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Harry-Potter-Prequel

Dumbledores schwuler Moment

Im neuen Kinofilm "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen" sollte Albus Dumbledores sexuelle Orientierung ursprünglich ausgeblendet werden – jetzt gibt es doch einen deutlichen Hinweis.


Albus Dumbledore (Jude Law, rechts) begehrt den Bösewicht Gellert Grindelwald (Johnny Depp) (Bild: Warner Bros.)
  • 29. September 2018, 17:37h 28 2 Min.

Anfang des Jahres hatte Regisseur David Yates in einem Interview mit "Entertainment Weekly" noch angekündigt, dass die von Jude Law dargestellte Figur des jungen Albus Dumbledore im zweiten von fünf geplanten "Phantastische Tierwesen"-Filmen noch nicht "ausdrücklich schwul" dargestellt werde (queer.de berichtete). Im letzten offiziellen Trailer des Harry-Potter-Prequels "Grindelwalds Verbrechen" gibt es nun aber doch einen deutlichen Hinweis auf die Homosexualität des Zauberers.

In einer Szene blickt Dumbeldore in den Zauberspiegel "Nerhegeb" (das Wort "Begehren" rückwärts buchstabiert), der immer das anzeigt, was der Hineinblickende begehrt. Als Spiegelbild des Zauberers sehen wir den Bösewicht Gellert Grindelwald, der von Johnny Depp gespielt wird. Dumbledores Verliebtheit ist denn wohl auch der Grund, warum er den Schurken nicht selbst zur Strecke bringen will.

Autorin J.K. Rowling outete Dumbledore 2007 als schwul

Queere Harry-Potter-Fans hoffen schon seit langem darauf, dass die Homosexualität Dumbledores endlich offen in einem Film vorkommt. In den sieben Büchern und den acht Filmen wurde die sexuelle Orientierung des Meisterzauberers nur leicht angedeutet. Autorin J.K. Rowling hatte allerdings bereits 2007 bestätigt, dass Dumbledore auch sexuell den bösen Zauberer Gellert Grindelwald begehrt (queer.de berichtete). 2016 deutete die Schriftstellerin dann an, dass seine Sexualität auch in der "Phantastische Tierwesen"-Filmserie zu sehen sein soll (queer.de berichtete).

Auch Regisseur Yates ist sich sicher, dass alle Fans über die sexuelle Orientierung Dumbledors Bescheid wüssten. "Er hatte eine sehr intensive Beziehung mit Grindelwald, als sie junge Männer waren", erklärte er gegenüber "Entertainment Weekly". "Sie verliebten sich in die Ideen ihres Gegenübers, in ihre Ideologie und auch ineinander."

Der Film "Phantastische Tierwesen 2" startet am 15. November in deutschen Kinos. (cw)

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zum Film
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#1 SteinigAnonym
#2 Ith__Ehemaliges Profil
  • 30.09.2018, 07:12h
  • Man mag ihr ja anrechnen, also Rowling, dass sie außerhalb dieses Universums eine respektable Person dazu gebraucht hat, zu provozieren und sich mit ein paar evangelikalen Christen anzulegen.

    Nur:
    Wenn man sich anhand Snapes Charakter, bei dem tatsächlich Andeutungen und Hintergründe da waren, mal ansieht, wie geschickt sie darin ist, die Story von vornherein so aufzubauen, dass zweites anschauen oder auch bloß zweites Sehen der Filme eine ganze Menge "aha"-Momente produziert, bei denen man plötzlich Dinge besser versteht, wird einem ebenso bewusst, dass Dumbledores vorgebliche Homosexualität etwas hochgradig Nachgeschobenes ist, das eben gerade solche Momente NICHT produziert.

