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Einzelkommentar zu:
Dumbledores schwuler Moment


#3 Ith__Ehemaliges Profil
  • 30.09.2018, 07:53h
  • Antwort auf #1 von Steinig
  • Kann man mal sehen, wie die Geschmäcker sich unterscheiden: Seit ich in der Umsetzung im Wesentlichen einen Praxiskurs darin sehe, wie man LGBT aktiv und zwanghaft aus allem herauszuhalten versucht, habe ich auf diese Vera***e einfach keine Lust mehr.
    Mir wär's lieber gewesen, wenn man auf diese Fake-Homosexualität verzichtet hätte, dann wäre es uns zumindest erspart geblieben, allzu deutlich vorgeführt zu bekommen, was uns nicht zusteht: Geschichten, die so gut und groß gemacht sind, dass sie sich an den Mainstream verkaufen, und in denen man sich als Minderheit trotzdem wirklich gut wiederfindet, und zwar in einer Rolle, die auf menschlicher Ebene ernstzunehmen ist.

    Wer mir so klar vorführt, dass er auf meine Sympathiepunkte lieber verzichtet, weil ich nunmal verstehen müsse, dass die heterosexuelle Mehrheit sich an mir und meinesgleichen stört, bzw. weil die vermutete Mehrheit sich zu wenig wiederfinden würde, wenn mir die Gelegenheit geboten würde, und mir entsprechend Geschichten vorenthält, in denen sowas wie ich vorkommt, der wird mehr als ein gequältes und wenig ehrliches Lächeln dafür nicht mehr bekommen. Und mein Eintrittsgeld im Kino schon gar nicht.
    Wenn es halt so wichtig ist, Eintrittsgelder auch aus Russland zu bekommen, und man sich daher moralisch nunmal sehr weit unten orientieren muss, dann kann ich darauf verzichten.

    Richtig sauer macht mich das im Wesentlichen deswegen, weil ich dieses Universum mal sehr gerne mochte. Bevor die Menschen, die es darstellen, angefangen haben, mir zu demonstrieren, dass sowas wie ich darin nichtmal erwünscht ist, wenn es um gerade das geht, was ja das Provokante daran war, ausgerechnet Dumbledore für schwul zu erklären: Dass die queere Minderheit mal nicht drogenabhängig und kaputt ist, sondern eine moralisch positiv besetzte Figur, die es im Leben zu etwas gebracht hat.

    Wenn man sich den Einfluss der Medien mal ansieht, kann man mEn schon die Frage stellen, woher denn ein positiv besetztes Bild von queeren Personen bitte kommen soll, wenn Regisseuren selbst innerhalb des queeren Kontexts meistens nichts anderes einfällt als die Rolle des kaputten Opfers. Bzw. wie zwanghaft man verschwinden und unsichtbar sein muss, wenn die Queerness mal kein "aber" im Gegensatz zum moralisch Guten sein müsste.

    Hat mich ganz ab davon auch bei der Umsetzung von Anne Rices Universum schon gestört: Während ich "Interview mit einem Vampir" als Film wahrscheinlich gerade deswegen so gern mochte, weil die Beziehung zwischen Louis und Lestat da sichtbar ist, und zwar eben als komplexe Beziehung, haben sie es bei der "Königin der Verdammten" auf einmal fertiggebracht, Lestat eine heterosexuelle Beziehung zu einer Person aufzudrücken, während die ursprünglich sehr wohl auch homoerotische Beziehung zwischen ihm und seinem "Erschaffer" Marius (die Anführungszeichen, weil er das im Buch nicht ist) komplett unter den Tisch fällt.
    Die älteren Stories aus Anne Rices Vampirreihe haben überhaupt häufiger eine sehr selbstverständliche Homoerotik in sich, weil Rice als weibliche Autorin eben damit aufgewachsen sein dürfte, dass es selbstverständlich und okay ist, sich für Männer zu interessieren - eine Selbstverständlichkeit, die ich als f2m-Transgender bei schwulen Cissen manchmal vermisse, wo mir die Verklemmtheit teilweise sehr leid tut, und wobei ich mir denke, dass "ihr" da vielleicht einiges von unsereinem lernen könntet. Diese Selbstverständlichkeit spiegelt sich in ihren Büchern so oft und deutlich wieder - und selbst da schaffen sie es, das für ein Mainstream-Publikum im Film umzudrehen. Lächerlich, sowas.
    Statt einen Film für die Fans zu machen, die vielleicht an den Büchern gerade diesen Bruch mit geltenden Normen mochten.

    Sollte man sich wünschen, der Gegner wäre schwul und Dumbledore hetero und nicht interessiert? Ehrlicherweise würde es in Rowlings Universum besser passen, das von Grund auf heteronormativ aufgebaut ist. Das hätte uns dann wahrscheinlich keine positiven queeren Momente gebracht, bei denen wir das Gefühl hätten, zu den Guten gehören zu dürfen, oder, was evtl. noch schlimmer wäre, möglicherweise gar zu den Gewinnern. Aber gesehen hätte man gerade deswegen dann wohl deutlich mehr davon.
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