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TV-Tipp

25 Jahre nach Cornelius' Coming-out steht die Exfrau vor der Tür

Die ARD zeigt am Mittwoch das topbesetzte Familiendrama "Das Leben vor mir" über einen schwulen Akademiker, seinen jüngeren Mann und seine 68er-Exfrau, mit der er zwei Kinder hat.


Spannungsreiche Begegnung: Cornelius, Ehemann Frank und Exfrau Julia (Bild: NDR / Marion von der Mehden)

"Manchmal ist Familie wie eine Tombola, die nur Scheiße verlost", wirft die alt gewordene linke Journalistin Julia dem Vater ihrer beiden erwachsenen Kinder an dessen ergrauten Strubbelkopf. Dabei hat die so bissig und selbstgerecht auftretende Frau (Eleonore Weisgerber, "Bist du glücklich") auf den ersten Blick allen Grund, sich zu erregen: Verließ der gut situierte Akademiker Cornelius (zweifacher Grimme-Preisträger Matthias Habich, "Das Gewinnerlos") sie doch vor 25 Jahren, nachdem er seine Homosexualität und seine Liebe zum wesentlich jüngeren Karatelehrer Frank (Stephan Kampwirth, "Gladbeck") entdeckt hatte. Julia ging damals mit Sohn und Tochter in die USA, um die Trennung zu verkraften und in San Francisco bei einem politisch engagierten Blatt Karriere zu machen.

Am Ende aber beruflich und menschlich gescheitert, pleite und vermutlich todkrank kehrt sie nun zurück nach Hamburg und begehrt Unterschlupf im früheren gemeinsamen Haus, in dem die Eheleute Cornelius und Frank gerade stilvoll ihr Jubiläum begehen wollen. Noch deutlich komplexer, als es hier erscheint, geraten die Beziehungs- und Familienthemen im Laufe des Fernsehdramas "Das Leben vor mir".

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Tiefe Verletzungen, die nie besprochen wurden

Inszeniert von Regisseurin Anna Justice ("Harrys Insel") nach dem Drehbuch von Sathyan Ramesh ("Kein Herz für Inder"), zeigt es die ARD an diesem Mittwoch, den 24. Oktober um 20.15 Uhr. Dabei ist die Produktion nicht nur in den Hauptrollen topbesetzt – etwa auch mit Maren Eggert als Tochter Natascha und Florian Panzner als Sohn Abel.

Da schwerwiegende Verletzungen von den Betroffenen nie wirklich besprochen worden sind und somit seit Jahr und Tag in ihren Seelen gären, lässt die unerwartete Konfrontation Julias mit ihrem Ex ein ohnehin brüchiges Kartenhaus erst einmal Zusammenkrachen.

Die Homosexualität von Cornelius ist dabei keineswegs das (Haupt-)Problem. Die standesamtlich besiegelte Liebesbeziehung zwischen Cornelius und Frank wird vielmehr als zärtlich, unspektakulär, also völlig normal behandelt. "Conny" hätte sich vor 25 Jahren genauso gut in eine andere Frau verlieben können. Abgründig erscheinen die Verhältnisse schon eher aufgrund des Weltbilds der eingefleischten 68erin Julia, die mit Cornelius ohne Ehering zusammenlebt hatte.


Die Konfrontation mit seinem früheren Leben erschüttert Cornelius' jetziges Dasein (Foto: NDR / Marion von der Mehden)

"Man muss dabei gewesen sein. In der Zeit ging es wirklich um ganz andere Dinge. Politik war mindestens so wichtig wie Familie – manchmal eben wichtiger", erklärt die Rebellin, die ihre Mähne immer noch offen trägt, dem eigentlich ausgeglichenen Frank, den ihre Anwesenheit zusehends aus dem emotionalen Takt bringt. Ihre Kinder überließ Julia nach einem Jahr in den Staaten wieder deren Vater, weil sie sich bei ihr nicht wohlfühlten. Später kam es zwischen Mutter und Tochter zu einem regelrechten Vertrauensbruch.

Intelligente Dialoge sorgen für Versöhnlichkeit

Doch natürlich ist auch der im Kern fürsorgliche Cornelius nicht frei von Unterlassungssünden: Die Telefonnummer seines in kriminelle Verhältnisse abgerutschten Sohns hat er nicht mehr – und nach Jahren gefühlter Vernachlässigung will seine depressive, in unglücklicher Ehe lebende Tochter ebenfalls von ihm nichts wissen.

Dennoch ist es keine Plackerei, dem in oft eisgrauen Bildern aufgenommenen Drama zuzuschauen. Das liegt zum einen an den souveränen Leistungen der Darsteller, unter denen Weisgerber mit ihrer minuziösen Charakterstudie einer nicht unbedingt sympathischen, aber vielschichtigen Frau noch einmal herausragt.

