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Interview mit "manager magazin"

Niek Jan van Damme: Bei homophoben Sprüchen nicht so anstellen!

Der ehemalige Telekom-Vorstand hatte sich 2016 öffentlich als schwul geoutet – doch bis heute kann er mit Anti-Mobbing-Arbeit, LGBT-Netzwerken und Diversity nicht viel anfangen.


Will kein Quoten-Homo sein: Niek Jan van Damme (57) war bis Anfang des Jahres Ex-Deutschland-Chef der Telekom. Im Herbst fängt er als Aufsichtsrat beim australischen Telekomriesen Telstra an (Bild: Deutsche Telekom AG)

Niek Jan van Damme, bis Anfang des Jahres Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom AG und Geschäftsführer der Telekom Deutschland GmbH, hat lesbisch-schwule Mitarbeiter dazu aufgefordert, homophobe Sprüche am Arbeitsplatz einfach hinzunehmen.

Er selbst habe sie hinter seinem Rücken erlebt, sagte der homosexuelle Manager in einem Interview mit dem "manager magazin" (Paywall-Artikel). "Das ist ärgerlich, doch ich habe gelernt, damit zu leben." Dumme Sprüche würden auch über Frauen oder Machos gemacht, so van Damme. "Je normaler man damit umgeht, desto besser. Nur wenn Sie sich anstellen, entsteht eine schwierige Situation."

Verstecken sollte man sich aber nicht am Arbeitsplatz, so der Topmanager. Er selbst habe sich bereits 1995 in seinem früheren Job bei einem niederländischen Handelskonzern geoutet, erklärte der 57-Jährige. Auch bei der Telekom habe er kein Geheimnis aus seiner Homosexualität und seiner Hochzeit im Jahr 2013 gemacht: "Ich habe meine Partnerschaft bei der Telekom nie verheimlicht, meinen Mann auch zu Firmenpartys mitgenommen. Der gesamte Vorstand, mein Stab, mein Fahrer und meine Sekretärin waren natürlich als Hochzeitsgäste geladen."

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Öffentliches Coming-out in der "Welt am Sonntag"

Öffentlich geoutet hatte sich der ehemalige Telekom-Vorstand 2016 in einem Interview mit der "Welt am Sonntag" (queer.de berichtete). Er habe damit "zur Normalisierung beitragen" wollen, sagte er dem "manager magazin". Zunächst sei er skeptisch gewesen, "da ich im Beruf eigentlich nicht über mein Privatleben wahrgenommen werden möchte. Am Ende dachte ich, okay, warum nicht, vielleicht helfen wir damit anderen Homosexuellen, offener mit dem Thema umzugehen".

Mit LGBT-Netzwerken in Unternehmen kann der Spitzenmanager allerdings bis heute wenig anfangen: "Bei der Telekom wurde ich gefragt, ob ich der Schirmherr des LGBT-Netzwerks werden will. Das habe ich abgelehnt, weil ich finde, dass das besser ein heterosexueller Mensch übernehmen sollte", sagte er in dem Interview. "Außerdem bin ich mir nicht sicher, ob man ein solches Netzwerk heute noch braucht." Das Thema sollte vom Vorstand angesprochen werden, so van Damme.

Auch beim Thema Diversity sieht er Grenzen: "Unternehmen sollten klar sagen: Bei uns kann jeder Karriere machen, der gut abliefert. Aber ich glaube nicht, dass es etwa eine Quote braucht." (cw)

Wöchentliche Umfrage

» Wie gehst du mit LGBTI-feindlichen Sprüchen um?
    Ergebnis der Umfrage vom 24.09.2018 bis 01.10.2018