    Wahrscheinlich wollte sie der Community ursprünglich einen Gefallen damit tun. Im Moment kann man es wohl bloß noch unter "Queerbaiting" verbuchen, und es vermiest mir ganz ehrlich den Spaß an diesem Universum, dass nicht einfach zugegeben wird, dass das bloß ein PR-Gag sein sollte. Solange Dumbledore weiter als homosexuell bezeichnet wird, ist die ganze Umsetzung, die darauf angelegt ist, das Ganze mit Riesenabstand zu vermeiden, leider eine bloße Erinnerung an die unglaubliche Homophobie des Systems.

    Mir kann einfach keiner erzählen, wenn's denn eine Frau wäre, die da ein berühmter Gegenspieler wäre, zu dem mal eine Beziehung bestand, dass irgendein Regisseur darauf verzichten würde, diese Geschichte emotional darzustellen, zu zeigen und auszuschmücken.

    Lasst euch doch einfach nicht verkohlen von der billigen Werbung. Das war von vornherein ein Fake mit wenig dahinter, und wie man jetzt sieht, eben derart wenig dahinter, dass es nichts zu zeigen und nichts zu erzählen gibt. Selbst wenn das erste 5-Sekunden 'Outing', das hier obendrein noch zweideutig ausfallen wird, so kurz und knapp ist, dass es niemandem auffallen wird und ggf. sogar wegdiskutierbar ist, wenn man's da nicht zwanghaft reininterpretiert.
    Eben gerade so, dass man es Russland noch als "er begehrt eben, dass er erwischt wird, nicht, mit ihm zusammen zu sein" verkaufen kann, damit der Film dort nicht zensiert wird. Ich bezweifle nämlich, dass dieses Bild im Spiegel eindeutig darauf hinweisen wird, dass es da um Sexualität und Begehren im partnerschaftlichen Sinne geht - und so wird sich die Queerness darauf beschränken, dass man noch viel Interpretation hinzufügen muss.
    Wer sich mal kurz eine Welt vorstellt, unsere reale Welt, als einen Ort, an dem Homosexualität voll okay und normal wäre, dem müsste sich das als die Farce aufdrängen, die es ist. Autoren sagen Dinge, die sie wirklich sagen wollen und für sagbar halten, dementsprechend auch IN ihren Geschichten und erzählen sie über ihre Geschichten, und stellen sich nicht außerhalb von allem, was Fans mitbekommen, vor eine Gruppe Menschen und erzählen da Dinge, die sich dann so gar nicht wiederfinden lassen.

    Wenn man es ernst meinte, wäre die ganze Geschichte anders aufgebaut. Aber wie das in der Mainstream-Fantasy halt ist - da darf es sowas einfach nicht geben. Bei den Bösen, einem gar nicht schwulen Joker beispielsweise, da ist ein bisschen queer-acting okay, weil: ein Faktor dabei, den Leuten zu vermitteln, dass die Figur ganz und gar daneben ist. Einer von den Guten, angesehen und schwul, das geht dagegen eben gar nicht.
    Könnten ja Kinder zugucken.
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#3 Ith__Ehemaliges Profil
  • 30.09.2018, 07:53h
  • Antwort auf #1 von Steinig
  • Kann man mal sehen, wie die Geschmäcker sich unterscheiden: Seit ich in der Umsetzung im Wesentlichen einen Praxiskurs darin sehe, wie man LGBT aktiv und zwanghaft aus allem herauszuhalten versucht, habe ich auf diese Vera***e einfach keine Lust mehr.
    Mir wär's lieber gewesen, wenn man auf diese Fake-Homosexualität verzichtet hätte, dann wäre es uns zumindest erspart geblieben, allzu deutlich vorgeführt zu bekommen, was uns nicht zusteht: Geschichten, die so gut und groß gemacht sind, dass sie sich an den Mainstream verkaufen, und in denen man sich als Minderheit trotzdem wirklich gut wiederfindet, und zwar in einer Rolle, die auf menschlicher Ebene ernstzunehmen ist.

