https://queer.de/?31981
Nordrhein-Westfalen
Katholisches Gymnasium lehnt schwulen Lehrer ab
Nachdem ein junger Referendar ankündigte, seinen Partner heiraten zu wollen, zog das Gymnasium Mariengarden in Borken das Angebot einer Festanstellung zurück.

Das katholische Gymnasium Mariengarden im nordrhein-westfälischen Borken befindet sich in der Trägerschaft der Hünfelder Oblaten (Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria, OMI)
- 20. September 2018, 05:31h 2 Min.
Am staatlich anerkannten Gymnasium Mariengarden in Borken, das vom katholischen Orden der Hünfelder Oblaten betrieben wird, ist ein offen schwuler Lehrer unerwünscht. Wie die "Borkener Zeitung" (Paywall-Artikel) am Mittwoch berichtete, wurde einem jungen Referendar die zuvor angebotene Festanstellung verweigert, nachdem dieser sich geoutet und angekündigt hatte, seinen Lebenspartner heiraten zu wollen.
Nach Informationen der Lokalzeitung waren Schulleitung und Kollegium mehrheitlich für eine Einstellung des Mannes, den Schulleiter Michael Brands in einem Schreiben an die Eltern als "kompetenten, engagierten und sehr angenehmen Kollegen" vorstellte. Der Orden entschied jedoch anders: "Die persönliche Zukunftsperspektive stimmte nicht mit den Vorgaben der kirchlichen Grundordnung überein", erklärte Pater Christoph Heinemann, Sprecher des Mainzer Oblatenordens. Der Referendar sei zwar "ohne Zweifel ein guter Lehrer", bei der Beurteilung der Loyalität gegenüber der katholischen Kirche habe es jedoch wenig Spielraum gegeben. "Bei Seelsorgern und auch Lehrern, die verkündende Aufgaben haben, müssen wir das zwangsläufig strenger auslegen als bei einem Hausmeister oder einer Krankenschwester."
Schüler planen Protestaktionen
Während der schwule Referendar nun Lehrer an einer staatlichen Schule wird, ist die Stimmung am Gymnasium Mariengarden weiter aufgeheizt. So plant die Schülervertretung laut "Borkener Zeitung" Protestaktionen gegen die homophobe Entscheidung des Ordens, die Schulleitung will ausreichend Raum für Diskussionen anbieten.
Auch das Lokalblatt zeigte sich in einem Kommentar fassungslos: "Die Toleranz gegenüber anderen Lebensentwürfen als den von der Kirche propagierten hat sich so fest in der Gesellschaft verankert, dass sich ein solcher Beschluss gerade für die Schüler wie ein Relikt aus dem Geschichtsunterricht anfühlen muss", kritisierte Redakteur Sven Kauffelt. "Die Kirche hat hier nach wie vor enormen Nachholbedarf."
Die Schule selbst beschreibt sich als tolerant: "Wir begegnen einander täglich mit gegenseitigem Respekt und Achtung vor der Meinung des Anderen", heißt es in einer Broschüre des privaten Gymnasiums (PDF). "Wir wollen keine stromlinienförmigen Schüler. Wir fordern daher die Auseinandersetzung mit Standpunkten und Fragen des christlichen Glaubens. Urteilsfähigkeit und (selbst-)kritisches Denken sind uns wichtig, weil nur damit ein Engagement für eine gerechtere Gesellschaft möglich wird." (cw)














