstands-Recht ist ein Gesetz, das auf Rechtsprechung fußt. In diesem Fall bestätigt durch ein Urteil des BVerfG. Dieses Urteil wiederum fußt auf Bürger- und Menschenrechten.

    Mit einem "Trend" hat das nichts zu tun. Falls weiterer Bedarf zum Verständnis von Recht bei Dir besteht, kann ich den Grundkurs von vor 2 Wochen gerne noch einmal wiederholen:

    www.queer.de/detail.php?article_id=31865&kommeinzel=5174
    18


    Falls Du zum detaillierterem Verständnis einen F-Kurs wünscht, lasse es mich bitte wissen.
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#3 DominikAnonym
  • 17.09.2018, 18:57h
  • Antwort auf #2 von Sarah
  • Ähm, Entschuldigung, darum geht's hier doch gar nicht. Die geplante Erweiterung im Personenstandsrecht um die Bezeichnung "divers" begrüße ich ausdrücklich.

    Aber in diesem Artikel hier sowie in meiner Replik geht es um (angebliche) "Namen-Trends". Also kann ich deine Einlassung an dieser Stelle leider nicht nachvollziehen, da du am Thema völlig vorbei schreibst.
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#4 SarahAnonym
#5 Janana
  • 17.09.2018, 19:35h
  • Antwort auf #1 von Dominik
  • "Ähm, ich glaube nicht, dass wir es hier wirklich mit einem neuen Trend zu tun haben."

    Der Trend bezog sich nicht auf auf Intersexualität, sondern auf geschlechtsneutrale Namen.

    Falls du es noch nicht gemerkt hast, die sind auch in Deutschland seit vielen Jahren zunehmen auf dem Vormarsch. Waren die Regeln für Vornamen früher SEHR strikt, wurden sie irgendwann aufgeweicht, dass man auch geschlechtsneutrale Namen verwenden kann, *vorrausgesetzt* mindestens einer der Vornamen ist klar geschlechtsbezogen.

    Jule, Kay, Chris, Kim, Alex, Bente, Charlie, Dominique, Finn, Florin, Gerrit, Ira Janis, Jonah, Luca, Maxi, Merle, Mika, Robin, Sam, Sascha, usw. und so fort

    In den USA übrigens seit Jahrzehnten ein Trend, dort sind mittlerweile auch sehr viel mehr ehemals geschlechtsbezogene Namen geschlechtsneutral geworden.

    Mit der Anerkennung eines dritten Geschlechts wird die Sache nur noch mehr Aufschwung gewinnnen, allein schon durch die Öffentlichkeit des Themas. Und damit sind nicht nur Intersexuelle gemeint. Das dritte Geschlecht nur für Intersexuelle zu sehen ist ohnehin ein harter Faux-Pas (Hinweis: Das ist eine Untertreibung, die anderswo bereits besprochen wurde) der Politik, der irgendwann ausgeweitet werden müssen wird.

    In Frankreich ist das Thema übrigens auch aktuell, die sind nämlich genauso rückständig, wenn nicht gar mehr, wie Deutschland:
    www.tag24.de/nachrichten/frankreich-alice-gondelle-staat-wil
    l-babyname-verbieten-doch-die-eltern-geben-nicht-auf-faceboo
    k-story-779706
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#6 Patroklos
  • 17.09.2018, 20:56h
  • In den USA gibt es das schon lange. So ist z. B. der Vorname "Whitney" sowohl für Männer als auch für Frauen gebräuchlich. Gleiches gilt z. B. auch für die Vornamen Robin und Lee.
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#7 TheDadProfil
  • 17.09.2018, 23:39hHannover
  • Antwort auf #1 von Dominik
  • ""Ich habe wirklich noch nie was von Eltern gehört, die bei der Geburt ihres Kindes daran dachten, dass es möglicherweise später mal im Leben ein anderes Geschlecht haben wird.""..

    Analog dazu denken Eltern und Erziehende auch nicht darüber nach ob sie es in ihrem Kind mit einem Schwulem/Lesbischem/Bisexuellem Menschen zu tun haben..

    Exakt daß ist dies gesellschaftliche Grundproblem, welches dann immer noch zu Diskriminierung und Unterdrückung führt..
    Denn immer noch "denken" viel zu viele Eltern und Erziehende, die Kinder seien dazu da ihnen Enkel zu bescheren und die Träume ihrer Eltern zu verwirklichen..

    Der "weltfremde" Schluß liegt dann auch bei Dir, und nicht im Artikel der nur Forschungsergebnisse beschreibt..

    Denn es gibt sie dann doch, diese Eltern und Erziehenden die sich darum Gedanken machen..

    Vor 23 Jahren bekam eine damalige Arbeitskollegin männliche Zwillinge, und sagte noch in der Geburtsklinik zu ihrer Mutter :
    "Jetzt müssen wir nur noch warten bis sie uns erzählen wer von den beiden Schwul ist"..
    Es sind dann beide..
    Aber diese Mutter war wenigstens nicht "überrascht"..
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#8 ursus
  • 18.09.2018, 14:30h
  • Antwort auf #1 von Dominik
  • "Ich habe wirklich noch nie was von Eltern gehört, die bei der Geburt ihres Kindes daran dachten, dass es möglicherweise später mal im Leben ein anderes Geschlecht haben wird"

    dafür können wir ganz leicht sorgen, indem wir uns alle zum mobilen aufklärungsteam erklären.

    stolzer papa: "es ist ein junge!"
    ich: "das kannst du doch gar nicht wissen."

    zur nachahmung empfohlen. kamera bereithalten.
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#9 TheTinYourFamilyAnonym
#10 ursus