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Weitere Beratungen angemahnt
Ravensbrück: Doch keine Gedenkkugel für verfolgte Lesben
Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten betont, Beirat und Fachkommission hätten sich nicht auf einen gemeinsame Inschrift geeinigt – und weist damit eine Darstellung des LSVD zurück.

Eine bereits früher von der Stiftung abgelehnte Gedenkkugel der Initiative "Autonome feministische Frauen Lesben aus Deutschland und Österreich" (Bild: Agnes Witte)
- 11. Oktober 2018, 17:09h 4 Min.
Der jahrelange Streit um ein offizielles Mahnmal für verfolgte Lesben in der Gedenkstätte Ravensbrück ist noch nicht beendet. Zwei Tage, nachdem der LSVD Berlin-Brandenburg in einer Pressemitteilung die Errichtung einer Gedenkkugel mit der vermeintlichen Kompromiss-Inschrift "Den lesbischen Frauen unter den Häftlingen der verschiedenen Verfolgtengruppen" quasi angekündigt hatte, hat die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten diese Mitteilung am Donnerstag als irreführend und "kontraproduktiv" zurückgewiesen.
In ihrer eigenen Pressemitteilung betonten Stiftungsdirektor Dr. Axel Drecoll und die Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte, Dr. Insa Eschenbach, dass die beiden Beratungsgremien der Stiftung, eine Fachkomission und ein internationaler Beirat, unterschiedliche Inschriften beschlossen hätten, trotz Aufforderungen zur Verständigung. Aufgrund der unterschiedlichen Voten und "angesichts nach wie vor andauernder Kontroversen zwischen den Interessenvertretern" sehe man "zum jetzigen Zeitpunkt keine Möglichkeit, ein solches Gedenkzeichen in der Mahn- und Gedenkstätte zu errichten". Man habe sich für ein Gedenken eingesetzt, das "den aktuellen Forschungsstand" berücksichtige, und bedaure, dass es für die Errichtung derzeit "keine tragfähige Voraussetzung gebe".
Davon zeuge auch die Pressemitteilung des LSVD, die "weder die Beschlusslage noch die Abläufe in der Stiftung korrekt" wiedergebe. Damit handle der Verband "kontraproduktiv", kritisiert die Stiftung. Man fordere die "Initiativen auf, sich auf einen gemeinsamen Antrag zu verständigen", um das Gedenkzeichen zu ermöglichen.
LSVD kritisiert Stiftung
Der LSVD Berlin-Brandenburg reagierte am Donnerstagabend mit einer eigenen Pressemitteilung, in der er dem Stiftungsdirektor und der Gedenkstättenleiterin vorwirft, die Beirats-Mehrheit zu ignorieren und das Gremium damit zu "degradieren": "Seit Gründung der Stiftung im Jahr 1993 war es gängige Praxis, dass die Stiftung das jeweilige Votum des Beirates für Gedenktafeln umsetzt", so Verbands-Geschäftsführer Jörg Steinert.
Der Formulierungsvorschlag des Beirats sei "inhaltsgleich" zum Vorschlag der Fachkommission gewesen und "divergierte nur sprachlich, entgegen den Vorschlägen einer anderen Initiative", so der LSVD. Die Stiftung erkläre so, "dass sie das Mehrheitsvotum im Beirat ignorieren und den unterlegenen eigenen Vorschlag zur Verlängerung des Beratungsprozesses umsetzen werde".
Am Mittwoch hatte der LSVD den Beschluss des Beirats quasi als vernünftigen Kompromiss und einzig machbare Lösung dargestellt und dazu auch eine Auffassung der Fachkommission zitiert, wonach "nach dem bisherigen wissenschaftlichen Forschungsstand nicht belegt" sei, "dass lesbische Frauen wegen ihrer Homosexualität mit KZ-Haft bestraft wurden." Dass die geplante Inschrift des Gedenksteins die Homosexualität der verfolgten Frauen nicht als eigenen Verfolgungsgrund betonen sollte, brachte dem Verband in den letzten Tagen viel Kritik ein – zumal eine (ältere) E-Mail auftauchte, in der ein Vorstandsmitglied von "Krawalllesben" schrieb (queer.de berichtete). Der Berliner LSVD-Aktivist Alexander Zinn, der im Fachbeirat der Inschrift zustimmte, hatte in der Vergangenheit mehrfach von einer "Legende einer Lesbenverfolgung" gesprochen.
Stiftung plant Ausstellung
Vor wenigen Wochen hatte ein privat organisiertes Gedenken für lesbische NS-Opfer am Berliner Homo-Mahnmal stattgefunden, auch mit Beteiligung des LSVD-Bundesvorstands, bei der an mehrere verfolgte Lesben erinnert wurde. Die Stiftung, die in der Vergangenheit mehrfach Gedenkkugeln oder -tafeln für lesbische NS-Opfer abgelehnt hatte, betonte am Donnerstag noch, man plane "perspektivisch eine Ausstellung, die die Situation lesbischer Häftlinge im KZ Ravensbrück thematisiert".
Über ein Gedenken für die lesbischen NS-Opfer wird seit den Achtzigerjahren heftig gestritten. Ursprünglich hatte die Initiative "Autonome feministische Frauen Lesben aus Deutschland und Österreich" die Gedenkkugel angefertigt, die in einer Inschrift von einer gezielten Verfolgung lesbischer Frauen ausgeht und die Inschrift trägt: "In Gedenken aller lesbischen Frauen und Mädchen im Frauen-KZ Ravensbrück und Uckermark. Lesbische Frauen galten als 'entartet' und wurden als 'asozial', als widerständig und verrückt und aus anderen Gründen verfolgt und ermordet. Ihr seid nicht vergessen!" (nb)
Update 12.10., 11h: LSVD zieht eigenen Antrag zurück
Der LSVD Berlin-Brandenburg gab am Freitag in einer Pressemitteilung bekannt, der Vorstand habe sich entschieden, seinen Antrag für das lesbische Gedenken in Ravensbrück zurückzuziehen, "um der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und seinen Gremien eine zeitnahe Entscheidung zu ermöglichen". Der Vorstand habe "sich diese Entscheidung nach der jahrlangen engagierten Arbeit von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern nicht leicht gemacht", so der LSVD. "Im Interesse eines baldigen Gedenkzeichens halten wir diesen Schritt für notwendig und wünschen der Stiftung und allen Beteiligten ein gutes Gelingen."












