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Bergarbeiter-Sohn mit Westminster-Karriere

Erstmals schwuler Parteivorsitzender in Wales

Nach einer Kampfabstimmung führt Adam Price die nach Unabhängkeit strebende walisische Partei Plaid Cymru an. Als Jugendlicher machten ihm zur Unterstützung der Bergarbeiter aus London angereiste Schwule und Lesben Mut.


"Wir müssen die Hoffnung derer werden, die keine Hoffnung haben", sagte Price in seiner Siegesansprache (Bild: BBC Wales Politics / twitter)

Der 50-jährige Politiker Adam Price ist neuer Vorsitzender der nach Unabhängigkeit des Landesteils strebenden walisischen Partei Plaid Cymru. Der offen schwule Kandidat erzielte am Freitag in der ersten Runde der Wahl zum Vorsitzenden 49,7 Prozent der Stimmen, die bisherige Vorsitzende Leanne Wood 22,3 Prozent und ein weiterer Kandidat, Rhun ap Iorwerth, 28 Prozent.

In der zweiten Runde erzielte Price 64 Prozent, ap Iorwerth 36 Prozent. Wood hatte die Partei seit 2012 angeführt, stand aber aufgrund schlechter Wahlergebnisse unter Druck – darunter auch das Ja des Landesteils zum Brexit, gegen den die Partei angekämpft hatte. Die drei Kandidaten gaben unterschiedliche Präferenzen für mögliche neue Koalitionen in der walisischen Nationalversammlung an; Price sprach sich gegen eine Koalition sowohl mit Labour als auch den Konservativen aus. Plaid Cymru ist auf Europaebene mit weiteren regionalen Parteien und mit den Grünen verbunden, hat ein sozialdemokratisches Profil und unterstützt aktiv LGBTI-Rechte.

Twitter / ITVWales | Ausschnitt aus der Ansprache von Price nach seiner Wahl

Bei der letzten Wahl 2016 hatte Plaid Cymru ("Walisische Partei") zwölf der insgesamt 60 Sitze errungen und war zeitweilig die größte Oppositionspartei zu Labour mit 29 Sitzen. Nach einem Parteiaustritt und einem Ausschluss sind inzwischen die Konservativen mit elf Sitzen zweitstärkste Kraft.

Mut von den "Gays and Lesbians Support the Miners"

2016 war erstmals auch Adam Price für den südlichen Wahlkreis Carmarthen East and Dinefwr in das Regionalparlament eingezogen, nachdem er von 2001 bis 2010 den Wahlkreis im Parlament des Vereinigten Königreichs vertreten hatte. Der Sohn einer Engländerin und eines walisischen Bergarbeiters und Amateur-Boxers studierte in Cardiff und Saarbrücken Soziologie (Community Studies) und arbeite an der Universität von Cardiff im Bereich der Stadtentwicklung und später in Wirtschaftsentwicklung.

Twitter / Adamprice

Im britischen Parlament machte Price einen Parteispenden-Skandal um Tony Blair publik, der einen rumänischen Stahlieferanten gegenüber der britischen Industrie bevorzugte. Wegen der Beteiligung am Irak-Krieg strebte er erfolglos ein in Großbritannien praktisch ungenutztes, aber mögliches Impeachment-Verfahren gegen Blair an. 2010 zog er sich aus dem Parlament und zeitweilig aus der Politik zurück, um weiter zu studieren und später erfolglos ein Internet-Unternehmen zu gründen.

Im regionalen Fernsehsender S4C präsentierte Price 2013 einen Teil der dreiteiligen Doku-Reihe "Streic" über den Bergarbeiterstreik der Achtziger. Dabei erzählte er davon, wie ihm die Besuche der Gruppe "London Gays and Lesbians Support the Miners", deren Streik-Unterstützung durch den Kinofilm "Pride" (2014) weltweite Bekanntschaft erlangte, Mut gemacht hätten.

Als damals 15-Jähriger habe er sich gewundert, wie seine ihm früh bewusst gewordene Homosexualität und das Aufwachsen in der ländlichen, vermeintlichen Macho-Community zusammenpassten. Und dann traf eine Busladung Homosexueller aus London im Heim des Rugby-Clubs Pantyffynnon ein – die ersten Gleichgesinnten, die er traf. "Mein Vater und meine Mutter und viele Bergarbeiter haben sich mit den Schwulen und Lesben getroffen und sie willkommen geheißen. Für mich war das alles sehr beeindruckend". Die Episode habe ihm über die Zeit und bei seinem Coming-out rund zehn Jahre später geholfen; der Kampf gegen die konservative Politik der britischen Regierung beflügelte zugleich seine spätere politische Karriere.

Premiere in Wales

Nach Angaben von "Pink News" ist Price der erste offen schwule Vorsitzende einer größeren walisischen Partei. Bis 2016 habe die 1998 eingerichtete Nationalversammlung keine Abgeordneten besessen, die offen mit ihrer Homosexualität umgingen. Die Einrichtung des Parlaments ist allerdings ein Mitverdienst des Labour-Politikers Ron Davies, der als britischer Staatssekretär für Wales unter der Regierung von Tony Blair die Dezentralisierung vorantrieb und von Labour als Spitzenkandidat für die erste Versammlung auserwählt wurde. Der mit einer Frau verheiratete Politiker trat zurück, nachdem er unter bis heute ungeklärten Umständen in den Londoner Clapham Commons, einem Cruising-Gebiet, ausgeraubt wurde. Jahre später gab er an, bisexuell zu sein.


Das walisische Parlament in der Cardiff Bay. Bild: nb

In Schottland, einem anderen nach Unabhängigkeit strebenden Landesteil des Königreichs, waren zur letzten regionalen Wahl vier Parteivorsitzende offen schwul oder lesbisch (queer.de berichtete), darunter Ruth Davidson, die 2011 die erste lesbische Parteivorsitzende der Konservativen wurde und noch heute die größte Oppositionspartei im regionalen Parlament anführt. In diesem April gab sie bekannt, mit ihrer Partnerin ein Kind durch künstliche Befruchtung zu erwarten.



#1 Patroklos
#2 Chefchen
  • 29.09.2018, 13:20h
  • Go ahead Adam! Ich bin erfreut zu lesen, dass Du unter anderem in meiner Heimatstadt Saarbrücken studiert hast. Und in Anlehnung an den Film Pride möchte ich Dir sagen: We are proud of you!
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