Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?31992

Länderkammer stimmt zu

HIV-Selbsttests voraussichtlich ab Oktober erhältlich

Auch in Deutschland können Privatpersonen in Kürze HIV-Tests für den Heimgebrauch im eigenen Land bestellen.


Derartige Heimtests sind künftig auch in Deutschland erhältlich (Bild: DAH / Renata Chueire)

Der Bundesrat hat am Freitag einer Änderung der Medizinprodukteabgabeverordnung (PDF) zugestimmt und damit den Weg für den Verkauf von HIV-Selbsttests in deutschen Drogerien und Apotheken frei gemacht. Diese können voraussichtlich ab Oktober erworben werden. Schätzungen zufolge wird der Test zwischen 20 und 50 Euro plus Versand kosten. Damit sind sie teurer als Schnelltests von Ämtern oder Beratungsstellen, die manchmal auch kostenlos angeboten werden.

Die Initiative für die Legalisierung der Selbsttests hatte das Bundesgesundheitsministerium im Juni ergriffen (queer.de berichtete). Diese seien ein "Meilenstein beim Kampf gegen Aids", erklärte damals Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Mit den Selbsttests könnten auch Menschen erreicht werden, die sich sonst nicht testen lassen würden.

Die Deutsche Aids-Hilfe hatte sich in den letzten Jahren für die Einführung des HIV-Selbsttests eingesetzt und begrüßte die Entscheidung von Bundesgesundheitsministerium und Bundesrat. "Der HIV-Selbsttest wird zahlreiche Aids-Erkrankungen und HIV-Infektionen verhindern", erklärte DAH-Vorstandsmitglied Sylvia Urban. "Die freie Verfügbarkeit senkt die Hemmschwelle und ermöglicht so mehr Menschen eine frühe Diagnose und damit eine Behandlung. Unter Therapie ist HIV auch nicht mehr übertragbar."

13.000 Menschen wissen nichts von HIV-Infektion

Der Selbsttest könne so dazu beitragen, ein dringendes Problem zu lösen: Rund 13.000 Menschen in Deutschland wissen nach Schätzungen nichts von ihrer HIV-Infektion. Etwa die Hälfte aller HIV-Diagnosen in Deutschland erfolgt erst nach Jahren und damit laut DAH deutlich zu spät. Über 1.000 Menschen erkranken jährlich an Aids oder einem schweren Immundefekt, weil sie jahrelang nichts von ihrer HIV-Infektion geahnt hatten. Diese Erkrankungen seien mit einer rechtzeitigen Diagnose vermeidbar, so Urban. Studien aus Ländern wie Frankreich und Australien hätten gezeigt, dass Selbsttests mehr Menschen dazu motivieren, ihren HIV-Status zu checken.

Wichtig ist laut der Deutschen Aids-Hilfe, sich vor dem Test gut zu informieren. So kann der Test erst drei Monate nach dem letzten Risiko eine HIV-Infektion ausschließen. Positive Ergebnisse müssen mit einem weiteren Test in der Arztpraxis bestätigt werden. Liegt eine HIV-Infektion vor, sollte man sich so schnell wie möglich an eine darauf spezialisierte Praxis wenden.

Die Erfahrungen in anderen Ländern zeigen, dass sich Menschen mit einem positiven Testergebnis in der Regel rasch in medizinische Versorgung begeben und Rat suchen. Behandelte HIV-Positive haben heutzutage praktisch die gleiche Lebensqualität und Lebenserwartung wie negative Menschen. Dramatische Überreaktionen wie Suizidversuche sind zuletzt ausgeblieben.

"Im Zweifel ein HIV-Test"

"Die wichtigste Botschaft lautet: Im Zweifel ein HIV-Test. Der Test sorgt für Klarheit. Bei einem positiven Ergebnis hilft die Beratung der Aidshilfen und der schnelle Zugang zu einer Behandlung wird möglich", betonte Urban. "Welcher Test am besten geeignet ist, kann jeder Mensch selbst entscheiden." Die DAH-Sprecherin erklärte aber auch, dass Selbsttests nicht alle Probleme lösen würden. Viele Menschen hätten etwa Angst, abgestempelt zu werden, wenn der Test positiv ausfällt. "Die wichtigste Maßnahme gegen Aids ist deswegen das Engagement gegen Ablehnung, Schuldzuweisungen und Diskriminierung. Wichtig ist auch die Botschaft, dass man mit HIV heute gut leben kann. Denn viele Menschen haben noch die Schreckensbilder alter Tage im Kopf und verdrängen das Thema deswegen", so Urban weiter.

