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Gläubige zum Widerstand gegen LGBTI-Rechte aufgerufen

Mormonen: Satan hat die Ehe für alle gemacht

Die mächtige Glaubensgemeinschaft warnt vor satanischen "säkularen Lehren" wie der Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben.


Satan macht uns laut den Mormonen nicht nur schwul, sondern hat auch die gleichgeschlechtliche Ehe erfunden (Bild: South Park Studios)

Apostel Dallin H. Oaks, einer der Präsidenten der 16 Millionen Mitglieder zählende Mormonenkirche, hat am Samstag bei einer Konferenz in Salt Lake City (US-Bundesstaat Utah) den Einsatz für LGBTI-Rechte als "säkulare Lehre" bezeichnet, für die der Satan persönlich verantwortlich sei. Satan versuche, "Gottes Werk zu vernichten", so Oaks in einer Rede. "Er versucht auch, die Geschlecht zu verwirren, die Ehe zu verfälschen und die Menschen vom Kinderkriegen abzubringen", erklärte der 86-Jährige weiter. Die Ehe sei nur eine "Verbindung zwischen Mann und Frau".

Oaks forderte die Gläubigen auf, sich gegen gesellschaftliche Veränderungen zu wehren: "Unser Wissen von Gottes offenbartem Plan der Erlösung zwingt uns dazu, uns dem aktuellen gesellschaftlichen und juristischen Druck zu widersetzen, der die traditionelle Ehe zurückdrängen, die Geschlechter verwirren oder abändern oder die Unterschiede zwischen Männern und Frauen verwischen soll."

Oaks: Transsexualität existiert nicht


Für Dallin H. Oaks ist Homophobie Teil des Mormonentums (Bild: The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints)

Ausdrücklich wischte Oaks Transsexualität beiseite und erklärte: "Das Geschlecht ist für immer." Die Kirche lehre, dass Menschen bereits als männlicher oder weiblicher Geist existierten, bevor sie in einen menschlichen Körper gesteckt werden würden. Der Plan Gottes, so Oaks, zwinge die Gläubigen nicht nur dazu, Transsexualität und gleichgeschlechtliche Partnerschaften generell abzulehnen, sondern auch Abtreibung und Sterbehilfe. Alle Menschen hätten aber die Wahl, sich zwischen Gottes und Satans Plan zu entscheiden.

Die Mormonenkirche ist derzeit in den USA die viertgrößte christliche Glaubensgemeinschaft – nach Katholiken, Südstaatenbaptisten und Methodisten. Anders als traditionelle Kirchen berufen sich die Mormonen nicht nur auf die Bibel, sondern auch auf das "Buch Mormon" – dabei handelt es sich um eine Art Fortsetzung der Bibel, in dem die Geschichte des auserwählten Volkes von Israel nach Nordamerika verlagert wurde. Wegen dieser "Bibel 2" werden die Mormonen von anderen Christen oft als nicht-christliche Religionsgemeinschaft angesehen.

Mormonen wollen nicht mehr Mormonen sein

Bei der Konferenz wurde auch dazu aufgerufen, die Bezeichnung Mormonen bei der Beschreibung der Kirche zu meiden. Stattdessen solle bei jeder Erwähnung immer der offizielle volle Name der Kirche genannt werden. Dieser lautet: "Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" (The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints). Auch Abkürzung wie LDS seien nicht möglich. Der Name ist laut Kirchenpräsident Russell M. Nelson ein "Befehl Gottes".

Die Mormonen gelten auch heute noch als eine der homofeindlichsten religiösen Gruppen in den USA. Wiederholt hat sich die Glaubensgemeinschaft auch politisch gegen die Gleichbehandlung von LGBTI engagiert. Der größte Erfolg war die millionenschwere Unterstützung des Volksentscheids "Proposition 8" im Jahr 2008, der die vorläufige Abschaffung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Kalifornien zur Folge hatte (queer.de berichtete).

Immer wieder bemühte die Kirchenführung beim Thema Homosexualität den Teufel: 2009 erklärte Kirchen-Präsidiumsmitglied Bruce Hafen etwa, dass Homosexualität "nicht in eurer DNS" angelegt sei, sondern durch Satan persönlich zum Menschen gebracht werde (queer.de berichtete). (dk)



#1 Simon HAnonym
  • 09.10.2018, 14:49h
  • Ausgerechnet die haben kein Recht, über andere moralische Urteile zu fällen.

