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Sport

Homophobie im Fußball – das Tabuthema

Noch immer hat sich kein aktiver Profispieler geoutet. Woran liegt das?


Mit einer Eckfahne in Regenbogenfarben setzte Werder Bremen zum CSD ein Zeichen gegen Homophobie (Bild: Werder Bremen)
  • 7. Oktober 2018, 09:48h, noch kein Kommentar

Fußball ist für viele wahrlich die schönste Nebensache der Welt. Der Sport sorgt für anhaltende Spannung auf dem Rasen. Aber leider nicht nur auf dem Rasen. Die internationale Bühne auf dem Grünen hat bereits für einige negative Schlagzeilen gesorgt und damit sind noch nicht die zahlreichen Skandale der Fußballverbände gemeint.

Hass, Rassismus und Homophobie haben sich im Sport etabliert und es liegt wahrscheinlich an der Popularität des Sports selbst, dass die Vorfälle häufiger und extremer vorkommen, als bei anderen Sportarten. Homosexualität ist noch immer ein Tabuthema und steht zurecht oft im Fokus der Diskussionen, wenn es um Fußball allgemein geht.

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Fußball – ein Sport ohne homosexuelle Spieler

Es scheint beinahe so, als gäbe es keine homosexuellen Fußballerspieler, zumindest nicht im Profi Business. Einzig und allein das Coming-outs von Thomas Hitzlsperger hat einmal kurz für Aufsehen gesorgt. Dennoch hat sich seitdem kein weiterer deutscher Nationalspieler geoutet oder zu dem Thema eine klare Stellung bezogen. Auch wenn sich immer mehr Zuschauer und Sportexperten für einen offeneren Umgang mit dem Thema engagieren, gibt es immer noch Fälle von aktiven Akteuren, welche sich negativ dazu äußern. Ein Beispiel ist der Bundesliga Spieler Brekalo, welcher Aufgrund seiner Religion sich gegen die Anteilnahme einer Anti-Homophobie Aktion des VfL Wolfsburg positioniert hat. Die Aktion war lediglich ein buntes Band am Arm als Zeichen der Toleranz zu tragen.

Profi auf dem Feld und das Private im Aus

Der Profisport hat so einige Effekte auf das private Leben der Akutere. Damit ist nicht nur die geringe Freizeit über die Sommer- und Wintersaison oder der fehlende Urlaubsanspruch gemeint, sondern dass oftmals private Überzeugungen in den Hintergrund gestellt werden müssen. Vor allem Fußball ist noch ein Sport, welcher von der Männerwelt dominiert wird. Ein Beispiel dafür war der große Aufschrei zahlreicher "Fans", als die ersten weiblichen Schiedsrichter die Bundes- und Nationalspiele pfiffen.

Ironischerweise sind die Frauen in einigen Belangen sogar erfolgreicher in den Wettbewerben, als ihre männlichen Konkurrenten. Es war wahrscheinlich eine langfristige Entwicklung, von dem Zeitpunkt an, als der Sport noch im Fokus stand und die Spieler mehr oder weniger Hobbykicker waren, bis heute, wo Spieler auch gleichzeitig Werbeikonen, Idole und Vorbilder sein müssen. Die Bundesliga wird dieses Jahr 56 Jahre alt und seit Beginn der deutschen Liga haben mehr als 5500 Männer professionellen Fußball in Deutschland gespielt. Über die gesamte Zeit und bei der Masse an Männer gab es, außer das Outing von Thomas Hitzlsperger, niemanden, der sich offen dazu geäußert hat.

Darum ist Homophobie noch so präsent im Fußball

Es gibt keine Rechtfertigung von Homophobie. Das gab es nicht und das wird es sicher auch niemals geben. Dennoch gibt es einige Gründe dafür, warum Homophobie im Fußball noch so stark präsent ist. Ein Grund dafür ist, dass Sport, vor allem der Profisport, auf sehr junge Menschen bezogen ist. Das bedeutet, dass der große Teil der aktiven und erfolgreichen Spieler noch unter dem dreißigsten Lebensjahr sind. Wie man so schön sagt, kommt mit dem Alter die Reife. Mit der Reife kommt die Akzeptanz sowie die Offenheit gegenüber anderen Menschen, welche unter Umständen andere Vorlieben, Kulturen, Ansichten und sexuelle Ausrichtungen haben.

