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Schwuler Sex, schwules Leben

"Teil der Szene und immer in Bewegung"

Vor zehn Jahren startete die Präventionskampagne ICH WEISS WAS ICH TU (IWWIT), die sich an speziell an homosexuelle Männer richtet. Im Interview zieht Kampagnenleiter Tim Schomann Bilanz.


IWWIT-Postkarte aus der Anfangszeit (Bild: IWWIT)
  • 10. Oktober 2018, 08:01h, noch kein Kommentar

Am 13. Oktober 2008 startete die Deutsche AIDS-Hilfe ihre Präventionskampagne ICH WEISS WAS ICH TU (IWWIT), die sich seitdem speziell an schwule Männer richtet. In den letzten zehn Jahren ist eine Menge in der schwulen Szene, aber auch in der Welt der Prävention passiert. Über die Erfolge von IWWIT, die Pläne für die Zukunft und wie die Jungs diesen runden Geburtstag feiern wollen, darüber haben wir mit Kampagnenleiter Tim Schomann gesprochen. (cw/pm)


IWWIT-Kampagnenleiter Tim Schomann (Bild: DAH)

Tim, ICH WEISS WAS ICH TU wird zehn Jahre jung. Was sind für dich die größten Erfolge der Kampagne in dieser Zeit?

Zu Beginn der Kampagne konnte sich niemand vorstellen, dass es IWWIT mal 10 Jahre geben wird. Wir haben in dieser Zeit zu vielen Themen erfolgreich in der Community gearbeitet. Da ist eine Auswahl natürlich nicht ganz leicht. Mir fällt spontan unserer Kampagne zur Akzeptanz in der Szene ein, mit der wir uns seit 2014 unter anderem gegen Diskriminierung innerhalb der schwulen Welt wenden. Oder auch die Plakataktion "Mir reicht's!", die über deutliche Bilder auf das Problem der Homophobie aufmerksam gemacht hat. Dann natürlich in diesem Jahr die Aktion zu "Safer Sex 3.0", mit der wir erstmals in Deutschland alle drei wirksamen Methoden zum Schutz vor HIV gleichrangig kommuniziert haben. Jeder soll zwischen Kondom, PrEP und Schutz durch Therapie die für sich beste Safer Sex-Methode wählen.

Nicht zu vergessen unsere Website iwwit.de, die zentrale Kommunikationsplattform der Kampagne seit 2008. Neben umfangreichen Informationen über Themen zu schwulem Sex und schwulem Leben, zeigen wir hier auch den schnellsten Weg zu Beratungs- und Hilfsangeboten vor Ort.

Aber wie gesagt, das ist nur eine kleine Auswahl.

In Eurem Namen "ICH WEISS WAS ICH TU" steckt ja weder das Wort "HIV", noch "schwul" oder "Prävention". Kann denn in der Szene mittlerweile jeder etwas mit eurem Namen anfangen? Oder trefft ihr auch heute noch auf schwule Männer, die eure Kampagne und den Namen nicht kennen?

Der Kampagnenname drückt einen ganz entscheidenden Punkt unserer Arbeit aus: Wir wollen, dass schwule Männer zum Beispiel in Sachen Safer Sex selbstbewusste Entscheidungen auf Grundlage von Wissen treffen können. Natürlich hat es in der ersten Zeit der Kampagne einen Lernprozess in der Community geben müssen. Heute ist unsere Reichweite unter schwulen Männern ist sehr hoch. Das haben sowohl unsere eigene Evaluation als auch weitere wissenschaftliche Studien wie "Schwule Männer und Aids" oder "EMIS" gezeigt.

Aber natürlich wachsen ja auch neue schwule Männer nach, und auch die haben irgendwann ihren ersten Kontakt mit ICH WEISS WAS ICH TU. Damit gleich zu Beginn klar wird, mit wem sie es bei uns zu tun haben, gibt es seit diesem Jahr einen neuen Subclaim: "Schwuler Sex. Schwules Leben." Und genau das ist es auch, worum es bei IWWIT geht.

Nach zehn Jahren Kampagne könnte man denken, dass ihr alles erreicht habt. Dass schwule Männer zum Beispiel alles darüber wissen, wie sie sich schützen können. Aber fertig seid ihr bei IWWIT noch längst nicht, oder?

Wenn wir uns die vergangenen zehn Jahre anschauen, sieht man sofort: Die Welt, insbesondere auch die schwule Welt, verändert sich stetig. Im Vergleich zu 2008 gibt es heute viele neue Anforderungen an Prävention. Dass zum Beispiel Safer Sex auch ohne Kondom möglich ist, wussten vor zehn Jahren nur Eingeweihte. Stichwort Schutz durch Therapie. Und erst vor wenigen Jahren ist die PrEP als dritte Safer Sex-Methode dazu gekommen.

Wollen wir als Kampagne glaubwürdig und aktuell bleiben, müssen wir Themen und Entwicklungen aus der Community aufgreifen und uns stetig weiterentwickeln. Dabei denke ich auch an Themen wie Substanzkonsum, Partnerschaft oder das Coming-out. Es bleibt also noch viel Arbeit für ICH WEISS WAS ICH TU. Das Motto unseres zehnjährigen Jubiläums ist deshalb: "10 Jahre IWWIT. 10 Jahre Teil der Szene. Und immer in Bewegung."

Gibt es denn schon konkrete Projekte, die ihr in nächster Zukunft bei IWWIT umsetzen wollt?

Nächstes Frühjahr starten wir zum Beispiel mit unserer Kampagne zum Coming-out. Nicht nur aus Studien wissen wir, dass dieser Prozess im Leben von schwulen Männern eine zentrale Bedeutung hat. Wir wollen hier Unterstützung und Informationen bieten – sowohl online als auch offline. Neben einer eigenständigen Website sollen auch Kooperationen mit regionalen Partnern und Schulen Teil dieser Kampagne sein. Hauptzielgruppe unserer Coming Out-Kampagne sind Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. Da das Coming-out ein lebenslanger Prozess ist, wird aber auch das Coming-out im höheren Alter bei uns eine Rolle spielen. Ebenso wie das von schwulen trans* Männern.

Am 12. Oktober feiert ihr euren zehnten Geburtstag in größerem Rahmen. Kannst du uns dazu mehr verraten?

Unter dem Motto "Teil der Szene und immer in Bewegung" feiern wir im SchwuZ, dem Berliner Szeneclub, ab 23 Uhr auf der "Tasty"-Party. Wir wollen gemeinsam mit allen Gästen anstoßen auf zehn erfolgreiche Jahre und eine ebenso spannende Zukunft. Vor Ort können die Gäste auch viele unserer Rollenmodelle kennenlernen, die im Internet oder Anzeigen zu unseren Themen informieren. Bei Musik von R'n B über Pop bis Middle Eastern Beats werden wir im SchwuZ gemeinsam mit der Community bis zum Morgengrauen tanzen.