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Schleswig-Holstein

Rendsburg: Keine Geschlechtervielfalt in der Ratsversammlung

Statt "Ratsfrau" und "Ratsherr" forderte die Fraktion Die Linke eine geschlechtsneutrale Bezeichnung für die Mandatsträger – die Bunte Allianz aus CDU, Grüne, FDP und SSW lehnte dies jedoch ab.


Das Alte Rathaus in Rendsburg (Bild: Stadt Rendsburg)

Die Fraktion Die Linke im schleswig-holsteinischen Rendsburg beklagt einen "schwarzen Tag für Akzeptanz und Respekt". Der Grund: In der Ratsversammlung scheiterten die Sozialisten mit ihrem Antrag, die in der Hauptsatzung der Stadt vorgeschriebenen Titel "Ratsfrau" und "Ratsherr" durch die geschlechtsneutrale Bezeichnung "Mitglied der Ratsversammlung" zu ersetzen. Ziel des Linken-Antrags war es, "eine Ausgrenzung jener zu vermeiden, die sich weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugehörig fühlen oder zuordnen lassen".

Das "Bunte Allianz" oder "Tansania-Koalition" genannte Bündnis aus CDU, Grünen, FDP und SSW, das im Stadtparlament über eine satte Mehrheit verfügt, brachte zunächst einen gemeinsamen Gegenantrag ein, der neben den bisherigen geschlechtsspezifischen Bezeichnungen eine dritte, geschlechtsneutrale Option einführen wollte. "Diese Variante führt keineswegs zum Ziel, die Diskriminierung abzubauen, sondern mehr denn je zur Stigmatisierung der 'Andersartigen'", kritisierte Linke-Fraktionschef Mario Meß. "Wer sich nicht dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zuordnen kann oder möchte, wird hier zum Outing gezwungen. Wenn die Bunte Allianz diesen Vorschlag ernst meint, hat sie das Problem nicht verstanden."

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Nur die SPD stimmte für den Vorstoß der Linken

So stimmte lediglich die SPD-Fraktion zusammen mit der Linken für die geschlechtsneutrale Bezeichnung "Mitglied der Ratsversammlung". Anschließend zog die Bunte Allianz ihren Gegenantrag zurück, sodass die bisher geltenden binären Bezeichnungen ihre Gültigkeit behalten.

Linke-Fraktionschef Mario Meß fordert nun Bürgermeister Pierre Gilgenast (SPD) auf, seine Unterschrift unter der "Lübecker Erklärung für Akzeptanz und Respekt" zurückzuziehen. Im Text der Erklärung heißt es: "Die Freiheit der Einzelnen mit dem Recht auf sexuelle, geschlechtliche und geschlechtsidentitäre Selbstbestimmung darf in einer demokratischen Gesellschaft durch keinerlei Maßnahmen begrenzt und gefährdet werden. […] Die Unterzeichner_innen der Lübecker Erklärung verpflichten sich, jeglicher Form von Diskriminierung aufmerksam entgegenzutreten. Sie engagieren sich für Anerkennung von und Respekt vor lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, inter* und pansexuellen Mitmenschen." Die Rendsburger Ratsversammlung hatte diese Unterschrift im März 2017 einstimmig beschlossen. (cw/pm)



#1 Gerlinde24Profil
  • 29.09.2018, 13:05hBerlin
  • So sehr ich den Vorstoß der Linken auch begrüße, die Stadt Rendsburg, das Land Schleswig-Holstein, sowie unser Land haben dringendere Probleme zu lösen! Wohnungsnot, bezahlbare Mieten, Altersarmut und Rechtspopulismus zum Beispiel!
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#2 Luxusprobleme in RendsburgAnonym
  • 29.09.2018, 13:13h
  • Ich bin in den letzten Wochen immer wieder erstaunt (oder kommt es mir subjektiv nur so vor?), mit welchen Problemen sich Bundes-, Landes- und/oder Ortsbehörden zurzeit beschäftigen!

    Solange in Deutschland jährlich ca. 360 Frauen und Mädchen in Folge häuslicher Gewalt getötet werden als jeden Tag ein Mord/Totschlag (!) oder Kinder auf Grund der Armut ihrer Eltern verwahrlosen oder nicht die gleichen Chancen erhalten wie Kinder aus so genannten besser gestellten Familien, finde ich es persönlich am Thema vorbei, über die Einführung von dritten, vierten oder gar fünften Geschlechterbezeichnungen zu diskutieren und hierfür die Ratsversammlung tagen zu lassen. Ich denke, die hierfür anberaumte Sitzung wäre besser mit der Lösung dringenderer Probleme genutzt gewesen.

    An alle, die jetzt schreien: Homo-, Trans-, Pan-, Bi-oder Metrophobie... Versteht mich bitte nicht falsch! Als schwuler Mann möchte ich vorrangig eines: Respekt und Höflichkeit! Alles andere ist Nebensache bzw. obsolet, wenn diese Grundvoraussetzungen schon nicht stimmen.

    Und hier ein kleiner Denkanstoß: seit Jahren muss gemäß der Anti-Diskriminierungs-Grundsätze in jeder Stellenanzeige sowohl die männliche als auch die weibliche Berufsbezeichnung angegeben werden. Dies hat zu einheitlich zu Auswüchsen wie z. B. Kaufmann/-frau, Hilfskraft (m/w) oder Triebwagenführer/-in geführt und enthält im schlimmsten Fall noch den Hinweis Behinderte und Frauen werden bei gleicher Qualifizierug bevorzugt eingestellt.. Was hats also gebracht? ;-)
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#3 PeerAnonym
  • 29.09.2018, 13:41h
  • Das Problem ist, dass die Linke eben nicht wie die anderen eine weitere Bezeichnung wollte, sondern auch allen anderen verbieten wollte, weiterhin Ratsherr oder Ratsfrau zu sein.

