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Schwules Museum Berlin

Wir sind pervers, und das ist auch gut so!

Die Ausstellung "Proudly Perverted" erlaubt einen Blick in die queere BDSM-Community. Wir sprachen mit Kuratorin Dr. Birga Meyer über das utopische Potenzial von Bondage, Dominanz und Unterwerfung.


Probieren geht über Studieren: SM-Möbelstück in der Ausstellung "Proudly Perverted", die noch bis 4. November im Berliner Schwulen Museum (SMU) zu sehen ist (Bild: Mika Wisskirchen / SMU)
  • Von Kevin Clarke
    14. Oktober 2018, 03:40h 43 5 Min.

Wir leben in einer Welt, wo uns das Thema Sex überall umgibt. Trotzdem fällt es vielen Menschen schwer, über ihre eigenen Bedürfnisse und sexuellen Wünsche offen zu sprechen…

Wir lernen leider nicht, gut und ehrlich über Sex zu sprechen. Sex in der öffentlichen Debatte ist mit so viel Druck, so viel Zuschreibungen und so viel Erwartungen verbunden. Jede*r soll schön, sexy und möglichst offen und erregbar sein – und gleichzeitig ist das, was als schön, sexy und erregend gilt, total begrenzt. Viele Menschen passen in dieses Bild nur mit Gewalt gegen sich selbst. Also ist ein offener Umgang mit Sexualität oft sehr angstbesetzt.

Wir müssen uns trauen, uns auszuprobieren und gegen die Norm zu verstoßen. Und wir müssen das Miteinanderreden üben, um andere Bilder und Erfahrungen kennenzulernen. Guter, befreiter Sex kann unglaublich glücklich machen. Und glücklicher zu sein, ist auch ein gesellschaftliches Ziel, das sicher alle interessiert.


Kuratorin Birga Meyer (Bild: SMU)

Du hast bei der Vernissage im Schwulen Museum gesagt, die Welt könnte viel von der FLT*I* BDSM-Community lernen, was den Umgang mit Sex angeht. Was genau können denn alle Menschen lernen?

Die Welt kann viel über Konsenskultur von der FLT*I* BDSM-Szene lernen. In dieser Community wird sehr achtsam und sorgsam miteinander umgegangen. Es wird ausgehandelt, was wie passieren soll, und das dann miteinander bestmöglich umgesetzt. Es gibt Techniken und Hilfsmittel, diese Kommunikation zu lernen, zu üben und zu meistern. Der Konsens ist dabei außerdem viel mehr als ja oder nein. Es geht darum, fortlaufend miteinander im Kontakt zu bleiben und ehrlich zu sagen, was eine*r will – nicht manipulativ und nicht versteckt.

Das heißt dann vielleicht: Ja, wir küssen uns, aber ziehen uns nicht aus. Oder es heißt ja zu Penetration, aber nein zum Rohrstock. Alles kann, nichts muss, und jede Handlung steht für sich. Zum Konsens gehört dabei auch die gelassene Akzeptanz von einem Nein, der Respekt vor den Grenzen des Anderen und die Achtung meines Gegenübers. Wenn mehr Leute ihre Wünsche und Grenzen konsensual verhandeln könnten, wäre sicherlich in Bezug auf gewaltfreien und authentischen Umgang miteinander viel gewonnen. Auch, aber nicht nur sexuell.


Poster zur Ausstellung

Womit wir beim Thema sind. Worum geht es bei "Proudly Perverted"?

Die Ausstellung zeigt, wie Menschen aus der FLT*I* Szene BDSM leben. BDSM steht dabei für Bondage, Dominanz und Submission, also Unterwerfung, und für Sadismus und Masochismus. In der Ausstellung geht es aber nicht nur um ungewöhnlichere sexuelle Praktiken, sondern um Kommunikation und darum, wie jede*r das findet, was sie oder ihn glücklich und zufrieden macht.

Warum braucht es so eine Ausstellung?

Erstens ist es, soweit wir das herausfinden konnten, eine der ersten Ausstellungen weltweit, die sich dem Thema BDSM nicht auf einer künstlerisch-ästhetischen oder pornografischen Ebene nähert, sondern ganz gelassen und unaufgeregt über diese Spielart der Sexualität informiert. Sie räumt mit vielen Vorurteilen auf, zum Beispiel dass nur psychisch gestörte Menschen auf BDSM stehen. Das sieht selbst die Welt­gesundheits­organisation inzwischen anders – und viele Studien bestätigen, dass BDSMer*­innen oft seelisch entspannter und offener sind.

Zweitens gibt es auch über die Sexualität vor allem von Frauen und Lesben viele Vorurteile. Ihnen wird allgemein nur wenig Begehren zugesprochen und schon gar keine Kreativität, wenn es um dessen Umsetzung geht. Diesen Klischees setzt die Ausstellung viele Bilder und Porträts entgegen, die eine andere Sprache sprechen.

Was ist denn das Besondere oder Eigene, das in der FLT*I* Szene entsteht?

In der Community entsteht ein Raum, in dem Frauen, Lesben, Trans* und Inter* Menschen ihre je eigene Sexualität entdecken können, ohne heteronormativen Vorstellungen und Rollenbildern entsprechen zu müssen. Es gibt ganz viel Platz, sich ohne Abwertung auszuprobieren, mehr über sich zu lernen und so zu einer wirklich selbstbestimmten, erfüllten und vor allem individuellen Sexualität zu kommen. Der soziale Zusammenhalt, aber auch die gelebten Praktiken auf Workshops, auf Playpartys oder Stammtischen, helfen dabei natürlich sehr.