#1 AuntieBioticEhemaliges Profil
  • 23.09.2018, 13:54h
  • Von "Stell dich nicht so an!" ist es nur ein kleiner Schritt zu "Du willst es doch auch!"
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#2 hugoAnonym
  • 23.09.2018, 14:06h
  • Diese Einstellung finde ich total richtig!
    Blöde Sprüche gibt es ja genauso über Blondinen, Vegetarier, Ehemänner "unter den Pantoffel" oder sonstige Randgruppen.
    Wie im Beitrag gesagt-mit Humor nehmen und nicht aufregen, Das wird ja meistens gerade bezweckt.
    Ist ja sooo schön, wenn sich jemand ärgert!
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#3 AuntieBioticEhemaliges Profil
  • 23.09.2018, 14:24h
  • Antwort auf #2 von hugo
  • Und weil die Leute genauso blöde Sprüche über andere Minderheiten machen, ist das besser, weil?

    Mehrfache gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit hat man eher zu akzeptieren als "einfache", weil?

    "Ist ja sooo schön, wenn sich jemand ärgert!" ist eine superprimitive Einstellung aus einer sich selbst überhöhenden Mehrheit heraus, die zeigt, dass man sich am Erniedrigen einer Minderheit ergötzt.

    Wir sollen also "normal" damit umgehen, dass man uns permanent erniedrigt? Weil wir sonst nicht "normal" sind, aber "Normalsein" heutzutage wieder das Gebot der Stunde ist?

    "Normalsein" bedeutet also (im Sinne der Mehrheit) perfekt zu funktionieren, sich wegzuducken, oder einzustecken, am besten auch gleich noch die andere Wange hinzuhalten - damit man letztlich den Betriebsablauf nicht stört?

    Ich denke, das ist wohl auch der Grund, weshalb der gute Mann Netzwerken nicht für notwendig hält. Da würden Leute aufmucken, aufbegehren; zeigen, dass sie es nach jahrzehntelangem Emanzipationskampf nicht mehr hinnehmen, Diskriminierungen als "normal" hinzunehmen, mit ihnen "normal" umzugehen (also sie einfach zu schlucken).

    Typisch perfekt verinnerlichter schwuler Selbsthass. Wäre mir ja fast egal, wenn jemand den nur auf sich selbst anwendet. Dann lebt er eben ein selbsthassendes Duckmäusertum und lässt Andere immer gerne noch weiter draufschlagen.

    Das allerdings von seinen Mitarbeitern bzw. anderen Mitgliedern der Community zu verlangen, ist und bleibt eine nicht hinnehmbare Unverschämtheit.

    (Und gell, ja: es ist sooo schön, wenn ich mich ärgere! Man möge sich gern einen drauf runterholen, wenn's hilfreich ist. Fühlt man sich doch als kuschender Duckmäuser einer emanzipatorisch NICHT stehengebliebenen Person gegenüber total überlegen, weil man sich fest an den Mainstream klammert, der das von einem erwartet...)
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#4 TimonAnonym
  • 23.09.2018, 14:30h
  • "homophobe Sprüche am Arbeitsplatz einfach hinzunehmen."

    Hass sollte man niemals hinnehmen. Auch nicht wenn er als vermeintlich witziger Spruch getarnt wird.

    Hass vergiftet die Gesellschaft und übrigens auch das Klima in einem Unternehmen und damit auch die Produktivität.

    Und solche Teilnahmslosigkeit wie dieses Herrn bringt die Opfer noch in eine Rechtfertigungs-Position, nur weil sie sich wehren und sich das nicht bieten lassen.
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#5 PeerAnonym
  • 23.09.2018, 14:38h
  • Es gibt Menschen, die von Mobbing krank werden oder sich gar das Leben nehmen.

    Dadurch entsteht auch ein realer volkswirtschaftlicher Schaden, wie zahlreiche Studien belegen.

    Und nicht zu vergessen: Worte führen irgendwann auch zu Taten. Denn sie erzeugen ein Klima, das zu homophober Gewalt mindestens beiträgt.

    Und Herr van Damme spielt das auch noch herunter und tut so, aus seien die Opfer zu empfindlich und weinerlich. Damit ist er keinen Deut besser als die Täter.
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#6 ObercoolAnonym
  • 23.09.2018, 14:40h
  • Obercoole Sprüche von einem Spitzenverdiener.

