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Projektbericht

"Sie sehen gar nicht schwul aus": Kritik an BAMF-Umgang mit queeren Flüchtlingen

Aus Angst vor Homo- und Transphobie verschweigen viele LGBTI-Geflüchtete ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität – und haben damit weniger Chancen, anerkannt zu werden.


Queere Flüchtlinge, die in ihrer Heimat wegen ihrer sexuellen Identität verfolgt wurden, sind auch in Deutschland oft nicht sicher (Bild: flickr / brx0 / by 2.0)

Eine neue Studie von mehreren Fach- und Beratungsstellen aus Nordrhein-Westfalen sowie der britischen Universität von Sussex kommt zu dem Ergebnis, dass LGBTI-Geflüchtete erheblichen Diskriminierungen durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ausgesetzt sind. Im Projektbericht "Erfahrungen mit der Anhörung von LSBTIQ* Geflüchteten" (PDF) waren insgesamt 51 Fragebögen zu Erfahrungen mit der Anhörung von queeren Flüchtlingen ausgewertet worden. Dabei beklagten viele Teilnehmer, dass sie sich bei ihrer Anhörung nicht ernst genommen gefühlt hätten.

Laut der Befragung wird nur unzureichend auf die besonderen Bedürfnisse der queren Flüchtlinge eingegangen, die ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität wegen des Verfolgungsdrucks in den Ursprungsländern oft ihr ganzes Leben geheim halten mussten. Nur etwa 40 Prozent der Flüchtlinge hätten vor ihrer Anhörung ein zielgruppenspezifisches Beratungsangebot in Anspruch genommen. Nur jeder Vierte sei zu seiner Anhörung begleitet worden, nur einer von zehn Geflüchteten hätte die Teilnahme eines Sonderbeauftragen für Minderheiten beantragt. Diejenigen Asylbewerber, die im Vorfeld von einer auf LGBTI spezialisierten Beratungsstelle unterstützt und begleitet worden seien, würden das Asylverfahren aber viel erfolgreicher abschließen als diejenigen, die auf sich allein gestellt sind.

"Ich hatte Angst, dass ich als schwuler Mann auch in Deutschland nicht akzeptiert werde"

Viele der Flüchtlinge, die keine Informationen erhielten, hätten etwa bei ihrer Anhörung ihre Homo- oder Transsexualität aus Angst nicht genannt. In dem Bericht werden einige Gründe genannt – ein Teilnehmer habe etwa gesagt: "Ich hatte Angst, dass ich als schwuler Mann auch in Deutschland nicht akzeptiert werde." Ein anderer habe angegeben, dass er sich wegen des mutmaßlich homophoben Dolmetschers eingeschüchtert gefühlt habe: "Ich kann nicht sprechen, weil Übersetzer Araber", wird er in dem Bericht zitiert.

Bei der Anhörung selbst habe es viele diskriminierende Äußerungen gegeben: "'Sie sehen gar nicht schwul aus' ist offenbar in Deutschland eine Aussage, die in der Anhörung gegenüber LSBTIQ*-Geflüchteten geäußert wird", beklagte Marlen Vahle, die Sprecherin der Projektgruppe. "Zudem müssen sich homosexuelle Asylsuchende weiterhin intimen Fragen zu ihrem Sexualleben stellen." Die Anhörung müsse daher in Zukunft auf "intimitätswahrende Weise" durchgeführt werden. "Homo- und transsexuelle Geflüchtete brauchen zudem die Chance, im Vorfeld beraten und unterstützt zu werden", so Vahle.

Über diese Probleme berichten mit queeren Refugees beschäftigte Aktivisten schon seit Jahren (queer.de berichtete). Außerdem beklagen Beratungsstellen immer wieder, dass queere Flüchtlinge trotz Verfolgungsdrucks in ihre Heimatländer abgeschoben werden sollen. Auf scharfe Kritik stößt auch, dass die Bundesregierung den Staaten Algerien, Marokko und Tunesien das Prädikat "sicheres Herkunftsland" verleihen will, um Abschiebungen zu erleichtern. Dabei kann Homosexualität in allen drei Ländern zu mehrjährigen Haftstrafen führen, was allerdings von der Bundesregierung bestritten wird: Trotz vieler Urteile gegen Homosexuelle in den letzten Jahren behauptete Schwarz-Rot vorletztes Jahr, eine "systematische" Verfolgung von sexuellen Minderheiten finde in diesen Ländern nicht statt (queer.de berichtete). (dk)



#1 daVinci6667
  • 15.10.2018, 16:53h
  • "Sie sehen gar nicht schwul aus

    Das höre ich auch immer mal wieder. Vermutlich sagen das einige ohne böse Absichten und glauben damit gar ein Kompliment zu machen. So fühlt sich das jedoch überhaupt nicht an. Ganz im Gegenteil. Gegenüber einem schwulen Flüchtling geäussert ist dies zudem eine Drohung: Mach hier nicht auf schwul um hier bleiben zu dürfen!

    Solche Aussagen zeigen nur eins, nämlich dass der entsprechende Mitarbeiter völlig unqualifiziert ist.
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#2 UtteAnonym
  • 15.10.2018, 17:00h
  • Marokko, Algerien und Tunesien sind sichere Herkunftsländer, da hat die Bundesregierung recht. Dort herrscht weder Krieg, noch Hunger. Man kann darüber diskutieren, ob man für queere Flüchtlinge aus diesen Ländern Ausnahmeregelungen schafft, wegen der Verfolgung, aber grundsätzlich sind sie sicher und es muss dahin abgeschoben werden.
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#3 YannickAnonym
  • 15.10.2018, 17:12h
  • Union und SPD behaupten ja immer wieder, kein LGBTI würde in Verfolgerstaaten abgeschoben.

    Aber die Praxis beweist immer wieder, dass das eiskalte Lügen sind, die Union und SPD da auftischen.
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#4 Homonklin44Profil
  • 15.10.2018, 19:35hTauroa Point
  • Antwort auf #1 von daVinci6667
  • Genau so, *unterschreibe*

    Nicht schwul auszusehen impliziert, es gäbe distinktive Unterschiede zwischen Menschen aufgrund derer sexueller Orientierung.

    Das zeigt, dass das BAMF Troglodyten beschäftigt hält. MitarbeieterInnen ohne Sachverstand, eigentlich müsste man da mal die Kontrollaufsicht hin schicken, vielleicht arbeiten die ohne Schulabschlüsse oder schwarz im Gelegenheits/Aushilfsjob? Bei einem so unterbelichteten Bildungsstand ist es anzunehmen.
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#5 Patroklos
#6 TheDadProfil
#7 TheDadProfil
#8 UtteAnonym
  • 16.10.2018, 00:50h
  • Antwort auf #6 von TheDad
  • Verfolgten Menschen, ja. Aber die meisten Tunesier und Marokkaner werden nicht verfolgt. Und was sollen die beiden links mir jetzt sagen? Ein Fußballer fabriziert einen Autounfall mit todesfolge. Deshalb ist das Land nicht sicher? Dann wäre ja jedes Land unsicher. Und zu den geschmacklosen Schminktipps: Die große Mehrheit der Marokkaner, die hier herkommen, sind Männer.
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#9 Gerlinde24Profil
  • 16.10.2018, 01:16hBerlin
  • Wie bitteschon sieht man denn "schwul" aus? Tuckig? Dann haben die von der BAMF ein verqueres Bildvon Schwulen, und bräuchten dringend eine Nachschulung.
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#10 Gerlinde24Profil