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Australien

Homophober Premier verliert nach Sieg von lesbischer Aktivistin Parlamentsmehrheit

In Australien setzt sich eine parteilose Lesbe gegen den Kandidaten der Regierung durch – und beschert dem homophoben Premierminister Scott Morrison damit eine empfindliche Niederlage.


Aktivistin Kerryn Phelps wird eine von 150 Parlamentsabgeordneten in Canberra (Bild: Australian Marriage Equality)

In einer sehr knappen Nachwahl im Speckgürtel von Sydney hat offenbar die lesbische Aktivistin und Ärztin Kerryn Phelps am Wochenende einen Parlamentssitz errungen – damit verliert die australische Regierungskoalition von Premierminister Scott Morrison ihre Mehrheit im Parlament und muss sich auf Stimmen aus der Opposition verlassen. Die Gegenkandidaten haben bereits ihre Niederlage eingeräumt und Phelps zum Sieg gratuliert.

Der Sitz im Wahlkreis Wentworth war freigeworden, weil der frühere Premierminister Malcolm Turnbull im August von seinem Widersacher Scott Morrison aus dem Amt gedrängt wurde und daher auch seinen Parlamentssitz aufgab (queer.de berichtete). In der Wahl konnte Phelps als parteilose Einzelkandidatin offenbar 51 Prozent der Stimmen erzielen, während Dave Sharma, der Kandidat der regierenden "Liberal Party", nur auf 49 Prozent kam (detaillierte Ergebnisse hier). Wegen des knappen Ergebnisses könnte noch eine Nachzählung der Stimmen notwendig werden, was wegen des komplizierten australischen Wahlsystems einige Zeit in Anspruch nehmen könnte. 2016 hatte Turnbull den Wahlkreis für die Liberalen noch mit 68 Prozent gewinnen können.

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Premierminister ist evangelikaler Hardliner

Die Wahl ist auch eine Entscheidung gegen Premier Scott Morrison, der sich als evangelikaler Hardliner als Gegner der Ehe für alle profiliert hatte. Aktivisten befürchten, dass er unter dem Deckmantel der "Religionsfreiheit" LGBTI-Rechte eindämmen möchte.


Scott Morrison ist erst seit August australischer Premierminister (Bild: Scott Morrison MP – ScoMo / facebook)

Phelps setzte sich bereits seit Jahren für LGBTI-Rechte ein. Sie wurde 1999 als erste Frau (und erste Homosexuelle) zur Chefin des Ärzteverbandes gewählt. Die 60-Jährige engagierte sich insbesondere in dem Volksentscheid zur Öffnung der Ehe in der Öffentlichkeit – am Ende stimmten mehr als 60 Prozent der Australier für die Gleichstellung (queer.de berichtete). Zwischen 2016 und 2017 war sie außerdem stellvertrende Bürgermeisterin von Sydney. Sie ist die jüngere Schwester von TV-Moderator und Schauspieler Peter Phelps, der durch Auftritte im US-Surferkultfilm "Gefährliche Brandung" und in der Serie "Baywatch" international bekannt wurde. Bereits 2011 heiratete Phelps ihre langjährige Partnerin in New York und zieht mit ihr eine Tochter groß.

Die Regierung aus "Liberal Party" und "National Party" verfügt nach der Nachwahl nur noch über 75 der 150 Parlamentssitze – damit fehlt eine Stimme zur absoluten Mehrheit. Die sozialdemokratische "Labor Party" hat als größte Oppositionspartei 69 Sitze, die Grünen stellen eine Abgeordnete. Hinzu kommen neben Phelps vier weitere parteilose Abgeordnete. Da Labor und Grüne eine Zusammenarbeit mit der Koalition ablehnen, muss sich die Regierung bei Abstimmungen auf eine der parteilosen Abgeordneten stützen. Premier Morrisson erklärte, er wolle mit wechselnden Mehrheiten die volle Legislaturperiode weiterregieren. Die nächsten Parlamentswahlen müssen bis zum 2. November 2019 stattfinden. (dk)



#1 YannickAnonym
  • 22.10.2018, 15:54h
  • Toll.

    Es muss allen Politikern klar sein, dass man gegen 15% der Bürger nicht anregieren kann und dass man mit LGBTI-feindlicher Politik nur noch in der Opposition landet.
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#2 Patroklos
#3 TheDadProfil
  • 22.10.2018, 22:55hHannover
  • Antwort auf #2 von Patroklos
  • So lange die UNION genügend Verteidiger ihrer Homo-und Transphoben Politik an die Urnen rufen kann, steht sie ja nicht in dieser Gefahr, in der sie sich spätestens seit 1994 befinden müßte, denn seitdem diese UNION gegen die Abschaffung des § 175 opponierte (!) befindet sie sich mindestens in der "inneren Opposition"..

    Was sich Dir als ein solcher Verteidiger wahrscheinlich nicht erschließen dürfte..

    Für die australische Regierung wird es jetzt jedenfalls sehr viel "schwieriger" sein einen Ausweg aus dem Wähler-Votum zu finden, und die Ehe-Öffnung noch im letztem Moment noch einmal "abzubiegen"..

    Jedenfalls für die Zeit, in der die Australier sich dann nicht gleich eine sozialere Regierung wählen..
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#4 Gerlinde24Profil
  • 23.10.2018, 07:19hBerlin
  • Und da sage einer, die Australier sind dumm! Die sind sogar so klug, dass sie ihrem Premier dadurch die rote Karte zeigen.
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