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Regierung sieht "christliche Familie" in Gefahr

Ungarn verbietet Geschlechterforschung

Per Erlass hat die Orbán-Regierung das Studienfach "Gender Studies" verboten, um die "christliche Familie" zu schützen.


Ministerpräsident Viktor Orbán bei einem Treffen der Europäischen Volkspartei (Bild: European People's Party / flickr)

Über die Bedeutung des Geschlechts für Kultur, Gesellschaft und Wissenschaften darf in Ungarn nicht mehr geforscht werden. Die mit absoluter Mehrheit regierende Regierung von Ministerpräsident Viktor Orbán hat das interdisziplinäre Studienfach Geschlechterforschung (international bekannt als "Gender Studies") mit einem Erlass am Freitag verboten, wie das unabhängige Nachrichtenportal 444.hu meldet. Orbáns Partei Fidesz ist Teil der Europäischen Volkspartei und damit eine Schwesterpartei von CDU und CSU.

Das Fach Geschlechterforschung untersucht, wie Rollenbilder in Gesellschaft geprägt werden und soziale Normen darüber festgelegt werden, was als männlich und weiblich gilt. Der Begriff "Gender" wird dabei als Umschreibung für die von der Gesellschaft konstruierte Geschlechtsidentität verwendet.

Viele Konservative und Rechtspopulisten sehen in diesem Fach eine Bedrohung für die "natürliche" Ordnung und ihren eigenen Lebensentwurf. In Deutschland machte etwa die unionsnahe Konrad-Adenauer-Stiftung gegen Geschlechterforschung Stimmung – obgleich die Forschungsrichtung als eher unbedeutendes Fach unter den 18.000 Studiengängen in der Bundesrepublik gilt (queer.de berichtete). Auch AfD-Politiker hatten in den letzten Monaten mit Verweis auf Ungarn mehrfach gefordert, "pseudowissenschaftliche Gender Studies" abzuschaffen; diese Forderung findet sich auch im Grundsatzprogramm der Partei.


Auch aus Deutschland erhielten Orbáns Pläne Zustimmung (Bild: Facebook / AfD Bayern)

Verbot auch Teil von Kampagne gegen George Soros

In Ungarn ist die Ablehnung der Geschlechterforschung Teil einer Kampagne der Regierung gegen den jüdisch-amerikanischen Investor George Soros, die Züge von Antisemitismus trägt. Der Grund: Im Land bietet neben der staatlichen Eötvös-Loránd-Universität nur die private Central European University einen Master-Kurs in Geschlechterforschung an – die Bupapester Universität wird teilweise vom ungarischstämmigen Soros finanziert, der laut Regierungsvertretern Teil einer Weltverschwörung sein soll, um Ungarn mit muslimischen Migranten zu fluten. Die Central European University ist außerdem mit einem auf sie zugeschnittenen neuen Hochschulgesetz von der Schließung bedroht.

Offiziell gab die Regierung an, Geschlechterforschung würde die "Fundamente der christlichen Familie" untergraben. Das Fach sei eher "Ideologie" als Wissenschaft, hieß es. Bereits begonnene Kurse dürfen noch beendet werden, was allerdings nur wenige Dutzend Studierende betrifft.

Die Universitäten hatten sich gegen den bereits im August angekündigten Plan der ungarischen Regierung mit Verweis auf die Freiheit der Lehre gewehrt. Da die Regierung allerdings viele Medien kontrolliert, gibt es nur wenig öffentlichen Widerstand gegen die Abschaffung des Studienfachs. (dk)



#1 TimonAnonym
  • 16.10.2018, 12:07h
  • Das ist ganz klar ein Verstoß gegen die Lehr- und Forschungsfreiheit, die in der EU garantiert ist.

    Wie lange will die EU noch tatenlos zusehen?
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#3 Roman BolligerAnonym
  • 16.10.2018, 12:54h
  • Ungarn gehört aus der EU mit Schimpf und Schande rausgeworfen, ein solcher Unrechtsstaat und sein faschistischer Diktator an den Pranger gestellt.
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#4 swimniAnonym
  • 16.10.2018, 14:06h
  • hier wird deutlich, dass Christen und faschistoide eben doch sich mehr mögen als man glauben will. auch der Unfreiheit der Wissenschaft zuliebe.

    ich sage das als Skeptiker hinsichtlich der forschungsergebnisse der genderwissenschaft.
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#5 michael008
#6 Ralph
  • 16.10.2018, 14:53h
  • Da ist sie wieder, die "jüdische Weltververschwörung"! Wie lange will die CDU noch Seit an Seit mit einer offen antisemitischen Partei marschieren? Wie kann die CDU sich von der AfD abgrenzen, wenn sie mit einer noch schlimmeren Partei paktiert? Angela Merkel behauptet, für Judenfeindschaft dürfe es in Deutschland und Europa keinen Platz geben. Warum bekämpft sie sie dann nicht? Warum schaut sie dann zu, wie Orban von der CSU hofiert wird? Meine Antwort: weil sie eine Lügnerin ist, für die Moral in der Politik keinen Platz hat.
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#7 PierreAnonym
  • 16.10.2018, 15:31h
  • Das geschah mit Sicherheit durch Druck von irgendwelchen Religiösen.

    Wissenschaft ist eine Gefahr für Religion. Deshalb hat Religion immer schon (nicht erst seit Galilei) Wissenschaft aufs schärfste bekämpft, weil Wissenschaft und Aufklärung die größte Gefahr für Religion sind.

    Insofern muss man sagen:
    nein, Wissenschaft ist keine Gefahr für Familien. Aber für Christen, wie es da postuliert wird, schon.
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#8 xxxxAnonym
#9 StreunerAnonym
  • 16.10.2018, 17:42h
  • Wie viele Beweise braucht die EU noch, um Orban endlich als das faschistische Stück *zensiert* an zu erkennen, das er ganz offensichtlich ist? Oo
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#10 SchwarzenbergAnonym
  • 16.10.2018, 18:17h
  • Meine Enttäuschung über solche Menschen wie Orban verschiebt sich immer mehr Richtung Wut. Diesesmal werden wir, die Gemässigten, die Liberalen, die Linken, die Progressiven und die Zentristen nicht so lange warten, bis irgend ein kleiner Autokrat, denn genau das ist Orban, zu viel Macht in den Händen haben wird, dass es dann zu spät sein wird. Nein. Diesesmal, sollte es soweit kommen, werden wir, die grosse Mehrheit der Europäischen Gesellschaft, solche Leute deutlich und laut wieder ganz klein machen und ihnen klarstellen, dass deren Meinung und Weltsicht nicht die Mehrheit ist. Das gilt auch für solche Leute in Deutschland oder hier in der Schweiz.
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