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Einzelkommentar zu:
Dumbledores schwuler Moment


#2 Ith__Ehemaliges Profil
  • 30.09.2018, 07:12h
  • Man mag ihr ja anrechnen, also Rowling, dass sie außerhalb dieses Universums eine respektable Person dazu gebraucht hat, zu provozieren und sich mit ein paar evangelikalen Christen anzulegen.

    Nur:
    Wenn man sich anhand Snapes Charakter, bei dem tatsächlich Andeutungen und Hintergründe da waren, mal ansieht, wie geschickt sie darin ist, die Story von vornherein so aufzubauen, dass zweites anschauen oder auch bloß zweites Sehen der Filme eine ganze Menge "aha"-Momente produziert, bei denen man plötzlich Dinge besser versteht, wird einem ebenso bewusst, dass Dumbledores vorgebliche Homosexualität etwas hochgradig Nachgeschobenes ist, das eben gerade solche Momente NICHT produziert.

    Wahrscheinlich wollte sie der Community ursprünglich einen Gefallen damit tun. Im Moment kann man es wohl bloß noch unter "Queerbaiting" verbuchen, und es vermiest mir ganz ehrlich den Spaß an diesem Universum, dass nicht einfach zugegeben wird, dass das bloß ein PR-Gag sein sollte. Solange Dumbledore weiter als homosexuell bezeichnet wird, ist die ganze Umsetzung, die darauf angelegt ist, das Ganze mit Riesenabstand zu vermeiden, leider eine bloße Erinnerung an die unglaubliche Homophobie des Systems.

    Mir kann einfach keiner erzählen, wenn's denn eine Frau wäre, die da ein berühmter Gegenspieler wäre, zu dem mal eine Beziehung bestand, dass irgendein Regisseur darauf verzichten würde, diese Geschichte emotional darzustellen, zu zeigen und auszuschmücken.

    Lasst euch doch einfach nicht verkohlen von der billigen Werbung. Das war von vornherein ein Fake mit wenig dahinter, und wie man jetzt sieht, eben derart wenig dahinter, dass es nichts zu zeigen und nichts zu erzählen gibt. Selbst wenn das erste 5-Sekunden 'Outing', das hier obendrein noch zweideutig ausfallen wird, so kurz und knapp ist, dass es niemandem auffallen wird und ggf. sogar wegdiskutierbar ist, wenn man's da nicht zwanghaft reininterpretiert.
    Eben gerade so, dass man es Russland noch als "er begehrt eben, dass er erwischt wird, nicht, mit ihm zusammen zu sein" verkaufen kann, damit der Film dort nicht zensiert wird. Ich bezweifle nämlich, dass dieses Bild im Spiegel eindeutig darauf hinweisen wird, dass es da um Sexualität und Begehren im partnerschaftlichen Sinne geht - und so wird sich die Queerness darauf beschränken, dass man noch viel Interpretation hinzufügen muss.
    Wer sich mal kurz eine Welt vorstellt, unsere reale Welt, als einen Ort, an dem Homosexualität voll okay und normal wäre, dem müsste sich das als die Farce aufdrängen, die es ist. Autoren sagen Dinge, die sie wirklich sagen wollen und für sagbar halten, dementsprechend auch IN ihren Geschichten und erzählen sie über ihre Geschichten, und stellen sich nicht außerhalb von allem, was Fans mitbekommen, vor eine Gruppe Menschen und erzählen da Dinge, die sich dann so gar nicht wiederfinden lassen.

    Wenn man es ernst meinte, wäre die ganze Geschichte anders aufgebaut. Aber wie das in der Mainstream-Fantasy halt ist - da darf es sowas einfach nicht geben. Bei den Bösen, einem gar nicht schwulen Joker beispielsweise, da ist ein bisschen queer-acting okay, weil: ein Faktor dabei, den Leuten zu vermitteln, dass die Figur ganz und gar daneben ist. Einer von den Guten, angesehen und schwul, das geht dagegen eben gar nicht.
    Könnten ja Kinder zugucken.
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