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Weitere Beratungen angemahnt

Ravensbrück: Doch keine Gedenkkugel für verfolgte Lesben

Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten betont, Beirat und Fachkommission hätten sich nicht auf einen gemeinsame Inschrift geeinigt – und weist damit eine Darstellung des LSVD zurück.


Eine bereits früher von der Stiftung abgelehnte Gedenkkugel der Initiative "Autonome feministische Frauen Lesben aus Deutschland und Österreich" (Bild: Agnes Witte)

Der jahrelange Streit um ein offizielles Mahnmal für verfolgte Lesben in der Gedenkstätte Ravensbrück ist noch nicht beendet. Zwei Tage, nachdem der LSVD Berlin-Brandenburg in einer Pressemitteilung die Errichtung einer Gedenkkugel mit der vermeintlichen Kompromiss-Inschrift "Den lesbischen Frauen unter den Häftlingen der verschiedenen Verfolgtengruppen" quasi angekündigt hatte, hat die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten diese Mitteilung am Donnerstag als irreführend und "kontraproduktiv" zurückgewiesen.

In ihrer eigenen Pressemitteilung betonten Stiftungsdirektor Dr. Axel Drecoll und die Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte, Dr. Insa Eschenbach, dass die beiden Beratungsgremien der Stiftung, eine Fachkomission und ein internationaler Beirat, unterschiedliche Inschriften beschlossen hätten, trotz Aufforderungen zur Verständigung. Aufgrund der unterschiedlichen Voten und "angesichts nach wie vor andauernder Kontroversen zwischen den Interessenvertretern" sehe man "zum jetzigen Zeitpunkt keine Möglichkeit, ein solches Gedenkzeichen in der Mahn- und Gedenkstätte zu errichten". Man habe sich für ein Gedenken eingesetzt, das "den aktuellen Forschungsstand" berücksichtige, und bedaure, dass es für die Errichtung derzeit "keine tragfähige Voraussetzung gebe".

Davon zeuge auch die Pressemitteilung des LSVD, die "weder die Beschlusslage noch die Abläufe in der Stiftung korrekt" wiedergebe. Damit handle der Verband "kontraproduktiv", kritisiert die Stiftung. Man fordere die "Initiativen auf, sich auf einen gemeinsamen Antrag zu verständigen", um das Gedenkzeichen zu ermöglichen.

LSVD kritisiert Stiftung

Der LSVD Berlin-Brandenburg reagierte am Donnerstagabend mit einer eigenen Pressemitteilung, in der er dem Stiftungsdirektor und der Gedenkstättenleiterin vorwirft, die Beirats-Mehrheit zu ignorieren und das Gremium damit zu "degradieren": "Seit Gründung der Stiftung im Jahr 1993 war es gängige Praxis, dass die Stiftung das jeweilige Votum des Beirates für Gedenktafeln umsetzt", so Verbands-Geschäftsführer Jörg Steinert.

Der Formulierungsvorschlag des Beirats sei "inhaltsgleich" zum Vorschlag der Fachkommission gewesen und "divergierte nur sprachlich, entgegen den Vorschlägen einer anderen Initiative", so der LSVD. Die Stiftung erkläre so, "dass sie das Mehrheitsvotum im Beirat ignorieren und den unterlegenen eigenen Vorschlag zur Verlängerung des Beratungsprozesses umsetzen werde".

Am Mittwoch hatte der LSVD den Beschluss des Beirats quasi als vernünftigen Kompromiss und einzig machbare Lösung dargestellt und dazu auch eine Auffassung der Fachkommission zitiert, wonach "nach dem bisherigen wissenschaftlichen Forschungsstand nicht belegt" sei, "dass lesbische Frauen wegen ihrer Homosexualität mit KZ-Haft bestraft wurden." Dass die geplante Inschrift des Gedenksteins die Homosexualität der verfolgten Frauen nicht als eigenen Verfolgungsgrund betonen sollte, brachte dem Verband in den letzten Tagen viel Kritik ein – zumal eine (ältere) E-Mail auftauchte, in der ein Vorstandsmitglied von "Krawalllesben" schrieb (queer.de berichtete). Der Berliner LSVD-Aktivist Alexander Zinn, der im Fachbeirat der Inschrift zustimmte, hatte in der Vergangenheit mehrfach von einer "Legende einer Lesbenverfolgung" gesprochen.