Eine begleitende (auch anonyme) Beratung wird durch die Aids-Hilfen angeboten. Sie ist telefonisch, per E-Mail oder für schwule Männer auch im Live-Chat möglich.

Derartige Heim-Tests gibt es in anderen Ländern schon seit vielen Jahren. Sie konnten bislang in Deutschland auch aus dem EU-Ausland bestellt werden. Vor einigen Jahren hatte die Deutsche Aids-Hilfe derartige "Bettkantentest" aber abgelehnt, unter anderem weil diese für den Laien zum kompliziert zu bedienen seien eine "trügerische Sicherheit" bieten würden (queer.de berichtete). Nach den positiven Erfahrungen im Ausland bestehen diese Sorgen heute nicht mehr. (pm/dk)



#1 AuntieBiotic
  • 21.09.2018, 13:54h
  • Oh, jetzt ist es also doch offiziell?

    Die Info gab's ja schon vor längerer Zeit, aber ich kenne mindestens zwei Fälle, in denen Leute, die dazu schon was bloggen oder posten wollten, von allerhöchster Stelle zurückgepfiffen wurden.

    Offenbar gibt es zu manchen Dingen in diesem Land eine Informationshoheit. Manche Leute dürfen eben zu manchen Zeitpunkten etwas sagen, andere dürfen es nicht.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 MarthaAnonym
  • 22.09.2018, 06:58h
  • Das ist wieder typisch Deutschland: Jetzt wird wieder ordentlich Kasse gemacht. Wer zahlt bitteschön 50 Euro dafür? Wie mich dieses Land nur noch ankotzt...
  • Antworten » | Direktlink »
#3 andreAnonym
  • 23.09.2018, 17:18h
  • Antwort auf #2 von Martha
  • Man muß es nicht zu Hause machen. Finde eh besser "betreut" ist man, wenn das positive Ergebnis, im schlimmsten Fall, bei den Stellen erfährt, die Tests anbieten. Und wenn es, erst einmal, nur Beratung ist. Zwar nichts davon bekannt (schreibt man), aber für psysich labile Menschen, könnte ein positives Ergebnis, vielleicht noch alleine festgestellt, mächtig Probleme bringen. Und es wird von der Kasse bezahlt.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 TheDadProfil
  • 23.09.2018, 22:27hHannover
  • Antwort auf #2 von Martha
  • ""Das ist wieder typisch Deutschland: Jetzt wird wieder ordentlich Kasse gemacht.""..

    Subtext :
    Wieso kriegt man das nicht einfach kostenlos ?

    Ich finde es immer wieder erhellend wie manche Menschen hier so denken..

    "da machen die ordentlich kasse"..

    Jepp..
    Denn das sind Firmen..
    Firmen bei denen Menschen arbeiten die dafür bestenfalls ordentliche Löhne erhalten..
    So etwas nennt man dann Arbeitsplatz..

    Wo genau liegt eigentlich DEIN Problem ?

    Das in einem kapitalistischem Wirtschaftssystem Geld verdient wird ?

    Dich zwingt niemand so einen Test zu kaufen !

    Du kannst immer noch zur AIDS-Hilfe oder zum Gesundheitsamt gehen und den dort kostenlos und anonym durchführen lassen..

