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19 Jahre Bandgeschichte

Wechselspiel von Fernweh und Heimatliebe: Cat Ballou

MIt "Cat Ballou" hat die gleichnamige Kölner Rockband ein neues Album veröffentlicht.


Cat Ballou – das sind Oliver Niesen, Dominik Schönenborn, Kevin Wittwer und Hannes Feder (Bild: Fabian Stürtz)
  • 30. September 2018, 12:22h, noch kein Kommentar

Cat Ballous brandneue Sommersingle heißt "Urlaub". Das ist dann auch schon alles, was diese umtriebige Band mit Müßiggang zu tun hat. Denn es steht nicht nur Album Nummer vier, schlicht und selbstbewusst "Cat Ballou" betitelt, ins Haus. Nein, die vier Kölner Musiker haben sich mit Miao Records auch ihre eigene Labelheimat geschaffen, einen neuen Proberaum inklusive Studio hochgezogen, und genießen diese neu gewonnene Freiheit in vollen Zügen. Auch nach 19 Jahren Bandgeschichte ist an Ruhe nicht zu denken, im Gegenteil, die Katzen tigern unbeirrt auf ihren eigenen Wegen weiter.

Sie sind die Letzten die sich vorstellen konnten, eine der relevantesten und erfolgreichsten Kölner Bands zu werden, als sie mit einem Durchschnittsalter von 12 als Schülerband losrumpelten. 2010 standen sie nach eigener Aussage kurz vor der Auflösung, als sie völlig unerwartet den Bandwettbewerb "Köln Rockt!" gewannen. Mit ihrem Debütalbum "Neulich" setzten die Katzen eine viel beachtete Duftmarke, aber 2012 steckten sie ihr Revier endgültig ab. Die Köln-Hymne "Et jitt kei Wood" rangiert heute im Kanon kölscher Lieder zweifellos ganz oben, direkt neben "Veedel", "Kölsche Jung" und "Verdamp Lang Her". Seit sechs Jahren ist die Single Jahr für Jahr in den Top 50 der Deutschen Singlecharts zu finden und wurde bis heute weit über 4 Millionen mal auf YouTube, Spotify und anderen Portalen angeklickt und downgeloadet. Hier hat man es offenbar nur vermeintlich mit einem regionalen Thema zu tun.

Von dieser Erfolgswelle wurde die Band allerdings nicht überrollt, vielmehr fand sie Gefallen daran, darauf surfen zu lernen. Der Folgehit "Hück steiht de Welt still" (Platz 69 in den deutschen Singlecharts) sowie die Topsongs "Ming Stadt", "König" und "Do un ich" machten das Nachfolgealbum "Lokalpatriot" zum richtigen Album zur richtigen Zeit. Es chartete ebenfalls national und wurde zu einer Marke für Köln. So prägt diese mittlerweile viele Imagekampagnen bekannter Brauereien und Karnevalsvereine, steht für Heimatverbundenheit auf Autos von Carsharingfirmen, ist im Modebereich auf vielen Textilprodukten zu finden und geht manchem Kölner wortwörtlich "unter die Haut". 2014 brachte die Band dann die gleichnamige Live-DVD "Lokalpatrioten (DVD & LIVE-Album)" heraus, aufgezeichnet im Kölner E-Werk in Kooperation mit dem WDR. Zeitgleich erschien ihre neue Single "Die Stääne stonn joot".

Über 350 Auftritte im Jahr


Das neue Album "Cat Ballou" der gleichnamigen Band ist am 21. September 2018 erschienen

2015 schaut die Band über den Rand ihres Kölner Napfes und tourt in Berlin, Hamburg, Bremen, Aachen, Landsberg am Lech und München. Inzwischen spielen sie in den großen Hallen, überall vor ausverkauftem Haus. Ende 2016 brachte die Band mit Rapper "Mo-Torres" und dem Fußball-Weltmeister (und bekennenden Lokalpatrioten) Lukas Podolski eine weitere Hymne auf den Markt.