Stiftung plant Ausstellung

Vor wenigen Wochen hatte ein privat organisiertes Gedenken für lesbische NS-Opfer am Berliner Homo-Mahnmal stattgefunden, auch mit Beteiligung des LSVD-Bundesvorstands, bei der an mehrere verfolgte Lesben erinnert wurde. Die Stiftung, die in der Vergangenheit mehrfach Gedenkkugeln oder -tafeln für lesbische NS-Opfer abgelehnt hatte, betonte am Donnerstag noch, man plane "perspektivisch eine Ausstellung, die die Situation lesbischer Häftlinge im KZ Ravensbrück thematisiert".

Über ein Gedenken für die lesbischen NS-Opfer wird seit den Achtzigerjahren heftig gestritten. Ursprünglich hatte die Initiative "Autonome feministische Frauen Lesben aus Deutschland und Österreich" die Gedenkkugel angefertigt, die in einer Inschrift von einer gezielten Verfolgung lesbischer Frauen ausgeht und die Inschrift trägt: "In Gedenken aller lesbischen Frauen und Mädchen im Frauen-KZ Ravensbrück und Uckermark. Lesbische Frauen galten als 'entartet' und wurden als 'asozial', als widerständig und verrückt und aus anderen Gründen verfolgt und ermordet. Ihr seid nicht vergessen!" (nb)

 Update  12.10., 11h: LSVD zieht eigenen Antrag zurück

Der LSVD Berlin-Brandenburg gab am Freitag in einer Pressemitteilung bekannt, der Vorstand habe sich entschieden, seinen Antrag für das lesbische Gedenken in Ravensbrück zurückzuziehen, "um der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und seinen Gremien eine zeitnahe Entscheidung zu ermöglichen". Der Vorstand habe "sich diese Entscheidung nach der jahrlangen engagierten Arbeit von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern nicht leicht gemacht", so der LSVD. "Im Interesse eines baldigen Gedenkzeichens halten wir diesen Schritt für notwendig und wünschen der Stiftung und allen Beteiligten ein gutes Gelingen."



#1 UtteAnonym
  • 11.10.2018, 19:14h
  • Diese Gruppe sollte erstmal eine im KZ gestorbene lesbe nennen, die weder Kommunistin noch Jüdin o. ä. war. Dann kann man über eine Gedenktafel diskutieren.
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#2 Patroklos
  • 11.10.2018, 20:12h
  • Was für ein niveauloses Herumgeeiere um diese Gedenkkugel! Einfach installieren und gut ist!
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#3 marcocharlottenburgAnonym
  • 11.10.2018, 20:24h
  • Wie wäre es denn zur Abwechslung, wenn alle Interessensgruppen bei dem Thema eingestehen würden, dass im KZ Menschen ermordert wurden. Juden, politisch Andersdenkende, LSBTIQ* und, und, und... Wäre nicht ein Denkmal, was das gemeinsame Schicksal von Haft, Folter, Tod wiederspiegelt eines, was wirkliche Größe bewiese. Keine Unterscheidung, warum jemand im KZ war, nur, dass er oder sie dort unheilvolles Leid erfahren hat?
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#4 TheDadProfil
  • 12.10.2018, 00:09hHannover
  • Antwort auf #1 von Utte
  • ""Diese Gruppe sollte erstmal eine im KZ gestorbene lesbe nennen, die weder Kommunistin noch Jüdin o. ä. war.""..

    Jepp..
    Ob das dann die Lösung ist oder wäre, ist eine andere Frage..
    Denn es ist nicht unbedingt nachweisbar ob jemand Kommunist oder jüdisch war..
    Hier geht es ja um den Haft-Grund, der dann jüdisch-sein oder Kommunistin-sein lautet, und der zu führende Nachweis muß lauten
    "du sitzt hier als lesbe"..
    Die dann zusätzlich immer noch Jüdin oder Kommunistin, oder alles zusammen sein konnte..

    Der Verfolgungsgrund (singular) Lesbisch-sein ist noch nicht nachweisbar..
    Was dann bedeuten kann, im Gegensatz zu den Männern hätte man auf die Auflistung der Frauen als Verfolgte Gruppe verzichtet, oder sämtliche Akten seien verschwunden oder vernichtet..
    Was beides recht seltsam wäre..
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#5 TheDadProfil
  • 12.10.2018, 00:12hHannover
  • Antwort auf #2 von Patroklos
  • ""Was für ein niveauloses Herumgeeiere um diese Gedenkkugel! Einfach installieren und gut ist!""..