Ein weiterer Punkt ist, dass zahlreiche Spieler stark gläubig sind und mit ihrem Glauben die Abschottung gegenüber Homosexuellen rechtfertigen. Zumindest ist das der Versuch, aber selbst beim Spieler Brekalo des Vfl Wolfsburg hat das dazu geführt, dass sich das gesamte Team entgegen seiner Meinung für Homosexualität ausgesprochen hat. Das ist zumindest ein positiver Effekt, welcher in letzter Zeit zu spüren ist. Das Thema wird zwar nur am Rande angesprochen und selbst wenn Aktion wie des VFB mit dem Tragen eines bunten Bandes am Arm nicht unbedingt sehr durchschlagskräftig ist, ist es dennoch ein Zeichen, welches für die Toleranz steht. Dennoch, eine reale Rechtfertigung für Homophobie oder Hass gibt es nicht.

Der gesellschaftliche Aspekt der Homophobie

Der Begriff Homosexualität wurde zum ersten Mal vor nicht einmal zweihundert Jahren im Jahr 1869 vom Schweizer Arzt Karoly Maria Benkert verwendet. Aufgrund des medizinischen Hintergrundes der Person wurde so der Schritt in die medizinische Wissenschaft gemacht. Allerdings wurde der Begriff nicht neutral oder gar positiv angewendet, sondern löste den bis dato verwendeten Begriff "Sodomie" ab. Aufgrund dessen, dass der gleichgeschlechtliche Akt von Staat und Kirche im wahrsten Sinne des Wortes verteufelt wurde, wurde Homosexualität unter Strafe gestellt. Die Kirche, die Religion, der Glaube, sie haben einen unglaublichen starken Einfluss auf Individuen als auch auf Menschengruppen. Während die Kirche noch oft aufgrund der immer noch vorhandenen Homophobie mittlerweile von vielen Seiten kritisiert wird, hat sich die Wahrnehmung in der Gesellschaft stark verbessert. Allein in München zum Christopher Street Day gingen mehr als 170.000 Menschen auf die Straße.

Die Realität der Homosexualität im Fußball

Beim Sport kommt es auf Talent, die körperliche Fitness als auch auf die Konzentration an. Das sollte eigentlich im Mittelpunkt aller stehen. Sowohl bei den Zuschauern als auch bei den Spielern selbst. Es stellt sich aber die berechtigte Frage, wie sich ein Sportler, ob nun Amateur oder Profi, auf ein Spiel konzentrieren will, wenn solch ein starker äußerer Druck vorhanden ist. Auch Hitzlsperger wartete lange auf den richtigen Moment, um sich der Öffentlichkeit zu stellen. Wäre das noch als aktiver Spieler der Fall gewesen, hätte dieser sich wahrscheinlich mit Anfeindungen der Fans, ob nun eigene oder Fans der gegnerischen Mannschaft herumschlagen und sich wahrscheinlich für jeden körperlichen Kontakt im Spiel rechtfertigen müssen.

Die positiven Seiten der Entwicklung anerkennen

Auch wenn es immer noch viele Kritikpunkte am Umgang der Homosexualität im Sport gibt, sollen auch die positiven Seiten genannt werden. Es muss ganz klar festgehalten werden, dass die Meinung und die Haltung zu dem Thema weitaus positiver wird und dieser Trend anscheinend weiter anhält. Mittlerweile bekennen sich die Verbände positiv zu dem Thema und fördern Events und Vereine. So hat beispielsweise der SV Werder Bremen sich als Schirmherrschaft des CSD übernommen.

Es dauert wahrscheinlich noch einige Jahre, bis sich die ersten aktiven Spieler sorgenfrei zu der eigenen Überzeugungen bekennen können ohne unmittelbar mit den negativen Folgen rechnen zu müssen. Das ist aber nicht nur eine Sache, welche die Sportverbände angeht, sondern die Gesellschaft im Allgemeinen. Es nützt nicht viel, wenn der Sport frei von Homophobie ist, die Zuschauer selbst aber nicht so weit sind. Dieser Prozess muss von beiden Seiten im Gleichschritt gemacht werden. Ein Bereich des Sportes, welches frei von Vorurteilen ist, sind Sportwetten, welche immer beliebter werden. Weitere Informationen über Sportwetten sind auf https://openodds.com/de/ nachzulesen. (ak)