Die Ausstellung im Schwulen Museum ist in vier Bereiche zu Identität, Spielen, Lernen und Community aufgeteilt (Bild: Mika Wisskirchen / SMU)

Die Ausstellung läuft jetzt seit ein paar Wochen. Was für Reaktionen hast du bislang bekommen?

Die Reaktionen waren durchgängig positiv. Menschen, die nichts über BDSM wussten, haben mir gesagt, dass sie einen sehr guten Einstieg in das Thema gefunden haben und erstaunt waren, wie vorsichtig und liebevoll auch mit heftigeren Praktiken umgegangen wird. Gleichzeitig bietet die Ausstellung denen etwas, die sich schon mit dem Thema auskennen, weil die Biografien und persönlichen Erzählungen sehr faszinierend sind und es spannend ist, die kulturellen Unterschiede zwischen der FLT*I* BDSM Community und anderen BDSM Szenen zu entdecken.

Ihr habt rund um "Proudly Perverted" auch ein Rahmenprogramm…

Neben den Kurator*­innen-Führungen gibt es jetzt noch zwei Veranstaltungen. Am 21. Oktober findet um 16 Uhr die Veranstaltung "Ask a pervert" statt. Fünf BDSMer*­innen aus der Community stellen sich dabei den neugierigen Fragen des Publikums und beantworten sie nach bestem Wissen. Die Veranstaltung bietet also die Möglichkeit, Menschen, die selbst BDSM praktizieren, live kennenzulernen und aus erster Hand spannende Einblicke in die große weite Welt der BDSM-Praktiken zu bekommen. Außerdem zeigen wir am 1. November um 20 Uhr BDSM-Pornofilme, die aus der FLT*I* Community heraus entstanden sind. Das wird sicherlich ein sehr schöner, erregender Abend.

Was würdest du jemandem empfehlen, der oder die an BDSM interessiert ist?

Zuerst einmal würde ich natürlich sagen, alle sollen noch bis zum 4. November die Ausstellung besuchen. Darüber hinaus würde ich immer den persönlichen Kontakt empfehlen. Natürlich gibt es viele Informationen im Internet oder in Büchern, aber am Ende des Tages sind es ja die Menschen, um die es geht. In zahlreichen Städten finden Stammtische oder Workshops zu BDSM statt. Es kostet zwar etwas Mut, aber dort sind fast immer sehr liebe, offene Menschen, die sich über interessierte Newbies freuen. Stammtische bieten Austausch und Anschluss und nach dem ersten und zweiten Schritt wird dann auch der dritte oder vierte leichter. Es lohnt sich auf jeden Fall.

Direktlink | Birga Meyer über die Ausstellung im Youtube-Interview
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Infos zur Ausstellung

Proudly Perverted – ein Blick in die FrauenLesbenTrans*Inter* BDSM Community. Ausstellung noch bis 04.11.2018 im Schwulen Museum, Lützowstr. 73, 10785 Berlin. Eintritt nur für Besucher ab 18 Jahren. Öffnungszeiten: So, Mo, Mi, Fr 14-18 Uhr, Do 14-20 Uhr, Sa 14-19 Uhr, Di geschlossen.
Wöchentliche Umfrage

» Wie lebst du deine Sexualität?
    Ergebnis der Umfrage vom 15.10.2018 bis 22.10.2018
-w-

#1 Gerlinde24Ehemaliges Profil
  • 14.10.2018, 07:08h
  • Muss das sein? Eine Ausstellung über Sado-Maso? Gibt es nicht drängendere homosexuelle Themen? Themen mit mehr Relevanz, wo es politischen Handlungsbedarf gibt?
    Mir würden sofort zwei Dutzend Themen einfallen, worüber man eine Ausstellung machen könnte . Nur mal als kleine Anregung:

    Homosexualität in den Religionen
    Staatliche Homophobie in Europa/weltweit
    Ermordete Homosexuelle/Transsexuelle
    Die Urninge
    Transsexualität in Kulturen (z.B. die "two-spirit-people")

    Themen, die auf jeden Fall wichtiger als das Thema, wie man Sex hat!
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#2 OmanAnonym
  • 14.10.2018, 09:13h
  • Antwort auf #1 von Gerlinde24
  • Finde diesen ganzen Fetisch Kram generell blöd, aber andererseits muss man ja zu dieser Ausstellung nicht hingehen, also who cares? Die nächste Ausstellung die auch dich dann wieder interessiert, kommt bestimmt. Ein Museum hat nicht die Pflicht nur Sachen ins Programm zu nehmen, die du "wichtiger" findest.
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#3 Gerlindo69Anonym
  • 14.10.2018, 10:32h
  • Antwort auf #1 von Gerlinde24
  • Jemand der mit derart erhobenem moralischen Zeigefinger stets hier und anderswo durch die Gegend rennt und jegliche Kritik an was auch immer zum Anlass nimmt anderen Leuten Homophobie vorzuwerfen: Von so jemanden würde ich auch erwarten wollen, dass er entspannter und akzeptanter damit umgeht, wenn einmal Themen besprochen werden die ihn/sie nicht interessieren.
    Einfach mal an der eigenen Toleranz arbeiten!
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