"Liebe deine Stadt" schlug bei den Kölnern wie eine Bombe ein, knackte ohne jegliche Promotion über Nacht die nationalen I-Tunes Charts und kletterte in den Trendcharts innerhalb kürzester Zeit in die Top 10. Die Hymne auf ihre heißgeliebte Stadt landete in den deutschen Single-Charts auf Platz 26 und wurde in nur einem halben Jahr über 2 Millionen mal auf Youtube angeklickt. Wieder sieht man überall in ganz Köln Graffiti, Bumpersticker und T-Shirts mit diesem simplen, aber absolut ehrlichen Slogan. Im gleichen Jahr erschienen "Nit us Zucker" und "Zosamme sin mir nit allein", für das die Band ein aufwändiges Video im Appenzellerland in der Schweiz gedreht hat.

Mit über 350 Auftritten im Jahr – inzwischen stehen auch Freiburg, Essen, Stuttgart, Gummersbach und Luxemburg auf dem regelmäßigen Tourplan – sieht sich die Band als Botschafter Kölns, aber auch als Popband. Die Jungs singen in Mundart, weil sie nun einmal von hier kommen und sich in ihrer eigenen Sprache am besten ausdrücken können und authentisch sind. Das heißt aber nicht, dass sie Scheuklappen oder keinen wachsamen Blick darauf haben, was für Strömungen und Trends auf der großen Spielwiese des Pop passieren. Ihre Liebe zu Bands wie Phoenix, Coldplay, Bilderbuch, zu elektronischer Musik, HipHop, aber natürlich auch die frühkindliche Prägung mit Kölner Koryphäen wie BAP begleitete sie zu den Aufnahmen zum kommenden Album ins Studio.

Direktlink | Offizielles Video zu "Die Liebe" von Cat Ballou

Und nicht nur irgendein Studio, sondern das renommierte Kölner "Maarwegstudio2", in dem schon Jupiter Jones, Herbert Grönemeyer, Tina Turner, Cher, und eben BAP ihr Zuhause für viele erfolgreiche Produktionen gefunden haben. Gemeinsam mit Produzent Wolfgang Stach vergrub sich das Quartett in diesen heiligen Hallen und lebte 10 bis 14 Stunden täglich in seiner eigenen Welt aus Sounds, Arrangements und Tüfteleien. Im Herbst 2017 erschien die Single "Mer fiere et levve", die erste Veröffentlichung auf Miao Records.

Und jetzt ist ihre Produktion auf Albumgröße herangewachsen, Cat Ballou sind auf Spurensuche gegangen und haben sich der großen Themen angenommen: Liebe, Freundschaft, Familie, Werte und Urlaub. Denn trotz ihres enormen Pensums lassen sie es sich nicht nehmen, am Mäuerchen abzuhängen und ihre Stadt auf sich wirken zu lassen. Die alten Freunde sind immer noch da, man ist älter geworden, vielleicht gehen die Wege auseinander, aber die Verbindung ist noch da. "Su lang mer uns noch han" erzählt davon.

Und dann ist es wieder da, das Feeling von "Urlaub" & "Mer fiere et Levve". Aus solchen starken Verbindungen kann man die nötige Kraft schöpfen, um weiter in die Zukunft zu tigern, "Bes ant' Engk" zu gehen. Kraft schöpfen, um zu geben und Brücken zu bauen. Und solch eine "Bröcke" kann eine Geste sein, ein Song oder eben die letzten Meter, wenn man nach einer langen Reise wieder nach Köln einfährt. Da ist auch wieder, das Wechselspiel von Fernweh und Heimatliebe, manchmal glitzert es zuhause einfach heller, wenn man den Blick dafür nicht verliert.

Man kann sich auf ein frisches, aktuelles Album freuen von einer Band, die in den Turbulenzen von fast zwei Dekaden Bandgeschichte ganz katzengleich immer auf den Füßen gelandet ist und diese wachsam immer auf dem Boden behalten hat. Natürlich sind die vier erwachsen geworden und wissen ganz genau, wer sie sind, haben aber ihren Spieltrieb und das Vertrauen in ihr eigenes Bauchgefühl nie verloren. (cw/pm)