Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse Tagesbild TV Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?32153

Dark Soul

Die neue rauchig-abgründige Soulstimme

"The Love Album" heißt das Debütalbum von Adam Naas, auf dem sich der französische Sänger der Liebe in all ihren Facetten widmet.


Das Talent von Adam Naas wurde schon früh erkannt, u.a. von der Band AaRON, die ihn zu einigen ihrer Konzerte einlud
  • 17. Oktober 2018, 07:30h, noch kein Kommentar

Vor zwei Jahren erschien die selbstbetitelte Debüt-Single von Adam Naas mit dem heimlichen Hit "Fading Away", der zwischenzeitlich alleine via Spotify fast fünf Millionen Mal gestreamt wurde.

Nun hat der in Paris lebende Musiker mit der rauchig-abgründigen Soulstimme sein Debütalbum "The Love Album" veröffentlicht, auf dem er sich, wie der Albumtitel bereits vermuten lässt, der Liebe in all ihren Facetten widmet: "Hoffen wir mal, dass zum Soundtrack dieses Albums tatsächlich ein paar Eizellen und Spermien zueinanderfinden", sagt der 26-Jährige schmunzelnd.

Adam Naas mag zwar erst 26 Jahre alt sein, aber neben einer scheinbar angeborenen Lässigkeit, ist es eben vor allem seine umwerfende Stimme, die einem kalte Schauer über den Rücken jagt, oder zumindest für ein kurzes Innehalten oder Gänsehaut sorgt. Eine Stimme, die kaum greifbar zu sein scheint: Eben noch zart und zerbrechlich – dann urplötzlich majestätisch und wuchtig.

Sein Talent wurde schon früh erkannt, u.a. von der Band AaRON, die ihn zu einigen ihrer Konzerte einlud, woraufhin das bereits erwähnte "Fading Away" in seiner Heimat Frankreich Les Inrocks und Clique.tv hellhörig werden ließ.

"Liebe und Hass vervollständigen einander, sie erregen einander"


Das Debütalbum "The Love Album" von Adam Naas ist am 5. Oktober 2018 erschienen

Kein Wunder, denn sein Ansatz, den man etwaig als Dark Soul beschreiben könnte – romantisch, düster und voller Schattierungen -, hat in der Tat etwas Umwerfendes. Bestimmt auch deshalb, weil der Franzose kein Blatt vor den Mund nimmt, und seine Gefühle genauso vertont, wie sie nun mal sind. Seine Songs schreibt er selbst und überträgt hierbei persönliche Erfahrungen in Melodien, indem er große Themen des Lebens wie Liebe, Angst, Unbehagen oder Hoffnung immer weiter um- und einkreist.

Ein Song wie "I Want To Get You Close To Me" klingt zum Beispiel nach körperlicher Nähe, wobei das emotionale Spektrum im Verlauf des Debüts immer weiter aufgebrochen wird. Mal geht es um Selbstakzeptanz wie in der Single "Cherry Lipstick", mal um das erfolgreiche Ende der Suche nach dem richtigen Partner bzw. Seelenverwandten ("When You're Holding Me"). An anderer Stelle geht es aber auch um Hassgefühle wie im Song "Eternity": "Liebe und Hass vervollständigen einander, sie erregen einander", meint der Franzose, der sich beim Track "He's Gonna Kill Me" auch einem schwierigen Thema wie häuslicher Gewalt annimmt.

Zu seinem wichtigstes Instrument, das er ganz bewusst ohne Nachbearbeitung oder Effekte präsentiert, sagt Adam Naas selbst: "Meine Stimme muss unbedingt ganz klar zu hören sein". Gerade vom Briten Dan Black (Ex-Frontmann von "The Servant"), der ihm auch als Produzent zur Seite stand, habe er in den letzten Jahren viel gelernt, und sich so auch stimmlich enorm weiterentwickelt: "Auf dem Album kommen viele Aspekte zusammen, weil ich nicht eine, sondern Tausende von Persönlichkeiten habe. Mit dem Album wollte ich dieses Spektrum einfangen, weshalb auch jeder Song seinen ganz eigenen 'Style' hat."

Direktlink | Adam Naas mit der Single "I Want To Get You Close To Me" (Live)

Dabei sei ihm das mit der Musik gar nicht unbedingt in die Wiege gelegt worden, wie er berichtet: "Ich habe schon erst Laufen gelernt – das mit dem Singen kam etwas später. In meiner Familie gab es auch keine Musiker, aber ich bin mit Nina Simone aufgewachsen, weil meine Mutter ihre Songs ständig hörte. Und dann gab es da auch noch die Musik, die mein älteren Bruder hörte."

Großer Fan war er auch vom Film "Sister Act II", insbesondere von der jungen Lauryn Hill, mit deren Kult-Album "The Miseducation of Lauryn Hill" er quasi aufwuchs. Zudem sang er gerne zu den Hits von Destiny's Child und, als er zum ersten Mal "A Change Is Gonna Come" (1964), die Bürgerrechtshymne von Sam Cooke, hörte, war dies für ihn wie eine Art Offenbarung: "Da wurde mir schlagartig klar, dass, wenn ich Musik machen würde, meine Songs genauso intensiv klingen und ehrlich sein müssten". Beeindruckt zeigte er sich aber auch von neueren, elektronischen Produktionen wie von "The XX" oder James Blake, was letztendlich alles dazu führte, dass Musik auch zu seinem Mittel der Kommunikation und Selbstdarstellung wurde.

Der wissbegierige Franzose, der nach dem wissenschaftlichen Schulabschluss Wirtschaft studierte, um, wie er selbst sagt, "die Welt besser verstehen zu können" vertraut heute mehr denn je auf sein Gespür, sein Gefühl und seine romantische Ader. So ist aus dem einst eher schüchternen Jungen mittlerweile ein echter Crooner geworden und Adam Naas selbst scheint hierbei noch am wenigsten zu realisieren, wie stylish, umwerfend und charmant das alles klingt. (cw/pm)