    So jemand hat leicht reden. Mobbing Erfahrungen hat er bestimmt keine.

    Mich würde interessieren, was der Völklinger Kreis von solchen Leuten hält.
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#7 UncoolAnonym
#8 swimniAnonym
  • 23.09.2018, 14:51h
  • immer dasselbe:

    wer im geld schwimmt und mit einer starken persönlichkeit beschenkt wurde, für den ist homo-politik unwichtig, weil ja alles so angeblich normal ist.

    ob hitzelsperger, spahn oder van damme.....

    sie können sich in einfache, einfachste oder prekäre verhältnisse und die not anderer nicht mehr hineinversetzen
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#9 PeerAnonym
  • 23.09.2018, 14:52h
  • "Das ist ärgerlich, doch ich habe gelernt, damit zu leben."

    Schön für ihn. Aber wieso sollte jeder mit Mobbing und seinen Folgen leben müssen?

    .. .................

    "Nur wenn Sie sich anstellen, entsteht eine schwierige Situation."

    Klassische Täter-Opfer-Umkehr. Die schwierige Situation wird vom Mobber verursacht, nicht vom Gemobbten.

    Außerdem muss das gar keine schwierige Situation sein: man kann von vornherein deutlich sagen, dass man im Unternehmen keinen Rassismus, keinen Sexismus, keine Homophobie und keine Transphobie duldet. Und wer die Firmenregeln missachtet und das Betriebsklima zerstört, hat halt keinen Platz im Unternehmen. So einfach ist das, wenn sich ein Manager auch um ein gutes Betriebsklima kümmert.
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#10 PiepmatzAnonym
  • 23.09.2018, 15:08h
  • "Dumme Sprüche würden auch über Frauen oder Machos gemacht, so van Damme. "Je normaler man damit umgeht, desto besser.""

    Na sicher, es ist ja auch genau das selbe, ob man sich wie ein Vollpfosten verhält oder ob man das Pech hat, mit dem falschen Geschlecht geboren zu werden oder Menschen des gleichen Geschlechts zu lieben. Ob man über den Kollegen herzieht, weil der sich wie ein Arschloch aufführt oder sich öffentlich über das subjektiv unbefriedigende Fickbarkeitslevel der Kolleginnen unterhält - spielt doch keine Rolle, alle kriegen mal was ab.

    Ein Sexismusproblem? Homophobie? Ach was. Das ist gar keine Diskriminierung, sondern nur dummes Gerede, das niemand ernst nehmen darf. Ein "normaler" Umgang mit Sexismus und Homophobie besteht natürlich darin, beides einfach hinzunehmen. Wo kämen wir hin, wenn man sich gegen Diskriminierungen zur Wehr setzte? Wenn die ganzen Heulsusen immer gleich zum Betriebsrat rennen würden? Wenn womöglich die Diskriminierenden ein einziges Mal damit konfrontiert würden, dass es nicht in Ordnung ist, was sie tun? Wenn sexistisches oder homofeindliches Mobbing irgendwelche Konsequenzen hätte?

    Ginge dieser Rat auch an Jüd_innen, die sich bei der Arbeit antisemitische Sprüche anhören müssen? An Schwarze, die dabei sitzen, wenn jemand rassistische Witze macht? An Behinderte, über die man sich hinter ihrem Rücken mit Theaterflüstern lustig macht?

    Was würde passieren, wenn jemand in van Dammes Position in der Öffentlichkeit diesen anderen Gruppen empfehlen würde, Mobbing hinzunehmen, ohne sich zu wehren?

    Von van Damme kann man lernen: Wie man es genau falsch macht. Wie man buckelt, Probleme ignoriert, Mobbing hinnimmt und jede Solidarität in die Tonne tritt.

    Wundert mich nicht, dass man mit dieser Haltung Karriere machen kann.
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