    Warum gelingt es Dir eigentlich nicht bis zum Kernpunkt der Diskussion vorzudringen ?

    Ein "einfach installieren und gut" kann hier nämlich bedeuten Fake-News zur Kern-Marke politischer LGBTTIQ*-Arbeit zu erheben..

    Das macht mehr kaputt, als es die vermeintliche Gedenkarbeit über dieses Denkmal je wird erreichen können !
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#6 TheDadProfil
  • 12.10.2018, 00:26hHannover
  • Antwort auf #3 von marcocharlottenburg
  • Nachdem ich schon verschiedene Gedenkstätten besucht habe, kann ich mir gerade nicht vorstellen, daß ein solcher Gedenkstein oder eine solche Tafel ausgerechnet in Ravensbrück nicht schon vorhanden wäre..

    Der Kasus Knaktus dieser Diskussion die sich schon geraume Zeit hinzieht, besteht ja aus der Idee "Gedenken auf einzelne Gruppen zu spezialisieren"..

    Eine durchaus nachvollziehbare Forderung, wenn man bedenkt das im KZ Bergen-Belsen beispielsweise schon wenige Monate nach der Befreiung ein riesiges Holz-Kreuz an die ermordeten Christen unter den Häftlingen erinnern sollte, verschiedene Tafeln und Inschriften später dann auch an die jüdischen Opfer, eine Gedenktafel an die ermordeten Sinti&Roma sowie an die Schwulen Männer erst über 4 Jahrzehnte später feierlich eingeweiht wurden..

    Man muß sich hier also dann auch fragen, muß man Opfer in Gruppen einteilen, und quasi in einer Art "Selektion" die sich durchaus in einer Art "Tradition der Hierarchie in den Baracken" bewegt, oder dieser folgt, an einzelne Verfolgungs-Gründe erinnern, oder schaffen wir nach so langer Zeit nicht endlich eine Erinnerungs-Kultur, die es dann auch schafft gegen immer noch bestehende Vorurteile zu wirken ?

    Denn welcher Gruppe verschaffen wir über die selektive Gedenkkultur dann als nächstes Andenken ?
    Den bis heute vergessenen Muslimischen Opfern in diversen KZ´s in den östlichen Ländern und des Balkans ?
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#7 Gerlinde24Profil
#8 finkAnonym
  • 12.10.2018, 14:44h
  • Ich finde, dass wir es uns zu leicht machen, wenn wir unsere Abwehr auf die mangelnden historischen Belege stützen, ohne uns gleichzeitig zu fragen, wie es wohl kommt, dass solche Belege erstens evtl. gar nicht erst in schriflicher Form entstanden oder überliefert sind und dass zweitens die Forschungen, die solche Belege hätten zutage fördern können, stets marginalisiert und bis heute vergleichsweise extrem unterfinanziert geblieben sind. Und was das alles mit heute noch bestehenden problematischen Herrschaftsverhältnissen in Politik und Forschung zu tun hat. Es wäre hilfreich und vor allem produktiv für die weitere Entwicklung unserer Gedenkkultur, den Denkrahmen hier deutlich zu erweitern. Außerhalb dieses Forums hier passiert das ja glücklicherweise inzwischen auch, und zwar hauptsächlich, aber nicht nur, dank lesbischer Akteurinnen.

    Ich finde außerdem, dass wir die Diskussion unangemessen verengen, wenn wir uns darauf versteifen, es habe keine "Verfolgung" von Lesben gegeben, ohne gleichzeitig in Frage zu stellen, wessen Kategorien von "echter Verfolgung" wir da verinnerlichen. Wer legt denn fest, was eine "ausreichende Verfolgung" sein soll, die allein dann auch ein Gedenken rechtfertigt - und was nicht?

    Die Unterdrückung lesbischen Lebens hatte und hat teils ähnliche, aber teils auch vollkommen andere Formen als die Unterdrückung schwulen Lebens. Insofern sind Sätze wie "Unrecht kennt kein Geschlecht" (Axel Hochrein) in der Tat eher vernebelnd als aufklärend. Lesben wurden im Nationalsozialismus ganz sicher nicht "genau so" verfolgt wie Schwule. Vielleicht geht es da tatsächlich nicht um "Verfolgung" im allerengsten Sinne dieses Begriffes - das kommt wohl auf die Definition an. Aber wie schon gesagt: Definitionen fallen nicht vom Himmel. Wessen Definition soll hier gelten? Wer hat die Macht und das Interesse, eine bestimmte Definition durchzusetzen?