    Der "Test zu Hause" ist eine ZUSÄTZLICHE Option..
  • Antworten » | Direktlink »
#5 AnnanymAnonym
  • 24.09.2018, 12:44h
  • Antwort auf #4 von TheDad
  • Nun, da hat jemand etwas von 50 gelesen, die man ausgeben müsste um einen HIV-Selbsttest machen zu können. Etwa so wie bei Schwangerschaftsselbsttests. 50 sind für nicht wenige doch viel Geld.
    Die Idee dahinter ist, dass, z.B. in wichtigen Gesundheitsangelegenheiten, der Staat solche Tests kostenlos oder deutlich reduziert anbieten sollte.
    Es stimmt, es gibt andere, kostenlose, Möglichkeiten einen AIDS-Test machen zu lassen.
    Es ist durchaus nicht verkehrt in einer Gesellschaft leben zu wollen, in der gewisse Dinge nichts kosten.
    Klar muss das bezahlt werden. Unbestreitbar ist auch, dass die meisten Firmen kein Interesse daran haben sich um die Gesellschaft zu bemühen auf der sie wachsen und gedeihen. Sie versuchen ihren Gewinn zu maximieren, Steuern nicht zahlen zu müssen, Menschen zu entlassen wenn es möglich ist sie zu ersetzen, etwa durch Maschinen oder Firmenzusammenschlüssen usf.
    Diese "Ich bezahle doch nicht für andere"-Mentalität findet sich auch bei Privatpersonen, auch bei solchen die selbst sehr wenig haben.
    Anders ist z.B. das peinliche Verhalten vieler EU-Bürger*innen und -Poitiker*innen nicht zu verstehen wenn es z.B. um die Asylpolitik geht, oder um ein europäisches Arbeitsamtäquivalent, um Flüchtlingslager, um arme in den eigenen Reihen, um die Kosten der Pflege im Alter usf.
    Manche verfügen über viel mehr als sie eigentlich bräuchten, kämen aber nie auf die Idee wesentlichen Teile davon einfach abzugeben. Da "gönnt" man sich lieber ein Wochenende an dem jeder Tag die Summe eines Jahresgehalts eines Durchschnittsverdieners kostet.
    Es wird in dem Zusammenhang immer gerne von einer Scheere gesprochen die auseinander ginge.
    Das Bild hinkt zwar schwer, doch man kann ahnen was damit gemeint ist.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 TheDadProfil
  • 24.09.2018, 21:16hHannover
  • Antwort auf #5 von Annanym
  • ""Die Idee dahinter ist, dass, z.B. in wichtigen Gesundheitsangelegenheiten, der Staat solche Tests kostenlos oder deutlich reduziert anbieten sollte.""..

    Erschließt sich mir nicht, denn es gibt bereist solche kostenlosen Test über verschiedene Anbieter..

    Welchen Sinn machte es NOCH EINEN kostenlosen Test anzubieten ?

    Das gilt dann übrigens auch für Schwangeschafts-Tests, denn die private Nummer auf dem Klo mit dem Warten auf ein Lila Lächeln im Sichtfenster verzögert dann nur den Gang zum Gynäkologen, und im Zweifel läuft währenddessen die Frist für einen legalen Abbruch schon aus..
  • Antworten » | Direktlink »
#7 ursus
  • 24.09.2018, 21:49h
  • Antwort auf #6 von TheDad
  • "Welchen Sinn machte es NOCH EINEN kostenlosen Test anzubieten ?"

    ich verstehe das so, dass es für manche menschen leider schon eine unüberwindbare schwelle darstellt, diese bisherigen anbieter aufzusuchen.

    ich habe z.b. mal einen hiv-test im örtlichen gesundheitsamt gemacht und konnte danach extrem gut verstehen, weshalb jemand, der angst hat, irgendwie von zufällig vorbeikommenden bekannten mit dem thema hiv / geschlechtskrankheiten in verbindung gebracht zu werden, davor zurückschreckt, diesen weg zu wählen. diese befürchtung wäre dort nämlich total berechtigt gewesen: diskretion war leider in keiner weise gewährleistet.

    und selbst an den orten, wo das professioneller organisiert ist, gibt es für viele menschen die angst, beim rein- oder rausgehen "entdeckt" zu werden. solche befürchtungen umgeht der heim-test. ich finde es richtig, solche angstschwellen ernst zu nehmen und wo möglich alternativen zu schaffen.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 TheDadProfil
  • 24.09.2018, 22:06hHannover
  • Antwort auf #7 von ursus
  • ""ich verstehe das so, dass es für manche menschen leider schon eine unüberwindbare schwelle darstellt, diese bisherigen anbieter aufzusuchen.""..