    Mit ihrer Polygamie, etc. sollen die lieber ganz still sein.
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#2 Ith_Anonym
#3 Danny387Profil
  • 09.10.2018, 18:17hMannheim
  • Mir tun Schwule, die unter den Mormonen groß werden, schrecklich leid!! Furchtbar, was die erdulden müssen!!
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#4 NatasAnonym
  • 09.10.2018, 19:52h
  • Antwort auf #2 von Ith_
  • Das die polygamen Mormonenehen nichts mit modernen, gleichberechtigten Vorstellungen von freiheitlicher und gleichberechtigter Gestaltung des Privatlebens zutun haben weißt du aber schon?

    Oder wo erlauben die Mormonen dass eine Frau mehrere Partner haben darf? Oder Partnerinnen? Oder ein Mann einen oder mehrere Männer liebt?
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#5 easykeyProfil
  • 09.10.2018, 21:57hLudwigsburg
  • "Glaubensgemeinschaft".....egal welcher Colouer....es gibt immer nur Ärger. Alles arme Irre.
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#6 Gerlinde24Profil
  • 10.10.2018, 01:09hBerlin
  • War selbst früher in dem Verein (bis 1992, da wurde ich wegen Transsexualität ausgeschlossen, nur, weil ich dem Bischof sagte, dass ich transsexuell bin).
    Oaks ist, wie die meisten Mormonenführer, ein Hardliner. Aber auch er sollte drei Dinge aus der Mormonengeschichte nicht vergessen haben:

    1. Joseph Smith akzeptierte Homosexualität und Bisexualität. Sein Ratgeber Bennett war so einer, der Frauen und Männer vernaschte.

    2. Die lange homosexuelle Geschichte im Mormonenstaat Utah. Ein Leiter des Tabernakelchors war schwul, der Enkel von Brigham Young, Brigham Morris Young, liebte es, als "Madam Pattirini" durch die Straßen von SLC zu flanieren, und zwei frauen, Leiterinnen der Kinderorganisation der Mormonen, waren lesbisch, ein Paar, und lebten vierzig Jahre zusammen.

    3. Die Polygamie, und die damit im Zusammenhang stehende Verbrechen, wie Kastration eines Nebenbuhlers.

    Heute gibt es, wie in der RKK, viele Fälle von Kindesmissbrauch (googelt mal "Chase reports of the Mormon Alliance", da werdet ihr schnell fündig), und, wie in der RKK, ist auch hier die Methode "schweigen und vertuschen" angesagt.
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#7 Gerlinde24Profil
  • 10.10.2018, 01:15hBerlin
  • Antwort auf #1 von Simon H
  • Polygamie wird heute nur von einigen mormonischen Sekten praktiziert. Die "Utah-Mormonen" haben sie auf Druck der US-Regierung 1890 aufgeben müssen (sie hätten sonst Wahlrecht, und einen großen Teil des Kirchenbesitzes verloren).
    Eine "Offenbarung" regelte es dann, wie auch später beim Priestertum für Farbige (1978). Sollte der Druck auf die Mormonen einmal so stark sein, dass sie keinen anderen Ausweg mehr wissen, wird eine "neue Offenbarung" von "Gott" sie wieder retten! Vielleicht wird "Gott" ihnen sagen, dass sein Sohn Jesus schwul ist? Wäre der Ober-GAU für Mormonen!
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#8 Gerlinde24Profil
  • 10.10.2018, 01:17hBerlin
  • Antwort auf #3 von Danny387
  • An der Brigham Young Universität, die der Mormonenkirche gehört, fanden bis in die Neunziger hinein, Elektroschock-und Aversions"therapien" statt, oft an Minderjährigen, manchmal ohne Wissen der Eltern.
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#9 Gerlinde24Profil
#10 Ith_Anonym
  • 10.10.2018, 08:48h
  • Antwort auf #4 von Natas
  • Das tut doch überhaupt nix zur Sache.
    Die Argumentation in #1 war: Poly = unberechtigt, über Moralisches zu urteilen, offenbar mit dem Hintergedanken poly = unmoralisch.
    Und diese pauschale Abwertung von Poly-Beziehungssystemen kann man als solche einfach mal kritisch finden, ohne deswegen mit der spezifischen Umsetzung einverstanden zu sein.

    Ich halte es ja generell für fragwürdig, wenn Christen Moralbewertungen vornehmen. Aber auch das ist ein anderes Thema.
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