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Kinostart

Ödipus auf queer und japanisch

1969 drehte Kultregisseur Toshio Matsumoto das Drag- und Horror-Drama "Funeral Parade of Roses" – jetzt kommt eine neu digitalisierte Fassung in die deutschen Kinos.


"Funeral Parade of Roses" ist in schwarz-weiß gedreht und spielt in der queeren Szene von Tokio (Bild: Rapid Eye Movies)
  • 17. Oktober 2018, 03:01h, noch kein Kommentar

"Eine formal überaus fantasie- und anspruchsvolle Produktion, die ihr Thema nicht ausbeutet, sondern in konzentrierter, assoziativ reicher Form eine Abwandlung des Ödipus-Stoffes heranzieht, um das Verhalten der Transvestiten zu erklären", schrieb das "Lexikon des internationalen Films" einst über das Drag- und Horror-Drama "Funeral Parade of Roses" aus dem Jahr 1969. Am Donnerstag kommt der Spielfilm des japanischen Kultregisseurs Toshio Matsumoto, der hierzulande auch unter dem Titel "Pfahl in meinem Fleisch" bekannt ist, in einer neu digitalisierten Fassung in die deutschen Kinos.

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Der queere Sohn verliebt sich in den Vater


Poster zum Film: Die Weltpremiere der restaurierten Fassung fand 2017 in New York statt

In seiner aufgebrochenen Struktur ist "Funeral Parade of Roses" ein einzigartiges audio-visuell abstraktes, aber ebenso explizit politisches Dokument, das den Geist der Sechzigerjahre atmet, Japans New Wave begründete und bis heute ein zeitloses, vitales, lebensnahes und modernes Kunstwerk ist.

Der in schwarz-weiß gedrehte Film ist gleichzeitig eine queere Interpretation der Ödipus-Sage. In Abwandlung zum Original liebt hier der Sohn den Vater.

Der Inhalt ist voller Blut und Drama: Die Dragqueens Eddie und Leda buhlen um die Gunst des Nachtclubbesitzers und Dealers Gonda, der sich schließlich für Eddie entscheidet. Leda begeht Selbstmord. Eddie sehnt sich gleichzeitig nach ihrem Vater, der früh die Familie verlassen hat. Sie ermordet ihre Mutter und deren Liebhaber, um später festzustellen, dass Gonda ihr Vater ist, der sich, als er dies herausfindet, umbringt. Eddie sticht sich daraufhin – wie Ödipus – die Augen aus.


Regisseur Toshio Matsumoto starb 2017 in Tokio

Toshio Matsumoto, der japanische Pionier unter den Filmemachern und Videokünstlern, dessen Namen man vor allem mit "Funeral Parade of Roses" verbindet, wurde 1922 in Nagoya geboren und lebte bis zu seinem Tod am 12. April 2017 in Tokio. Er gehörte zur Generation der Avantgardisten und Tabubrecher.

Matsumoto veröffentlichte neben zahlreichen Experimental-, Kurz- und Dokumentarfilmen auch Bücher zur Fotografie und war Professor für Kunst an der Kyoto Universität für Kunst und Design. (cw/pm)

Direktlink | Deutscher Trailer zum Film

Infos zum Film

Funeral Parade of Roses. Spielfilm. Japan 1969. Regie: Toshio Matsumoto. Darsteller: Pîtâ, Osamu Ogasawara, Yoshio Tsuchiya, Yoshimi Jo, Koichi Nakamura. Laufzeit: 104 Minuten. Sprache: japanische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Verleih: Rapid Eye Movies. Kinostart: 18. Oktober 2018
Galerie:
Funeral Parade of Roses
12 Bilder