Zum anderen sorgen intelligent geschriebene Dialoge für eine gewisse schwebende Leichtigkeit, am Ende für Güte und Versöhnlichkeit. So macht die "Mücke" genannte Tochter ihrem Vater, der sie und ihre Kinder nach langer Zeit in ihrer tristen Umgebung aufsucht, keine langatmigen Vorwürfe, sondern sagt einfach: "Du warst da. Aber du warst verliebt – in dein neues Leben."



#1 IckGlotzKeenTVAnonym
  • 23.10.2018, 12:58h
  • Uralt-68er Thematik für das Ü65 Publikum der ARD.

    Und natürlich hochsubventioniert und zur besten Sendezeit.

    Aktuelle LGBTIQ*-Themen junger Menschen hingegen werden auf den Dritten nach 23 Uhr versteckt aus dem Schrank geholt.

    Dieser kleinbürgerliche Mief ist zum Kotzen.

    Und als "topbesetzt" kann man die Darstellerriege wohl nur im Rahmen treudeutscher Öffentlich-Rechtlicher finden.
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#2 Homonklin44Profil
  • 23.10.2018, 14:47hTauroa Point
  • Antwort auf #1 von IckGlotzKeenTV
  • Hm ja, nicht nur junge LGBTIQ* haben Themen. Vielleicht geht es ja mehr um die Frage, warum Bisexualität immer noch so oft unter dem Begriff Homosexualität versteckt oder mit reingekehrt wird, und so auch diese Zuschauerschichten von hinterm Wald mal mit Nachdenklichkeit anregen möge.
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#3 QuietschAnonym
#4 Patroklos
#5 remixbeb
#6 Gerlinde24Profil
  • 24.10.2018, 00:57hBerlin
  • Antwort auf #1 von IckGlotzKeenTV
  • Manchmal zeigen die ÖRP auch was für junge Spunde, meist, und da gebe ich Dir Recht, für Oldies wie mich. Und meist ist es heterosexuell, weil man die als Zuschauer/Werbekunden nicht verprellen will. Und Rhemen der LGBTIQ-Bewegung sind eh Mangelware. Ich hatte mal ein Drehbuch dem ÖRS angeboten. Die wollten die transsexuelle Hauptfigur, doch tatsächlich unter den Tisch kehren, und daraus einen normalen heterosexuellen Mann mit Geheimnis (noch unwissentlich verheiratet) machen, was meine ganze Geschichte (Thematik Transsexualität und Liebe) über den Haufen warf. Ich war nicht bereit, mich der Zwangsheterosexualität unterzuordnen, und zog mein Drehbuch zurück.
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#7 Gerlinde24Profil
  • 24.10.2018, 01:00hBerlin
  • Antwort auf #2 von Homonklin44
  • Ich weiß nicht, wie die Story aufgebaut ist, aber viele schwule Männer und lesbischen Frauen, die im Nachkriegsdeutschland geboren wurden, oder sehr jung waren, haben wegen dem "Adenauer-Mief" der fünfziger und sechziger Jahre nie gewagt, sich zu outen, und lieber geheiratet, um den Normen von Familie, Kirche und Gesellschaft zu entsprechen. So war es auch bei mir.
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#8 Patroklos
  • 24.10.2018, 08:16h
  • Antwort auf #6 von Gerlinde24
  • Vielleicht schaut er oder sie ja heimlich die Filme, die auf Bücher von Rosamunde Pilcher oder Utta Daniella beruhen, im ZDF an und will es nur nicht zugeben. Deshalb wird erst einmal kräftig gelästert über einen Film, der erst noch gesendet wird.
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#9 IckGlotzKeenTVAnonym
  • 24.10.2018, 09:36h
  • Antwort auf #4 von Patroklos
  • Mitnichten unbedeutende Filme auf unbedeutenden Sendern. Siehst du mal hier, was ich meine mit nach 23 Uhr und so:

    bit.ly/2D1bsHD

    Etwas zu bemängeln, heißt ja nicht, es verbieten zu wollen. Natürlich sollst du deine Ü65 Sendung zu einer Zeit schauen können, die deiner senilen Bettflucht nicht im Wege steht. Aber so tickt ihr alten AfD-Typen halt: unterstellen, hetzen, dumm rumpöbeln, von nix ne Ahnung haben.
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#10 niccinicciAnonym
  • 24.10.2018, 10:33h
  • selten so etwas dummes, unsachliches und beleidigendes gelesen wie von ickglotzkeentv. soviel zu bildungsferne schichten. da scheint wenig reflexion und tiefgang.
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