    Wer mir so klar vorführt, dass er auf meine Sympathiepunkte lieber verzichtet, weil ich nunmal verstehen müsse, dass die heterosexuelle Mehrheit sich an mir und meinesgleichen stört, bzw. weil die vermutete Mehrheit sich zu wenig wiederfinden würde, wenn mir die Gelegenheit geboten würde, und mir entsprechend Geschichten vorenthält, in denen sowas wie ich vorkommt, der wird mehr als ein gequältes und wenig ehrliches Lächeln dafür nicht mehr bekommen. Und mein Eintrittsgeld im Kino schon gar nicht.
    Wenn es halt so wichtig ist, Eintrittsgelder auch aus Russland zu bekommen, und man sich daher moralisch nunmal sehr weit unten orientieren muss, dann kann ich darauf verzichten.

    Richtig sauer macht mich das im Wesentlichen deswegen, weil ich dieses Universum mal sehr gerne mochte. Bevor die Menschen, die es darstellen, angefangen haben, mir zu demonstrieren, dass sowas wie ich darin nichtmal erwünscht ist, wenn es um gerade das geht, was ja das Provokante daran war, ausgerechnet Dumbledore für schwul zu erklären: Dass die queere Minderheit mal nicht drogenabhängig und kaputt ist, sondern eine moralisch positiv besetzte Figur, die es im Leben zu etwas gebracht hat.

    Wenn man sich den Einfluss der Medien mal ansieht, kann man mEn schon die Frage stellen, woher denn ein positiv besetztes Bild von queeren Personen bitte kommen soll, wenn Regisseuren selbst innerhalb des queeren Kontexts meistens nichts anderes einfällt als die Rolle des kaputten Opfers. Bzw. wie zwanghaft man verschwinden und unsichtbar sein muss, wenn die Queerness mal kein "aber" im Gegensatz zum moralisch Guten sein müsste.

    Hat mich ganz ab davon auch bei der Umsetzung von Anne Rices Universum schon gestört: Während ich "Interview mit einem Vampir" als Film wahrscheinlich gerade deswegen so gern mochte, weil die Beziehung zwischen Louis und Lestat da sichtbar ist, und zwar eben als komplexe Beziehung, haben sie es bei der "Königin der Verdammten" auf einmal fertiggebracht, Lestat eine heterosexuelle Beziehung zu einer Person aufzudrücken, während die ursprünglich sehr wohl auch homoerotische Beziehung zwischen ihm und seinem "Erschaffer" Marius (die Anführungszeichen, weil er das im Buch nicht ist) komplett unter den Tisch fällt.
    Die älteren Stories aus Anne Rices Vampirreihe haben überhaupt häufiger eine sehr selbstverständliche Homoerotik in sich, weil Rice als weibliche Autorin eben damit aufgewachsen sein dürfte, dass es selbstverständlich und okay ist, sich für Männer zu interessieren - eine Selbstverständlichkeit, die ich als f2m-Transgender bei schwulen Cissen manchmal vermisse, wo mir die Verklemmtheit teilweise sehr leid tut, und wobei ich mir denke, dass "ihr" da vielleicht einiges von unsereinem lernen könntet. Diese Selbstverständlichkeit spiegelt sich in ihren Büchern so oft und deutlich wieder - und selbst da schaffen sie es, das für ein Mainstream-Publikum im Film umzudrehen. Lächerlich, sowas.
    Statt einen Film für die Fans zu machen, die vielleicht an den Büchern gerade diesen Bruch mit geltenden Normen mochten.

    Sollte man sich wünschen, der Gegner wäre schwul und Dumbledore hetero und nicht interessiert? Ehrlicherweise würde es in Rowlings Universum besser passen, das von Grund auf heteronormativ aufgebaut ist. Das hätte uns dann wahrscheinlich keine positiven queeren Momente gebracht, bei denen wir das Gefühl hätten, zu den Guten gehören zu dürfen, oder, was evtl. noch schlimmer wäre, möglicherweise gar zu den Gewinnern. Aber gesehen hätte man gerade deswegen dann wohl deutlich mehr davon.
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