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Beirat stimmt für LSVD-Antrag

Ravensbrück erhält Gedenkkugel für lesbische NS-Opfer

Jahrelang war für einen geplanten Gedenkstein in Ravensbrück über das Ausmaß der Verfolgung lesbischer Frauen im Nationalsozialismus gestritten worden.


Die Gedenkkugel mit dem abgelehnten Text (Bild: Agnes Witte)

  • 9. Oktober 2018, 17:33h, noch kein Kommentar

Der Beirat der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätte hat am Dienstag einem Antrag des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg (PDF) zum Gedenken an lesbische Frauen nach sechsjähriger Debatte zugestimmt. Demnach soll in der Gedenkstätte Ravensbrück eine Gedenkkugel mit der Inschrift "Den lesbischen Frauen unter den Häftlingen der verschiedenen Verfolgtengruppen" installiert werden. Die Kugel mit einem Durchmesser von etwa 40 Zentimetern soll auf einem Sockel befestigt sein und aus vandalismusresistentem Metall bestehen. Der Stiftung obliegt nun die Verantwortung für die formale Umsetzen.

Die Inschrift der Kugel war lange umstritten, weil das Ausmaß der Verfolgung lesbischer Frauen im Nationalsozialismus angezweifelt wurde. Die Fachkommission der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten hatte bereits vor über einem Jahr übereinstimmend festgestellt, dass es "nach dem bisherigen wissenschaftlichen Forschungsstand nicht belegt ist, dass lesbische Frauen wegen ihrer Homosexualität mit KZ-Haft bestraft wurden. (…) Es lässt sich bisher auch kein einziger Fall finden (unter 139.000 Häftlingsfrauen), in dem nachweislich lesbisches Verhalten unter Vorwänden (z.B. als Asoziale) mit KZ-Haft sanktioniert wurde." Andererseits sei es zweifelsfrei belegt, dass es unter den Inhaftierten auch Frauen gab, die lesbisch waren (queer.de berichtete).

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Jahrelanger Streit um Inschrift

Über eine Gedenktafel für die lesbischen NS-Opfer wird seit den Achtzigerjahren heftig gestritten. Ursprünglich hatte die Initiative "Autonome feministische Frauen Lesben aus Deutschland und Österreich" die Gedenkkugel angefertigt, die in einer Inschrift von einer gezielten Verfolgung lesbischer Frauen ausgegangen war und die Inschrift trug: "In Gedenken aller lesbischen Frauen und Mädchen im Frauen-KZ Ravensbrück und Uckermark. Lesbische Frauen galten als 'entartet' und wurden als 'asozial', als widerständig und verrückt und aus anderen Gründen verfolgt und ermordet. Ihr seid nicht vergessen!"

Der LSVD Berlin-Brandenburg galt als vehementer Gegner dieser Inschrift. Alexander Zinn, der Vertreter des Verbandes im Beirat der Stiftung, erklärte mehrfach, für ihn befördere ein solches Zeichen die "Legende einer Lesbenverfolgung" und sei "unseriös", weil sie sich auf "zweifelhafte Einzelfälle" stütze. Aus Protest gegen die Ablehnung der Fachkommission und des LSVD wurde die Kugel letztes Jahr im Schwulen Museum* ausgestellt (queer.de berichtete).

Zinn stimmte am Dienstag auch für die kurz gefasste neue Inschrift. Weitergehende Anträge seien im Beirat nicht mehrheitsfähig gewesen, so der LSVD. (pm/dk)

 Update  11.10., 19.10h: Stiftung weist Einigung im Streit um Gedenkkugel zurück

Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten hat am Donnerstag in einer Pressemitteilung betont, dass es noch keine Einigung über eine Inschrift gebe, und weitere Gespräche angemahnt. Mehr dazu: Ravensbrück: Doch keine Gedenkkugel für verfolgte Lesben (11.10.2018).