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Antrag des Landes Berlin

Paragraf 175 erneut im Bundesrat

Das Gesetz zur Rehabilitierung von Opfern des Paragrafen 175 hilft vielen Verfolgten nicht, beklagt das Land Berlin. Daher müsse die Bundesregierung möglichst schnell Verbesserungen vorlegen.


Jusitzsenator Dirk Behrendt wirbt in der Länderkammer für die Zustimmung zu seinem Antrag

  • 21. September 2018, 10:03h 61 2 Min.

Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) hat am Freitagvormittag einen von seinem Land eingebrachten Entschließungsantrag (PDF) im Bundesrat vorgestellt, in dem Verbesserungen des erst vergangenes Jahr in Kraft getretenen Gesetzes zur Rehabilitierung von Opfern der Schwulenverfolgung in der Bundesrepublik und der DDR gefordert werden. Das "Gesetz zur strafrechtlichen Rehabilitierung der nach dem 8. Mai 1945 wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen verurteilten Personen" sei zwar ein "wichtiger und guter Schritt" gewesen, habe aber Lücken, so Behrendt.

Mit dem Antrag soll die Bundesregierung aufgefordert werden, diese Lücken zu schließen und "Maßnahmen zur kollektiven Entschädigung zu treffen". Als Begründung nannte Behrendt den Fall des im Dezember 2017 im Alter von 99 Jahren verstorbenen Wolfgang Lauinger (queer.de berichtete). Der spätere LGBTI-Aktivist war wegen seiner Homosexualität bereits von den Nazis verfolgt worden. In den Fünfzigerjahren wurde er in Hessen wegen des Paragrafen 175 erneut festgenommen, verlor seinen Job und seine Dienstwohnung und saß monatelang in Untersuchungshaft. Weil er nicht rechtskräftig verurteilt worden war, lehnte das Bundesamt für Justiz kurz vor seinem Tod den Entschädigungsantrag Lauingers ab (queer.de berichtete).

Behrendt weist auf hohes Alter der Opfer hin

Für Menschen wie Lauinger müsse das Gesetz nachgebessert werden, so Behrendt. Wegen des hohen Alters vieler Verfolgungsopfer appellierte der Grünenpolitiker an den Bundesrat, schnell zu handeln. Viele Schwule seien zwar nicht rechtskräftig verurteilt worden, aber wegen ihrer Homosexualität erpresst oder aus dem Studium oder dem Beruf ausgeschlossen worden. Als Rentner lebten sie nach dieser Jahrzehnte währenden Ausgrenzung heute oft an der Armutsgrenze oder litten an Folgeerkrankungen.


Dirk Behrendt ist seit 2016 Justizsenator in der rot-rot-grünen Landesregierung von Berlin

Behrendt schlägt daher vor, den Kreis der Rehabilierungsberechtigten auszuweiten und eine sozialen Ausgleich zu schaffen, zum Beispiel mit einer Opferrente. Außerdem solle die Bundesregierung Maßnahmen zur "kollektiven Entschädigung" treffen, etwa durch soziale Projekte oder einen Ausbau der Forschung zu LGBTI-Themen.

Der Antrag, dem Bremen beigetreten war, wurde zur weiteren Beratung an die Ausschüsse verwiesen. (dk)

-w-

#1 SkandalAnonym
  • 21.09.2018, 12:10h
  • Ich glaube nicht, dass Union und SPD diesen Murks, der viele Opfer leer ausgehen lässt und andere mit Almosen abspeist, korrigieren wird.

    Denn das war kein Versehen, sondern Union und SPD wollten sich möglichst billig aus der Affäre ziehen.
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#2 Heiko KAnonym
  • 21.09.2018, 12:54h
  • Antwort auf #1 von Skandal
  • Da die SPD sich als eigenständige Partei komplett aufgegeben hat, hat sie natürlich auch in dieser Frage brav vor der Union gekuscht.

    Insofern sind alle Versuche von Grünen und Linkspartei, dieses Gesetz noch zu korrigieren zwar ehrenwert, aber leider bei unserer schwarz-roten Bundesregierung vergebens.
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#3 TimonAnonym
  • 21.09.2018, 13:58h
  • Union und SPD brauchen sich echt nicht über rasant steigende Politikverdrossenheit (und damit den Aufstieg der Rechten) zu wundern, wenn sie ständig eigene Karrieren über vernünftige Sachpolitik und das Wohl der Bürger stellen.

    Und ich fürchte, Union und SPD haben dermaßen den Bezug zur Realität verloren, dass sie das nicht mal mehr mitbekommen.
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