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Villingen-Schwenningen
Outing angedroht: OB-Kandidatin wollte FDP-Politiker erpressen
In Baden-Württemberg droht eine OB-Dauerkandidatin, "pikante Details" zur Homosexualität eines Bundestagsabgeordneten zu veröffentlichen – der FDP-Politiker reagiert mit einem Appell für Toleranz.

Marcel Klinge reagierte gelassen auf die Drohungen von Fridi Miller (Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)
- 19. Oktober 2018, 08:51h 3 Min.
Der Oberbürgermeister-Wahlkampf in Villingen-Schwenningen wird von einem Erpressungsskandal überschattet: Die parteilose Kandidatin Fridi Miller hat offenbar versucht, den 37-jährigen FDP-Politiker Marcel Klinge mit einer Outing-Androhung zu erpressen. Miller hatte im ersten Wahlgang 0,5 Prozent der Stimmen erzielt. Klinge ist dagegen kein OB-Kandidat, sondern Mitglied des Gemeinderates der Doppelstadt an der ehemaligen Grenze zwischen Baden und Württemberg als auch des Deutschen Bundestages; Miller war aber offenbar sauer auf Klinge, weil dieser zu Beginn des Wahlkampfes die aus Sindelfingen bei Stuttgart stammende Bewerberin nicht als ernstzunehmende Bewerberin anerkannte.
Klinge veröffentlichte auf seiner Facebook-Seite eine Mail Millers mit dem Betreff: "Pikante Details über ihr Sexuelleben (sic)". Klinge, hieß es in der Mail, solle anerkennen, dass Miller "die menschenfreundlichste OBin für Villingen-Schwenningen wäre", oder sie werde "alles" öffentlich machen. In einer Sofortnachricht fügte Miller an, dass ihre Kontakte "überall" hin gingen, "bis ins Milieu und auch in die höchsten politischen und auch homosexuellen Ebenen". Ferner schrieb die OB-Kandidatin: "Viel Spaß bei ihrem Outing oder soll ich es für Sie tun?"
"Jeder Mensch sollte leben und lieben dürfen, wie er möchte"
Klinge reagierte auf seiner Facebook-Seite offensiv auf die Androhung. "In einer persönlichen Nachricht hat sie mir gedroht, mich als homosexuell zu outen", schrieb er am Montag. "Interessante Drohung. Ich bin der Meinung, jeder Mensch sollte leben und lieben dürfen, wie er möchte. Dieses Recht nehme ich auch für mich in Anspruch." Er könne in der sexuellen Orientierung eines Menschen "überhaupt kein Kriterium dafür sehen, wie gut er oder sie für ein Amt geeignet ist". Für sich selbst habe er nie die Notwendigkeit gesehen, sein Privatleben "ins Schaufenster zu stellen".
Dauerkandidatin Fridi Miller mischt den OB-Wahlkampf in VS mit immer absurderen Manövern auf. Nach ihren diffamierenden…
Gepostet von Marcel Klinge am Montag, 15. Oktober 2018
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Ein Aspekt sei ihm besonders wichtig: "Gerade junge Menschen, die in ihrer Orientierungsphase sind, sollten nicht den Zwang verspüren, sich vor der Öffentlichkeit verstecken oder rechtfertigen zu müssen", so Klinge. "Ich schreibe hier heute nicht nur für mich, sondern möchte zeigen, dass Mobbing, Erpressung, Nötigung und Ausgrenzung egal mit welchem Hintergrund gar nicht gehen und wir alle aufgerufen sind, unsere Stimme dagegen zu erheben." Dazu fügte der Liberale die Hashtags #loveislove und #respect an.

Fridi Miller nahm vor einigen Jahren auch bei Günther Jauchs "Wer wird Millionär" teil (Bild: RTL)
Laut "Südkurier" will Klinge auch Anzeige gegen Miller erstatten, auch wenn er damit das "Geschäftsmodell" der Kandidatin bediene, die bereits wiederholt mit beleidigenden Äußerungen aufgefallen war. Miller hatte sich in der Region mehrfach für OB-Wahlen beworben – und dabei immer wieder Konkurrenten beleidigt und die Wahl nach ihrer Niederlage gerichtlich angefochten.
Erst im Juli drohte sie etwa dem Oberbürgermeister ihrer Heimatstadt Sindelfingen mit dem Tod und rief in einem Video ihre "russischen, polnischen und arabischen Freunde" dazu auf, gegen Rathauschef Bernd Vöhringer vorzugehen. Die Stadt musste daraufhin Bodyguards für Vöhringer engagieren. (dk)















Oder muss ich jetzt meinen Ehemann verleugnen?