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"Aktion Standesamt 2018"

Bundesweit Aktionen für selbstbestimmten dritten Geschlechtseintrag

Kurz vor einer Bundestagsdebatte zum Gesetzentwurf der Bundesregierung über das dritte Geschlecht machen Aktivisten im ganzen Land Druck.


In Köln spielte der Bundestags­abgeordnete Sven Lehmann Standesbeamter und stellte symbolisch neue Geburtsurkunden aus

  • 10. Oktober 2018, 12:51h 27 2 Min.

In über einem Dutzend deutscher Städten protestieren Aktivisten in dieser Woche unter dem Motto "Aktion Standesamt 2018" für ein Gesetz zu einem selbstbestimmten positiven dritten Geschlechtseintrag bis Jahresende. Die Teilnehmer fordern, dass der Gesetzgeber das "Recht auf eine selbstbestimmte Geschlechtsidentität" garantiert.

Anlass ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das im November letzten Jahres das Grundrecht, als Mitglied eines dritten Geschlechts anerkannt zu werden, etabliert hatte (queer.de berichtete). Das Bundeskabinett beschloss daraufhin im August, neben "männlich" und "weiblich" den Geschlechtseintrag "divers" zuzulassen (queer.de berichtete).

Allerdings kritisieren die Aktivisten, dass diese Änderungen nur Intersexuelle und nicht alle Menschen betreffen. Außerdem hält die Regierung bei Transsexuellen an den für Betroffene teuren und erniedrigenden Zwangsgutachten zur Änderung des Geschlechtseintrags fest, während auch bei Interesexuellen noch eine ärztliche Bescheinigung notwendig ist. Über den Gesetzentwurf (PDF) soll am Donnerstagnachmittag erstmals im Bundestag beraten werden.

In vielen Städten wurde mit fantasievollen Aktionen protestiert: In Köln hat der Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann (Grüne) etwa am Dienstagnachmittag während einer kleinen Inszenierung als "Standesbeamter" symbolisch neue Geburtsurkunden mit dem richtigen Namen und Geschlechtseintrag und Namen ausgestellt. Danach wurden die offiziellen Anträge für einen veränderten Geschlechtseintrag bei der Leiterin des Standesamtes eingereicht.

Aktueller Gesetzentwurf "setzt Bevormundung fort"

"Über das eigene Geschlecht kann niemand besser bestimmen als jeder Mensch selber", erklärte Lehmann. "Wir wollen einen selbstbestimmten Geschlechtseintrag, ohne langjährige Gerichtsverfahren und Begutachtung durch Ärztinnen und Ärzte. Außerdem müssen geschlechtszuweisende Operationen und Hormonbehandlungen an wehrlosen Säuglingen ohne medizinische Notwendigkeit endlich verboten werden." Der aktuelle Gesetzentwurf der Bundesregierung setze hingegen "die Bevormundung intergeschlechtlicher Menschen weiter fort".

Aktivisten veröffentlichten unter den Hashtags #AktionStandesamt2018 und #meineDritteOption Bilder ihre Aktionen in sozialen Netzwerken.


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Über die weiteren Termine bis Freitag informiert die Webseite der Aktion, die auch Tipps gibt, wie man selbstständig einen entsprechenden Antrag auf dem Standesamt stellt. Für Samstag ist eine große Abschlusskundgebung in Berlin geplant.

Der Name "Aktion Standesamt" geht auf eine gleichnamige Aktion aus dem Jahr 1992 zurück. Damals stürmten 250 lesbische und schwule Paare in rund 100 Gemeinden die Standesämter, um den Bund fürs Leben einzugehen – darunter auch TV-Moderatorin Hella von Sinnen mit ihrer damaligen Freundin, der Präsidententochter Cornelia Scheel (queer.de berichtete). Bis zur Einführung der Lebenspartnerschaft dauerte es danach neun Jahre, bis zur Ehe-Öffnung sogar 25 Jahre. (dk)

-w-

#1 Simon HAnonym
  • 10.10.2018, 16:19h
  • Dass die SPD das vor der letzten Wahl versprochen hat und wieder mal (zum x-ten mal) vor der Union eingeknickt ist und brav vor CDU und CSU kriecht, beweist wieder mal, dass wir für die SPD nur Stimmvolk sind, das sich immer vor Wahlen fein verarschen lässt, um noch ein paar Stimmen mehr zu bekommen.
  • Direktlink »
#2 Katzenmutti LydiaAnonym
  • 10.10.2018, 18:16h
  • Die BVT*, die sich hier "gegen Fremdbestimmung" ausspricht, hat sich an der neuen S3-Leitlinie zur Gesundheits­versorgung von transsexuellen Menschen beteiligt.

    Wer war denn noch so beteiligt?:

    Federführende Fachgesellschaft:
    Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS)

    Erstellt unter Beteiligung von:
    Akademie für Ethik in der Medizin (AEM)
    Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN)
    Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP)
    Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK)
    Deutsche Ärztliche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DÄVT)
    Deutsche Gesellschaft für Medizinische Psychologie (DGMP)
    Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)
    Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT)
    Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM)
    Deutsches Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM)
    Gesellschaft für Sexualwissenschaft (GSW)
    Schweizerische Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP)

    Ein Hoch auf das Ende der Psychopathologisierung!
    #sarkasmus
  • Direktlink »
#3 Anonyma