    Jedenfalls kann all das nicht wirklich heißen, dass es sich nicht lohnt, auch über diese anderen Formen von Unterdrückung zu reden. Sie historisch endlich genauer zu erforschen und zu analyieren. Sich auch an deren Opfer und deren freiheitsraubende bis physisch vernichtende Konsequenzen öffentlich zu erinnern.

    Für diejenigen, die Interesse haben, sich mit einer differenzierten Perspektive auseinanderzusetzen und nicht nur das alle Beteiligten entwürdigende Spielchen "wir gegen die" zu spielen, empfehle ich einen Artikel von Sabine Hark:

    blog.feministische-studien.de/2018/06/vom-prekaeren-status-l
    esbischer-identitaeten-im-feld-der-erinnerungspolitiken/


    Wer nicht alles lesen möchte, mag evtl. zumindest folgenden Abschnitt bedenken:

    "daran zu erinnern, dass Unterdrückung nicht allein eine Sache offener Verbotsakte etwa durch Strafparagraphen ist, sondern auch durch die Produktion eines Gebiets der Undenkbarkeit und Unaussprechlichkeit funktioniert, weshalb lesbische Lebens- und Liebesformen zum Teil nicht einmal in das Denk- und Vorstellbare vorgestoßen sind, heißt in diesem Licht betrachtet also weder, die Verfolgung schwuler Männer zu rela­tivieren, noch sich einen Opferstatus erschleichen zu wollen. Es heißt aber schon, daran zu erinnern, dass wir es auch hier mit Verhältnissen der Verhinderung, Stigmatisierung und Marginalisierung, der Verunmöglichung von Erfahrungen und Existenzweisen zu tun haben."

    Eines noch: Ob es wirklich der würde aller Opfer gerecht wird, eine Liste von verfolgten und ermordeten schwulen Männern in dieses Forum zu knallen mit einem deutlichen Unterton von "Da bitte! So geht RICHTIGE Verfolgung!", das wage ich doch zu bezweifeln. Ich finde den Gestus, den ich hinter diesem Beitrag vermute, ehrlich gesagt ziemlich beschämend.
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#9 stephan
  • 12.10.2018, 16:50h
  • ohne uns gleichzeitig zu fragen, wie es wohl kommt, dass solche Belege erstens evtl. gar nicht erst in schriflicher Form entstanden oder überliefert sind und dass zweitens die Forschungen, die solche Belege hätten zutage fördern können, stets marginalisiert und bis heute vergleichsweise extrem unterfinanziert geblieben sind.

    und die fehlenden Belege legitimieren dann jede Vermutung und Spekulation ...?
    Mit dieser Auffassung von Geschichte und Geschichtswissenschaft können wir jede historische Aufarbeitung gleich im Klosett herunterspülen! Wir erfinden einfach die Geschichte, wie wir sie gerade brauchen ohne irgendwelche Belege, Beweise, Dokumente Na super!
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#10 finkAnonym
  • 12.10.2018, 17:40h
  • Antwort auf #9 von stephan
  • "und die fehlenden Belege legitimieren dann jede Vermutung und Spekulation ...?"

    Das habe ich doch gar nicht geschrieben. Diese Debatte wird von verschiedenen Seiten in einer nicht unbedingt konstruktiven und hilfreichen Weise geführt.

    "Mit dieser Auffassung von Geschichte und Geschichtswissenschaft können wir jede historische Aufarbeitung gleich im Klosett herunterspülen!"

    Meine Auffassung von Geschichtswissenschaft ist, dass dabei auch die Forschungsstrukturen inklusive der politischen (De-)Legitimierung von Themen, Geld(nicht-)flüssen usw. problematisiert werden sollten. Geschichtswissen wird nicht in einem lufleeren Raum produziert, und es ist nicht immer objektiv oder vollständig. Lücken in unserem Wissen können (!) mit politischen Interessen zusammenhängen. Das sollte uns bewusst sein, wenn wir solche Diskussionen führen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger wollte ich sagen.
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