    Das könnte sein..
    Doch wie kommt man dann an diese "zusätzlichen kostenlosen Tests" ?

    Über amazon, oder dann doch eher über die Apotheke, die AIDS-Hilfen, die Gesundheitsämter ?
    Den Hausarzt ?
    Dann kann ich den Test auch gleich dort machen..

    Über ein Verteil-System macht sich so eine Forderung dann nämlich auch gar keinen Kopf..

    Und von Automaten in denen man einen solchen kostenlosen Test als Zugabe zu den Kondomen oder Zigaretten erhielte wollen wir hier gar nicht sprechen, denn mindestens der Gebrauch von Kondomen machte den Test eher überflüssig..

    ""ich habe z.b. mal einen hiv-test im örtlichen gesundheitsamt gemacht und konnte danach extrem gut verstehen, weshalb jemand, der angst hat, irgendwie von zufällig vorbeikommenden bekannten mit dem thema hiv / geschlechtskrankheiten in verbindung gebracht zu werden, davor zurückschreckt, diesen weg zu wählen. diese befürchtung wäre dort nämlich total berechtigt gewesen: diskretion war leider in keiner weise gewährleistet.""..

    Kenn ich..
    Das spricht aber immer noch nicht wirklich für kostenlose Tests, sondern eher für eine Schulung der Gesundheitsamts-Mitarbeitenden* in Sachen Diskretion und Datenschutz..

    Das mit dem "Entdecken" hat dann auch was von Ralph Königs Comic
    "Herr Meier kommt aus dem Porno-Laden"..

    Klingt für mich dann immer noch nicht besonders aufregend, denn dazu habe ich immer das Bild vor Augen indem mit Leute bei Romeo schreiben
    "keine face-pics wegen meiner mutter, bin ungeoutet"..

    Wer mit mir den Warteraum der AIDS-Hilfe oder des Gesundheitsamtes teilt hat wohl ein ähnliches Anliegen wie ich..

    Also..
    Wie den kostenlosen Test verteilen ?
  • Antworten » | Direktlink »
#9 ursus
  • 24.09.2018, 22:41h
  • Antwort auf #8 von TheDad
  • "Doch wie kommt man dann an diese "zusätzlichen kostenlosen Tests" ? Über amazon, oder dann doch eher über die Apotheke, die AIDS-Hilfen, die Gesundheitsämter ? Den Hausarzt ? Dann kann ich den Test auch gleich dort machen.."

    ohne dass man entweder irgendwo hingeht oder irgendwo seine daten angibt, ist das schwer machbar. denkbar wäre vielleicht, dass man die rechnung per post bei der krankenkasse einreicht und dann erstattung erhält. das wäre natürlich eine entsprechende "selbstoffenbarung" bei der kasse, die viele wieder abschrecken würde.

    eine vollkommen niedrigschwellige möglichkeit sehe ich nicht. es kann nur darum gehen, verschiedene möglichkeiten anzubieten, von denen sich dann jede_r die jeweils passende aussuchen kann. mancher mensch wird es bevorzugen, "anonym" zum gesundheitsamt zu gehen, anderen wäre es vielleicht lieber, alles von zu hause aus zu regeln.

    "Und von Automaten in denen man einen solchen kostenlosen Test als Zugabe zu den Kondomen oder Zigaretten erhielte wollen wir hier gar nicht sprechen, denn mindestens der Gebrauch von Kondomen machte den Test eher überflüssig.."

    wenn die bloße erreichbarkeit von kondomen hiv-tests überflüssig machen würde, müssten wir diese diskussion hier nicht führen. eine kostenlose verteilung per automaten halte ich aus anderen gründen für problematisch.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 ursus
  • 24.09.2018, 22:43h
  • Antwort auf #8 von TheDad
  • "Das mit dem "Entdecken" hat dann auch was von Ralph Königs Comic
    "Herr Meier kommt aus dem Porno-Laden".."

    eine langfristige prävention muss auch daran arbeiten, entsprechende schamschwellen zu beseitigen. das ist vollkommen richtig. kurz- und mittelfristig müssen die menschen aber da abgeholt werden, wo sie stehen.
  • Antworten » | Direktlink »