    Man kann nicht einerseits fordern, Transmenschen nicht mehr eine Bezeichnung vorzuschreiben, dann aber genau das allen anderen für sie selbst vorschreiben wollen.
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#4 TheDadProfil
  • 29.09.2018, 14:00hHannover
  • ""das Land Schleswig-Holstein, sowie unser Land haben dringendere Probleme zu lösen!""..

    ""Ich denke, die hierfür anberaumte Sitzung wäre besser mit der Lösung dringenderer Probleme genutzt gewesen.""..

    Das verschieben von Gleichberechtigung und Gleichstellung Zugunsten von
    "anderen, dringenderen Problemen"
    ist der originäre Grund dafür, daß die Republik so ist, wie sie ist..

    Denn wenn die "Mitglieder*innen einer Ratsversammlung", die es in vielen Städten und Gemeinden gibt, bei sich selbst angefangen auf Diskriminierung verzichten, so hat das auch über Denk-Vorgänge Einfluß auf diese
    "anderen, dringenderen" Entscheidungen !

    Wer sich hier dann hinstellt und sich selbst für wichtiger nimmt als andere, der die Bedürfnisse der anderen dann auch noch mit "es gibt wichtigeres" marginalisiert, hat wohl nicht verstanden worum es geht !
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#5 OhnegliedAnonym
  • 29.09.2018, 18:42h
  • "Mitglied der Ratsversammlung"

    Zu lang und zu merkwürdig: 3 Worte, 7 Silben !!!

    Wie wäre es mit "Ratsmensch" 2 Silben, identischer Aufbau und wenn man damit ausdrücklich Gendervielfalt betonen möchte, geht das auch:
    ```
    Ratsmensch*in
    Ratsmensch*innen
    ```
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#6 Homonklin44Profil
  • 29.09.2018, 19:17hTauroa Point
  • Für Rendsburg wundert mich das nicht, die leben so'n bissken hinterm Mond da.

    "Ratsperson" hätte doch für alle gelten können., und eine Person hat weder abwertende noch überhöhende Geltung.

    Allerdings denke ich auch, dass es vorrangige Gebiete gibt, etwa ist die Wohnungsnot aufgrund der Mietpreisentwicklung gerade für Leute aus der unteren sozialen Schicht erheblich geworden.
    Nicht jeder will gezwungen sein, entweder in Kiel Mettenhof oder in Kiel-Gaarden wohnen zu müssen, und da ist das schon schwer genug, was zu finden.
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#7 WadimAnonym
  • 30.09.2018, 00:33h
  • Antwort auf #1 von Gerlinde24
  • Sorry, Gerlinde, aber so einen Quatsch habe ich von dir nicht erwartet. Das ist ein gängiges Argument allen Ignoranten und Homophoben: Ehe für alle? Gibt es hier zu Lande keine dringendere Probleme zu lösen?
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#8 MitdenkpersonAnonym
#9 JosephMartinProfil
  • 30.09.2018, 12:04hBraunschweig
  • Antwort auf #2 von Luxusprobleme in Rendsburg
  • Ich glaube, man sollte sich bei der Debatte bewusst sein, dass hinter der den Forderungen nach Einführung einer dritten Geschlechtsbezeichnung oder dem Verzicht auf geschlechtsspezifische Bezeichnungen von Ratsmitgliedern ein sehr existenzielles Problem steht: nämlich die erhöhte Suizidalität bei Transmenschen.

    Ich halte es für geboten, dass in den demokratischen Institutionen auf allen Ebenen nicht nur immer wieder darüber nachgedacht wird, was man tun kann, um diese Situation zu verbessern, sondern auch konkrete Vorschläge zur Abstimmung gestellt werden, selbst wenn es sich nur um kleine und lokale Schritte handelt.

    Eine ganz andere Frage ist, ob der Antrag der Linken in Rendsburg zielführend ist, d.h. ob er die Neubenennung der Ratsmitgliedsposten de facto zu Akzeptanz und Respekt beiträgt. Ich bin mir da nicht sicher. M.E. kann eine Änderung des amtlichen Sprachgebrauchs auch kontraproduktiv sein, wenn die Mehrheit der Bürgerschaft nicht für die tieferen Hintergründe dieser Entscheidung sensibilisiert ist.

    Des weiteren würde ich aber auch vor dem Versuch warnen, eine aseptisch reine Sprache anzustreben in der Vorstellung, dass Sprache die Wirklichkeit abbildet. Das wird nicht gelingen. Zum einen ist Sprache letztlich immer "veraltet", weil ständig Neues passiert, für das wir erst Begriffe entwickeln müssen. Zum anderen speichert Sprache auch immer ein historische Erfahrungen, die nicht immer gut sein müssen, die aber erinnert werden sollten. Das Wort "schwul", das eine zutiefst homophobe Vergangenheit hat, ist ein Beispiel dafür.
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#10 Homonklin44Profil
  • 30.09.2018, 12:17hTauroa Point
  • Antwort auf #8 von Mitdenkperson
  • Das war gar nicht von User 'Ohneglied', sondern von mir. ;)

    Aber warum eigentlich nicht?
    Oder man kann bei einfachen, umständlich eingedeutscht-wahlweise-denglischen Begriffen bleiben. Nahverkehrs-vehikeloperations-bedienstetInnenChenLeins. Eich*innen*hörn*in*chen. (tm by Tü!Tü!)

    Vermutlich wird es so kommen, dass man mit nichts zufrieden wäre, und daher keine Lösung findet, die für alle praktikabel ist. Deshalb ist es wohl angeraten, die dafür vergeudeten Gelder anders einzuplanen.
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